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in seine großen Tage, als es den ganzen Norden Europas, Schweden, Norwegen, die Küstenländer der Ostsee und England beherrschte, als die Ostsee und die Nordsee dänische Meere waren. Dänemark verachtete den deutschen Bund, der nur Beschlüsse faßte und nicht handelte. Der deutsche Bund hatte es sich ruhig gefallen lassen, daß die Dänen die deutsche Bun- dcsfcstung Ncndsburg im Süden, also gegen Deutschland, stark befestigten und daß sie auf dem dänischen Kriegergrab in Flensburg einen riesigen ehernen Löwen aufstellten, der grimmig nach dem Lüden sah. Die Dänen fürchteten auch Preußen und Oesterreich nicht, da sie der Freundschaft Ruß- lands und Englands sicher waren. Rußerdem hielten sie ihr Land für völlig uneinnehmbar, da sie es durch einen festen Riegel: Schlei, Danewerk, Treeneniederung und Lider verschlossen halten.
Indessen hatte Dänemark nicht damit gerechnet, daß in Preußen Wilhelm I. mit seinem Bismarck am Ruder war. Bismarck wollte den dänischen Uebermut dämpfen. Er brachte das Meisterstück fertig, daß sich Oesterreich, Preußens Nebenbuhler, mit Preußen zum Kampfe gegen Dänemark verbündete. Rls sich aber Preußen und Oesterreich regten, wollten auch die übrigen deutschen Bundesstaaten nicht Zurückbleiben. Der Bundestag in Frankfurt beauftragte die Königreiche Lachsen und Hannover mit der Besetzung des Bundeslandes Holstein. Je 6000 Lachsen und Hannoveraner rückten Ende 1863 in Holstein ein, die Dänen räumten ihnen das Land, hinter den abziehenden dänischen Loldaten sangen wir Lchleswig - Holsteiner Knaben das Lchleswig - Holsteinlied, stoben aber in alle Winde, als die Dänen Kehrt machten und ihre (bewehre gegen uns richteten. Mit tausendfachem Hurra begrüßten wir dann aber die deutschen Bundestruppen, (bleich nach dem Rbzug der Dänen kam auch der Herzog Friedrich von Rugustenburg, der Dater unserer Kaiserin, der schon von seinem schlesischen Schlosse aus sich zum Herzog Friedrich VIII. von Lchlcswig-Holstein proklamiert hatte, in sein Land. Da er vom Rbzug der Dänen aus Holstein nichts wußte, fuhr er nicht mit der Eisenbahn nach Lchleswig-Holstein hinein, sondern auf einem Schiff von Hamburg nach iblückstadt an der Elbe. Tr landete mit seiner Begleitung, seinen künftigen Ministern, still und unerwartet in Glückstadt. Die Nachricht aber von seiner Landung ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt, die ganze städtische Bevölkerung eilte nach dem Hasen, die Pferde wurden vom Wagen abgespannt, alles, auch die vornehmsten Bürger der Stadt, drängten sich zum Ziehen des Wagens und in einem wahren Triumphzuge wurde der Herzog vom Hafen zum Bahnhof gefahren. In einem Sonderzuge, den ihm die Bahngesellschaft in Glückstadt zur Verfügung stellte, fuhr er nach Kiel, um hier seinen Wohnsitz aufzuschlagen. Jetzt fanden in jedem kleineren Drte des Landes die Huldigungen für den Herzog statt. Ich habe eine solche in einer kleinen Stadt erlebt, in der damals Straßenbeleuchtung noch eine unbekannte Sache war. Gleich nach dem Rbzug der dänischen Soldaten kam in jedes Haus hinein der Ruftrag: Stellt abends ans Fenster, was ihr an Beleuchtungsmitteln habt, Lampen und Licht, Stallaternen und Feuerleuchten. Lei Beginn der Dunkelheit wurde die Stadt in der vorge- schriebencn Weise illuminiert, die Illumination machte auf die Stadtjugend einen großartigen Eindruck. Dann sammelte sich alles auf dem Markt, ein angesehener Beamter, der Redegewandtheit besaß, ließ uns alle dem Herzog die unverbrüchliche Treue geloben. Unvergeßlich find mir noch seine Schlußworte, die er mit erhobener rechter Hand sprach: Diese, meine rechte Hand, soll verdorren, wenn ich je mei
nem Herzog die Treue brechen sollte. Keine zwei Jahre später wurde er ein Rnhänger der sogenannten Preußenpartei und ein Gegner der herzoglichen Partei. Tr hat sich sicherlich in bester Ueberzeugung der Preußenpartei angeschlossen, das Volk aber verstand diese völlige Wandlung nicht, brandmarkte ihn als einen Verräter und er hat nie mehr die geachtete Stellung seiner früheren Zeit gehabt.
(Schluß folgt.)
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Line Zeitlang hatte ich Ruhe. Nun war im November im Dorfe Tanzmusik, ich war auch im Tanzsaal, um dem Tanze zuzuschauen. Die jungen Burschen, die mich sonst immer geärgert hatten, riefen mir freundlich zu, daß ich mich zu ihnen setzen solle. Sie saßen in einem kleinen, niedrigen Zimmer, das neben dem Tanzsaale lag. Ich folgte ihrer Einladung, da ich annahm, daß sie ihr Unrecht wieder gut zu machen und mich nun als Kameraden aufnehmen wollten. Rls ich bei ihnen saß, wurde ich häufig zum Trinken ermuntert, hütete mich aber, zu tief in das Glas zu gucken, da ich wußte, was das für üble Folgen habe. Besonders freundlich tat an diesem Rbend ein junger Maurer, der schon auswärts gearbeitet hatte. Er setzte sich neben mich, faßte mich an den Schultern und erklärte mich für seinen besten Freund. Dann ging er hinaus, kehrte aber gleich wieder zurück und faßte mich nun von hinten an den Schultern, indem er mich abermals einen braven Kerl und seinen besten Freund nannte. Mit einem Male fing er an, von hinten mein Gesicht zu streicheln. Lin seltsamer Geruch stieg mir in die Nase, da sah ich auf die Finger meines angeblichen Freundes und bemerkte, daß sie ganz schwarz waren. Der Nichtswürdige hatte sich die Hände mit Gfenruß bestrichen, um mir damit das Gesicht zu schwärzen, voller Zorn sprang ich, wiewohl er viel älter und größer war als ich, auf ihn ein, aber er faßte mich an der Jacke, drängte mich in eine Ecke und schlug auf mich los. Ls entstand ein großer Tumult, aus dem benachbarten'Tanzsaale kamen die Leute herbeigelaufen und schauten zu, wie ich mißhandelt wurde. Keiner regte für mich einen Finger, keiner auch nur sagte dem rohen Maurer, daß er von mir ablassen solle, war er doch ein Bursche aus dem Dorfe und ich ein armes Knecht- chen aus dem Bayerischen. Ich wehrte mich, so gut ich konnte, konnte aber gegen den starken Menschen mit seinen harten Fingern nichts ausrichten.
plötzlich wurde mein Gegner zur Seite gerissen, Herr Hinkel stand vor mir und fragte mich mit seiner tiefen Stimme: „Peter, was hat es hier gegeben?"
„Der Maurer," rief ich unter Tränen, „hat mich schwarz gemacht, und das wollte ich mir nicht gefallen lassen."
Kein Wort erwiderte Herr Hinkel auf meine Rede, aber er packte den Maurer, zog ihn über einen Tisch und bläute ihn durch, daß die Schläge nur so klatschten. Trotz meiner Rufregung und meiner Verlegenheit wunderte ich mich, daß der Maurer, der sonst so sehr mit seiner Kraft und seinem Mute geprahlt hatte, sich so wenig wehrte, aber alles wurde mir klar, als ich kur; darauf hörte, daß Wilhelm Hinkel der stärkste Mamt im ganzen Dorfe sei.
Nachdem ich so zugesehen hatte, wie der Maulheld seine Züchtigung bekam, ging ich nach Hause, um mich zu waschen und mich gleich darauf zu Bett zu legen, von diesem Tage an


