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und darum wird Luch das Leben abgesprochen. Ihr wart in vieler Einsicht ein gefährlicher Mensch, und darum ist Luch keine Gnade geworden. So wie ich diesen Stab verbrechen werde, seyd Ihr unter der Hand des Nachrichters. Lr wird die verlesenen, höchsten Drtes bestätigten Urteile auf ver- ordneter Stelle an Luch vollziehen. Gehet reuevoll, sittsam und standhaft zum Tode! Wendet Luch zu Gott! Uuf dieser Welt habt Ihr nichts mehr zu hoffen. Zum Zeichen, daß dem so ist, daß Ihr in letzter Instanz verurtheilt seyd und daß Lucr Urtheil in Gemäßheit Allerhöchster Bestätigung un­widerruflich vollzogen wird, breche ich Luch hiermit den Stab. Der Uachrichter hat sein Amt zu verwalten."

Gewiß war der ,,Schrammbacken" ein verabscheuungs- würdigcr Bösewicht, aber die Formalitäten bei seiner Einrich­tung entsprechen nicht dem humanen Lharakter unserer mo­dernen Strafgesetzgebung. h. Bt~j* ■

Lin pfälzischer Musikant.

Lrzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Als ich einen Tag später, wie gerade die Feierabend- glockc läutete, mit meinem Vater vom Felde nach Hause Kam, war die Lene wieder zurückgckehrt und saß bei meiner Mutter im Zimmer, vie Uede floß ihr von den Lippen, wie ein Mühlbach sich auf die Schaufeln ergießt, wenn die Schleuse aufgezogen ist. In aller Breite schilderte sie das Begräbnis des Konrad Hinkel. Die ganze Straße sei schwarz von Men­schen gewesen, von weit und breit seien sie herbeigekommen, und der Pfarrer habe eine Uede gehalten, daß alles geweint habe. Nach dem Begräbnis habe sie mitgehen müssen zum Ims in das Trauerhau;, da habe es Uaffee und Uuchen ge­geben, und alle Leute, die die Lene von früher her gekannt hätten, seien hcrbeigekommen, um ihr die Hand zu geben und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Der Frau des jungen Wilhelm Hinkel habe sie versprechen müssen, sie recht bald wieder zu besuchen.

So floß der Uedestrom der Ultpeter-Lene. Ich hörte längst nicht mehr zu, sondern schaute hinaus auf die Straße, auf der Uinder spielten und der Gänsehirte gerade seine Herde vorübertricb. Mit einem Male aber wurde meine UufmerK- samkeit rege, als die Lene sagte: „Ja, und was ich noch sagen wollte, Hannes, der junge Herr Hinkel hat mir ge­sagt, ob ich ihm keinen jungen Burschen wüßte, der bei ihm Knecht werden wolle. Tinen großen Knecht hat er schon, er sucht jetzt einen Bub, der leichtere Nrbeiten besorgt und ihm, wenn er auf die Jagd geht, die Hasen nach Hause trägt."

Vas letzte Wort fiel mir in die Seele, vie Jagd hatte von jeher mein Interesse erregt. Ich konnte nicht müde wer­den, von Fuchsjagden, vom vachsgraben und vom Schnep­fenstrich zu hören. Gar zu gern wäre ich schon einmal mit­gegangen, wenn die Nehböcke im Walde bei Nuppertsecken geschossen wurden, aber es fand sich keine Gelegenheit dazu: denn die Feld- und Waldjagd der Gemarkung meines Ge­burtsortes hatte ein reicher Herr aus Ludwigshafen gepach­tet, und der nahm keine Buben mit, wenn er mit dem Ge­wehre hinausging. Jetzt auf einmal war mir ein begehrens­wertes Ziel greifbar nahe gerückt, ich sprang von der Bank hinter dem Tische, auf der ich gesessen hatte, auf und sagte: „Vater, das wäre eine Stelle für mich."

ver Vater gab mir keine Antwort, sondern sagte zur Lene: „Sind das auch ordentliche Leute?"

„Vas sind Leute," gab Lene zur Antwort, „so gut gibt cs keine mehr in der ganzen Pfalz, vie halten ihr Gesinde,

als ob es ihre Kinder seien, voriges Jahr hatten sie einen kleinen Knecht, der hatte den Notlauf im Finger, da ist der Wilhelm Hinkel selbst für ihn in die Apotheke gegangen, und seine Frau hat ihm jeden Tag Leinsamen gewärmt und den Finger verbunden. Was die Herrschaft selbst ißt, das kriegt auch das Gesinde, und niemand braucht sich dort krumm und lahm zu schaffen."

„Wenn das so ist", meinte der Vater, „so hätte ich nichts dagegen, wenn der Peter sich zu dem Wilhelm Hinkel ver­dingt. Wenn er dort eine Zeitlang gewesen ist, kann er im­mer noch ein Handwerk lernen."

vie Mutter seufzte: „Sollen wir denn schon wieder ein Kind aus dem Hause weggeben?"

Ihre ängstlich sorgende Frage hörte ich kaum,' denn mir war der Kopf voll von der Jagd, bei der ich helfen ' sollte. Ich sah schon die Hasen über da; Feld dahinsausen, hörte, wie die Nebhühnerkette aufschwirrte, und marschierte im Geiste schon mit der schwer bepackten Jagdtasche über die Landstraße. Sonst dachte ich an nichts und sagte: „Vater, wir wollen gleich morgen nach Stein-Bockenheim gehen, damit mir keiner die Stelle wegschnappt."

Meine Litern beratschlagten eine Weile, sie sprachen hin und her, endlich sagte die Mutter: „In Gottes Namen, Peter, ich habe nichts dagegen, wenn du dich verdingst, vu bist freilich noch ein bißchen jung, um schon zu fremden Leuten zu gehen. Aber großes vermögen können dein Vater und ich dir nicht mitgeben, du mußt lernen, dein Brot selbst zu verdienen."

So war über meine nächste Zukunft Beschluß gefaßt, ver Vater konnte in den nächsten Tagen nicht abkommen, da er dem Nachbar Gerhäuser versprochen hatte, ihm einen Brunnen graben zu helfen, aber ich erklärte, ich könne allein gehen, um mir die Dienststelle auszumachen.

Woher ich den Mut hierzu genommen habe, weiß ich nicht, genug, ich ging am nächsten Morgen, als kaum der Sommertag graute, ab und marschierte durch den Wald nach Kriegrfcld, von da nach Mörsfeld und dann über die Grenze nach Stein-Bockenheim. Auf der hochgelegenen Straße, die an einem großen Steinbruche vorüberführt, sah ich da; Dorf, dem ich zustrebte, zu meinen Füßen liegen und dahinter weithin das rheinhessische Hügelland sich ausdehnen. Deutlich hob sich das hofgut auf dem Wiesberge ab, dahinter ragten die Berge auf, die am Ufer des Nheins liegen. Heller Son­nenschein lag über der schönen Landschaft, üppig standen die Klee- und Getreideäcker zu beiden Seiten der Straße, grüne Aepfel hingen in dichter Fülle an den Bäumen.

An einem Wirtshause, da; am Lingang des Dorfes liegt, fragte ich eine alte Frau nach der Wohnung des Wilhelm Hinkel und erhielt die Antwort: „Geradeaus, die Gasse an der Kirche hinunter, bis dorthin, wo die Bach ist, dort steht ein großes Haus mit grünen Läden, das ist es."

Ich hatte das bezeichnete Haus bald gefunden. Gffen stand das große Hoftor, das nach pfälzischer Bauart die hof­reite ganz von der Straße abschließt, so daß kein neugieriger Blick von außen hineindringen kann und das ganze Un­wesen gewissermaßen den Lharakter einer Burg hat. Lin mit grünem Futter beladener Wagen stand mitten im Hofe, und daneben stand ein großer, kräftiger Mann mit braunem Vollbarte. Lr rauchte die kurze Pfeife und war von zwei Jagdhunden umgeben, die, als ich den Hof betrat, langsam auf mich zugingcn und mich umschnupperten.

„Na, mein Lieber, was willst du?" rief der große Mann mir freundlich zu.