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Felde die Klarinette geblasen, die ITtäufe wären allesamt hin­über in das hessische, nach Zürfeld und Neu-Barnberg ge­laufen."

Auf meine Bitte zeigte er mir, wie man beim Blasen Atem holen muß und wie man die Klappen der Klarinette aus und nieder drückt, vorher hatte ich nie in mir musikalische An­lagen entdeckt, jetzt aber gewann ich großes Gefallen an der Musik. So oft die Schule zu Lnde war, ging ich zu Gottfried Keiper, ließ mir von den Abenteuern seiner Musikantenfahrten erzählen und Anleitung im Blasen geben.

Lines Tages, als wir wieder zusammen waren, sagte Gottfried: ,,Das wäre schon, Peter, wenn du nun eine Trom­pete hättest. Trompete und Klarinette, das klingt gut zusam­men. Ich habe früher einmal einen ganzen Sommer lang Trompete geblasen und könnte Unterricht darin geben. tDir würden eine Musik machen, daß ganz Uuppertsecken zuhören würde."

von diesem Tage an begann ich meine Eltern zu plagen, daß sie mir eine Trompete kaufen sollten. Aber bei meinem Vater fand ich kein Gehör. Er sagte: „Bub, was denkst du eigentlich? Meinst du, ich hätte Geld für Trompeten und Dreh­orgeln? lvenn ich dir eine Trompete kaufe, so willst du nicht; mehr im Feld schaffen und willst am Lnde noch Musikant werden. Ich habe aber keine Dust, einen Schnorranten groß­zuziehen. Wenn du aus der Schule bist, sollst du ein ordent­liches Geschäft lernen, mit dem du dich später einmal ernähren kannst."

Da setzte ich mich hinter meine Mutter und suchte von ihr die Erfüllung meines Wunsches zu erreichen. Aber auch sie setzte meinem Wunsche hartnäckigen Widerstand entgegen. Ich weiß noch, daß sie einst im Beisein meines petters Ren- thalcr die Not klagte, die sie mit mir habe. Recht geärgert habe ich mich damals, als mein petter lachend sagte: „Peter, wenn du Trompete blasen willst, so nimm die Brause von eurer alten Gießkanne und blase hinein, das gibt eine schöne Musik. Oder laß dir von dem alten Sauhirt in Rockenhausen sein Horn geben, der braucht das im Winter doch nicht."

von dieser Stunde an schwur ich meinem petter ewige Feindschaft und beschloß, kein Wort mehr mit ihm zu reden, weil er mich so schwer geärgert hatte.

Weihnachten kam immer näher heran. In Ruppertsecken wurden in dieser Zeit die Schweine geschlachtet. Jeder Haus­vater, auch der ärmste Tagelöhner, hatte dafür gesorgt, daß er ein fettes Borstentier im Stalle hatte. Im Frühjahre, kurz vor oder kurz nach Ostern, kamen die Ferkelhändler von Kaiserslautern und Kreuznach in das Dorf. Mitunter auch kam ein Händler aus dem Luxemburgischen. Ueber diesen muß­ten wir Knaben immer lachen, wenn er mit seinen Ferkeln sprach, „he la, he—la, hu tu—tu tu—tu" redete er sie an, wenn sie auf seinem Wagen so wirr durcheinander liefen und untereinander herschlüpften. Aber das Feilschen verstand er so gut wie die Händler aus der Pfalz, die alle ihre Ferkel aus Lothringen bezogen. Am Schwänze wurden die Tierchen unter dem Tuche, mit dem der Wagen bedeckt war, heraus- gczogen, hierauf nahm sie der Händler auf den Arm, trug sie in den Hof und setzte sie in der Scheuertenne oder auch vor der Haustür nieder. Dann ging der Handel hin und her, sorgsam und mit sachverständigen Blicken wurde das quieksende Tier gemustert, bis Käufer und Verkäufer miteinander einig waren. Ls war damals noch ein umständliches Rechnen bei Vieh­käufen ; denn die Summen wurden nach alter geschäftlicher Gepflogenheit noch in Karolinen angegeben und mußten zuerst, ehe man bezahlen konnte, in Gulden, später, als wir endlich

ein einheitliches deutsches Münzsystem hatten, in Mark um­gerechnet werden. Sobald das Ferkel erstanden war, wurde es nach allen Regeln der Kunst gemästet, und es war für den Hausvater eine Geschichte, die ihn nachdenklich stimmte, wenn das Schwein nicht fressen wollte. In solchen Fällenwurde wohl der Marienthaler Schmied geholt, der zugleich Viehdok­tor war. Der setzte die Hornbrille auf, besah das Tier von allen Seiten, verordnete etwas, in der Regel Rizinusöl, und die Kur halte Erfolg oder auch nicht. So um den ersten Advent herum stand mancher Mann, während der Qualm seiner pfeife in die klare Winterluft stieg, nachdenklich in seinem Hofe, be­trachtete das Schwein, das zu seinen Füßen grunzte, und taxierte dessen Gewicht. Bald darauf hörte man es jeden Mor­gen aus einer anderen hofreite laut und durchdringend schreien, und wenn das Schwein gewogen wurde, kamen auch die Nachbarn neugierig herbei. Wer Schweine schlachtete, die über drei Zentner wogen, war in der ganzen Umgebung ein berühmter Mann. Der alte Ruppertsecker Gemeindediener verstand nicht, mit der Wage umzugehen. Seine Nachbarn übernahmen für ihn das Geschäft des Wiegens, und da gaben sic dem einfältigen Manne in der Regel einen Zentner mehr an, als das eigentliche Gewicht betrug, so daß er sich mit Stolz zu den Leuten rechnete, die die schwersten Schweine schlachteten.

Mein Vater schlachtete in jedem Winter ein fettesSchwcin, aber die Mutter ging sparsam mit dem Eingeschlachteten um. Noch im Sommer hatten wir Fleisch und Würste. Zwar war der Speck jedesmal ganz gelb geworden, und die Würste waren knochenhart, aber sie mundeten uns, die wir nicht verwöhnt waren, doch trefflich, wenn wir von der schweren Feldarbeit nach Hause kamen. Jedenfalls ging es bei uns nicht so, wie in dem vatcrhause des Mannes, der einmal gesagt hat: „vier­zehn Tage vor Weihnachten schlachtete mein Vater ein Schwein, und vierzehn Tage nach Weihnachten war nichts mehr da."

Der Weihnachtsabend regte uns Kinder nicht sonderlich auf,' denn in Ruppertsecken war es damals nicht Mode, daß man einander viel bescherte, vor Weihnachten kamen Händle­rinnen in das Dorf, die allerhand Zuckerzeug feilboten. Die Mutter kaufte ihnen in der Regel etwas ab. Für mich war es schon ein Fest, die Herrlichkeiten, die diese Frauen in ihren großen, weißen Körben brachten, anzusehen. Da waren dicke, braune Waldböckelheimer Lebkuchen, in die weiße Mandeln cingebacken waren, Sterne und Engel aus Zucker, überklebt mit Papierstreifen, die einen frommen Spruch enthielten, und kleine, bunt gefärbte Zuckerpillen, die in hübsche Schächlelchen verpackt waren. Nicht für vieles Geld würde ich heute noch von diesen blauen, roten und grünen Pillen essen, damals waren sie mir ein Hochgenuß. Den Ehristbaum holte der Vater selbst im Walde. Der Herr Oberförster von Kriegsfeld, in dessen Bezirk er viel arbeitete, hatte ihm hierzu die Lrlaubni; gegeben. Ich war glücklich, wenn ich bei dieser Gelegenheit mitgehen durfte. Lange wurde geprüft, welcher Baum der schönste sei, dann wurde er mit dem Handbeil gefällt. Ich legte ihn über die Schulter und schleppte ihn durch den Schnee nach Hause.

Dem Weihnachtsabend sah ich ohne Spannung entgegen, weil ich auf Geschenke nicht rechnete. Wie erstaunt war ich aber, als neben dem brennenden Thristbaume ein großer Kasten lag und die Mutter mir sagte: „Peter, das ist für dich." Atemlos riß ich den Deckel auf und fand - - eine in eine schwarze Umhüllung verpackte, blitzblanke, nagelneue Trompete.

„Vater, du bist aber ein braver Mann, daß du mir die schöne Trompete gekauft hast", sagte ich voller Freude.