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Ständen und Lebensaltern. Oie Hetzen werden nicht alle geredet, sondern sehr oft gelesen, was natürlich den Lindruck bedeutend abgeschwächt, wegen der vielen Anstöße, die eine schlechte Handschrift verursacht. Oer Inhalt ist meistens eine Verherrlichung des Toten, oft in den überschwänglichsten Aus- drllcken, vor denen wir statt stehen. Oie Zeitungsausschnitte mit solchen Ergüssen habe ich leider verlegt, kann also nur weniges darbieten, doch das genügt vollkommen zur Charakteristik. Seine Lrstlingsleichenrede hält einer in einer großen Kirche Athens, an der Bahre einer „engelgleichen Jungfrau", er entschuldigt sich wegen der wenigen trockenen Ivorte, die er vorzubringen habe. „Jung, zu jung bin ich und schwach ist meine Kraft gegenüber so schwerem Leide. Oas sehe ich. Ooch laßt mich, die ihr das Geleite gebt, laßt mich meine dürftigen Blätter ausstreuen, und hernach mag die Lrde ganz jenen einst so liebreizenden, strahlenden Leib bedecken. Ihr werdet hier nur den einfältigen, prosaischen, ungemachten Seufzer der Freundschaft hören. Ts ist hart, sehr hart, härter als der Tod, daß die Jugend stirbt, und sterbend mit sich in die Tiefe des sonnenlosen Grabes so viele Träume, geflügelte Hoffnungen hinabnimmt. Oer Tod der Jugend ist ein bitteres Lächeln des Geschicks. Oie sterbende Jugend gleicht dem lieblichen Gesänge einer süßzwitschernden Lerche, der in seinem Anfang schon durch die Erscheinung eines Habichts unterbrochen wird. Ivenn ich jemals im Fleische dem Schöpfer begegnete, würde ich ihn fragen: Welchen Grund, welchen Zweck hat, o Seliger, der Tod der Jugend? Genügt denn nicht die Sehnsucht des Alters nach dem Tode, sein vertrautwerden mit dem Grabe? Ich habe durchaus nicht die Absicht, hier das Lob der jungfräulichen Tugend unserer Heimgegangenen unglücklichen Katharina zu singen. Ein kaum 20jähri- ges Leben ist der süßeste der Träume, vielleicht läßt der Tod diesen Traum sich fortsetzen. Ich ehre den Schlaf der Jungfrau, noch mehr den goldbeschwingten Traum des Mädchens. Ich gehe auf den Zehen vorüber. Schlafe selig, geliebte Katharina, träume weiter deinen süßen Traum! Niemand wird ihn mehr stören außer dem Flug der Cherubim um dich her. O» wurdest unter christlichem Dache geboren und erzogen, du lebtest so lange wie eine schönfarbige Kose, unbekümmert um den Sturm, der deine Blätter zerstreuen sollte. Er hat dich müde, deine Blätter welken gemacht, aber nicht völlig wie die der Bose. Ou trägst sie dorthin, damit, wenn sie beneiden kommen, die Engel selbst dich beneiden werden. Zieh hin in Frieden, herbstliche Kose, die du unterlegen bist unter der furchtbaren Erschütterung durch den unseligen Anhauch deiner Geschicke! Zieh hin, zartes Blümlein, damit du im Paradiese dich akklimatisierst. Zieh hin! Dort hast du nichts zu fürchten! Oort wirst du geborgen sein, vu wirst furchtlos blühen und dich entwickeln unter der zarten pflege himmlischer Engel, die vielleicht zuweilen deinen vuft tragen werden, damit der Schöpfer ihn einatme. Laßt uns sie nicht mehr hier zurückhalten, die gsDbte Katharina. Sie gehört uns nicht mehr. Keines anderen Kechts an ihr genießt ihr fortan, Eltern und Brüder, als den des letzten Kusses. Laßt die Jungfrau ihre goldenen Flügel entfalten. Am Grabe erwartet sie der Wagen, nur die Engel sind ungeduldig, Halten wir sie nicht mehr! Zieh hin, geliebtes Mädchen, auf dem Weg des Friedens, auf dem Weg des Glückes, auf dem Weg der Seligkeit! Zeuch hin!" '
Ooch nicht bloß junge Mädchen bekommen so „trockene" Leichenreden, auch Männern kann das passieren, doch sind im ganzen die für sie bestimmten Leichenreden männlicher und schließen meistens mit einem okärs, „lebe wohl". Ein Kedner,
der sich gern hören und drucken läßt, war Betriebsdirektor der Eisenbahn Athen Piräus. Er trug den Namen des letzten alten Griechen, Philipomen, und hatte offenbar trotz des unablässigen Verkehrs der Züge noch Zeit zu solchen Ergüssen. Etwas noch Maßvolles von ihm sind seine letzten Worte an dem t^rabe nicht gerade des größten griechischen Dichters: „Und nun, erhabene, veilchenbekränzte Gipfel der hellenischen Gebirge neigt auch ihr euer hohes Haupt und drückt auch ihr den letzten Kuß auf die unsterbliche Lippe des verherrlichten Dichters unseres Landes und hüllt seine geheiligten Glieder ein mit dem Grase, mit der Myrte, mit dem Lorbeer, die den hals und den unsterblichen Busen unserer Mutter bedecken." Oie direkte Anrede an den verstorbenen ist allgemein gebräuchlich. In manchen Neben wird ihm aufgetragen, Grüße an Familienglieder, verstorbene politische Parteigenossen usw. auszurichten. Manchem Kedner möchte man zurufen: „halt ein, du rasest, die große Kunst macht dich rasend!" Und in der Tat ist es die vorwiegende Beschäftigung mit der Sprache, zumal derjenigen vergangener größerer Zeiten, welche den Griechen mit einem Vorrat von Wörtern, namentlich eigenartigen und interessanten Wortzusammensetzungen versieht, den er gern glänzen läßt. Selbst Schulkinder lassen nach der Seite hin Fremden gegenüber ihr Licht gern leuchten.__sFortsetzung folgt.)
Vorsicht vor Scfticrcrn!
In der vorigen Woche hat ein unbekannter Mann - augenscheinlich ein Bauersmann aus der Umgebung von Gießen - nach der Konfirmandenstunde an Konfirmandinnen der Johannesgemeinde Blättchen ausgeteilt, die Kinder nach ihren Adressen gefragt und ihnen gesagt, „es sei ja doch einerlei, was man sei". Damit wollte er wohl sagen, es sei einerlei, welcher Kirche oder religiösen Gemeinschaft man angehöre. Oie Kinder brachten die Blättchen ihrem Pfarrer und teilten ihm mit, daß sie dem unbekannten Manne nachgegangen seien und dabei beobachtet hätten, daß er in das Versammlungshaus der Baptisten gegangen sei.
Augenscheinlich liegt hier der versuch einer Sekte vor, Konfirmanden in ihre Uetze zu ziehen. Welcher Sekte der unbekannte Mann angehört, kann einstweilen mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden. Aus dem Umstand, daß er in das Baptistenhaus gegangen ist, kann man nicht ohne weiteres den Schluß ziehen, daß er selber Baptist ist, wiewohl diese Vermutung nahe liegt. Es ist anzunehmen, daß dieser Mann nur den ersten versuch gemacht hat und daß der zweite, der Besuch der Kinder in ihren Elternhäusern und die Einladung, an einer sektiererischen Versammlung teilzunehmen, später von einem Helfershelfer unternommen werden sollte. Da die Kinder ihre Adressen nicht angegeben haben, so wird dieser zweite Schritt ja vorläufig unterbleiben müssen.
Vieser Vorfall zeigt wieder einmal deutlich das unschöne Verhalten, das Sektierer oft an den Tag legen. Oie evangelische Landeskirche, die viele Millionen ernster Christen umfaßt und nun seit vier Jahrhunderten Geschlecht um Geschlecht heraufführt zum Lichte, wird von ihnen bekämpft, indem sie wankelmütige Menschen zum Austritt aus der Kirche zu bereden suchen, vielfach werden die Austrittserklärungen von den Sektierern geschrieben und dann den von ihnen Betörten zur Unterschrift oorgelegt. Oer Zorn der "Sektierer richtet sich oft gegen die Pfarrer, und sie verunglimpfen sie mitunter, wenn sie glauben, das ungestraft tun zu können. Dabei scheuen sie sich nicht, Menschen, die absolut von ihnen nichts wissen wollen, in dreister Art zu belästigen. Gft hat


