Nr. 10. Gießen, Sonntag Okuli, 15. März 1914. 3. Jahrgang.
Vas Geheimnis des neuen Lebens.
Bries an die Hebräer 9, 11-15. Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch eine größere und vollkommenere fjüttc, die nicht mit der Hand gemacht, dar ist, die nicht von dieser Schöpsung ist, auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in dar Heilige eingcgangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Venn so der Gchsen und der Böcke Blut und die tische von der Kuh, gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Beinigkeit, wieviel mehr wird dar Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott Und darum ist er auch ein Mittler der neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertrelungen, die unter dem ersten Testament waren, die so berufen sind, dar verheißene ewige Erbe empfangen.
Das oorangestellte Gotteswort schildert uns das innere Wesen des auf Golgatha gewonnenen neuen Lebens, das direkt als neuer Lund Gottes mit der Menschheit sich darstellt, vermittelt durch den, der in vollster sittlicher kleine sein Leben für die Brüder dahingab trotz aller ihrer sittlichen Mängel und Fehle. Lin „neuer Lund Gottes" mit der Menschheit, gültig durch eine einzige Handlung Lines, der wie wir über die Fluren dieser Lrde gewandelt, der nach blutiger Todesqual seit bald zwei Jahrtausenden von uns geschieden ist, und der doch diesen Lund vermittelt hat für alle, solange noch Menschen über die irdischen Fluren wandeln und verlangend nach Golgatha klusschau halten! Das ist das Geheimnis, das Mysterium des neuen Lebens. Und, sehen wir es gleich hinzu, wäre es kein Mysterium, dann wäre an ihm nichts göttlich, dann wäre es ein 6kt menschlich heroischer Aufopferung, dem aber das geheimnisvolle und doch so notwendige Lcho aus der Lwigkeit fehlte! In der vorliegenden Stelle des Briefes an die Hebräer versucht der Verfasser, uns dies Geheimnis menschlich verständlicher zu machen, aber den Schleier hebt auch er nicht davon, und wehe, wenn er es könnte, denn dann wäre Göttlichstes vermenschlicht. Im Geheimnis vom Kreuz liegt unsere tiefste Seligkeit, denn: „Ls gibt mehr Ving' im Himmel und auf Lrden, als eure Schulweisheit sich träumen läßt." Nicht das Wie dieser Lrlösung können wir lösen, aber ihr Daß können wir erleben. Tief eingewurzelt ist in jedem Menschen das Gefühl von Schuld und Sünde! Ls ist keineswegs spezifisch
„christlich", es ist allgemein menschlich; schon die Dramen des Sophokles sind ein erschütternder Leweis. Und dieser Schuld gegenüber ist die Sehnsucht nach Lntsühnung eines der allgemein menschlichsten Gefühle. Und seit Jahrtausenden, seit Menschheitsbeginn kennt die Menschenseele kein anderes Sühnemittel als das Opfer! Ist es nicht schon ein Geheimnis an sich, daß seit dem Tode Iesu auf Golgatha plötzlich Millionen über die Lrde gegangen sind und gehen, die in diesem Tod die Lntsühnung innerlich erleben, die trotz Schuld und Sünde nicht mehr „der Lücke und der Stiere Llut und der Asche von der Kuh, gesprengt", bedürfen, und doch aufjauchzen in der Gewißheit eines neuen Bundes der Gnade und Vergebung mit dem unsichtbar Allmächtigen? - Unsere Zeit ist sehr Klug! Nur ein Wunsch noch: möchte sie auch wieder recht weise werden! Dann erst wird sie auch wieder verstärktes Verständnis bekommen für die Lwigkeits-Bedeu- tung und -Uealität dessen, was hinter den Geheimnissen Gottes sich offenbart!
^Griechische Erinnerungen.
Dritte Folge.
von Geh. Gberkonsistorialrat V. W. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
Das Leben der Griechen von der Wiege bis zum Grabe ist das Thema, das ich behandeln wollte. Zum Schluß möchte ich herantreten an das Lnde alles Lrdenlebens, wie es sich für den Griechen gestaltet. Daß ich an das Bild der Freude ein ernstes anreihe und zwar als letztes, möge mir nicht verargt werden. Leid und Freud, Leben und Tod wohnen auf Lrden eng zusammen, und der Tod ist aus Lrden immer ernst.
Wir treten in ein Sterbehaus. In fieberhafter Lile werden die Vorbereitungen getroffen. Zwischen Tod und Begräbnis müssen nach den gesetzlichen Bestimmungen 24 Stunden verstreichen, aber nicht mehr. Das Klima duldet keine lange Aufbahrung des Toten im Hause. Meistens werden die Totenscheine sogar einige Stunden früher datiert, um die Beerdigung vor Ablauf der 24 Stunden zu erwirken, und ich kann aus eigener Erfahrung bezeugen, daß das in sehr vielen Fällen einfach notwendig ist. hier tritt in der Tat der Tod den Menschen wirklich gar schnell an. Da ich öfters aus Familien mit gemischter Lhe das evangelische Glied zu beerdigen


