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getragen." Wir erfahren von der predigt kein Wort: Reiber fühlte wohl selbst, daß die kommenden. Geschlechter diesen Tag als einen Tag tiefer, brennender Schmach ansehen würden, an dem deutsche Glocken zum Preis des Franzosenkaisers klingen mußten, wo deutsche Herzen ihrem Gott danken sollten für die französischen Liege und die Zertrümmerung der letzten Ltütze des deutschen Nationalgedankens. Rber dies Schauspiel, an dem die Deutschen voll Ingrimm teilnehmen mußten, wiederholte sich noch einmal. Km 5 . Juli, also kurz vor dem Rbschluß des Friedens von Tilsit, und am 26 . Juli fanden Lieges- und Friedensfeste statt mit demselben Zeremoniell, wie im November 1806 . Nun kann man verstehen, daß diesmal bei unseren Grünbergern auch echter Dank mitsprach ; denn es war ja Friede im Lande, und man hatte IV2 Jahre hinter sich, die sich dem Gedächtnis der Menschen unverlierbar einprägen.
Diese Zeit, da im fernen Osten der stolze Bau Friedrichs des Einzigen zerschlagen wurde, bedeutete auch für das oberhessische Ltädtchen eine Periode unausdenklicher Drangsal und Not. Das war Deutschlands tiefste Erniedrigung, unsere Vorfahren haben sie voll und ganz kosten müssen. Darum können wir es ihnen nachfühlen, wenn sie ihrem Gott für den Frieden dankten. Die deutsche Volksseele hatte eine Zeit der Nuhe und des inneren Rusholens nötig.
(Fortsetzung folgt.)
von der Nacht des Heidentums.')
von N. T 0 l l m a r in Tassel.
Der Streit über die Frage der Notwendigkeit der Mission unter den Heiden ist zugunsten der Förderer der christlichen Weltanschauung entschieden und nicht im Sinne eines den irdischen Gewinn über die Pflichten gegen Gott und den Nächsten stellenden Teiles der gottlosen Welt. Ueberzeugte Thristen haben die Entwickelung der Missionsfrage zu diesem Rusgange vorausgesehen: denn das Thristentum kann in seinem Fortschreiten durch die gewissenlose Gesinnung solcher Kreise, welche die mit so vielen Lastern behafteten Heiden noch mit dem schrecklichen Uebel der Trunksucht belasten wollen, wohl zeitweilig auf Widerstand stoßen, auf seinem Siegeszuge durch die Völkerwelt aber nicht aufgehalten werden. Jesus Thristus hat uns die Rufgabe erteilt, seine heilsbot- schaft den fjeiben zu verkünden und uns dieser in Liebe zu erbarmen, d. h. sie aus geistiger und sittlicher Nacht zu befreien und ihnen Gelegenheit zu geben, der Wohltaten christlicher Gesittung teilhaftig zu werden. Die sichtbaren Ergebnisse der segensreichen Wirksamkeit der Missionare unter den Heiden, deren Wildheit in jahrzehntelanger ernster Arbeit gebändigt wird: das vergebliche Ringen derselben, aus ihrem Elende herauszukommen, Rufstände in den Kolonien und andere Tatsachen haben überzeugend dargetan, daß das Gerede, man solle die Wilden in ihrem sie befriedigenden Urzustände weiterleben lassen, ihnen anstatt ihres Götzendienstes nicht die Entsagung fordernde christliche Religion aufdrängen, nichts anderes als eine heillose Lüge, nur der verdeckte Wunsch ist, die armen Wilden über die Möglichkeit ihrer
*) Dbglcich der „Sonntagsgrujj" seither sehr viele Artikel über die Mission und aus der Missionsarbeit gebracht hat, so scheint uns der Artikel, den wir hier zum Abdruck bringen, doch sehr geeignet zu sein, über die heidenmission im allgemeinen zu orientieren. Er beansprucht um so mehr Beachtung, als er nicht von einem Theologen oder Missionar, sondern von einem Missionssreunde aus der evangelischen Gemeinde Lasse! - der Ejerr Verfasser ist postsebretär - herstammt.
v. Red.
Rettung nicht aufzuklären und an ihnen stete Rbnehmer von Schnaps, willenlose Rrbeiter im Dienste beutegieriger Unternehmer zu erhalten. Die tüchtigsten Nenner der wahren Erfordernisse einer einsichtsvollen Nolonisation sind heute darüber einig, daß in den Kolonien Missionsarbeit zu treiben im Interesse des Mutterlandes wie, einer gesunden Entwickelung halber, der Kolonie selbst liegt. Denn das Dasein der heidnischen Eingeborenen ist ein Leben in Nacht und Grauen, das mit den Werken christlicher Liebestätigkeit zu ändern und zu bessern uns obliegt. Dazu drängt uns die Liebe Gottes in Ehristo Jesu und nicht etwa die Rrbeiterfrage in unseren Kolonien. Ich bitte den freundlichen Leser, mich auf einem kurzen Gang durch die Nacht des Heidentums zu begleiten.
Den Heiden aller Länder ist gemeinsam ein starkes, ihr ganzes Verhalten beeinflussendes Gefühl der Furcht vor bösen Geistern, eine sie Tag und Nacht schwer drückende Rngst vor etwas ihnen feindlich Gesinntem in ihrer nahen wie weiteren Umgebung eigen. So erzählt der Missionar Tönjes aus dem Dvamboland in Westafrika, daß die sklavische Furcht der Heiden sie zum Götzendienste führe, der nur bezweckt, diesem oder jenem bösen Geiste zu wehren, ihnen Schaden zuzufügen. Indem sie hölzerne oder steinerne Bilbcr der in ihrer Einbildung lebenden Geister, die sie in der denkbar feigsten Weise fürchten, anfertigen, suchen sie namentlich solche zu versöhnen, welche Krieg und Frieden, gute und schlechte Ernten, Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod herbeiführen können. In jedem Dorfe machen schlaue burschen aus diesem Rberglauben ein Geschäft, indem sie sich als im Besitz von Zauberkraft befindlich ausgeben und die daher bei jedem Rnlaß von dem unwissenden Volke um Kat und Hilfe gebeten werden, die nur gegen gehörige Bezahlung erfolgen. So werden die Rrmen ihr Leben lang von Betrügern gezehntet, ohne Hilfe zu finden. Erkrankt jemand, stirbt eine Person in einer Familie, geht ein Ochse, ein Pferd ein, schlägt der Blitz irgendwo zündend ein, so wird der Zauberer gerufen, der bald den Schuldigen nach vorgaukelung eines in der Hütte, im Garten oder unter der Erde sich vollziehenden Beschwörungsschwindels ermittelt, d. h. nach Gutdünken irgendeine unschuldige Person im Dorfe herausgreift und deren Namen den Verwandten des Betreffenden oder den Geschädigten mitteilt. Diese begeben sich darauf mit einem Geschenke, das meist in einem Ochsen besteht, zum Stammeshäuptling, der unumschränkte Gewalt über die in seinem Herrschaftsgebiete lebenden Menschen hat und nun die Erlaubnis zur Ergreifung des Uebeltäters gibt. Trotz seiner Beteuerungen, nicht die Zauberkraft krank zu machen oder zu töten, zu besitzen, wird der Rrme sofort totgeschlagen, niedergeschossen oder mit Sperren niedergestoßen. So fallen alljährlich Tausende als Opfer unerhörten Betruges und krassesten Rberglaubens im dunklen Heidentum.
In seiner Selbstbeschreibung berichtet der auf einer der Neuhebriden-Inseln in der Südsee, welche damals von Menschenfressern bewohnt waren, tätig gewesene Missionar pa- ton, daß bald nach seiner Rnkunft auf der Insel Tanna in der Nähe seiner Wohnung ein furchtbares, lange anhaltendes Geschrei aus dem Dorfe schallte. Ruf seine Frage nach der Ursache des Lärmes hieß es, einer der im Kampfe verwundeten sei eben gestorben, und nun habe man seine Witwe unter Zeremonien erdrosselt, damit sie ihrem Mann in einer anderen Welt dienen könne. Keine Woche verging ohne Kampf der einander feindlichen Stämme, und stets wurden nach beendetem Streit Siegesmahle gehalten und die Toten an Ort und Stelle aufgefressen. Die Gier der Wilden nach


