Ausgabe 
5.7.1914
 
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den ITiijjionsjtationen, oft auf Händen und Füßen kriechend, um entkräftet zufammenzubrechen und Hungers zu sterben.

Me bereits erwähnt, steht den Häuptlingen durch die Ueberlieferung eine uneingeschränkte Herrschaft über ihre Untertanen zu, die sie in der ruchlosesten weise zu ihrem Vor­teil ausnuhen. Ist z. B. das Futter für die Jagdhunde des Häuptlings verzehrt, so werden diese durch die Unechte vor das Dorf geführt und auf die erste beste Viehherde einer Dorfeingesessenen losgelassen, die sie je nach der Unzahl der Tiere teilweise oder ganz erwürgen und zerreißen, ©ft wer­den so einem geringen wann sämtliche Ziegen und Schafe getötet. Lautlos sieht der Arme den herben Verlust an, denn er weiß, ein Wort des Tadels oder der Verwünschung würde dem Stammeshaupt genügen, alsbald das Todesurteil über ihn auszusprechen,' noch ehe die Lonne hinabsänke, wäre der wann erschlagen.

Bei den wilden herrscht die Vielehe. Der Frauen Los ist hart, sie besorgen die Garten- und Feldwirtschaft, das Linernten und Stampfen des Uornes, Arbeit und schlechte Be­handlung seitens des wannes wartet ihrer. Läßt der leicht in Erregung geratene Mlde seine Wut an einem Weibe aus und schlägt sie hierbei zum Urüppel oder gar tot, so küm­mert sich niemand darum, der wann kann mit seinen Wei­bern verfahren, wie er will. Es kommt auch vor, daß die kräftigere der Frauen eines Tages in Abwesenheit des Ehe­mannes über die ahnungslosen Nebenfrauen herfällt und sie alle ermordet, vergebliche Bluttat! Denn der wilde, der die Frauen hauptsächlich der Arbeit halber nimmt, sorgt schleu­nigst für Ersatz, der seinerseits nicht ruht, als bis die Mör- derin aus der Welt geschafft ist. Unter Furcht vor wenschen und bösen Geistern, Hilflosigkeit in Krankheiten, Ausbeutung durch Zauberer, Uechtlosigkeit dem Häuptling gegenüber, Totschlag und Totgeschlagenwerden spielt sich das Leben der wilden ab, deren Wohnsitze fernab von den Weißen liegen. Der Herr erbarme sich ihrer ferner und fördere das Werk der Heidenmission immer mehr, er gebe, daß, wenn die weißen sich den Heiden nahen, dies ohne Zufuhr des die Gesundheit zerstörenden Schnapses geschieht. Nicht gering ist die Zahl der bekannten Fälle, daß nach der Ankunft größerer Wengen Alkohols sämtliche Dorfbewohner, groß und klein, wann und Weib sinnlos betrunken auf den Versammlungs- Plätzen, vor den Hütten und auf wegen wie Tiere tagelang herumlagen. Darum dürfen wir wissionsfreunde nicht ruhen, als bis wir den Erlaß des Verbotes der Einfuhr größerer Mengen Alkohols in die Heidenländer und die peinlich genaue Durchführung dieses Schutzverbotes durchgesetzt haben werden.

wir stehen tief erschüttert dem Elend und der Nacht des Heidentums gegenüber. Aber wir wissen auch, daß das Wort Gottes die Finsternis des Heidentums zu durchleuchten ver­mag. Ergreifend ist die Neue solcher, in deren Seele dank der wühen der Missionare ein Strahl himmlischen Lichtes fiel. Lin alter, als grausamer Mörder bekannter Häuptling fühlte den Tod herannahen und ließ den seit mehreren Iahren im Dorfe für das Neich Gottes arbeitenden Missio­nar rufen. Vas Wort Gottes war spät zu ihm gedrungen, wohl hatte ihm der Missionar viel von Jehova und Jesu Thristo erzählt, er hatte auch die predigten und Gebete mit seinen Untertanen oft gehört, aber bei seinem Alter und unter der Nückwirkung der jahrzehntelang rücksichtslos durchgeführten Herrschaft war es ihm nicht möglich geworden, sich entschieden vom Heidentum loszusagen und ein Ehrist zu werden. Nun es ans Sterben ging, war ihm bange.Bitte Gott, daß er mir meine Sünden vergibt," sprach er zum Mis­

sionarwas quält dich denn besonders?" fragte dieser. Schweigend verharrte der Alte.Soll ich dir sagen, was dich jetzt so schwer drückt?" fährt der Missionar fort,wie viele unschuldige Menschen hast du während deiner langen Negie- rungszeit, deines Geizes, deiner Unbarmherzigkeit, deiner Mordlust halber erwürgen, vergiften und totschlagen lassen? Kannst du sie zählen?"Ich mag so etwas nicht hören," erwidert der Sterbende endlich,aber bete mit mir, daß Je­sus mir alle meine Sünden vergibt, wenn ich nun sterbe und er mich im Jenseits sieht! Mr armen Heiden haben in der Nacht gelebt und nicht gewußt, daß wir Sünde be­gingen. weshalb bist du nicht früher gekommen? Bete nun, daß ich nicht verloren bin." Und der Missionar kniete vor dem Lager des Kranken nieder, faßte dessen Hände und be­fahl die um ihr heil ringende Seele dem, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.

(Schluß folgt.)

Sin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

l0.

In der Nllckerinnerung gleiten die nächsten Jahre rasch an mir vorüber. In der Zeit bis zu mejnem neunzehnten Lebensjahre hat sich nichts zugetragen, das besonders be­merkenswert gewesen wäre. Ich wuchs in dieser Zeit zu einem großen, starkknochigen Jünglinge heran und fühlte mich von Sorgen nicht beschwert. In jedem Jahre ging ich, sobald das Feld vom Schnee frei war, mit meiner Kapelle auf die Musikantenfahrt und kam erst im Spätherbste, wenn die Stürme der Tag- und Nachtgleiche durch das Land brausten, wieder zurück. Unser Meister war gut und gerecht, so daß die alten Mitglieder der Kapelle treu blieben. Ich war sparsam und brachte jedesmal, wenn ich wieder von der Reife zurückkam, einen wohlgefüllten Geldbeutel mit. Auch im Winter lag ich nicht auf der faulen haut, ich suchte mir Arbeit im Walde, half besonders beim Holzfällen und beim Anlegen neuer Wege. Diese Arbeit wurde mir immer im Anfang recht sauer,' denn die Hände, die so viele Monate hin­durch nur die Trompete gehalten hatten, waren so zart wie die Hände einer Näherin, und es gab Blasen genug, wenn ich den Tag über die Axt oder die Schippe handhabte. Aber ich dachte, wenn mir dieses Geschäft nicht gefiel, immer an meinen Vater, der bis an sein Lebensende so fleißig gearbeitet und für seine Familie gesorgt und sogar bei der Arbeit seinen Tod gefunden hatte. Sonntags musizierte ich öfters mit meiner Kapelle, wir gingen bis nach Kaiserslautern und Kreuznach und spielten bei den Bällen und Festlichkeiten, die die Ver­eine veranstalteten.

In diesen Jahren hat es unsere treue Mutter gut ge­habt, sie wohnte mit mir und meinem Bruder Fritz zusammen, und wir beide waren fleißig und brachten Geld in das Haus. Fritz war ganz in die Fußtapfen des Vaters getreten, er be­wirtschaftete unser Ackergut und suchte nebenher durch Tage­lohn noch zu verdienen. Daß er nur ein halbes Jahr beim Train zu Speyer hatte dienen müssen, war der Mutter sehr erwünscht gewesen, hätte sie den ältesten Sohn drei Jahre lang weggeben müssen, so wäre es mit der Feldarbeit schlecht gegangen und ich hätte das Musikmachen aufgeben müssen,