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Grund authentischer Erklärungen des Pfarramts Strümpfel- brunn fest, „daß die Evangelischen der Gemeinde Weisbach (Bmt Eberbach, Baden) nach wie vor der Landeskirche Badens angehären, und von einem Austritt nicht die Bede ist."
Bur diesen Notizen kann man sehen, wie die Gegner der Birche arbeiten. Sie verbreiten unwahre Nachrichten über Bustritte aus der Birche, um hierdurch für ihre Zwecke zu agitieren, vor ungefähr 5 Jahren hieß es, in Gffenbach seien so viele Erklärungen zum Bustritt aus der Birche abgegeben worden, daß man am Bmtsgerichte habe Hilfskräfte einstellen müssen. Eine Bnfrage bei einem Gffenbacher Pfarrer ergab, daß diese INeldung auf einem ganz gewöhnlichen Schwindel beruhte.
Im übrigen ist es nicht ohne Interesse zu sehen, daß die Mitglieder der Sekten in ihrem hasse gegen die Birche mit den Btheisten und denen, die sich von Christus losgesagt haben, ein Herz und eine Seele sind. Beide haben dasselbe Ziel: die Landeskirche zu zertrümmern, wie ja der oben erwähnte Fall aus Gerdauen beweist. Beide sind sich gleich in der Ueberschätzung ihrer Bewegung. So renommierte vor einigen Jahren eine gewisse Sekte, die sich unterdessen in das Nichts aufgelöst zu haben scheint, damit, daß sich in der Umgebung des Baisers jemand befinde, der zu ihrer Sekte gehöre. Natürlich war das glatt erfunden,' niemand konnte angeben, wer diese Persönlichkeit denn sei. Unser Baiser hält wie alle seine erlauchten Vorfahren treu zur evangelischen Landeskirche und wird gewiß nicht dulden, daß jemand von seiner Umgebung für eine aus Bmerika herübergekommene Sekte Propaganda macht. Einig sind Sektierer und Btheisten auch in der Herabwürdigung der Einrichtungen der evangelischen Birche. lvenn es heute Menschen gibt, die das jedem Ehristcn ehrwürdige Sakrament der Taufe in der Form, wie sie in der ganzen Ehristenheit geübt wird „Säuglingsbespren- gung" nennen, so sollte man hiergegen den Schuh der Gerichte anrufen.
Blle diese Vorkommnisse prägen den evangelischen Christen auf das neue die Mahnung ein, treu zu ihrer Birche zu halten, ihre Pflegebefohlenen, besonders auch die Dienstboten, gegen die zudringliche Bgitation der Feinde der Birche zu schühen und durch eifrige Beteiligung am gottesdienstlichen Leben der Gemeinde und durch einen guten lvandel ihrer Landeskirche Ehre zu machen.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
5.
Bls der Sommer vergangen war, war die Zeit da, daß ich zur Bonfirmandcnstunde gehen mußte. Den Unterricht erteilte Pfarrer lveber zu Marienthal im pfarrhause. Jeden Mittwoch und Samstag um halb ein Uhr setzten wir Bup- pertsecker acht Bonfirmanden uns den Berg hinunter in Bewegung. lvir Bnaben waren meist zu stolz, um mit den Mädchen zu gehen, wir rannten diesen entweder voraus oder gingen erst weg, wenn diese schon beinahe in Marienthal waren. Buch Hermann lveber, der Sohn des Pfarrers, war unter der Schar. Er hatte seither bei seinem Vater Unterricht gehabt und sollte nach der Bonfirmation das Gymnasium zu Zweibrücken beziehen.
Im Studierzimmer des Pfarrers fand der Unterricht statt. Staunend sah ich mich das erstemal dort um. So viele Bücher hatte ich noch nie beisammen gesehen. Da waren dicke, in Schweinsleder gebundene Bücher; auf dem Bücken des
einen hatte ich entziffert: Burkhard Gotthelf Struves Bericht von der pfälzischen Birchenhistorie. Bndere Bücherrücken nannten als Verfasser die pfälzischen Geschichtsschreiber Bndreae, lvllrdtwein, lvidder, Tolner und häusser. Bus eine Beihe gleichmäßig gebundener Bücher hatte Hermann lveber einmal hingedeutet und gesagt, daß da; die Werke Luthers seien. Lin andermal hatte der pfarrerssohn ein Buch vor mich hingelegt und mich aufgefordert, ihm daraus etwas vorzulesen. Bber in dem Buche waren so sonderbare Buchstaben zu sehen, daß ich gar nichts entziffern konnte. Ich meinte zuerst, das Buch liege verkehrt vor mir und drehte es um, aber ich Konnte immer noch nichts lesen. Da sagte Hermann lachend, das sei ein griechisches Buch. Und ein anderes Buch zeigte er mir, in dem sah es erst recht sonderbar aus. Da waren Buchstaben, die sahen aus wie Baumwurzeln und wie die Hörner von Ochsen. Das war eine hebräische Bibel. Gottlob, dachte ich damals, daß ich ein Glaser und Kein Pfarrer werden will.
Bber ich ging doch gern in die Bonfirmandenstunde; denn mein junger Geist vernahm da so vieles, das ihn weit und froh machte und mit heiligen Idealen füllte. Pfarrer Weber war keiner von den Erziehern, die dem Binde die Beligionsstunde zu einer Stunde der Oual und der Langeweile machen, die Begriffe spalten, lange, unverstandene Sähe aurwendiglernen lassen und blutlose Schatten an dem jungen Geiste vorübergleiten lassen, sondern die Religion war ihm Leben und Wirklichkeit, und vor diese Wirklichkeit stellte er uns hin. Wir brauchten nicht herunterzuleiern: Gott ist Geist, Gott ist Licht, Gott ist Leben, aber wir lasen Psalmen und Gleichnisse, wir wanderten mit Jesus durch das Land, wir standen mit ihm auf dem Berge und am Ufer des Sees Genezareth, wir betraten mit ihm die alte Bönigstadt Jerusalem, wir lasen seine Bergpredigt und viele andere Bibelstellen, und aus diesen herrlichen Zeugnissen wuchs uns Gott empor und trat uns näher. Blles wurde uns durch Bilder aus dem Leben, durch Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart angeeignet. Wir hörten von dem Glaubensleben der früheren Zeit, wie die Pfälzer in der schlimmen Zeit des dreißigjährigen Brieges und dann im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Beligions- bedrllckung, standhaft an ihrem Glauben festgehalten haben, und da lebte in uns der Entschluß auf, es ihnen gleichzutun. Wie wir Gottes Willen im Leben erfüllen, wie wir uns vor der Sünde hüten sollten, das wurde uns eingehend an das ljerz gelegt. Manches schöne Gotteslied, das ich mir jetzt manchmal in schlafloser Nacht hersage, habe ich damals auswendig gelernt.
Wenn die Bonfirmandenstunde zu Ende war, blieb ich oft bei Hermann Weber, mit dem ich damals Freundschaft geschlossen hatte. Wir spielten im Pfarrgarten, oder Hermann zeigte mir die interessanten Sachen, die sein älterer Bruder, der Schiffsarzt gewesen war, aus Indien und Ceylon mitgebracht hatte.
So ging die Zeit des Bonfirmandenunterrichts rasch dahin. Wir freuten uns, daß der Bonfirmationstag, der zweite pfingsttag, immer näher rückte und ahnten nicht, daß dieser Tag unsere Bindheit beschloß und daß die meisten von uns nach diesem Tage sofort in das rauhe Brbeitsleben hinaus- gestoßen werden sollten. So gern ich zur Schule ging, so war ich doch voll glücklicher Erwartung, wenn ich daran dachte, daß ich nun bald in die Glaserwerkstatt kommen würde. Ts war mein fester Entschluß, da; Handwerk gründlich zu lernen und dann als Geselle in die weite Welt zu wandern.
Marie Lippert, die mit mir konfirmiert werden sollte, erwartete von der Zukunft andere Freuden.


