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Aber der Vater, der die Pfeife rauchend neben dem Ofen saß, wehrte meinen Dank ab und sagte: „Wenn du dich be­danken willst, so gehe morgen nach Gerbach zu deinem pet- tcr,' von dem stammt die Trompete."

Ich glaube, daß ich damals, als der Vater das sagte, eine Zeitlang den Mund offen gelassen habe, so sehr über­raschte mich diese Nachricht. Ich hatte meinen petter in den letzten Wochen so grimmig gehaßt, weil er mir die Gieß­kanne und das Horn des Sauhirten aus Nockenhausen als Musikinstrumente empfohlen hatte, und nun machte er mir diese Freude. G, er war ein Schalk, mein petter, wie alle Schmiede, von denen bekannt ist, daß sie die Leute gern foppen.

Am nächsten Morgen gingen wir durch Frost und Schnee nach Marienthal zur Kirche und sangen wie alljährlich am ersten Weihnachtstage das Lied ,,Thre sei .Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren!" Nachmittags eilte ich nach Gerbach, um meinem petter zu danken. Lachend empfing er mich und sagte: „Die Trompete habe ich dir gekauft, Peter, aber ein Schnorrant sollst du deshalb doch nicht werden." Meine Goth (Patin) gab mir Kaffee und Kuchen, dann bekam ich das üb­liche Weihnachtsgeschenk, das in der Pfalz der petter dem patcnkinde gibt: ein großes, bunt bemaltes Taschentuch, in das Lebkuchen und Zuckerwerk eingepackt waren, Aepfel, Nüsse und eine große „Puppe". So nannten wir das Ge­bäck, das die Figur eines weiblichen Wesens hatte. Man mußte allerdings viel Phantasie anwenden, wenn man in dem Kunstwerk des väckers eine Puppe erkennen wollte, vergnügt trabte ich mit meinen Geschenken über die Berge.

Nun aber ging zu Hause ein Trompeten und Blasen los. Gottfried und ich machten Musik, daß die Wände wackelten. Das muß ich sagen, mein Freund gab sich redliche Mühe, mir etwas bcizubringen. Während wir bliesen, nickte er mit dem Kopfe den Takt dazu. Blies ich falsche Töne, was im Anfang sehr oft vorkam, so setzte er die Klarinette ab und sagte „Autsch". So kam es, daß ich am Ausgang des Winters Marsch- und Tanzweisen einigermaßen leidlich spielte und vor allem mich mehr und mehr in der Kunst des Notenlssens auskannte.

Als die Sonne wieder wärmer schien und die Schnee­decke in Wald und Feld verschwunden war, ging Gottfried wieder auf die Musikantenreise. Im Frühling und Sommer aber saß ich, so oft ich Zeit hatte, oben auf dem Schloßberge neben dem alten Gemäuer auf dem Nasen, und während un­ten im Dorfe die Gänse schnatterten, schmetterte ich auf mei­ner Trompete weit hinaus in das schöne Land die Melodien: „Tin Jäger aus Kurpfalz", „Ich halt' einen Kameraden", oder was ich sonst auf meinem Instrumente zusammenbrachtc.

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

von Sonntag, dem 8. März, an nehmen in Gießen die Abendgottesdienste um 6 Uhr ihren Anfang. Auch diepassions- gottesdienste beginnen zu dieser Stunde. Der nächste Passions­gottesdienst findet Mittwoch, den 11. März, in der Johannes- kirche statt, die weiteren Passionsgottesdienste werden in der Stadtkirche gehalten.

Sonntag, den 8. März, ist um 2 Uhr Taubstummengottes- dienst und Feier des heiligen Abendmahls im Lukassaale (Lie- bigstraße 56). _

Worte zum Nachdenlen.

Tin jeder sollte sich in seinem Stande stärken und fest machen auf Gottes Wort, dann ginge es allenthalben recht und wohl zu und wir hätten ein Paradies, ja ein Himmel­reich auf Trden, und könnte jeder sein Werk tun mit Lust und Freude ohne alle Blühe und Sorge. Dagegen, wo solcher verstand fehlt, da tut'? sich böslich und mit Unlust, und krieget Streiche oder Unglück zum Lohn, und macht man sich einen ungnädigen Gott und ein saures Leben dazu.

Dr. M. Luther.

Wenn in Gefahr und Schmerzen Der Geist will mutlos sein,

So pflanze unsern Herzen Geduld und Hoffnung ein!

Fürchten und hoffen macht das Herz unruhig: Gottes­furcht und Glaube machen es stille.

Jedes Dankopfer, das unsern Herzen entsteigt, kommt als spürbarer Segen zu uns zurück, indem es Kräfte des ewigen Lebens in unsere Seelen herabzieht.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 8. März, Neminiszere. Gottesdienst.

In der Stadtkirche, vormittags 9Vs Uhr: pfarrassistent Hoffmann. vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Abends 6 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Mar­kusgemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Montag, den y. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde.

In der Johanneskirche. vormittags 9'k Uhr: Pfarrer Ausfeld, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde.

Pfarrer A u s f e I d.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- und Johan­nesgemeinde gemeinsam. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Abends 7V2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde.

Abends 8 Uhr in der Johanneskirche: Vortrag mit Lichtbil­dern über die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Mittwoch, den II. März, abends 6 Uhr: 3. Passions­andacht. Pfarrer Bechtolsheimer.

Freitag, den 13. März, abends V-6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.

Im Lukassaale (Liebigstrahe 56 ).

Nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottesdienst, im Anschluß daran Feier des hl. Abendmahls. Pfarrer Bechtols­heimer.

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