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Liebe." Nun sind alle Besuche gemacht, das Körblein ist leer. Fröhlich und befriedigt ziehen beide nach Haus. Die sinkende Lonne wirft auf beide noch einen Strahl, da kommt über ihre Lippen der Wunsch und die Bitte:Herr, laß auch einen Strahl in die Hütten der Kranken fallen!"

(Schluß folgt.)

Erinnerungen eines alten Schleswig-Holsteiners an das Jahr MH.

Zur 50. Wiederkehr des Tages von Düppel.

(Fortsetzung.)

Einzelne tüchtige, gediegene Männer waren unter den däni­schen Beamten, Geistlichen und Lehrern, die von Dänemark nach Schleswig-Holstein kamen, so ein Pastor in Bpenrade, der durch seine hinreißende Beredsamkeit die Kirche füllte und solche Anhänglichkeit gewonnen hatte, daß Bpenrader Gemeindeglieder für ihn in zarter Weise eine Sammlung veranstalteten, als er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Buch ein vortrefflicher Mann war der physikus (Kreis­arzt) für den südlichen Teil des Kreises Tondern; er war geschickt, unermüdlich, ein Herzensfreund der armen Kran­ken,' ihn wollte die deutsche Bevölkerung gern behalten, als sie im Jahre 1864 alle dänischen Beamten verjagte. Die große Mehrzahl aber der dänischen Beamten, Geist­lichen und Lehrer war minderwertig. Sie wollten wohl das Bmt, um ihrLornbröd" (ihren Unterhalt) zu haben, wollten aber nicht des Bmtes Pflichten.

Sn Mittelschleswig wurden die Kirchen völlig leer, da die deutsch gesinnte Bevölkerung am dänischen Gottes­dienst um der Sprache willen nicht teilnehmen wollte, aber auch nicht am deutschen Gottesdienst, weil die Pastoren die deutsche Sprache nicht beherrschten. Noch immer wird in Bngeln der Bnfang einer Leichenrede angeführt, die ein dänischer Pastor dort gehalten haben soll in seinem däni­schen Deutsch:hier liegt er nun in seine schwarze Kiste, habt ihr ihm gekennt, ich habe ihm nicht gekennt." Eifrige Helfershelfer aber waren die dänischen Pastoren den däni­schen Gendarmen in der Bufspürung von allerlei deut­schen Demonstrationen, das Volk nannte sie deshalbdie schwarzen Gendarmen". Sn kleinlichster Weise wurde mit schweren Strafen gegen allerlei kleine deutsche Demon­strationen verfahren. Mancher achtbare deutsche Mann ist damals mit Gefängnis bestraft worden. Ein angesehener schleswiger Kaufmann mußte mit wochenlangem Gefängnis die Untat büßen, daß er seine drei hübschen Töchter je in Blau, Weiß, Uot kleidete und in dieser Ueihenfolge neben­einander auf der Straße gehen ließ. Sch erinnere mich, wie schnell wir Knaben unsere Hamburger Schillinge im Kaufmannsladen in die Tasche gleiten ließen, wenn ein Polizist sich zeigte, dieser hätte uns sonst unser Geld kon­fisziert. Ein Schnippchen der dänischen Polizei zu schlagen lernten wir alle. Bei allen öffentlichen Umzügen spielte die Musik3u Mantua in Banden", alle sangen aber laut oder leise nach der gleichen Melodie das verbotene Wildenrodtsche Lied:Es stand auf Jütlands Buen, es stand am kleinen Belt ein junger wackrer Krieger" usw.

Mit Uecht herrschte im schleswig-holsteinischen Volk die größte Erbitterung gegen die dänischen Bedrücker. Uber das ganze große Deutschland, aufgeklärt durch die deutsche Presse, hatte Mitleid mitdem verlorenen Bruderstamm", spendete seine Taler und Gulden für die vielen brotlosen Familien der abgesetzten Beamten und Geistlichen, gab

manchen der Bbgesetzlen eine neue Bnstellung, ein tüch­tiger, nordschleswigscher Geistlicher wurde im benachbarten Wetzlar angestellt, seine Kinder, nun schon alt, in der Hei­matprovinz wieder angestellt, erzählen noch immer so gern von den wunderschönen Jahren, die sie an der Lahn zu­brachten,' der bekannte husumer Storm war Landrichter im thüringischen heiligenstädt,' ein Schwager des in Wetz­lar angestellten nordschleswigschen Pastors, ebenfalls ein sehr tüchtiger Mann, wurde zuerst Seminardirektor, später der Leiter des ganzen Schulwesens im Herzogtum Sachsen- Meiningen.

Wenn auf den großen deutschen Schützen-, Sänger- oder Turnfesten die schleswig-holsteinische Bbteilung mit umflor­ter Landesfahne sich zeigte, stimmte die ganze Versammlung das Schleswig-Holstein-Lied an. Sehr zu statten, kam die deutsche Synode den noch recht zahlreichen Beamten und Geist­lichen, die keine Wiederanstellung fanden und nun durch Be­treiben von Landwirtschaft oder Gärtnerei, durch Gründung von kleinen privatschulen das Brot für ihre Familien er­werben mußten. Der König-Herzog in Kopenhagen, Frie­drich VII., kümmerte sich um die Verhältnisse in den Herzog­tümern gar nicht, er, das enlant (orribls unter den euro­päischen Fürsten, hielt die wüstesten Zechgelage i b, freute sich, wenn er seine Gäste unter den Tisch trinken konnte, und nannte den seinen besten Freund, der sein Meister im Trinken war. Seine Frau, eine frühere Putzmamsell von zwei eben­bürtigen Frauen, einer Tochter des dänischen Königs Frie­drich VI. und von einer mecklenburgischen Prinzessin war er geschieden mußte gute Miene zu diesem bösen Spiel machen, nahm aber regen Teil an der einzigen höheren Be­schäftigung des Königs-Herzogs, dem Busgraben von Blter- tümern. Die Busgrabungen im Sundewitt, wo man das be­kannte Wikingerboot aus dem Moor herausfördcrle, leitete er von seiner Lieblingsresidenz Glücksburg aus, als er plötz­lich an Gesichtsrose schwer erkrankte und am 15. Novem­ber 1865 starb.

Sein Tod bringt einen bedeutsamen Wendepunkt in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Friedrich VII. war der letzte aus dem alten Stamme der (Oldenburger. Sein Nachfolger Ehristian IX., aus dem Hause Glücksburg, war nicht der nächstberechtigte Erbe der dänischen Krone, aber durch das sogenannte Londoner Protokoll von den europäischen Groß­mächten schon seit dem Jahre 1855 zum König von Dänemark ausersehen als Gemahl der dem dänischen Throne nahe­stehenden Luise, persönlich ist das neue dänische Königspaar der höchsten Bchtung wert, wenn wir es auch nicht vergessen können daß ThristianIX. Schleswig-Holstein so wehe tat und daß seine kluge Frau, die Schwiegermutter Europas die drei schönen Töchter waren verheiratet mit König Eduard VII. von England, Blerander III. von Kußland, dem Herzog von Tumberland, ein Sohn war der ermordete König Georg von Griechenland so lange sie lebte, Deutschland haßte und gegen es intrigierte. Die Partei der Eiderdänen hatte noch zu Lebzeiten Friedrich VII. im dänischen Keichsrat das Gesetz zur Bnnahme gebracht, daß Schleswig von Holstein getrennt und in den dänischen Staat einoerleibt werden solle. Friedrich wollte das Gesetz nicht mehr vollziehen, wies ab mit den Worten:Das kann Ehristian tun". Der zaudernde Ehristian IX. wurde aber gleich nach seinem Kegierungs- antrit« durch einen Buflauf des Kopenhagener Pöbels zur Vollziehung dieses Gesetzes genötigt. Sm dänischen Volk erhob sich über die Einverleibung Schleswigs großer Jubel. Däne­mark war im Taumel des Uebermuts, träumte sich zurück