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zu stehen, fest wie die Apostel vor dem jüdischen Gerichtshöfe und wie Luther vor dem Reichstag, die uns die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit unseres Lebens vor Rügen führt und uns mahnt, zu wirken, so lange es Tag ist, ehe die Nacht kommt, da niemand wirken kann.
Lieber Leser, noch wandelst du im rosigen Lichte, und die Gelegenheit ist dir gegeben, dich Jesu, der sein alles aus Liebe für dich gab, dankbar und treu zu erzeigen, indem du durch ein auf den bald wieder stattfindenden Nlissionsfesten dargebrachtes Opfer für die Mission dich der Heiden erbarmst. Darum säume nicht und nütze die Stunde, die nicht wiederkehrt. Wirke auch in deiner Umgebung, bei Ungehörigen, bei Hausgenossen und Freunden treu und ohne Unterlaß für die heilige Sache der Mission. Was du so aus reinem Triebe für Jesum getan hast, wird ihm ein untrügliches Merkmal sein, dich zu erkennen, wenn du in der Blüte deiner Jahre oder von der höhe des Rlters dich zum letzten bittersten Gang durch das dunkelste aller Täler, durch das Todestal, anschickst. hast du ihm Glauben Und Treue gehalten, bist du ihm nachgefolgt, indem du in die geängstigten Herzen der Rermsten dieser Welt die Ueberzeugung senken halfest, daß in Jesus Thristus eine Rettung für sie da ist, dann wird er dir in deiner bangen Stunde die Hand reichen und dich aus des Grabes Nacht sicher führen zum seligen Ende in seines treuen Vaters Haus.
Sine oberhessische Landstadt in der napoleonischenZeit.
von pfarrassistent Hugo heymann in Mainz.
(Schluß.)
Zur vezahlung all dieser Rosten und zur Rufbringung der hohen Rriegskontributionen nahm die Stadt ein Rapital von 6000 fl. auf. Rber auch das reichte nicht, so daß die weisen Stadtväter in große Bedrängnis gerieten. Da schickten sie den ersten Pfarrer und Inspektor Ebel in da; Hauptquartier des russischen Generals von Wittgenstein nach Friedberg, der sollte um Linderung nachsuchen. Db es etwas geholfen hat, wird uns nicht berichtet. Jedenfalls dauern die Lieferungen an die durchziehenden Truppen ununterbrochen fort.
Besonders die Schmiede, Weber und Schuhmacher hatten alle Hände voll Rrbeit. Denn die Heere hatten den mühseligen Feldzug hinter sich: das Fuhrwerk war in denkbar ungünstigem Zustand, die Rlqider und Schuhe hingen den Rriegern in Fetzen vom Leib.
Darum war der halt, den es um die Jahreswende gab, sehr erwünscht, da konnte man die Ranonen und Bagagewagen in fahrbaren Zustand versetzen lassen und konnte sich neu einkleiden. Darum saßen die Schuster Tag und Nacht auf ihren Dreifüßen hinter der Glaskugel, verließen die Schneider ihre Hölle überhaupt nicht mehr. Die Feueressen der Schmiede erkalteten nie,- denn die Russen standen dahinter und drängten. „Denen russischen donischen Rdollerie-Schmieden" war man nicht sehr gewogen, denn das war ein unangenehm anmaßendes Volk.
vor allen Dingen aber hatten diese Freiheitskämpfer ungemein durstige Rehlen! Und da zeichneten sich vor allen aus durch Trunkfestigkeit nicht die Russen, wenn die ihren Wutki hatten, waren sie zufrieden: nein, die Deutschen, und zwar kurhessische Truppen. Der Wirt Johannes Jäkel stellt ihnen eine Rechnung aus über folgende Getränken 100 I. Branntwein, 640 I. Bier das kostet 54 fl. Man konnte sich
also in jener guten alten Zeit für sehr billiges Geld sehr viel Rlkohol zuführen.
Rber auch diese guten Tage der Soldaten und damit die Drangsalstage der Grünberger Bürger nahmen ein Ende, als im Januar 1814 die Marschbefehle eintrafen und es nun zu dem harten Winterfeldzug nach Frankreich ging. Rllerdings nahmen besonders die Russen bei ihrem Rbzug alles mögliche mit, was ihnen begehrenswert schien, vor allen Dingen wurden Pferde requiriert. Raspar Jäckel, Ronrad Hofmann und Johannes Zöcklers Witwe sahen ihre Pferde nie wieder. Sie gingen unterwegs ein, und für die Roßhaut wurden ihnen großmütigst je 4 fl. vergütet.
Etwa ein Vierteljahr lang, von ungefähr Februar bis Juni 1814, hatte die Bürgerschaft Ruhe vor den unliebsamen Gästen, durch die man seit Ende Oktober in Rngst gehalten war.
Rber diese Freude währte nicht lange: schon bald begann die rückläufige Bewegung, die Rückkehr der siegreichen Rrieger, die die Freiheit errungen hatten, nach dem ersten pariser Frieden. Durch Grünberg zogen außer den alten Gästen, den Russen und Preußen, vor allen Dingen Sachsen, die ja nach der Leipziger Schlacht sich auch den Verbündeten angeschlossen hatten. Ls wiederholen sich alle die Bedrängnisse und Nöte, die den Bürgern leider schon allzu bekannt waren, wie wir sie in all den Jahren seit 1806 kennen gelernt haben. Das Wachtkommando der Russen befand sich diesmal bei Henrich Flick in der Raabegasse. Das ganze Haus wurde aber von ihnen demoliert, es war nichts mehr heil, als sie abzogen. Selbst die Bettstelle hatten die Rosaken zerschlagen. Der Rosak von der Steppe des Don oder den Ufern der Wolga wußte eben mit der Rulturerrungenschaft, die wir „Bett" nennen, nichts besseres anzufangen. Darum mußte die Stadt dem tiefbetrübten Henrich Flick eine neue Bettlade machen lassen, daß er sich wieder geruhsam auf seiner Liegerstatt niederlassen konnte. Die Russen kannten nur wenige deutsche Worte, hauptsächlich solche, die sich auf Essen und Trinken bezogen. Damit man sich nun mit ihnen verständlich machen konnte, wurde genau wie im Vorjahre auch der Waldschütz Daniel Lein als Dolmetsch und Sprach- meister engagiert. Tr stammte nicht von hier. Wie er zu der Renntnir der russischen Sprache gekommen ist, habe ich nicht ausmachen können: vielleicht auf der Wanderschaft.
Sm „Hirsch" logierte General Graf platow, vielleicht ist damit der tolle platen gemeint: das war ein Feinschmecker, denn auf seine Tafel muß eine fette Gans geliefert werden. Bei Johannes hoffmann in Rrone logieren russische und sächsische Offiziere. Wieviel Soldaten zuzeiten hier waren, geht aus der Tatsache hervor, daß der Wirt Ronrad Zöckler auf einen Schlag 77 Russen beherbergen und verköstigen muß. Sm „Hirsch" bei Gastwirt Jakob heerz lag der russische Rom- mandeur im Ouartier: sein Name ist unbekannt.
Der Stadtdiener Ehristoph Hartmann muß während dieser Durchzüge, also im Juni und Juli, Tag und Nacht auf dem Rathaus und überall bei der Hand sein. Wieder gibt es verwundete zu transportieren, und zwar werden diesmal Ruhfuhrwerke bevorzugt, da die Rühe eine ruhigere Gangart haben als Pferde. Ruch waren alle Pferdegespanne bereits anderweit besetzt. Wieder verschwanden einige Pferde auf Nimmerwiedersehen, so das des Johannes Neeb und des Friedrich Franz. Eine Rnzahl verwundeter sind im hiesigen Lazarett, also in der alten Schule, gestorben und auf dem Rirchhof beerdigt. Eine leidige Folge des beständigen Wechsels von fremden Pferden und anderem Vieh war eine Seuche,


