Ausgabe 
5.7.1914
 
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wesen ist. Teile seines Armeekorps haben hier genächtigt,' aber beweisen läßt sich das nicht,' denn es ist uns keinerlei Nachricht darüber erhalten. Rn das Blücherlager im Nammerwald glaube ich nicht. Die Verfolger Napoleons hatten Tile und warfen keine Lagergräben auf. Die Schanzreste am Nammer- wald werden aus dem siebenjährigen Nrieg stammen, es finden sich ja auch sonst noch in unserer Gemarkung Schanzreste aus jener Zeit. Die Rnwesenheit der Befreier Deutschlands, vor allen Dingen der Nüssen, verursachte aber unseren Vorfahren eine schwere Zeit der Bedrängnis. vor allem die Nosaken be­nahmen sich nicht anders, als wären sie in Feindesland. Sie waren eben halbwilde varbaren. Rlles, was nicht rand- und band-, niet- und nagelfest war, hießen sie mitgehen. Sogar ihre pfeifen kapften sie sich auf städtische Nosten. vei Rent- amtmann Stammler wohnte längere Zeit der russische General­wagenmeister, der also wohl die richtige veförderung der Ba- gage überwachte. Tr liebte einen guten Trunk, und darum mußte ihm täglich ein Schoppen Rrrak auf städtische Nosten gereicht werden. Eine große Zahl verwundeter lag in den Häusern, auf der oberen Ziegelhütte bei Johannes Seitz einige Preußen. Sn vürgerquartieren waren manche untergebracht. So ein freiwilliger Jäger vom porckschen Norps, Namens Friedrich Wilhelm Verein, dem täglich ein Schoppen Wein ge­geben wurde, damit seine Nräfte wieder auf den Damm Kamen. Lin Leutnant von Wallenstein ließ es sich imWilden Wann" wohl sein,' er gehörte zum RrmeeKorp; Blüchers. Da die Stadt überfüllt war, kampierten die Nüssen in der Lehmen- kaute. Für alles eßbare Viehzeug war damals schwere Zeit,' denn unter ihnen wurde ein großes Worden angerichtet. Be­sonders übel waren die Schafe daran. Die Russen scheinen große Liebhaber des Hammelfleisches gewesen zu sein. Zahl­lose Schafe wurden zur Schlachtbank geführt und auf dem Nltar des Vaterlandes geopfert, denn die Nosakenmägen waren unersättlich. Der Schäfer aber stand klagend bei seiner klein gewordenen Herde.

Der Prinz Narl von Wecklenburg-Strelitz dagegen, der längere Zeit hier weilte, war ein Liebhaber von Gchsenfleisch. Sein Nüchenzettel, den Wartin Zöckler zu liefern hatte, ist uns erhalten geblieben,' er bestand in folgendem: 40 Pfund Gchsenfleisch, 20 Pfund Hammelfleisch, 20 Pfund Nalbfleisch, 6 Pfund Spickspeck, 14 pfd. dürre Schinken, 4 Stück dürre Ochsenzungen, l5 Pfund Wurst. Für all diese Eßwaren erhält der Wehger sage und schreibe ly fl.!! Lr wird zu dieser fürstlichen" Bezahlung ein sehr langes Gesicht gemacht haben. Bei Johann Nonrad Heidt kantonierten Nurhessen, die alle Wurst verzehrten, die sie vorfanden. Die Stadt mußte die Rech­nung begleichen!

(Schluß folgt.)

von der Nacht des Heidentums.

von R. Lollmar in Lassel.

(Fortsetzung.)

Der zur Verbreitung christlicher Erkenntnis in Namerun befindliche Missionar Hofmeister schrieb im vorigen Fahre: Im Banne des Zauberglaubens stehen die heidnischen Völker von Rfrika bis nach Rustralien. Die Wurzel des Zauber­glaubens ist die Vorstellung, daß plötzlich eintretende Lreig- nisse, seien es Nrankheit, Tod oder Naturereignisse, von einem bösen Willen herrühren, dem eine andere Macht entgegenge­stellt werden muß: der Gegenzauber. So ist Zauber und Ge­genzauber ein steter Nampf, ein fortwährender Vernichtungs­krieg der Heiden untereinander.

Die am meisten vorkommenden Nrankheiten sind Fieber­krankheiten, die Malaria, Tholera, Russatz und Schlafkrank­heit, welchen die Eingeborenen reihenweis erliegen. Zahlreich sind die durch Stoß, Schlag, auf den schlechten Wegen im Busch, durch Schlangenbisse verursachten Wunden,' da diese nicht reingehalten, sondern oft mit Ruß bestreut oder mit grünen Blättern belegt werden, so entstehen vielfach Eite­rungen, die Sehnen und Nnochen bloßlegen und beim Mangel ärztlicher Hilfe meist ein Rbfallen des Gliedes zur Folge ha­ben. Die Missionsschwester Mathilde Schütte! schreibt aus Namerun, daß sie beim Rufsuchen der Eingeborenen in den Hütten neben dem qualmenden Feuer eine junge Mutter lie­gen sah, deren neugeborenes Nind ein achtjähriges Mädchen auf dem Schoße hielt, so wie e; geboren war. Mit Schrecken sah sie, daß man dem eben geborenen Ninde mit Schere oder Messer vier Schnitte auf der Brust beigebracht hatte, damit nicht böse Geister von ihm Besitz nähmen. Die Hütte war von Rauch erfüllt, den Tag über wurde sie vom räu­digen Hunde, von Ziegen und Schafen betreten, Hühner und Enten nisteten in den Ecken, und ein Schwein machte sich am herdfeuer zu schaffen und beschnüffelte den Nochtopf. Liebe Leserin, vergegenwärtige dir die sauerstoffarme, mit widerlichen Gerüchen erfüllte Luft in der Hütte, die Um­gebung der Wöchnerin und dann deren geistige Rrmut, denn ihr erstes Gefühl nach der Geburt des Nindes war nicht Freude, sondern Furcht vor bösen Geistern, in welcher sie zum Messer griff und das neugeborene Nind verwundete. Jammer, Elend und Finsternis treten uns entgegen, wo wir die Heiden in ihrem Tun erblicken.

Nicht nur Missionare, Prediger, haben wir auszusen- dcn, auch Missionrärzte sollen den ersteren zur erfolgreichen Rusgestaltung ihrer Tätigkeit auf den Missionsstationen zur Verfügung stehen, hierin ist Gott sei Dank, auch soweit un­sere Nolonien in Betracht kommen, ein guter Rnfang ge­macht, auf vielen Rrbeitsfeldern befinden sich Rerzte, welche die Missionare in ihrer anstrengenden Rrbeit entlasten. Denn die Missionare werden von den vielen Nranken und Nrüppeln über ihre Nräfte in Rnspruch genommen und so ihrem eigent­lichen Berufe im Laufe des Tages für zu viele Stunden ent­zogen. Die draußen im Dienste des Herrn mit voller Hin­gabe tätigen Missionare brechen oft an den übergroßen Rn- strcngungen zusammen, so daß sie eine leichte Beute des tod­bringenden Fiebers werden. Sie liegen in den Friedhöfen der Missionsstationen, dahingerafft in der Nraft ihrer Fahre, nach oft nur kurzer Wirksamkeit unter den Heiden. Daher gehen die Missionsanstalten zum Bau von Erholungsheimen in den Heidenländern über, damit die im aufregenden Dienste erkrankten Missionare und erschöpften Missionsschwestern da­selbst ihre Gesundheit wiederherzustellen Gelegenheit haben.

Eine Zeit bitterer Not bricht über die fern von Eisen­bahnen und Flüssen im Innern des Landes wohnenden Hei­den herein, wenn der Regen ausbleibt und die ihre Strahlen senkrecht auf die Felder herniedersendende Sonne eine Glüh­hitze verursacht, Unter deren sengender Wirkung die Gemüse und Saaten vertrocknen, oder wenn Heuschreckenschwärme die eben noch grüne Flur in wenigen Stunden in eine Wüste verwandeln. Für die Eingeborenen bedeutet der Eintritt dieser Ereignisse die Hungersnot. Bald stehen sie, sich rettungs­los ohne Hilfe wissend, weil auch das Wild in dem infolge der Dürre oder durch den Heuschreckenfraß laubarmen Wald sich verzogen hat oder eingegangen ist, hohlwangig da; mit verzerrten Gesichtszügen, Mit aufgetriebenem Leibe, dem Vorboten nahenden Todes, schleppen sie sich von weit her zu