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3n Stangenrod wie auf dem Wirberg scheinen die Pfarrer vorsichtig gewesen zu sein, sie hatten das Gpfergeld nicht in in der Kirche gelassen. Offenbar handelte es sich in beiden Fällen um dieselbe Lande.
Daß diese Räuber für alles Verwendung hatten, zeigt ein Fall, der sich auf der Lachmühle bei Faurombach zutrug. Dort war ein Esel gestohlen und für 20 Gulden verkauft worden.
Gleichfalls im Sommer 1809 das Läuberunwesen scheint in diesem Lahre am üppigsten in das Kraut geschossen zu sein wollten zwei Räuber und eine „Räuberin", genannt „Schandnudels Vorth", auf einer Mühle bei Oberbreidenbach einige Ferkel stehlen. Sie fanden jedoch in der dunklen Nacht in dem Stalle ein großes Schwein, das sie beinahe umrannte und an dem Ferkeldiebstahl hinderte. So begnügten sie sich mit denn Kessel, den sie dem Waschhause entnahmen. Kupferne Kessel scheinen bei den oberhessischen Räubern sehr beliebt gewesen zu sein. Rber sie stahlen auch Kleider und nahmen Schafe aus dem pferche mit. Rus Leuern wird berichtet, daß dort der „Lumpenjost" drei Gänse gestohlen habe. Geld fiel den Räubern selten in die Hände. Ts war damals eine geldarme Zeit, und was die Leute an barem Vorräte besaßen, bewahrten sie in der Regel so auf, daß es vor Nachforschungen sicher war.
Sämtliche Räuber hatten neben ihren Familiennamen, die ihre nächste Umgebung oft nicht kannte, noch einen unter dem sie bei ihren Spießgesellen bekannt waren und die auch vielfach in den Rkten figurieren. So werden genannt der „schwarze Christel", der „lange Friedrich", „Weisbrodts Lalser" und der „Heidenpeter". sSchluß folgt.)
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Lechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Ich weiß heute nicht mehr im einzelnen genau, was damals alles im Gotteshause vor sich gegangen ist, aber ich weiß, daß eine feierliche Stimmung mein junges Herz erfüllte. Fromme Gedanken und heilige Entschließungen gingen mir an diesem Frühlingsmorgen durch die Seele, voll von tiefer Ergriffenheit sang ich das Lied mit, das in meiner Heimat seit langer Zeit die Konfirmanden nach der Einsegnung singen, das Lied, dessen erste Strophe lautet: „Gott, welche heilige Stunde, laß sie gesegnet sein, du heiligster, dir wollen wir Herz und Leben weihen." Ich weiß heute, daß es schönere und tiefere Konfirmationslieder gibt als dieses, das aus einer Zeit stammt, die rührselig und verstandesmätzig nüchtern zu gleicher Zeit gewesen ist, aber durch jahrelange Einbürgerung ist dieses Lied mehr als einer Generation von IRenschen wert geworden, und die Großväter wünschten in meiner Kindheit stets, daß es auch von ihren Enkeln gesungen werde. Lei der Einsegnung wurden die Sprüche verlesen, die der Pfarrer jedem von uns auf den Konfirmandenschein geschrieben hatte. Der meinigr stand Psalm 37, 3 und lautete: „Lleibe fromm und halte dich recht: denn solchem wird'? zuletzt wohlgehen." Vas ist ein schöner Spruch, und ich beschloß damals, nach ihm mein Leben einzurichten.
Nach dem eigentlichen Gottesdienste feierten wir das erstemal mit den erwachsenen Gemeindegliedern das heilige Rbendmahl. Rite und Junge traten vor den Rltar. Es ist mir heute noch immer ein ergreifender Rnblick, wenn ich alte Menschen bei dieser heiligen Handlung sehe. Meist kommen sie müden Ganges daher, manch eine alte Frau, deren Rn-
gesicht welk und runzlich unter dem schwarzen Kopftuch hervorschaut, muß gestützt werden, wenn sie die Stufen zu dem Rltare hinangeht. Rch, sie ist ihre siebzig oder fünfundsiebzig Jahre lang über die Lecker gegangen, hat gegrast und Getreide mit der Sichel geschnitten, hat Rüben- und Krautpflanzen in den Loden gesteckt, das Vieh besorgt und den Haushalt in Ordnung gehalten, hat zuerst die eigenen Kinder und dann die Enkelkinder großgezogen, wer wird sich da wundern, daß sie nicht mehr so leichtfüßig ist wie damals, da sie mit achtzehn Jahren auf der Kirchweihe Walzer tanzte. Mit gebeugtem Rücken kommen die alten Männer. Sie haben manchen Sack Kartoffeln und Getreide auf der Schulter getragen, haben mit abgearbeiteten Händen den Pflug und die Sense gehalten und die Rxt im Walde geführt, sind in der alten, verkehrsarmen Zeit meilenweite Wege gegangen, haben mit dem Spaten den schweren Loden umgegraben, sie können nicht so elastisch sein wie ein moderner Jüngling aus der Stadt, der viel Sport treibt. Und alle die Riten haben des Lebens Lasten getragen und seinen Unbestand erfahren. Sie haben ihre Großeltern und Eltern in das Grab sinken sehen, haben die Schollen niederfallen hören auf manchen Sarg, in dem ein Rltersgenosse lag, sie haben ihre Existenz gegen andere Menschen zu verteidigen gehabt, haben Sorge zu tragen gehabt, dgß die Rckerziele auf den Martinstag zusammenkamen, haben angstvoll nach den Mienen des Rrztes gesehen, wenn sie einen Kranken im Hause hatten, und sind unter allen diesen Sorgen wahrlich nicht fröhlicher geworden, vaß das Leben an ihnen nicht spurlos vorübergegangen ist, merkt man daran, daß der Rbendmahlskelch, den ihnen der Geistliche reicht, in ihrer Hand zittert. Ihnen ist es Labsal und Erquickung, wenn sie durch das heilige Rbendmahl sich die Kräfte des ewigen Lebens aneignen. Rber auch den Jungen, Wagemutigen, Lebenskräftigen ist dieses Sakrament gegeben zur Stärkung des inwendigen Menschen und zur Tröstung der angefochtenen, betrübten Gewissens, und wenn die Kinder das Geheimnis dieser Feier auch noch nicht erfassen, sie ahnen doch, daß hier Göttliches in das Trdenleben hereinragt. — Zwei Stunden und länger dauerte der ganze Gottesdienst. Mit gespannter Rufmerktamkeit lauschte die Gemeinde den Worten des Geistlichen. Während er sprach, jubelten draußen auf dem Platze, der die Kirche umgibt, die Vögel, und die Zweige der Läume schlugen, von leisem Windhauche bewegt, gegen die gemalten Scheiben.
Mächtig brauste, nachdem der Segen gesprochen war, die Orgel, und langsam traten wir in das Freie, hell leuchtete die Sonne herab auf das Land, ein wundervoller Maitag war gekommen. Ueberall vor der Kirche standen Gruppen von Menschen, dann aber lösten diese sich langsam auf und die Kirchenbesucher begaben sich heimwärts. Wir Ruppertsecker gingen den steilen Lerg hinan: Leute, die von weitber kamen und nach dem vonnersberge gingen, zogen, mit Laub ge- sckmückt und freundlich grüßend, an uns vorüber. Unweit unseres hau!es stand der Nachbar Gerhäuser in Hemdärmeln auf der Straße und sagte zu mir, als ich an ihn herangekommen war: „Peter, dar war der hehrste Tag deines Lebens, tue nie etwas, daß du später einmal unter Reuetränen an diesen Tag zurückdenken müßtest!"
ver Nachmittag des Konfirmationstages gehört in der Pfalz nach alter Sitte der weltlichen Lustbarkeit, wenn ich so sagen darf. Da ziehen die Konfirmanden von einem Elternhaus in das andere und werden in jedem mit Kaffee und Kuchen bewirtet, va wir acht Konfirmanden waren, so hatten wir acht Häuser zu besuchen, voran gingen Rrm in Rrm die


