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Griechische Reisen und Sommerfrischen.
von Geh. Gberkonsistorialrat IX ID. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
palamidi ist der Name der Festung, den die fränkischen Eroberer als Bergnamen vorgefunden haben, palamedes ist der Erfinder der Nautik, der Leuchttürme, des Maßes, der Rechenkunst, des lDürfelspiels, der Wage und der Luchstabenschrift. Lein Name bezeichnet, was die Griechen von einem fremden seefahrenden Volke, den Phöniziern, sich angeeignet haben, palamedes hat keine verwandtschaftlichen Leziehungen mit den argivischen Heroen, sein Vater heißt Nauplia; — Lchiffer, sein Lruder Giax Lleuermann. Nauplia selbst auf einem halbinfelhaften Felsen sieht ganz nach einer fremden Niederlassung aus, gegen deren Bewohner etwa die Feste von Tiryns als Lchutzwehr von den Eingeborenen erbaut wurde. 1205 nahmen die Franken Nauplia und machten es zum Mittelpunkt eines kleinen Herzogtums. Ende des 14. Jahrhunderts kam es in den Besitz Venedigs, das Nauplia in zwei Belagerungen gegen Mahomet II. und Loliman glücklich verteidigte, bis es 1580 den Türken geräumt werden mußte. 1686 vertrieb Rönigsmark mit seinen deutschen Löldnern im Dienste Venedigs die Türken vom palamidi und befestigte letzteren. 1715 nahmen ihn die Türken wieder. Im Juni 1822 nahm das griechische Heer die Unterstadt, im Dezember die Zitadelle. Nauplia wurde nun Wohnsitz des ersten Präsidenten Oapo ä'Istrius und am 6. Februar 1835 Fürstensitz des jungen bayrischen Fürstensprosses Otto, des ersten Königs des neu erstandenen Griechenlands. Der Raum war aber für eine Residenz so beschränkt, daß diese bereits 1834 nach Rthen verlegt wurde, eine, wie die Folgezeit gelehrt hat, durchaus glückliche Maßregel.
857 Stufen steigen zu dem 215 Meter hohen, nach drei Leiten schroff abgeschnittenen palamidi empor. Ueber die Mühsal tröstete der herrliche Blick auf Nauplia, die weite urgolische Meerbucht und die im lachenden Lonnenschein sich dehnende Ebene. Oben drangen wir durch Pforten und Hohlwege hinauf bis zur höchsten Spitze und gingen dann nach dem Ltaatsgefängnis für schwere Verbrecher, zu welchem uns Einlaß gewährt wurde. Lisentüren öffneten sich vor und schlossen sich hinter uns. Wir standen an einem verlies, das lebhaft an einen Bärenzwinger erinnerte, dessen engen Raum die unglücklichen Verbrecher wie wilde Tiere Ausmaßen. Ts waren da an 50 zu lebenslänglichem Zuchthaus und zur Todesstrafe verurteilte Mörder und Räuber, deren Geschichte uns z. T. erzählt wurde. Unter tierisch rohen Physiognomien, wahren Dalgengesichtern, auch wieder jugendliche Rntlitze, auf denen nichts von verbrechen geschrieben stand. Ich schämte mich, hinabzuschauen und war eigentlich recht unglücklich. Ruf langen Stangen reichten uns die Gefangenen ihre kleinen Draht- und holzarbeiten herauf, davon einiges gekauft wurde. Entstand Unruhe oder Geschrei, dämpfte sie der wachthabende Offizier sofort mit Drohung schwerer Strafen. Herr N. meinte doch, sie hätten es besser als unsere Gefangenen in den Zellengefängnissen, sie könnten doch miteinander sprechen und bei ihren einfachen Lebensgewohnheiten doch noch ein erträgliches Dasein im Lichte der Sonne, die ihren Zwinger erhellte, fristen. Lin Priester, kenntlich an seiner Tracht, war unter den Verbrechern. Welch ein Gegensatz, dieses Menschenelend und rings umher die schöne, lachende Natur! Tief verstimmt stieg ich dir 85 Stufen wieder hinunter. Die Sonne war inzwischen untergegangen, und die Berge des Binnenlandes mit ihrem
rötlichen Licht luden uns ein zum Eindringen in ihre Geheimnisse. Dort drüben die Lücke mußte dem Schienenstrang Durchlaß gewähren, der uns einige Tage später nach Tripolis führen sollte. Rbends aßen wir auf dem Marktplatz und schrieben Briefe.
Rm Freitag, dem 21. Rugust, standen wir um 4 Uhr auf. Ein Korb mit Frühstück und Wein wurde uns mit in den Wagen gegeben, und wir setzten uns nach Epidaurus in Bewegung. Line Ecke des Hafens von Nauplia mit Röhricht und stillem Wasser, dahinter die Ebene, erinnerte mich lebhaft an nordische Landschaften. Wir fuhren an der Vorstadt pronoia vorüber, vorüber an dem Denkmal für die 1833/34 in Griechenland gestorbenen bayerischen Soldaten, einem von meinem verstorbenen Freunde, Professor Siegel, in den Fels gemeißelten Löwen, und dann auf guter Landstraße den Bergen zu, in der Senkung zwischen dem Ilias-Berg im Norden und einem niedrigeren Bergzug im Süden. Die Luft war frisch, aber die Sonne brannte, vorüber ging; an dem schön gelegenen Dorf Rria, wo die Frauen an den Steintrögen wuschen, wie überall an dem Tage, es schien Waschtag zu sein. Merkwürdig kärglich bewohnt ist die Gegend, aber schön durch die wohlgeformten Berge. Einmal sahen wir auf einer höhe über dem Eingang einer Schlucht eine alte Burg mit festen Mauern. Das einzige Dorf, das wir unterwegs berührten, war Ligurio, auf einer höhe gelegen. Oberhalb Ligurios, auf den höhen des Rrachneion, war in der Kette der Feuerfignale, die Ilions Fall nach Mykenä meldeten, die Mittelstation zwischen dem megarischen Gebirge und der Rtridenburg. Gegen 10 Uhr waren wir in Epidaurus, oder vielmehr an dem Heiligtum des alten Grtes, eingebettet in den Winkel zwischen zwei reichlich 2 ' r > Tausend Fuß hohen Bergen, hier war im Rltertum der heilige Bezirk des Rskle- pios. Nichts, was Luft oder Boden verunreinigte, wurde zugelassen. Im Tempelgebiet durfte niemand geboren werden und niemand sterben. Im Schatten eines dichten Hains ergingen sich die Kurgäste und lagerten die Festgenossen. Rus allen griechischen Landen eilten die Kranken herbei. Die Geheilten bezeugten ihren Dank durch Weihgeschenke und Inschrifttafeln. Der Tempel selbst war ein großer Bau aus Kalkstein, der mit Stuck bekleidet gewesen ist. von der Hand polyklets rührte die schon im Rltertum bewunderte Thelos her, ein kreisrunder Bau von reichlich 32 Meter Durchmesser, der im Innern mit Gemälden von pausias geschmückt gewesen ist und die von den Geheilten gesetzten Dankinschriften enthielt. Der Rundbau aus Marmor hat in der Mitte einen geheimnisvollen Gang in Spiralform, der zu einer Vertiefung führt, die einem Brunnenloch ähnelt. War's eine Ouelle? War's eine höhle für die heilige Schlange? Diente der Gang Mysterien? Wer kann das wissen, genug, man kommt wohl hinein, aber nicht wieder heraus, wie ich es selbst versucht habe, außer wenn man in der Mitte von oben herausgezogen wird. Rußerdem sah man auf der Trümmerstätte noch eine ganze Reihe von Grundmauern alter Gebäude, die heil- und Sportzwecken gedient haben und Inschriftsteine die Menge, auf denen Krankheiten, Kuren und Heilmittel angegeben sind, vom hieran (Heiligtum) stiegen wir hinauf zum Theater, dem größten und besterhaltenen Griechenlands, mit herrlicher Russicht auf die Umgegend und das hieran unten. Ls ist mindestens doppelt so groß als das Dionysustheater zu Rthen und hat das Foyer, wenn man so sagen darf, das diäzoma, noch ganz erhalten. Ls hatte 52 Sitzreihen. Ruffallend ist die einzig dastehende Form der Orchestra, nämlich ein ganzer Kreis, nur daß sie nicht mit


