Einzelbild herunterladen

91

Und wenn sie tragen mich vorbei an deinem trauten Hause, Dann schneide ab, Geliebte mein, schneid' ab die lieben haare. Und setzen sic am Kirchentor mich nieder, an dem hohen, Dann raufe dir die haare aus, wie federn sich die Hennen, Und singen sie den Ubschiedspsalm und löschen meine Kerzen, Dann Hab ich dich, Geliebte mein, in meinem treuen Herzen.

Die junge Witwe.

Lin junges U)cib sang einst sein Lied herab aus schönem Zensier,

Und soviel Schiffe es gehört, die legten sich vor Unker;

Doch furchtbar anzuschaun ein Schiff, ein Schiff des blutgen Krieges,

Vas reffte nicht die Segel ein, wollt' nicht vor Unker gehen. Ueff'ein die Segel, stolzes Schiff, reff ein, die Segel berge; Venn was ich sang, das war nicht Lust, war eitel Totenklage; Ich Hab' nen Mann, der Mann ist krank, ist todesmüd zum Sterben

Ich suchte mir ein heilend Kraut, daß essend er genese, von wilder Hirschkuh sucht ich Salb' und Milch der wilden Ziege.

Bis daß ich stieg auf Berges höhn, durchschweifte alle Felder, Mir Hürde baute und Geheg', die Hindin mir zu fangen; va nahm mein Mann ein andres lvcib, Hochzeit mit ihr zu halten,

Vas Grabmal nahm zur Schwieger er, zum Weib die schwarze Erde.

Vas Uebhuhn.

Um Morgen früh, da steh ich auf, zwei Stunden noch vor Tage,

va nehm ich Wasser, wasche mich, und mach mich wach mit lvasser

Und wandle eilend mein weg, den weg, das schöne pfädchen, Bis daß ich find' 'nen losen Stein, mich strecke und mich lege, Zu hören Habichts wilden Uuf und Udlers schrilles Pfeifen, Zu hören auch des Ucbhuhns Ton, wie Uachtigallenzwitschern: ® Udler in dem Fclsgestein, Steinadler auf den Feldern Ihr nahmt mir den Geliebten mein, und ließet mich alleine!

Doch der Tote ist der Erde übergeben, wir kehren zu­rück ins Trauerhaus. Bund herum an den wänden sitzen und stehen die Leidtragenden, und nur tiefe Seufzer der Leider oder Beileider lassen sich hören. Eine Tasse Kaffee wird ge­reicht, und dann verabschiedet sich eins nach dem andern mit dem Wunsche, der gerade hier seltsam berührt, narisis, mögest du leben!

Eigentliche Seelenmessen kennt die griechische Kirche nicht, sondern nur sogenannte mnimösina, Gedächtnisfeiern, vieselbcn finden statt durch Gebet mit Uennung des Namens am Z., 9., 20., 40. Tage, nach Z und 6 Monaten und end­lich nach einem Jahre, übrigens auch öfter, wenn die ver­wandten cs wünschen, wird das mnimosinon am Grabe ge­halten, dann werden die sogenannten koliwa mitgenommen, die Lcichengcrste, ein Gemisch von leicht gekochter Gerste mit Zimt und Korinthen, da; in Kuchenform auf einem Tablett auf den Friedhof genommen wird, um nebst wein neben das Grab gesetzt zu werden, wer an der Feier teilnimmt, kann davon nehmen. Sollte das vielleicht eine letzte Erinnerung an frühere Leichenmahlzeiten in der heidnischen Zeit sein, wie sie bei den Körnern an der parentalia stattfanden, wo man Blumen, Zweige, Kränze auf die Gräber niederlegte, einfache Mahlzeiten hielt und (Opfer für die Manen darbrachte? Sind die koliwa etwa eine Erinnerung an diese (Opfer selbst? heutzutage dienen die koliwa auch zur Speisung der Urmen, die sich an den jährlichen gemeinsamen mnimösina zahlreich

einfinden, um davon zu genießen. Schon Uugustin erwähnt sie und erklärt, daß sie dazu dienten, nicht nur die Manen zu befriedigen, sondern damit die Urmen oder die viener der Kirche zu Gebeten für die Toten bewogen werden. Vas ist gewiß durchaus richtig, sachlich und psychologisch. Man will die guten wünsche gewinnen: otksos makarisi tus, Gott mache sie selig! vie gemeinsamen mnimösina werden in den Fasten gehalten, immer an einem Sonntag, der dann psicho- sawaton heißt, Seelensabbat, wie die koliwa: psieböpita, Scelenkuchen. Manche lassen es auch nicht an den Gedächt­nistagen ihrer Toten an diesen einfachen koliwa genügen, sondern schenken 100 Brote an die Urmen, oder sonst Gaben an Fleisch usw. an die öffentlichen Wohltätigkeitsanstalten, jedenfalls immer mit dem Gedanken, dadurch auch den ver­storbenen heil zuzuwenden.

Ich kann übrigens von diesem letzten Ende der Griechen nicht scheiden, ohne noch einiges über den daran sich knüpfen­den Volksglauben zu sagen. Ich habe schon des öfteren auf das vramatische der vorstellungsweise hingewiesen, das in allem sich bei den Griechen geltend macht, vies macht sich auch geltend in der verwendurlg, die der gute alte Toten­fährmann der Alten, Tharon, der die Seelen über den Todes­fluß hinüberführt in das Totenreich, in dem vorstellungskreis der Ueugriechen gefunden hat. Er ist nicht mehr der Toten­fährmann, der ja immerhin eine freundliche Gestalt ist, der im Vienste der Götter stehend den (Obolus für die Uebsr- fahrt, der dem Toten in den Mund gelegt wurde, empfängt. Bei den Ueugriechen ist Tharon, oder wie er bei ihnen mit leichter Veränderung heißt, Eharos oder Tharontos, die Per­sonifizierung des furchtbaren Todeskampfes und des Todes und der Totenwelt überhaupt, vorgestellt wird er als ein starker, rüstiger Mann, ,,er trägt die haare der Sonne, die klugen des Blitzes", seine Farbe ist wie Feuer, dann aber auch wieder schwarz wie Erde. Er reitet auf einem schwarzen Boß, dessen Hufeisen fürchterlich dröhnen. Bewaffnet mit Schwert und Pfeilen geht er auf die Menschenjagd, oder wie ein Winzer übt er mit der Sichel sein grausiges Werk, vie Wunden, die er schlägt, sind unheilbar, wie ein Distichon sagt: ,,vcs Eharos Wunden heilt kein Kraut, va hilft nicht klrzt noch heil'ger."

Der Todeskampf wird von der plastischen volksphan- tasie gedacht als ein Bingen mit dem Eharos. va heißt es palewi ms to Charo, er kämpft mit dem Eharos, oder in ein Wort sogar zusammengezogen: okarupalöwi, oder im Epirus kawali nerö, tu Chäru, er schleppt Wasser für den Tharos, wahrscheinlich eine dichterische Umschreibung des Todcsschweißes. Mit dieser grausigen Gestalt hat die Phan­tasie des Volkes, das ja immer gern gruseln will, sich mit besonderer Vorliebe beschäftigt. Sie kann sich nicht genug tun in immer grausigeren Schilderungen. Mir ist es immer so vorgckommen, als habe der Grieche noch eine besondere Furcht vor dem Tode außer der allen Menschen gemeinsamen, und daß diese den Griffel geführt hat bei der Zeichnung des Eharos. Um besten lasse ich die Volkslieder selbst reden, die da; Denken des Volkes wiedergeben: warum sind doch die Berge schwarz und stehen tief ver­dunkelt ?

Bestreicht sie wohl des Sturmes hauch, des Kegens kalte Strahlen ?

Nicht Sturm, nicht Kegen ist's, der Eharon ist's mit seinen Toten.

Er schleppt die Jungen vorn, die Ulten hinten, vie zarten Kinderlein am Sattel aufgereiht,