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mit einer Kameradin nach Mainz, um Produkte der Landwirt­schaft, die sie in Körben auf dem Kopf trugen, zu verkaufen und mancherlei Notwendiges dafür anzuschaffen. Der Zufall fügte es, daß an diesem Tag zwei Stückfaß voll Mein nach Mainz an einen dortigen Käufer geliefert werden sollten. Vas war allemal eine schwierige Lache. Venn wenn auch bei den glatten Landstraßen für so eine einzelne Last ein starkes Pferd genügt hätte, so war es seiner Zeit beim Nauen der napoleonischen Heerstraße geschehen, daß die Unternehmer aus Gewinnsucht am Klein-Winternheimer Berg die gesetzliche Steigung nicht innegehalten hatten, so daß es dort eines Vorspanns bedurft hätte, ein Schaden, an dem das Land weit und breit heute noch zu tragen hat.

Weil aber bei dem gleichmäßigen Mittelstand im Dorf es selten oder niemals vorkam, daß ein Einwohner mehr als ein Pferd für seinen Feldbau bedurfte, so pflegten bei derartigen Gelegenheiten zwei Nachbarn zusammenzuspannen. Vas hatte aber den Nachteil, daß die Pferde nicht zusammen eingefahren und auch die Fuhrleute nicht darauf eingeübt waren, auch das Geschirr nicht immer im besten Stand war. Vas schlimmste war, daß bei solchen Gelegenheiten dem Bacchus mehr als gut war, gehuldigt wurde. Für die Heim­fahrt aber pflegten die Fuhrleute, schon zur Ersparung des damals noch bestehenden, so verhaßten Ehausseegelder, mit dem erleichterten Fuhrwerk bei gutem Wetter den näheren Feldweg über Essenheim zu nehmen.

vie beiden Mädchen, eingedenk des am Morgen zurück­gelegten vierstündigen Fußmarsches, dachten wohl, daß schlecht gefahren immer noch besser als gut gegangen sei, und hatten sich auf der Hinterseite des vorausfahrenden Wagens nach Möglichkeit einen Sitz zurecht gemacht. Gleich vor der Stadt Mainz auf dem abschüssigen Weg am Hardenberg kamen die Wagen in ein rasche; Tempo, weil es an einem Hemmschuh und den Fahrern an der richtigen Besinnung fehlte. Da wollte es das Unglück, daß dem vorausfahrenden seine peitsche au; der Hand fiel, er riß an der Leine, um die Pferde zum Stehen zu bringen und das verlorene wieder zu holen. Der dicht folgende zweite Wagen rannte auf den vorderen ein, und indem die beiden auseinander prallenden Pferde die Deichsel in die höhe rissen, traf deren Spitze die unglückliche Lisbeth gegen die linke Seite des Leibes, daß sie samt dem Faßboden in das Innere des Fasses geschleudert wurde. Sie erlitt eine furchtbare Verwundung, hatte aber noch die Kraft, bis zum nächsten Hause zu gehen, wo sie noch in der Nacht starb.

heute erinnere ich mich noch des Morgens, da diese Schreckensnachricht in das Dorf kam. Über auch manchmal noch kommt mir, mich fast an eine antike Schicksalstragödie erinnernd, das Bild dieser braven Bauersfamilie ins Gedächt­nis, die vom Mißgeschick heimgesucht, langsam in die Tiefe sank, während deren Haupt, von einer Thimäre verlockt, das vertrauen auf die göttliche Vorsehung und auf die eigene Kraft verloren hatte.

Schwarze Patrioten.

Zur Feier des Negierungsjubiläums des Kaisers ließ Mis­sionar Gemuseus in Nungwe, Veutsch-Gstafrika, die 42 Schü­ler seiner Mittelschule als Klassenaufsah einen Brief an den Kaiser schreiben. Obgleich ihnen gesagt war, daß die Briefe nicht an den Kaiser geschickt werden könnten, gaben sich die Schüler doch alle Mühe. Tin besonders origineller Brief, den Missionar Gemuseus im Missionsblatt der Brüdergemeine mit­teilt, lautet in deutscher Uebersetzung:

Mittelschule Nungwe, den l6. Juni 1913.

Der große Tag des Festes des Kaisers.

Du unser Herr Kaiser!

Wir grüßen Dich, vu Herrscher, Du Herr Kaiser. Da Du nun herrschest, so sagen wir vir Dank, unser Herrscher! Wir alle haben uns sehr gefreut, als wir die gute Botschaft hörten von der Beendigung der 25 Jahre. Wir sagen Dank, unser Kaiser Wilhelm, vu hast gut geherrscht; darum freuen wir uns alle: Dank, vu Erhabener! vu, o Kaiser, Deine Jahremögen sich mehren von nun an, auch die kommenden mögen sein wie die ersten, sie mögen viele sein; fahre fort, wohl zu herrschen, vu Guter, vu Milder, vu Gütiger, vu Gerechter Gottes! Wir danken vir, wir neigen uns, wir fallen nieder, wir kom­men demütig zu vir. vu Kaiser hast uns errettet, uns aus ganz Nfrika. So sagen wir vir vielen, vielen Dank, und nun fange ich an, vir etwas von dem Tun der Nraber zu erzählen. So komme denn und höre alles, was ich erzähle. Früher be­gab sichs, daß die Nraber in unser Land kamen: da faßten sie die Leute wie Elefanten, und wenn sie jemanden gefaßt hatten, so gingen sie mit ihm weg. Nuch eine meiner Mütter haben sie gefaßt - mein Vater hatte drei Frauen. Jene andre Mutter, nicht, die mich geboren hat, eine andre haben sie gefaßt. Ich wundre mich noch jetzt über die Bosheit der Nraber, was war das doch mit ihnen ! Siehe, sie machten die Menschen zuTieren; einige sprachen von schwarzem Elfenbein, das von den Ele­fanten nannten sie weißes Elfenbein, vu aber hast uns er­rettet, vu Kaiser Wilhelm II.

Ich bin Ulisubispa, Sohn des Mwalubaba.

Nn Kaiser Wilhelm II.

So ähnlich haben alle geschrieben, wenn auch nicht mit so vielen Worten. Immer wieder findet man die Wendung: „vu hast uns errettet, die wir uns in unserer Torheit gegen­seitig totschlugen", oder: „vu hast uns von den Feinden erlöst, die uns banden und verkauften, vu hast uns Frieden ge­bracht". Einige schreiben noch: „Wir grüßen auch Deine Frau und Deine Kinder schön!" Tiner schreibt: „Wenn vu Gott fürchtest, so müssen auch wir Kleinen Gott fürchten!" Str.

wie'die Gegner der Uirche arbeiten.

Ende Januar brachte die „Kirchen-Nustritts-Korrespon- denz" die Meldung, daß in der hessischen Gemeinde Klein- Ilmstadt fast sämtliche Einwohner der rein evangelischen Ge­meinde ihren Austritt aus der Landeskirche erklärt hätten. Der „Evangelische preßverband für Deutschland" untersuchte den Fall und stellte fest, daß daselbst „nicht ein einziger Nus- tritt aus der Landeskirche erfolgt und angemeldet ist". Nn- fang Februar meldete die „Kirchen-Nustritts-Korrespondenz", daß in dem neugegründeten ostpreußischen Nnsiedlerdorf Ger- dauen etwa 30 Familien aus der Kirche ausgetreten seien. Demgegenüber stellte derselbe verband fest, daß es sich über­haupt nicht um Gerdauen, sondern um ein Nnsicdlungsgut Nrnsdorf, Kreis Gerdauen, handele, auf dem drei aus Süd­rußland stammende NUckwandererfamilien mit 12 Personen infolge der Ngitation der Sekte der Ndventisten aus der Landeskirche, der sie als Evangelische zunächst angehörten, ausgetreten und jener Sekte beigetreten seien. Letzter Tage ging durch die Presse eine Notiz, wonach in dem zum Kirch­spiel Strümpfelbrunn -gehörenden, aber 7 Km. von diesem entfernten Filialdorf Weisbach im badischen Odenwald es zu einem Massenaustritt aus der evangelischen Landeskirche gekommen sei. von den 314 evangelischen Einwohnern hätten 310 dem Oberkirchenrat ihren Nustritt aus der Landeskirche angezeigt. Demgegenüber stellt der obengenannte verband auf