Einzelbild herunterladen

60

Tausenden. Jeder trägt sein Lichtlein. 3n der Menge unterscheidet man die Familien. Der Mann mit dem Jüngsten auf dem Am, Mütter und Kinber, Reich und Arm, alle in andächtiger, würdiger Haltung. von den Balkons werden die Feuerwerkskörper unter die Menge geworfen und bengalische Lichter abgebrannt, ein moderner Unfug. Wenn man von dem Verfassungsplatz in die gegen Westen sich absenkende Hermesstraße, die hauptver- Kehrsader Athens, hinabblickt, und die Tausende strahlender Lichter sieht, kann man sich dem zauberhaften Eindruck dieser Grablegung Christi nicht entziehen. 3m Königsschlosse habe ich diese Feier wohl auch mitgemacht. Aus der im obersten Stock gelegenen griechischen Schloßkapelle bewegte sich der Epilaphion durch die Korridore eben dieses Stockwerkes, die königliche Familie schritt hinter her und der Hofstaat. Zum Schluß nahm man von dem Katafalk die Veilchensträußchen mit nach Hause, an denen man aber nicht riechen darf, wenig­stens nicht vor den Augen der Griechen.

Der folgende Tag, der große Sabbat, wird mit strengem Fasten gefeiert, was doppelt schwer sein mag, je näher das Ende der Fasten ist, und je reichlicher auf dem Markt, den offenen Plätzen und vor den Kaufläden, alles, was den Appetit reizen kann, ausgebreitet ist und für das Mahl der Nacht schon gekauft werden muß. 3n den Höfen werden die Osterlämmer gebraten am Spieß, einem hölzernen Pfahl, der durch das Tier gesteckt, und über einem langsamen Feuer unter Ausstreuung von Pfeffer und Salz gedreht wird. Schon während der ganzen Karwoche haben die Hirten ihre Lämmer- hcrden in den Umkreis der Stabt getrieben. Auf den Hügeln und Triften warten sie der Käufer. Der Vater selbst wählt mit kundigem Auge das Lamm für feine Familie aus. Da finden auch die Kinder zu tun, die ein etwa schon zu Anfang der lvoche gekaufter Lamm mit bunten Seidenbändern schmücken und sorgsam pflegen. Am Gstersamstag reichen die Utetzgcr für die kolossale Arbeit nicht aus. Da bieten sich dann unzuständige Metzger mit lauter Stimme in den Straßen an und kaufen auch die häute der geschlachteten Tiere auf. Das Blöcken der Lämmer und der aufsteigende Rauch der im­provisierten herdfeuer geben am Ostersabbat der Stabt ein besonderes Gepräge. Auf den Tischen vor den Kaufmagazinen liegen Lichter in allen Größen und Eier in allen Farben aus. 3n jedem Hause sind die Frauen mit dem Lacken der Kuchen und dem Färben der Eier beschäftigt. So verstreicht langsam der Tag. Abends flutet das Volk in die Kirche. Die ganze Rächt hindurch dauert die Ostervigilie. Die Kirchen sind voll von Menschen und diese stehen bis auf die Straßen hinaus. Man lauscht den Schriftlesungen und Gesängen der Priester und Thöre. vor der Kathedrale und anderen großen Kirchen sind Tribünen errichtet, welche kurz vor Mitternacht von den Priestern betreten werden. Endlich schlägt es Mitternacht. Das Gsterlicht wird angezllndet in der Kirche und hinaus­getragen. Ehrist ist erstanden! tönt cs aus priestermund von den Tribünen, und das ganze Volk bricht freudejauchzend in denselben Sieges- und Frcudenruf aus: Dkristos anöste! Die unangczllndeten Lichter, die jeder Festleilnehmer mit­gebracht hat, werden angezündct, ein christlicher Bruder reicht das Licht dem anderen, man grüßt sich mit Ruf und Kuß. Gar viele tragen bereit; die hartgesottenen Tier in der Tasche um nach dem Schlag der mitternächtlichen Stunde, das Ende der Fastens mit einem ersten Speisegenuß zu feiern. Run teilt sich die Menge, ein Teil bleibt in den Kirchen, die Ostervigilie bis zu Ende zu hören, ein anderer begibt sich nach Hause, um im Familienkreise das Ostermahl einzunehmcn. Der Gegen­

satz von Fastcnernst und Fastcnentbchrung einerseits und Osterfreude und Ostergenuß andererseits ist außerordentlich stimmungsvoll. Besonders schön zu sehen ist die fröhliche Heimkehr lichttragender Menschen auf den Straßen oder das herabsteigen der Ostergemeinde von der Georgskirche auf dem Lpkabettos, die wie eine Lichtschlange sich der Stadt zu bewegt. 3n der Metropolitankirche pflegt die königliche Fa­milie der Gsterfeier beizuwohnen, unter dem Donner der Kanonen, der in das verwirrende Getön der vielen hundert Osterglocken sich mischt. Die ganze Rächt hindurch schießt, was eine Schußwaffe hat, seine Freudenschüsse, und wer sie nicht hat, macht sich eine aus alten Flintenläufen. Man kann die Rächt kaum schlafen. Freudenschüsse sind ein morgenländi- schet Brauch bei Thristen und Muhammedanern. Man sagt, daß zur Zeit der türkischen Fremdherrschaft nur am Oster­feste den unterworfenen Christen gestattet war zu schießen: so erklärt sich die besondere Freude, welche Alte und Junge an dieser Rebung haben. Am Gstermorgen ertönt in den Kirchen das in lebhaftem Rhythmus sich bewegende Gster- sicgeslicd, das opinikion: Lkristös anostiek nekrön tbanäto thanaton patisas, Christ ist erstanden von den Toten, durch seinen Tod den Tod unter sich tretend, kätüs en mnimasin zoi'n charisämenos, und denen, die in den Gräbern sind, das Leben schenkend. Ja es ist etwas Erhebendes um die Gster- freude eines ganzen Volkes, von Ostern bis Himmelfahrt an den 40 Tagen des Auferstehungslebens Christi auf Erden ist das der Gruß, den man überall, wo Freunde sich treffen, vernimmt: Okristos anösti und die Antwort alithös anesti! er ist wahrhaftig auferstanden. sFortsetzung folgt.)

Noch einige Erinnerungen an Moltte.

Als ich kürzlich gebeten wurde, noch weitere Erinne­rungen an unseren großen Schlachtenlenker mitzuteilen, war ich aufrichtig erfreut, daraus zu ersehen, daß das Andenken an diese edle Gestalt in einigen noch fortlebt. Freilich wird die Zahl derer, die ihn noch kannten, immer geringer, aber gerade darum macht es mir Freude, von dieser Zeit zu erzählen, die nun schon so weit zurückliegt, die miterlebt zu haben mir. aber so sehr wertvoll ist.

Dcr Fcldmarschall war ein großer Kinderfreund,' nun war sein erstes Großnichtchen zugleich sein und auch mein Patenkind. Tr beschäftigte sich gern mit der Kleinen, die ein drolliges Kind war, und wir sprachen wohl mitunter von ihr. Da geschah es, daß beide, der alte Herr sowohl, wie die kleine Großnichte gleichzeitig bei einer Trauung in der Kirche anwesend waren, er als Hochzeitsgast, das Kind als Zu­schauer. Run konnte sie ihrer Kleinheit wegen kaum etwa; sehen, und schrieb dann ihrem Großonkel, wie er mir lächelnd erzählte, mit ihrer steilen Kinderschrist, sie habe „funt" ,Pfund) schwere Tränen geweint: denn sie habe die Brau! nicht sehen können. —

Einst war der Feldmarschall einmal zur Tafel beim alten Kaiser und der Kaiserin Augusta geladen und saß bei Tisch neben einer jungen Hofdame, die er noch wenig kannte. Cr unterhielt sie, indem er ihr erzählte, wie er einstmals als Gast des Kaisers Rapoleon mit diesem zu einer Jagd ini Walde zu Tompiögne geritten sei. Dabei streifte ein herun­ter hängender Ast dem Kaiser den Hut ab, und da das kaiser­liche Gefolge weit zurückgeblieben war, stieg Mollke vom Pferde, hob den Hut auf und gab ihn dem Kaiser. Da sagte die junge Hofdame: „Ja, Exzellenz, den Hut haben Sie ihm wiedcrgcgebcn, die Krone aber haben Sie ihm ge-