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so auch beim dänischen Volk das Nationalitätsprinzip mächtig geltend machte. Vas dänische Volk verlangte für Schleswig die Gleichberechtigung der dänischen Sprache mit der deutschen, die chauvinistischen Kopenhagener wollten schon damals Schleswig von Holstein abtrennen und mit Dänemark vereinigen. Der damalige König von Dänemark, Christian VIII., ein feingebildeter Mann, hatte freilich keine Sympathien mehr für das Deutsche wie einst seine Vorgänger auf dem Thron, er erließ den berüchtigten sogenannten „Offenen Brief", wollte aber aus berechnender Klugheit den dänischen Chauvinisten in ihren Plänen gegen Schleswig-Holstein nicht immer folgen. Die Schleswig-Holsteiner wurden auf das Unrecht, das ihnen von den Dänen geschah die viel schärfere Besteuerung in den Herzogtümern als im Königreich, die Däni- sierung Schleswigs und seine Trennung von Holstein, die Bevorzugung der Dänen bei Besetzung der einträglichsten Remter usw. — von dem Syller Landvogt Uwe Jens Lornsen, der vordem in der Ueichskanzlei zu Kopenhagen gearbeitet hatte, durch eine Schrift aufmerksam gemacht. Lornsen wurde von der dänischen Uegierung mit Gefängnis und Rmtsentsehung bestraft, wanderte mittellos nach Südamerika aus, kehrte aber nach einiger Zeit nach Europa zurück und beendete in Seelenumnachtung sein Leben im Genfer See, da er glaubte, daß sein Werk, für das er so schwer büßen mußte, wirkungslos in Schleswig-Holstein verhallt sei.
Lornsen hatte sich getäuscht, Schleswig-Holstein war wach geworden, überall regte sich die Mißstimmung gegen Dänemark. Um lautesten kam diese Mißstimmung zum Rus- druck in dem bekannten Liede „Schleswig-Holstein, meerumschlungen" Dichter war der in Rltona verstorbene Rmtsrichter Chemnitz, Komponist der schleswigsche Kantor Bellmann , das zum ersten Male auf einem großen Sängerfest in der Stadt Schleswig im Jahre 1844 gesungen wurde und dann so unzählbar viel und mit Begeisterung trotz seiner nicht hohen poetischen Wertes. Die Feindseligkeit zwischen Dänemark und den Herzogtümern wurde so groß, daß es zwischen ihnen zum Kriege kommen konnte. Ts kam zum Krieg, als 1848 der Dänenkönig Christian VIII. starb und sein ihm in allen Stücken unähnlicher Sohn Friedrich VII. König wurde. Friedrich VII. gab der Deputation, die eine Kopenhagener Volksversammlung an ihn abschickte, mit der Bitte um eine Verfassung für Dänemark die Rnt- wort: „Kinder, eine Verfassung wollt ihr haben, die sollt ihr haben, ihr könnt zwei bekommen, wenn ihr wollt." Der Kopenhagener Pöbel zwang Friedrich VII. zur Däni- sierung Schleswigs und zur ungerechten Behandlung der Herzogtümer. Da sagten sich die besten und die tüchtigsten vlänner in den holsteinischen und schleswigschen Ständen (Klammern), der schleswig-holsteinische Rdel, die hervorragendsten Männer unter den Universitätsprofessoren in Kiel, den Beamten und den Geistlichen des Lander, daß jetzt Dänemarks Vorgehen gegen die Herzogtümer unerträglich geworden sei. Uoch einmal versuchte eine schleswig-holsteinische Deputation in Kopenhagen das Landesrecht auf friedlichem Wege zu erreichen, aber vergebens.
Da erfolgte am 24. März 1848 die schleswig-holsteinische Erhebung. E? war eine Volkserhebung für sein Recht, keine Revolution, kein Rufruhr, wie die Dänen noch immer die Erhebung nennen. Die drei Männer, welche sich an die Spitze der Regierung stellten, nannten sich „Statthalter", Statthalter für den König-Herzog, der durch den Kopenhagener Pöbel behindert sei, den Herzogtümern ihr Recht
zu geben, in des Königs-Herzogs Hände wollten sie die Regierung wieder legen, sobald er den Herzogtümern ihre Rechte sicher gewähre. Ganz wunderbar war die Erhebung der Herzogtümer. Der Krieg war nicht vorbereitet, durch schnelles handeln gewann man die Bataillone in den Herzogtümern, die Festung Rendsburg durch Ueberrumpelung, die meisten schleswig-holsteinischen Soldaten hatten lange keine regelrechten Uniformen, aber das Volk war einmütig zu den größten Opfern bereit. Eine Volksanleihe brachte große Erträge, die Kieler Studenten und andere gebildete Jünglinge meldeten sich freiwillig, aus ganz Deutschland kamen Freischärler, Frauen und Jungfrauen aus den besten Häusern verpflegten freiwillig verwundete und Kranke in den Lazaretten. Das ganze Volk war von der nationalen Bewegung so hingerissen, daß strafwürdige verbrechen fast gar nicht vorkamen. Rnfangs verlief der Kampf aufs günstigste für die Herzogtümer, besonders damals, als die deutschen Bundesstaaten, in erster Linie Preußen, ihre hilfs- Iruppen schickten, die Schleswig-Holsteiner kamen als Sieger bis ins Jütland hinein. Ruf Drängen aber der übrigen europäischen Großstaaten nötigten die Preußen und die Gesterreicher die Schleswig-Holsteiner, welche fast drei Jahre so heldenmütig gekämpft hatten, zum Niederlegen der Waffen. Nun war Schleswig-Holstein den Dänen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Es begann die dänische Gewaltherrschaft. Es wurde nach der Vorschrift des Hauptes der Eiderdänenpartei, Grla Lehmann, gehandelt: „Es soll den Schleswigern mit blutigen Striemen auf den Rücken geschrieben werden, daß sie Dänen sind." Die Beamten und Geistlichen, welche sich nach Rnschauung der Dänen zu sehr bei der schleswig-holsteinischen Erhebung („Rufruhr!") hervorgetan hatten, wurden kurzen Prozesses ihrer Remter entsetzt. Hunderte von Familien, bis dahin in guter Lebensstellung, waren jetzt auf einmal völlig brotlos. Schleswigholstein wurde mit Schulden und Steuern überlastet, da es außer der eigenen Kriegsschuld auch noch seinen Teil an der dänischen Kriegsschuld tragen mußte. Die zum INilitärdienst ausgehobenen Schleswig-Holsteiner mußten in dänischen Garnisonen dienen und Schleswig-Holstein war dafür von dänischem INilitär besetzt. Der Gebrauch der schleswig-holsteinischen Landesmünzen und auch des in Schleswig-Holstein gangbaren Hamburger Kourants wurde verboten und dafür die dänische Landesmünze eingeführt. Die schleswigholsteinischen Landesfarben Blau-Weiß-Rot und das schleswig-holsteinische Landeswappen durften nicht mehr gezeigt werden. Dänische Beamte, die kaum gebrochen deutsch sprachen, kamen selbst nach Holstein,- in Schleswig gab es nur dänische Beamte. Die dänischen Beamten quälten die Bevölkerung in schämlichster Weise mit polizeistrafen, da die erlegten Gelder in ihre Tasche flössen (Sporteln); ebenso waren die Zollbeamten die grimmigsten Rufpasser, da die Strafgelder eine Zulage zu ihrem Einkommen waren. Sn Holstein mußte man die deutsche Sprache in Kirche und Schule belassen, Schleswig aber teilte man in drei Teile für die Sprache in Kirche und Schule: Nordschleswig mit einer dänischen Sprache, INittelschlerwig mit gemischter Sprache und Südschleswig mit deutscher Sprache. Die Rbsicht aber, in kurzer Zeit in dem ganzen Schleswig nur in dänischer Sprache predigen und lehren zu lassen, lag ganz offenkundig in der Rnweisung, daß die künftigen Pastoren für Schleswig an der Kopenhagener Universität studieren mußten und daß die meisten der künftigen schleswigschen Lehrer auf dänischen Seminaren ausgebildet wurden. (Forts, f.)


