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Abgänge des Berges sind so abschüssig, daß man auf eine Mauer verzichten konnte. Ebenso großartig ist die Aussicht auf die Ebene und auf das Meer bei Nauplia. wir schritten nun noch den oberen Teil der Burg ab und traten in die Gale­rien, die wie in Tiryns sich, innerhalb der Mauern befin­den, die aus riesigen, gegeneinander gestützten Blöcken ge­fugt sind, und stiegen bis zum Löwentor hinab. Auf einem großen Steinblock wurde ausgepackt. Der Junge holte Was­ser, und wir griffen, mit Homer zu reden, nach den bereit vorliegenden Speisen, und zwar in heiterster Stimmung, saßen dann ruhig, bis die Stunde des Abstiegs gekommen war, und gingen in der Mittagssonne nach Eharwati, dessen Museum wir uns ansahen. Der wagen führte uns von dort an die Station Fichtia, wo die Gattin eines unserer Reisegefähr­ten von diesem bewegt Abschied nahm, um nach Athen zurück­zukehren. Uns aber trug der wagen nach Argos, dessen Burg wir auch diesesmal uns klüglich nur von unten an­gesehen haben. Die letzte Stunde im wagen im glühenden Sonnenbrand hatte uns rot gebrannt. (Fortsetzung folgt.)

I Line oberhessische Landstadt in der napoleonischen Zeit.

Don pfarrassistent Hugo heymann in Mainz.

(Fortsetzung.)

2. Die Zeit von 1806 bis 1815.

Sn der Tat, es folgte für unsere Heimat eine Zeit ziem-' licker Ruhe und Friedens. Das aufs äußerste erschöpfte Land rang nach Atem,' aber ganz friedlich war es doch nicht,' man lebte im Reich Napoleons auf vulkanischem Boden, auf dem es alle Augenblicke einen gewaltsamen Ausbruch geben konnte. Es zeigten sich nun erst im Innern der Stadt und ihrer Menschen der moralische Schaden, den die bestän­digen Truppendurchzüge angerichtet hatten. Mancherlei Ge­sindel, das immer den Spuren großer Heere zu folgen pflegt, hatte sich hier festgesetzt. Die sittenpolizeiliche Auf­sicht, die damals von dem kirchlichen Presbyterium ausgeübt wurde, hatte viel auszusetzen und zu Klagen, ohne daß es sehr viel half.

Bis dahin war Grünberg eine Festung gewesen, von Mauern umgeben und mit Tor und Turm wohl versehen. Dergleichen kleine Hindernisse konnte der Soldatenkaiser Napoleon an seinen Heerstraßen nicht mehr gebrauchen. So sehr wir vielleicht vom historischen und ästhetischen Stand­punkt aus es bedauern, daß uns nicht wenigstens eine un­serer alten Pforten erhalten geblieben ist. Napoleon und seine Trabanten waren keine Gefühlspolitiker. Napoleon ist der größte Realpolitiker aller Zeiten gewesen. Und da in den deutschen Städten Mauern und Tore ihm hinderlich waren, so wurden die Festungen geschleift. So erging es Gießen, diesem Los verfiel auch Grünberg, Türme und Tore fielen. Der älteste Mitbürger der Stadt, Herr Johannes Giller, hat in seiner Jugendzeit nur noch die Brunnenpforte am Winterplatz gesehen. Die hatte man am längsten ver­schont, weil sie kein Verkehrshindernis bildete. So fielen im Jahre 1809 alle Tore: die dunkle Pforte, deren Platz ich nicht weiß, die große Pforte oder Saupforte, die Heegpforte, die Neupforte und die Neustädter Pforte. Die beiden Maurer­meister Thristian Strack und Sebastian Bek, der Zimmer­meister Jakob Haas und der Dachdeckermeister Johann Georg Eger hatten vollauf Arbeit. Der letztere hatte übrigens eine vorzügliche Handschrift. Auf der Neustädter Pforte war als Torwart der Neustädter Sauhirt untergebracht. Dem mußte der Zimmermann Haas ein neues Hirtenhaus er­

richten auf dem Graben. Es wird eines der Häuser sein, die am kleinen Graben linker Hand stehen. Große Ursachen kleine Wirkungen: weil der große Kriegsfürst Napoleon alle Verkehrshindernisse beseitigt haben wollte zur größeren und schnelleren Schlagfertigkeit seiner Heere, darum mußte dem Schweinehirten zu Grünberg ein neues Haus gebaut werden. Del: Sauhirt hat den Raiser Napoleon sicher noch bis an sein Ende gepriesen.

Die durch den Abbruch der Mauern und Tortürme gewonnenen Baumaterialien dienten aber noch einem an­deren Zweck, der uns ungleich mehr interessiert: Die Jahre von 18081811 stehen durchaus im Zeichen des Straßen­baues. wir sehen hier wieder den Einfluß des militärischen Genies Napoleon: Er brauchte Straßen, chaussierte Heer­wege, auf denen seine gewaltigen Rolonnen marschieren konn­ten, seine Artillerie und sein Gepäck nicht versanken. Darum verdanken wir im Hessenland eine große Anzahl guter Straßen der Franzosenzeit. Neben soviel Ueblem auch etwas Gutes! Die Stadt Grünberg mußte in jenen Jahren am Straßenbau helfen westlich bis ungefähr Lindenstruth, den dortigen Einwohnern mußten unsere Väter wenigstens in die Hände arbeiten. Nordöstlich erstreckte sich ihre Verpflichtung etwa bis zur oberen Ziegelhütle. Ts liegt auf der Hand, warum hier so wenig. Denken wir nur an die Gelände­schwierigkeiten am Ziegelberg. An der Alsfelder Brücke wur­den beiderseits Holzgeländer angebracht, das Material dazu lieferte das holzwerk der abgebrochenen Neupforte. Die jetzige Schutzmauer an der Brücke ist demnach jüngeren Datums.

Das sind so ungefähr die Friedenswerke jener Zeit, die aber, wie wir sehen, in sehr engem Zusammenhang stehen mit der ganzen auf Rrieg und Waffenlärm gestimmten Fran- zosenzeit.

Damit aber die Grünberger des Kriegswesens nicht ganz entwöhnt wurden, fanden in den Jahren 1808/09 auch Fouragelieferungen und Kriegsfahrten genug statt. Man hatte ja darin schon einige Uebung. Diesmal fanden die Fahrten in der Hauptsache nach Süden hin statt. Es galt die Truppen zu versorgen, die den Feldzug gegen Oesterreich im Jahre 1809 führen sollten. Die bekümmerten Stadtväter fanden einige Hilfeleistung an verabschiedeten Soldaten, die wieder in die Heimat zurückgekehrt waren: Leutnant Jockel Johannes von Eiff und Daniel Lein. Doch ging es diesmal gelinder,' es brauchte nicht die ganze Bürgerschaft unaus­gesetzt auf den Beinen zu sein. Der Stadtwaldförster Hart­mann Bach und der Feldschütze Konrad Damm mußten mit einem körperlichen Eid bestärken, daß sie vollwichtige Ratio­nen liefern wollten, und die übrige Bürgerschaft hatte ziem­lich Ruhe. Das hing auch noch mit einer anderen Maßregel zusammen, die den Bürgern Ruhe gewährte, aber dem Bürgermeister Kaspar Kreuder umsomehr schlaflose Nächte bereitete. Da man den Grünbergern nicht zumuten wollte, von hier bis Hanau zu fahren, so wurde der Oberbürger­meister in die wetterau geschickt, dort sollte er die angefor­derten Rationen aufkaufen und wetterauer Fuhrleuten die Fahrt nach Hanau verakkordieren. Die Bauern von Berstadt und Umgebung machten es aber geradeso wie anno 1806 die Bauern der Grünberger Gegend: sie lieferten für den vollen Preis minderwertiges Futter. Den Magazinverwaltern aber gaben sie Schmiergelder, daß sie ruhig waren. Schweren Herzens mußte der Grünberger Stadtvater auch dieseDou­ceurs" noch bezahlen. Gelobt wird man ihn bei seiner Heim­kehr über den Erfolg seiner Mission wohl nicht haben!