116
kam: „heute an diesem hohen Festtage, wo so viel Freude mich umgibt, sollt auch ihr an dieser Freude Teil haben und freigegeben werden und in die Heimat zurückkehren dürfen. Wilhelm II., Deutscher Kaiser." Wer kann die Freude beschreiben, die unsere Freunde bei dieser Kachricht hatten! Freudentränen liefen über die Gesichter. Unser Heinrich aber ging sofort mit ihnen in ihr schlichtes Kapellchen, und hier dankten sie kniend dem, der sie befreit hatte von der Gefangenschaft, und daß sie nun die Freiheit hatten, in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen, Auch ein Gebet für unseren Kaiser kam in diesen Tagen vor den Thron Gottes von den lieben Hottentotten. Die Vorbereitungen für die Heimreise wurden getroffen. Immerhin vergingen noch einige Tage; Anfang August wurde die Heimreise angetreten. So kamen sie etwa Mitte August in Duala an. Aber was sahen wir? Das Häuflein ist sehr zusammengeschmolzen, von den 200 kehren nur noch 53 zurück. Die anderen sind dem Klima erlegen. Das Grab hat sich in Dschang für manchen unter ihnen geöffnet. Fern von der Heimat harren sie dem großen Auferstehungstag entgegen, bis der Herr sie aus dem Grabe aufwecken wird. Dann ist alle Gefangenschaft beendet und voll und ganz können sie das Wort „frei" verstehen. Besonders hart ist eine Frau unter ihnen mitgenommen worden.. Mit ihrem Manne und drei Kindern war sie nach Dschang gekommen. Allein muß sie zurückkehren, alle vier sind dem mörderischen Klima erlegen. Ihr verlangen nach der himmlischen Heimat ist noch größer. „Wann werde ich dahin kommen, daß ich mit meinen Lieben gemeinsam den Herrn loben darf ohne Ende?" so spricht sie vielmals. Der Herr wird wohl bald ihren Wunsch erfüllen.
hier in Duala nun hatte ich die Freude, wie schon erwähnt, unsere lieben Freunde zu sehen und ihnen mit dem Worte zu dienen. Unser Freund Heinrich, der sehr gut Deutsch sprechen kann, spielte den Dolmetscher und übersetzte das, was ich sagte, in ihre Sprache. Ihre Sprache ist so interessant, besonders interessant sind die vielen Schnalzlaute, die diese hat. viel Liebe durften sie hier in Duala erfahren. Die Missionare luden sie ein, und einige schöne Sonntage dursten wir mit ihnen verbringen. Wie haben sie uns erfreut mit ihren schönen Liedern, und manches deutsche Lied erinnerte un; an die Heimat und an frühere Zeiten. Wie schön erklang doch vierstimmig das Lied: „Preis und Anbetung sei unserem Gott", oder „Herr, deine Güte reicht so weit" und andere mehr.
Wenn jemand der Liebe bedürftig ist, so waren es unsere lieben Freunde. Keichlich sind sie auch hier beschenkt worden,' auch ich durfte ihnen drei Kleidchen, die ich vom lieben Leuerner Missionsverein noch hatte, schenken, vielen Dank sage ich den freundlichen Gebern im Auftrag der Freunde. Unser Heinrich wurde besonders erfreut durch eine Geige, die Missionar Wiedmaier ihm von Europa mitgebracht hatte. Es war ein Geschenk einer lieben Familie in Württemberg. Noch sehe ich seine dunklen Augen leuchten, als er das Geschenk erhielt, und von ähnlicher Freude mag er erfüllt gewesen sein wie unsere lieben Kleinen am heiligen Weihnachtsabend. _ (Fortsetzung folgt.)
In der Stadt Sonderburg auf Alsen findet Ende Juni dieses Jahres die allgemeine Landeserinnerungsfeier statt. Für diese große Erinnerungsfeier wählte man das Ende des Junimonats (am 29. Juni 1864 war der berühmte Ueber- gang der Preußen nach Alsen), damit sich dann den vielen fremden Fcstteilnehmern die herrliche Umgebung Sonder- burgs in ihrem schönsten Sommerkleid zeigen kann. Ueber tausend Veteranen, die einst entweder im brandenburgischen oder westfälischen Armeekorps oder im Gardekorps am Feldzug des Jahres 1864 teilnahmen, werden nach Sonderburg kommen. Weshalb aber gedenkt man, und zwar besonders in der Provinz Schleswig-Holstein, mit Freude und Jubel des Jahres 1864? Weil dieses Jahr Schleswig-Holstein die Befreiung von der dänischen Knechtschaft brachte und Schleswig und Holstein zu einem ungeteilten („up ewig unge- deelt") deutschen Lande von der Elbe bis zur Königsau machte. Seit 1460 war Schleswig-Holstein in Personalunion mit Dänemark verbunden (der König von Dänemark war Herzog von Schleswig-Holstein), und bis gegen das Jahr 1830 hin war diese Verbindung eine höchst friedliche. Das Königshaus in Dänemark (Oldenburger) war deutscher Abstammung, die Sprache am Hofe war ebenso viel deutsch wie dänisch. Die amtliche Sprache in den Herzogtümern war die deutsche,' in ganz Schleswig-Holstein mit Ausnahme von Nordschleswig, in welchem die dänische Umgangssprache herrschte, wurde vor Gericht, in Kirche und in Schule nur die deutsche Sprache gebraucht. Aber selbst in Nordschleswig war man damals so wenig sprachlich empfindlich, daß schles- wigsche Generalsuperintendenten in Hannover, Braunschweig usw. beheimatet und daher, obwohl der dänischen Sprache nur wenig mächtig, doch in den nordschleswigschen Kirchen visitieren konnten. Fast alle Gebildeten in Dänemark waren der deutschen Sprache mächtig; bekannt ist die Doppel- sprachigkcit des dänischen Dichters Baggesen, des Freundes und Verehrers unseres Schiller. Junge Dänen studierten auf deutschen Universitäten, die deutschen wissenschaftlichen Werke wurden in Dänemark cifrigst benutzt. Als ein Beweis dafür, wie freundlich das Verhältnis zwischen Schleswig- Holsteinern und Dänen war, mag die Tatsache angeführt werden, daß der Verfasser des ursprünglich für den König von Dänemark gedichteten Liedes „heil dir im Siegerkranz" rin Schleswig-Holsteiner, der in Flensburg beheimatete holsteinische Pastor (Pfarrer) harries war.
Einige Störung in das gute Verhältnis zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein hatte schon Dänemarks unglückliche politische Haltung in den napoleonischen Kriegen hineingebracht. Dänemark war ein treuer Freund Napoleons, für sein Bündnis mit Frankreich aber mußte es schwer büßen (die Engländer nahmen die dänische Flotte weg! Norwegen ging an Schweden verloren). Wohl kämpften die Schleswig- Holsteiner gemeinsam mit den Dänen tapfer auf Seiten Napoleons, wohl sahen die Schleswig-Holsteiner die plündernden Kosaken, die das von Napoleon zu Frankreich geschlagene Hamburg mit größtem Jubel als Befreier begrüßt hatte, als schlimme Feinde an (Brentanos Gedicht „Die Gottesmauer"), als aber nach den Schlachten bei Leipzig und bei Waterloo ganz Deutschland twU von patriotischer Begeisterung war, ging diese Begeisterung auch über den Elbstrom hinüber bis Schleswig-Holstein hinein, und recht viele Schleswig-Holsteiner wurden sich dessen bewußt, daß sie doch Deutsche und nicht Dänen seien. - Ein Gegensatz aber, der im Laufe der Jahre immer schärfer wurde, entstand gegen 1830 hin, als sich wie bei fast allen Völkern Europas
Erinnerungen eines alten Schleswig-Holsteiners an das Jahr (864.
Zur 50. Wiederkehr des Tages von Düppel.
Am 18. April dieses Jahres wird in allen Gemeinden Schleswig-Holsteins südlich der Linie Flensburg Tondern die fünfzigste Wiederkehr des Düppeltages gefeiert werden.


