Einzelbild herunterladen

187

Platten belegt ist, sondern eine Rrena, mit Sand bedeckt, eine lronistru, ein Sandplatz, im eigentlichen Sinne des Wortes. Wir saßen da lange und schauten hinaus in die Land­schaft, dann hielten wir unser Frühstück in einer Hütte, wo­bei uns eine Kiste als Tisch diente und Bettbretter als stumme Diener. Doch schmeckte es uns prächtig. Um 1 >3 brachen wir wieder auf und fuhren denselben Tag zurück. Es war herr­lich, die langen Bergzüge zu verfolgen, die sich nun nach der argolischen Ebene hinabsenkten. Gegen 7 waren wir in Nau- plia, nahmen noch schnell ein Seebad, aßen auf dem Markt zu Übend und schrieben unsere Briefe. U a u p l i a selbst bietet nichts besonderes, außer seiner schönen Lage und seiner vielen Gefängnisse, deren es auch in der Stadt selbst gibt. Nachts ruft die Wache jede Stunde und empfängt Rntwort von allen Posten, was sehr merkwürdig klingt. Die Häuser sind groß und massiv und erinnern an solche in italienischen Städten. Die der hafenbucht parallel laufenden Straßen sind eben, die (Querstraßen steil und zum Teil durch Treppen ersetzt, wie in Neapel. Nach dem langen Tag schliefen wir vortrefflich.

(Fortsetzung folgt.)

Eine oberhejstsche Landstadt in der napoleonischenZeit.

von pfarrassistent Hugo heymann in Mainz.

(Fortsetzung.)

Kaum waren die französischen Heermassen ostwärts ge­zogen, als Bürgermeister und Bat in neue Rngst und Sorge versetzt wurden, von den Grünberger Bürgersöhnen, die mit ins Feld mußten, desertierten eine Unzahl und flohen in die Heimat. Sch will des Interesses halber die Namen nennen, aber gleichzeitig betonen, daß damit den Familien, die heute noch diese Namen tragen, keineswegs ein Makel angeheftet werden soll. Sie hießen Martin Dörr, Johann Tobias von- Tiff, Kaspar Baumann, Henrich Ringel und Rndreas Bornträger. Sie wurden unter städtischem Kommando nach Gießen oder Darmstadt gebracht. Kein Wort wird in den alten Rkten laut, was für Gefühle diese Leute bewegten. Uber wir lesen zwischen den Zeilen den herzzerreißenden Jam­mer dieser Jünglinge und ihrer Familien. Denn was mit Fahnenflüchtigen in Kriegszeiten geschah, ist fraglos. Uber die unglaubliche, wirtschaftliche Uussaugung und das tra­gische Geschick jener fünf jungen Leute waren nicht das ärgste Das allerschlimmste war eine weitgehende Sittenver- derbnis, die die Franzosen unmittelbar verschuldeten. Ich habe in den Protokollen des kirchlichen Presbyteriums (Kirchenvorstandes) gesehen, daß in den beiden Jahren 1806 und 1807 nicht weniger als 15 Fälle sittlicher Roheitsdelikte, von den Franzosen begangen, ans Tageslicht kamen. Gerade die Jahre nach den großen Kriegen bis etwa 1820 zeigen einen erschreckenden Tiefstand in der Sittlichkeit. Uber so scheußlich diese Dinge auch waren, wir, die wir heute von geschichtlicher Warte aus alle diese Ereignisse an unserem geistigen Uuge vorüberziehen lassen, wir sagen: Uuch diese unglaublichen Be­drückungen waren nötig; denn das deutsche Volk mußte das ganze Elend der Fremdherrschaft bis zur Neige auskostcn, bis es einsehen lernte, daß es zur Freiheit und zum Deutschtum berufen war. In jenen Tagen ohnmächtigen Knirschen; gegen Frankreichs Willkürherrschaft ist die deutsche Volksseele er­wacht. Ts wußte ein gewaltiges Maß von Zorn und haß sich angesammelt haben, bis der herrliche völkerfrühling von 1813 kommen konnte.

Im Lauf des September kamen Botschaften aus dem Wen, die unsere Vorfahren sich auf neue Drangsale bereit­

halten ließen. Es mußten die haftlokale in (Ordnung gemacht werden zur Rufnahme von Kriegsgefangenen. Bald kamen auch die ersten (Opfer des entscheidenden Ringens bei Jena und Ruerstädt und ferner von Preußisch-Eylau und Fried­land an. Die verwundeten wurden soviel wie möglich in die größeren Lazarette nach Gießen und Friedberg gebracht: aber eine Rrt von Feldlazarett gab es auch in Grünberg; zu seiner Bedienung wohnte beim Präzeptor Männche ein französischer Regimentsarzt. Im übrigen aber mußten die Führwerks­besitzer sich beständig bereithalten für Krankentransporte. In dem Regierungsschreiben hieß es ausdrücklich, es müßten Wagen mit Ernteleitern sein. Die Leute mußten mitunter bis Bruchenbrücken fahren und erhielten für eine solche Fahrt 20 fl., eine immerhin annehmbare Bezahlung. Im Spätherbst kehrten auch die hessischen Truppen wieder in die Heimat zurück, deren Benehmen leider nicht viel besser war als das der Franzosen. ,,Es ist der Krieg ein roh gewaltsam Hand­werk, den Hirten schlägt er und die Herde."

Ls war unseren Vätern mitten in all dem Elend und dem Jammer der Kriegsnot nur eine wehmütige Freude, daß der Landgraf zum Großherzog erhoben wurde. Die darüber er­scheinende Proklamation wurde von der Kanzel verlesen. Rußerdem erfolgte für die oberen Zehntausend einePromul­gation" auf dem Rathaus, wohin, wie Inspektor Reiber schreibt, alle Honoratioren im Rmt Grünberg sich begaben, nämlich die geistlichen und weltlichen Beamten, der Stadtrat, die Zunftmeister und Schultheißen des Rmtes. Das waren also damals die Honoratioren, hofrat von Schmalkalder verlas das Schriftstück und danach wurde eine geraume Zeit mit allen Glocken geläutet. Das geschah im Rugust 1806.

ITiit noch gemischteren Gefühlen beging man in dem deutschen Städtchen Grünberg eine andere Jubelfeier (!>. Rm 16. November wurde im ganzen Land ein großes Dankes­und Siegesfest gefeiert für die Niederwerfung Preußens, des einzigen Staates, der auf deutschem Boden noch selbständig gewesen war. Ich teile den Festbericht, den uns der damalige Inspektor und erste Pfarrer, Johannes Reiber, hinter­lassen hat, hier mit. Ich beneide jenen Kollegen um die Rus- gabe, die er zu erfüllen hatte, wirklich nicht. lNan merkt sehr rasch, daß er sich äußerst vorsichtig ausdrückt: man merkt, daß sein deutsches Herz gezuckt hat, als er diese Schmach seines Vaterlandes niederschrieb. Sein Bericht lautet: Rnno 1806, den 16. November, wurde das in allen Kirchen der Großherz. Lande zu feiernde allgemeine Dankfest wegen der großen Siege Napoleons, wodurch unser Land gegen feindliche Rngriffe und Einfälle sichergestellt und der Kriegs­schauplatz weit weggerückt wurde, auch in unserer Kirche mit folgendem Eeremoniell gefeiert: Weil die Rnkündigung des Sonntags vorher nicht geschehen konnte und ohnedem die Feierlichkeit des Tages eine ungewöhnliche Rnkündigung erforderlich machte, so wurde des Samstags nachmittags um 4 Uhr mit allen Glocken, mit Russchluß der Sturmglocke der festliche Tag angezeigt und der Turmmann blies einige Lob- ünd Danklieder. Sonntags morgens um 9 h. wurde wieder mit allen Glocken geläutet. Die in die Kirche gehende Ver­sammlung wurde mit Musik des Musikantenkollegs emp­fangen. Unter der predigt war die Einleitung dahin gemacht, daß vom Musikantenkolleg das LiedLobe den Herrn" mit Begleitung aller Instrumente gesungen wurde. Zum Rus- gang wurde das LiedHerr Gott dich loben wir", mit pauken und trompeten zuweilen einfallend und unter unablässigem Geläute aller Glocken, gesungen. Sodann nach dem Segens­spruch von dem Musikantenkolleg ein passendes Stück vor-