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weiß von nichts. Lin dummer Spaß ist's gewest, sonst nichts." Und wie sie den Soldaten zu mir führen, sag' ich ihm's ins Gesicht: „Wegen einer wett ist's hergegangen, gelt, vonatl. Lind ja Vettern zusamm' wir zwei und werden einander bestehlen. Zum Lachen ist's! Daß ich's nicht wahrnehm', hat er gewettet, wenn er mir einmal spaßeshalber so flugs heimlich ----gelt vonatl? Ist ja eh kein Knopf drinnen," sag
ich, „schauts nur einmal nach in der Brieftaschen!" Ua ja, da haben sie ihm freilich die Lisen wieder abgenommen, und der Wachmann hat uns noch belehrt, ein andermal sollten wir solche Lpässe unter uns allein treiben und nicht unter den Leuten zum klergernis. Ich spring in meinen wagen, und ist's mir lieb gewest, daß der Zug abfährt."
„So ist ja alles noch ganz nett abgelaufen", warf ich"ein. „kluswendig", antwortete der Grobschmied. „Einwendig freilich wohl nicht. Der vonatl hat's halt wohl recht gut gewußt, daß wir nichts verabredet haben und daß ich's weiß, daß er mich allen Ernstes hat bestehlen wollen. Und daß ich ihn nur schandenhalber herausgerissen Hab. hat sich mir auch nimmer unter die klugen getraut, sein Lebtag nimmer. Ist überhaupt nimmer heimgekommen. Uach einem Manöver haben sie ihn tot auf dem Felde gefunden. Erschossen, klus Unvorsichtigkeit oder wie. Man hat nichts rechtes erfahren können. Und das ist die ganze Geschichte."
Vieser Schluß war mir gerade genug. So hatte ich's nicht erwartet. „Und da denken Sie halt manchmal dran", sagte ich.
„Vas glaub ich, lieber Herr, daß ich daran denke! Schier alle Uacht. Ist sonst ein braves Bürschel gewest, man hat nichts Schlechtes von ihm gehört. Uber leicht, zu wenig Geld, wie es lustigen Soldaten schon geht. Und meine Dummheit hat ihn in Versuchung geführt wie der Teufel selber. Und ich fürcht halt alleweil, die Geschicht ist Ursach, daß er ist gefunden worden — die Kugel durch den hals, weil er wohl gar gemeint hat, ich halt die Sach seinen Eltern erzählt, so hat er sich nimmer heimgewagt. Uber man weiß nichts rechtes. In unserer ganzen Freundschaft ist so eine Unehr' nie vorgekommen."
während dieser Erzählung war der Mann immer betrübter geworden, nun saß er eingeknickt da und hielt seine
Hände vor's Gesicht. ------
So ähnlich wie es dem obersteirischen Schmiedemeister Ueffclbachcr hier ergangen ist, könnte es der „klugen" Frau auch ergehen, die ihre Ulädchen auf so „schlaue" weise auf ihre Ehrlichkeit prüft. Und wer möchte wohl zeitlebens mit einem so schweren Gewissensdruck einhergehen? viel klüger als dieses Fallestellen und vor allem viel menschenfreundlicher und christlicher ist es, seinen Vienstboten mit freundlichem vertrauen entgegenzukommen. Sie werden es in den allermeisten Fällen mit vertrauen belohnen,' denn
„Freundliches Zutrauen erweckt Zutrauen, und Liebe erzeugt Gegenliebe." K. L.
Griechische Erinnerungen.
Dritte Folge.
von Geh. Gberkonsistorialrat v. w. petersen in varmstadt. sFortsetzung.)
Die Karwoche heißt die megali ebdomäs, die große Woche. Jedem ihrer Tage wird das Beiwort „groß" gegeben „Der große Montag" und so fort, um sie auszuzeichnen vor den Tagen jeder anderen Woche des Jahres. Sämtliche Tage der Karwoche sind ausgezeichnet durch Fasten und Morgen- und klbendgottesdienste. Vas Volk genießt nur vrot, Salz, Gemüse und Wasser, kllles, was von Palmsonntag bis
Gstern in der Kirche geschieht, breitet über das ganze Land eine ernste Stimmung. Die Evangelien, die vorgelesen werden, führen das Volk von Tag zu Tag auf dem Leidenswege des Erlösers weiter. Der Samstag vor Palmsonntag ist der Lazarustag. Die Volkssitte, daß an dem Tage die Kinder armer Leute eine Puppe, genannt „Lazarus", von Haus zu Haus tragen mit einem Vers, um sich Gaben zu erbitten, habe ich oben schon erwähnt, klm Palmsonntag werden in der Kirche die Palmenzweige geweiht und in Prozession von den Priestern und dem ihnen nachfolgenden Volk durch die Kirche getragen, klm Gründonnerstagabend werden in den Kirchen die sogenannten 12 Evangelien gelesen, d. h. 12 klbschnitte der Leidensgeschichte, zu welchen ein großer Zudrang des Volkes stattfindet. Nach jedem Evangelium ertönt ein Glockenschlag. Vas war besonders feierlich bei der russischen Kirche in klthen, deren Glocke einen wundervollen tiefen und ernsten Klang hat. Die „Leiden des Erlösers" werden an dem Tage als Flugblatt verkauft und viel gekauft, so daß man wohl sagen kann, daß dasselbe in jeder weise dem Volke nahe gebracht wird. Besonders eindrucksvoll ist der Karfreitag, die megali paraskewi, der „Küsttag", wie der Tag noch heute im Griechischen heißt. Den ganzen Tag gehen die Glocken sämtlicher Kirchen mit Trauerschlägen. Man muß es wohl merken, daß das ganze Land feiert. In der Kirche ist der epitiaphion ausgestellt, das Bild des heiligen Toten mit Seide und Gold, auf kostbares Tuch gewirkt. Vas Volk zieht von Kirche zu Kirche und kauft die in denselben feilgebotenen Blumensträuße von Kosen und Veilchen, Knemonen und anderen Feldblumen, die man um das im Schiff der Kirche aufgestellte Epitaphion legt, gleichsam als letzte Ehrung für den Toten. Die Fahne auf dem Schloß ist halbmast. Es wird oft geklagt über die Un- gehörigkeiten, die besonders die jungen Leute beiderlei Geschlechts, die sich des öfteren in den verschiedenen Kirchen treffen, treiben. Kber die Klage selbst beweist, daß doch viel ernste und wahre Teilnahme vorhanden ist. In einzelnen Kirchen wird auch über die Leiden gepredigt,' ich habe selbst einmal eine gute Karfreitagspredigt von dem besten Kanzelredner Kthens gehört, der in Deutschland seine theologische Bildung genossen und auch etwas gelernt hat. Der Glanzpunkt der Karfreitagsfeier ist die Prozession mit dem Epitaphion am Kbend. klus jeder Kirche macht eine größere oder kleinere Gemeinde ihren Umzug innerhalb des pfarrbezirks. klm glänzendsten sind die Prozessionen der Hauptkirchen, vor allem der Metropolitankirche. Dort wird die Prozession angeführt von dem Metropolitan, dem geistlichen Haupte der Kirche Griechenlands. Uach dem Ubendgottesdienst zwischen 8 und 9 Uhr bewegt sich die Prozession durch die Hauptstraßen und über die Hauptplätze der Stadt. Ihr voran laufen die Straßenjungen, welche unaufhörlich mit gellender Stimme schreien: Kirie eleison. (Es folgt eine Kcgimentskapclle, welche ernste weisen spielt, wie die Trauermärsche von Beethoven und Thopin,' in den Zwischenpausen hört man feierliche pauken- schläge und den näselnden Gesang der Priester, welche unmittelbar hinter der Musikkapelle gehen, in ihrer Mitte der Metropolitan in glänzender hohcpriesterlicher Tracht, die von Gold strotzt, auf dem Haupte die mit Edelsteinen besetzte Tiara, in den Händen den Bischofsstab, die patcritza, die ihm als einzige Stütze dient auf dem l 1 Stunden dauernden langen Gange in den schweren Gewändern. Es folgt der Epitaphion, dessen Zipfel von den Staatsministern gehalten werden, gerade wie bei einem großen Leichenbegängnis. Dann folgen die höchsten staatlichen und militärischen Spitzen, pro- vinzialdircktor, Kreisräte, Generäle und das Volk zu vielen


