Ausgabe 
5.7.1914
 
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und in den Gründen erfreute der klnblick frischen Wassers. Je tiefer wir zwischen den rechts und links zu l400 und l000 Meter hohen Bergen eindrangen, desto enger und male­rischer wurde das Tal. Das kann sich getrost den schönsten Bahnen, etwa dem Semmering und der Lchwarzwaldbahn, an die Beite stellen. Der Mangel an Wald wird in Griechenland durch das herrliche Licht ausgeglichen. Man freute sich über die herrlichen Schluchten, die frischen Wasser, die von beiden Beiten dem Bahntal zuströmten. Bus der höhe erreichten wir die Tal­kessel von Rchladokampor, rings eingeschlossen von hohen Ber­gen, dem Ntenia und dem parthemai. hier beginnt der Glanz­punkt der Bahn. In einem Bogen von 10 Kilometern legt sie eine Entfernung von 2 Kilometern in Luftlinie zurück. Bus einer Btrecke von I Kilometer überschreitet sie 3 Viadukte, von denen einer 250 m lang und 70 m hoch ist. Rn der Breit­seite des massigen parthenion fl200 m) sehen wir die schmale Linie, auf welcher die Ruffahrt vor sich gehen sollte. Ein Belgier stieg ein, ein Mann, der am Tisenbahnbau beteiligt war. Er gab uns mancherlei Aufschluß. (Oben am Berge thronte Rchladokampos d. h. Bienenfeld unter grünen Frucht- bäumen, dessen most konorubls, wie Bhakespeare die Mör­der des Täsar bezeichnet, dessen höchst ehrenwerte Bewohner der Bahn über 1000 Bchwellen und andere nützliche Dinge gestohlen hatten, weshalb ihr Grt von den Belgiern Nlephto- kampos und von den Italienern Ladrocampo, d. h. Spitz- bubenfeld, umbenannt worden sei. Wir fuhren hinter diesem rühmlichen Grt langsam an der rechten Beite des Tals berg­an über den kirchturmhohen Lieg, der den Bach überbrückt, durch dessen Tal wir von Mpli an gefahren waren und der hier durch eine großartige Schlucht in die Talmulde von klch­ladokampos eintritt. Noch lange Zeit hatten wir den Blick in die Talmulde. Der Weg, den wir zwischen den Bergen zu- rllckgelegt hatten, ließ sich wie eine leichte Furche in der Ge- birgsmasse verfolgen, herrlich war auf dieser Fahrt das klbendlicht. Einzelne malerische Dörfer wurden berührt oder zur Beite gelassen. Endlich mit Dunkelwerden war die höhe erreicht. Große Bewegung ist auf der Station, Militär steigt ein. Die Leute stehlen in der Nacht sogar die Schwellen vom Bahnkörper, es ist ein förmlicher Kleinkrieg gegen die Eisenbahn. Nun gings etwas bergab, und es ist nichts mehr zu sehen. Man merkt, man ist auf einem Hochplateau, die Luft ist empfindlich kühl. Wir kommen nach Tripolitza. Der Belgier hat uns auf den Empfang dort vorbereitet. Eine schwarze dichtgedrängte Menschenmenge steht dort, keine Beleuchtung außer dem unsicheren Licht der Wagen. Wie die Naben stürzen sich die dienstfertigen Geister auf unser Gepäck, wir lassen aber niemand daran kommen und bahnen uns mit gespitzten Ellen­bogen den Weg durch die Menge. Ein Nutscher will sich uns aufdrängen, der Hotelier habe ihn geschickt. Wir wollen nichts von ihm wissen. Ein Junge nimmt sich unserer Bachen an. Ein Gktroibeamter erscheint und will unsere Sachen sehen. Ich werde grob: Wir handeln nicht mit Reis und Zucker. Er wollte ins Hotel Nachkommen, ist aber nicht gekommen. Ein warmer Händedruck hätte ihn sonst auch befriedigen müssen. In rasen­der Fahrt jagen wir durch die Straßen, die nur von den Maga­zinen her ihr Licht empfangen. Die Btadt dehnt sich lang aus, es dauerte lange, ehe wir vor dem Hotel zur Nrone hielten. Der Wirt bewillkommnete uns, man hatte uns ohne unser wissen schon von Nauplia angemeldet.

Um 4 Uhr am nächsten Morgen sollten wir fort. Wir wurden in freundliche Zimmer geführt. Dann aßen wir unten ein sehr schmackhaftes Nbendbrot und tranken vorzüglichen Wein. Mit leisem Zagen ging es ins Bett, und bald schliefen

wir alle. Die Reiseuuruhe brachte uns jedoch schon um 3 Uhr auf die Leine und einer von den sächsischen Reisegefährten begann dann die Wanzenjagd und setzte jedes dieser liebens­würdig-anhänglichen Tierchen einzeln an die frische Morgen­luft. Nun sah sich natürlich jeder von uns sein Bett an und machte interessante Entdeckungen. Das gehört eben zum Grient, zur Levante, von der es ein boshaftes Derschen etwa des In­halts gibt:

Wer nie sein Brot mit Unschlitt,

Wer nie im Bett den Schirm aufspannte,

Wer nie die Wanze lebend fraß,

Der kennt dich nicht, du göttliche Levante.

Bei der Nammerjägerei wurde man munter. Unwille und Heiterkeit gaben eine gute Morgenstimmung. Der Naffee wurde aufgetragen, und unser Zahlmeister untersuchte noch einmal die bereits am Rbend im voraus bezahlte Rechnung. Man hatte uns wirklich den nicht benutzten Wagen mit vier Drachmen angekreidet, dem Jungen hatten wir l'/s bezahlt. Da wurde denn der Wirt noch um Va4 Uhr aus dem Bett ge­holt und mußte unter Entschuldigungen noch die 4 Drachmen ausliefern.

Wir bestiegen unsere Pferde. Es war ein wundervoller Ritt in der Dämmerung und in der frischen Morgenluft aus der Stadt hinaus, den Bergen zu. Es wurde Heller. Die Berge bekamen ein geheimnisvolles Licht. Sie sehen in Griechenland immer morgens so feierlich aus. Man versteht und fühlt die homerische Rede von der heiligen Morgenfrühe. Es war einem auch feierlich zu Mut. Um 5 Uhr läuteten die Glocken von Tripolitzä, es ist ja Sonntag. Die griechische Nirche steht noch früher auf als die katholische. Wir waren bereits hoch über dem selbst über 663 m hoch gelegenen Tripolis, das mitten in einer großen Ebene liegt, auf welche schöne Berge herab­blicken. Weiße Landstraßen durchkreuzen die Hochebene, ver­einigen sich in diesem Herzblatt des Peloponnes. In dieser Hoch­ebene lagen einst zwei bedeutende Städte, Tagea und Manti- nea, die beide verschwunden sind. Das Gebiet der letzteren, bekannt durch Sieg und Tod des Epaminondas 362 v. Ehr., ist größtenteils versumpft. Tripolitzä ((Tripolis) verdankt seine Existenz den Türken. Der Pascha von ganz Morea hatte dort seinen Sitz. Der Name erinnert übrigens daran, daß die Stadt auf dem Gebiet dreier antiken Städte (Mantinea, pallantion, Tagea) erbaut worden ist. Einer der großen Erfolge im grie­chischen Freiheitskampf war die Einnahme dieser Stadt am 5. Oktober 1821 durch Theodoros Nolokotronis, bei der, die türkischen Bewohner niedergemetzelt und fast die ganze Stadt zerstört wurde. Sie fiel 1825 freilich wieder in die Hände Ibrahim Paschas, der erst 1828 wieder abzog. Jetzt ist Tri­polis eine stattliche ausblühende Stadt von über 10 000 Ein­wohnern, das Handelszentrum des mittleren Peloponnes.

(Schluß folgt.)

Line oberhessische Landstadt in der napoleonischenAeit.

von pfarrassistent Hugo hepmann in Mainz.

(Fortsetzung.)

Freilich vorderhand sah es nicht so aus, als solle Napo­leons Stern sinken. Venn gerade im Frühjahr 1813 hat er noch einmal sein ganzes organisatorisches Talent zusammen­gerafft und mit einer Schnelligkeit neue Heere ostwärts ge­worfen, die wir heute noch bewundern müssen. Im herbst des vorigen Jahres bin ich gelegentlich der Festpredigt zur Jahr­hundertfeier der Frage nachgegangen, warum wir unseren