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„klch," sagte sie eines Tages, als wir miteinander von Marienthal nack Hause gingen, „das schwarze Konfirmations- Kleid trage ich nicht lange. Vas fiele mir gerade ein, wie eine alte Frau umherzugehen. Ich Kriege jetzt ein Kosakleid mit weißen Spitzen daran und dann gehe ich auf alle Kirchweihen im ganzen Lande tanzen, kluf den kllzeper Sommermarkt bin ich schon von einem Kaufmann, der meinem Vater Seife verkauft, eingeladen."
„ktber, Marie," wagte ich schüchtern zu sagen, „ich meine, du solltest jetzt doch an andere Sachen denken. Meine Mutter hat gestern erst gesagt, sie habe noch nie in ihrem Leben getanzt."
Va lachte Marie und sagte: „klch, deine Mutter ist eine altmodische Frau. Vie versteht nur zu schaffen und zu sparen. Guck, Peter, ich kann jetzt auch Polka tanzen."
Und das leichtsinnige Mädchen bewegte sich über die Landstraße im Tanzschritte und sang dabei: „Polka hin, Polka her, Polka, Polka tanz ich gern, aber nur mit feinen Herren. haben sie keine Handschuh' an, ich nicht Polka tanzen kann." —
Den ganzen IVinter hindurch hatte ich meine Musikübungen fortgesetzt. Jetzt, da ich Konfirmand war, blies ich auf der Trompete auch Thoräle. Freilich meiner Mutter ist die Musik zu viel geworden, sie mußte mir oft Uuhe gebieten, weil ihr sonst, wie sie sagte, der Kopf platzen würde. Gottfried Keiper war in diesem IVinter nicht zu Hause, er war Mitglied eines Theaterorchesters in Straßburg und spielte sich immer mehr auf den noblen kjerrn hinaus.
Kurz vor Elstern sollte ich zum erstenmal kennen lernen, was es heißt, im Leben enttäuscht werden. Es war im März, da ging der Vater mit mir nach Kirchheimbolanden, um bei dem Glasermeister Kilp wegen einer Lehrstelle für mich anzufragen. Der Meister machte, als der Vater sein Kegehr vorgebracht hatte, ein nachdenkliches Gesicht, schob die Brille auf die Stirn und sagte: „Ja, wiltinger, ich kann jetzt keinen Lehrbuben brauchen, das Geschäft geht zu schlecht, es wird wenig gebaut. klber vielleicht fragt Ihr nach der Heuernte noch einmal nach, es kann sein, daß ich dann mehr zu tun habe und Euren Peter nehmen kann."
Vieser Kescheid stimmte mich sehr traurig. Ich hatte mit aller Sicherheit gehofft, von Meister Kilp angenommen zu werden, nun war meine Hoffnung in nichts zerronnen, wie stolz wäre ich gewesen, wenn ich zu Hause meinen Kameraden hätte sagen können: Ich komme jetzt nach Kirchheimbolanden und lerne Glaser bei dem kjerrn Kilp. Vie anderen, die mit mir zur Konfirmandenstunde gingen, hatten, soweit sie ein Handwerk lernen sollten, schon alle Stellen, ich wußte nicht, wohin.
Mr sagten dem Meister kldieu, besorgten noch einige Geschäfte in der Stadt und gingen dann wieder heimwärts. Tin heftiger lvind wehte über die kahlen Felder. Keiner von uns sprach ein Wort, aber draußen vor der Stadt konnte ich nicht länger an mich halten, ich weinte laut. Vie Tränen füllten derart meine klugen, daß ich nichts mehr sehen und auch nicht weiter gehen konnte. Ich setzte mich auf einen Meilenstein am Wege und weinte weiter. Vcr Vater suchte mich zu beruhigen. Vas gelang ihm erst, als er mir sagte, er wolle in Vockenhausen bei dem Glasermeister Kantner wegen einer Lehrstelle für mich anfragen.
klls am nächsten Tage Nathan Silberschmidt durch Kup- pcrtsecken ging, hielt ihn der Vater, der oft mit ihm Geschäfte machte, an und fragte, ob bei Kantner möglicherweise eine Stelle frei sei. Ver Handelsmann machte ein sehr erstaunte;
Gesicht und sagte dann: „3u dem willst du deinen Peter tun. ver Kantner hat sieben Kinder, von denen das älteste zehn Jahre alt ist. va kann dein Peter den ganzen Tag, wenn die Frau des Meisters im Felde arbeitet, die Kinder hüten, ihnen die schmutzigen Nasen abwaschen, und wenn eins von ihnen einmal hinfällt, so kriegt er abends seinen Nuckel voll Schläge. Vas einzige, was er sonst noch schaffen muß, ist, daß er für die Geißen grasen muß Vas kann er aber auch bei dir daheim, wenn er dann seine drei Jahre herum hat, so versteht er vom Glasergeschäft so viel wie ich und kann bei keinem ordentlichen Meister ankommen."
So war es auch mit dieser klussicht nichts. Tagelang ging ich wie geschlagen umher, bis mein Vater zu mir sagte: „Peter, laß den Kopf nicht hängen, vu kannst zunächst noch bei uns bleiben und mir im Felde helfen, bis wir im herbste eine Lehrstelle für dich finden." klls meine Mutter mir sagte, sic sei froh, daß sie mich, ihren Jüngsten, einstweilen noch im Hause behalten könne, da gab ich mich zufrieden.
wie schön war es doch früher, daß man die Konfirmation an Pfingsten vornahm. Jetzt ist es anders geworden. Ueberall, auch in der Pfalz, konfirmiert man in der (bsterzeit, weil die Schulzeit jetzt früher abschließt, klber unsere Väter und Großväter sind alle am zweiten pfingsttage konfirmiert worden, und es tut mir leid, daß das nicht mehr so ist. wie ist es in meiner Heimat immer an diesem Feste so schön. Vie Käume prangen im ersten frischen Grün, oft sind noch weiße und rote Killten zu finden, wenn in der Nacht ein leichter Kegen fällt, welch herrlicher Vuft erfüllt da am nächsten Morgen das Land, wenn der leise wind weht, so biegen sich leicht die grünen Halme de; Getreides. Vurch die Täler rinnen und murmeln die klaren Küche, tief hängen die Zweige von den Käumen hernieder, die am Kunde der Küche stehen. Im Walde ruft der Kuckuck, singt die Vrossel, blüht das Maiglöckchen. Fällt Pfingsten spät, so blühen in den Gärten schon die Kosen und nicken über die Zäune herüber auf die Straße. Manchmal steht dann schon eine dunkle Wolkenwand am Himmel, es zuckt auch der Klih, aber es ist das zumeist nur ein harmloses wetterleuchten, schwere Wetter gibt es in dieser Zeit noch nicht. Vas ist die Zeit, in der man singen mag: wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, dem will er seine Wunder weisen in Kerg und Tal, in Wald und Feld. Vas ist auch die Zeit, in der man die Konfirmationsfeier vornehmen sollte, diese Feier voller weihe, Freude und Ernst, die auf jeden guten Menschen einen so tiefen Eindruck macht, daß auch der ganz Rite des fernen Tages noch gedenkt, da er vor dem Kltare gekniet hat.
In den letzten Tagen vor der Feier umkleideten wir Kinder die Kirche außen und innen mit frischem Grün. Wald und Garten boten uns ja ihre Fülle. Kechts und links von der Eingangstür standen Maien; Kanzel, Empore und Kltar waren mit Klumenschmuck überdeckt, vie Erinnerung des Menschen haftet oft an ganz bestimmten Keußerlichkeiten. wenn ich jetzt im Frühling oder im Sommer in eine mit Grün geschmückte Kirche komme und den frischen Vuft einatme, so steigt mir sofort der Tag meiner Konfirmation wieder herauf.
Kls wir an dem feierlichen Tage morgens den Kerg hinunter nach Marienthal gingen, war der Himmel etwas bedeckt, aber kein Lüftchen regte sich, die Vögel jubelten von den Zweigen, va; Dorf Kuppertsecken sah so feierlich aus, wie ich es nie gesehen habe. Kein Wagengerassel, kein Käder- knarren war zu hören, selbst das Vieh in den Ställen schien verstummt zu sein. Kl; wir die letzten Häuser hinter uns ge-


