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halte, habe ich zuweilen hinter dem Large in der Sonnen- hitze I I V- Stunden einherschreitend unerträgliche Pein aus- gestanden. Wer auf altgriechischen Vasen die Darstellungen von häuslichen Trauerszenen gesehen hat, kann sich eine Vorstellung machen von den Szenen, die sich an einem Sterbelager abspielen. Der Busdruck des Schmerzes ist im ganzen Orient dramatisch. Stiller Schmerz erscheint den Griechen als Emp- findungslosigkeit, als Bpathie. Beim Eintritt des Todes erfüllt lautes, durchdringendes Wehgeschrei da; Haus. Die Witwe rauft sich die haare, die überhaupt ungekämmt und aufgelöst bleiben bis nach der Beerdigung. Gekämmtes haar wäre ein Zeichen von Herzlosigkeit. Dann Kommt der Priester ins Haus und beräuchert die Leiche unter Gebet, bei Personen vom Stande halten die Priester gewissermaßen die Totenwacht. Es muß überhaupt irgend einer bei der Leiche sein, damit kein Tier darüber springt. Im Innern des Landes ist die Totenklage noch im Gebrauch, das mirolöziou genannt. Besondere Weiber befassen sich damit, sie sitzen in schwarzen Gewändern um die Leiche, stöhnen von Zeit zu Zeit tief auf und wechseln ab in der Klage. Unter den gesammelten Volksliedern finden sich viele mirolozia sehr verschiedenen Wertes, einzelne sind hochpoetisch, hören wir die Totenklage einer Gattin:
Beschwerten Sinnes wandle ich in schwarzem Trauerkleide, Ich steh und sinne hin und her vor übergroßem Leide,
Denn eine Burg war mein Geschlecht, von Kamen auserkoren, Uun aber bin ich ganz allein, ein Schwälbchen ganz verloren, Und traurig seufz' ich immer auf und weine bittre Tränen, Wo gibt es in der weiten Welt einen Brzt für all mein Sehnen. O führe doch der Seele Schmerz in die lebensmüden Glieder, Daß alle, ob sie feind ob hold, mir sängen Trauerlieder.
Oder die Klage, die einer toten Mutter in den Ulund gelegt wird:
Ulit welcher Seele, welchem Herzen steig ich hinab ins Grab Da ich die Kleinen lassen muß, denen ich das Leben gab.
Sie weinen, rufen früh und spät, o INutter, sprich, wo bist du? Wie tief, o Mutter, ist dein Schlaf! Deine Kinderlein vergißt du.
Oder die Totenklage von Eltern auf ihre Tochter:
G Tochter, dort, wohin du willst, tief unten bei dem Hades, Dort kräht kein Hahn und gackert keine Henne,
Dort fließt kein Ouell, dort sprießt kein Gras,
Und wenns dich hungert, ißt du nicht, nicht trinkst du, wenn
du dürstest,
Und wenn? nach Schlafe dich verlangt, wirst du doch nie erquicket,
D bleib daheim, lieb Töchterlein, bleib in der Eltern Hause. — Bch, nimmer komme ich, Vater mein, und du, geliebte Mutter, Venn gestern Hab' ich mich vermählt zu später Bbendstunde, Der Hades ist mein Gatte nun, der Schwäher mein das Grab . im kühlen Grunde.
In einer Totenklage um einen Seemann lautete die Mahnung, ihm ein Grab zu graben am Uleeresstrande, damit er das Bauschen des Meeres und die Bewegung des Windes und die Stimmen seiner Genossen hören, wenn sie rufen „ea mö- la, ea lesa".
Um nächsten Tage findet die Beerdigung statt. Die Bb- schiedsszenen im Hause sind oft erschütternd. Doch ist die übertrieben laute Kundgebung des Schmerzes für den Fremden geradezu das Gegengewicht gegen den Eindruck derselben. Mir liegt das gellende Schreien, das ich bei solchen Gelegenheiten gehört habe, noch immer in den Ohren. Die Witwe schreit laut auf und wirft die Hände über den Kopf, mit ihr
stimmt die ganze Familie in dies Wehklagen ein, und man sieht Tränen in den Bugen aller Bnwesenden. Der Sarg wird hinuntergetragen. Die Sitte will es, daß die Witwe mit der Gcberde der Verzweiflung auf den Balkon eilt, hinabschaut und sich Hinabstürzen will, woran sie selbstverständlich gehindert wird. Der Eindruck dieses Trauerspiels ist aber immer ein großer. Dem hinausgetragenen Toten wird ein irdener Krug mit Wasser nachgeworfen. Unter dem Geleite der ganzen Nachbarschaft, der verwandten und Freunde wird der Tote auf den Friedhof getragen. Getragen, und zwar in offenem Sarge. Leichenwagen gibt es in Bthen erst seit neuerer Zeit, dieselben werden auch bei den größten Leichenbegängnissen erst außerhalb der Stadt benutzt. Zum Tragen gibt es eine eigene der Kirche angehörige oder dienstbare Schar von Leichenträgern, weiß mit schwarzen Borten gekleidet. Oft ist der Weg nach dem weit außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof sehr weit, und die Träger, die natürlich abwechseln, müssen eine Stunde und mehr ununterbrochen die Särge tragen. Beigroßen Leichenbegängnissen wird nicht einmal der kürzeste Weg gewählt, sondern man bemüht sich, die Hauptstraßen an der Trauer teilnehmen zu lassen. Die Teilnahme ist immer sehr groß. Blles kommt an Fenster und Türen. Selbst in den belebtesten Geschäftsstraßen halten die Begegnenden ihre Schritte an, bleiben stehen, nehmen den Hut und bekreuzigen sich. Gewissermaßen ist auch bei einem griechischen Leichenbegängnis mehr zu sehen, was die Teilnahme unmittelbar hervorruft oder erzwingt. Denn alle Toten werden im offenen Sarg getragen. Man sieht, daß es ein Kind oder eine Jungfrau, ein Jüngling, eine junge Mutter, ein Greis ist, der den Seinen entrissen worden ist. Unsere Brt der Beerdigung im geschlossenen Sarg erscheint den Griechen kalt. Man hat wohl als Grund für die Offenheit der Särge angegeben, daß sie von den Türken verlangt worden sei, um Verwechslungen oder das Einschmuggeln von Waffen zu verhindern. Ich denke aber, daß in diesem Brauch nur eine uralte Sitte sich erhalten hat. Bus einer Bahre lag der Jüngling zu Uain, man kann sich Jesus kaum vor einem geschlossenen Sarge vorstellen. Blles ist natürlich und unmittelbar bei der Be- stattungsweise, die noch heute in Griechenland Gebrauch ist. Die Särge haben die bei uns gebräuchliche Form, nur ist der Deckel flach und wird von einem der Träger oorangetragen, der Boden des Sarges besteht statt aus einem Brett, nur aus zwei Leisten, die Wände desselben sind äußerst dünn, so daß das Gewicht möglichst vermindert wird und zugleich der Naturprozeß schnell vonstatten geht. Dem Sarge voran schreiten zuerst die Leuchten- und Kreuzträger der Kirche, sodann die Priester) sie führen also den Toten zum Grabe, gekleidet in weiße Ucbergewänder (weiß ist die kirchliche Farbe der Trauer), mit näselndem Gesänge. Dann folgen die Thorknaben bei größeren Leichenbegängnissen, ebenfalls singend. Bn der Zahl der Priester zeigt sich der Wohlstand eines Hauses. Ihr Dienst wird den unbesoldeten, armen Leuten sehr bescheiden bezahlt, man kann sich also wohl >0 20 Priester leisten. Das erhöht entschieden da; Malerische des Bnblicks. Bus dem Hause geht der Zug zunächst in die Kirche, durch sie nur führt des Griechen Weg zum Grabe. Der Sarg wird in das Innere der Kirche gebracht, und die hauptfeier beginnt. Diese ist sehr lang, und man hat immer das Gefühl, daß die funktionierenden Priester eilen, um ans Ende zu kommen. Die Feier würde im andern Fall zwei Stunden statt einer dauern, wenn die Priester mit einer der Handlung entsprechenden Würde singen und beteten. Durch das mehr geschäftsmäßige Eilen verliert die Handlung das Feierliche. Beständig wird das Bauchfaß


