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Militärmusik bewegt sich der Zug an das Wasser unter dem Gesang der Priester:heute wird die Natur der Gewässer geweiht ; der Jordan spaltet sich und hält die eigenen Fluten zurück, anschauend den Herrn, wie er getauft wurde. Dich sahen die Gewässer und erschraken; der Vorläufer erbebte und sprach: Wie wird dich der Leuchter erleuchten, das Licht, wie wird doch der Knecht seine Hand dem Herrn auflegen! hei­lige mich und die Gewässer, o Erlöser, der du trägst die Lun­den der Welt!" Unterwegs hält der Zug mehreremale an, es werden Stellen aus den Propheten, wie ). 6.Schöpfet mit Freuden das Wasser aus dem Heilsbrunnen", verlesen. Das Evangelium wird an Grt und Stelle verlesen. Ueber dem Wasser wird gebetet, daß es geheiligt werde durch die Kraft des heiligen Geistes, daß Gott, der Herr, über dasselbe den Legen des Jordan sende, daß das Wasser zur Vergebung der Zünden, zur Genesung der Leele und des Leibes diene. Es wird gebetet für die, welche es schöpfen und zur Weihung der Häu­ser mitnehmen. Dann segnet der Priester, oder wo ein solcher vorhanden ist, der Erzbischof oder Bischof das Wasser mit der Hand und nach einem weiteren Gebet segnet er es mit dem Kreuze, das er senkrecht eintaucht, dreimal. Lodann nimmt er von dem Wasser auf eine Lchüssel und besprengt damit die Geistlichen, die anwesenden Beamten und das Volk, worauf man in die Kirche zurllckkehrt.

Die Kirche spricht es selbst aus, daß denen, die das Was­ser im Glauben schöpfen, unsichtbarerweise die Gnadengabe des heiligen Geistes von Christus gegeben werde und hat da­durch zu allerlei frommem Aberglauben Nnlaß gegeben. Wie vor 1500 Jahren trägt man das geweihte Wasser in Krü­gen nach Haus und bewahrt es für besondere Zwecke, z. B. für Kranke. Besonders erhebend ist die Feier in den hafenorten, wie z. B. im Piräus. Nile Schiffe haben an dem Fest der kkotn ihren Flaggenschmuck angelegt, und es ist ein großer Moment, wenn der Bischof die Weihe unter Eintauchung de; Kreuzes vollzieht. Sofort bricht das Volk in Jubelgeschrei aus, die Schiffe geben den Salut und die Musik fällt ein. Die Schiffer tauchen die Hand in das Meer und netzen sich die Stirn mit Wasser. Vas Volk drängt sich zum Wasser, um mit dem Ge­weihten die Krüge zu füllen. Dem gewöhnlichen Seemann ist der Tag besonders wert, denn er öffnet ihm gewissermaßen das Meer, vor der Wasserweihe verläßt kein griechischer Kapitän den Hafen. Sn der Zeit vom Ndventsfasten bis zum 6. Januar haben die KnIIikuntrures ihr Wesen, besonders aber in der Zeit der 12 Tage, der äoäekämern, von Weih­nachten bis Epiphanias. Es sind Kobolde, die allerlei Unfug treiben, in den 12 Nächten den Kindern gefährlich sind. Der Volksaberglaube läßt sie geworden sein au; Kindern, die am 25. Dezember das Licht der Welt erblickt habe. Man deckt vor ihnen das Wasser zu. Da sie sich vor Feuer fürchten, läßt man einen Feuerbrand auf dem Herd, macht ein Kreuz an die Haustür und legt einen Besen davor. Sie verschwinden am 6. Januar vor dem Priester, der die Weihe vollzieht. 5ln diesem Tage haben die Priester viel zu tun in Palast und Hütte. Sie gehen von Haus zu Haus, gewöhnlich von einem Jungen begleitet, der das Uauchfaß trägt und einen Beutel, um das Geld aufzunehmen. Er durchschreitet, mit dem ge­schwungenen Weihrauchgefäß weihend und die bösen Geister bannend, die Zimmer, worauf die Leute ihm ehrfurchtsvoll die Hand küssen. Die Kallikäntzares aber singen:

Fliehet, fliehet, laßt uns fliehen,

Denn es kommt der tolle Priester [ Mit seinem Weihwedel

Und seinem Nauchfaß Und will uns besprengen Und will uns beschmutzen.

Sie singen es und verschwinden, zuletzt der Kutsodümonas, der hinkende Teufel, ein ziegenbockartiger Unhold, der an pan erinnert. Ulle diese, am Epiphaniasfest verschwindenden Dä­monen gehen unter die Erde und sägen an der ungeheuren Säule, welche die Erde stützt. Gben aber ist die Luft rein, das Meer ist offen und das genügt für die Gegenwart.

Die Zeit zwischen Neujahr und den Fasten ist im Leben der Griechen sehr bewegt. In Nthen ist es die Zeit, wo die meisten geselligen Vergnügen stattfinden. Die langen, voröster­lichen Fasten machen dem allen ein Ende, darum wird der Becher der Lebensfreude so oft wie möglich an die Lippen ge­führt. In der ganzen Fastenzeit ist das heiraten durch Kirchen­gesetz und Sitte verboten, es eilt daher, wer nicht allein fasten mag, mit dem Freien, und viele Hochzeiten werden gefeiert. Zum letztenmal gibt man sich den Genüssen hin am Tage vor den Fasten, die ja 7 Wochen vor Gstern beginnen und vom Volke streng gehalten werden. Da wird gegessen und getrun­ken, so viel man kann, vor allem das letzte Fleisch gegessen vor dem hernach mit Sehnsucht erwarteten Dsterfest und Gster- lamm. Die Familie vergnügt sich mit Spiel, Gesang und Tanz bis Mitternacht. Der erste Montag in den Fasten, derreine Montag", Kutkeri clswtsru, ist dann ein rechtes Volksfest, man möchte sagen ein versuch, mit fröhlichem Gebaren das Fasten zu verbergen. Da ist das ganze Volk auf den Beinen. Um die Zeit, Ende Februar, hat die Sonne schon Macht, die Mandelbäume stehen in herrlichstem Blütenschmuck, ein lachender Himmel blickt herab auf das lachende Bild des Vol­kes, das seineKüluinn" feiert, so heißt der Tag, wie man an­nimmt, weil das Volk auf die Hügel zieht. Denn das tut das Volk an dem Tage. Neich und Nrm in festlicher Gewandung geht auf die Berge. Im alten Stadium, an den Ufern des Ilissus, bewegen sich Hunderte und Tausende von Menschen. 5luf der kleinen Hochebene, die hinter demselben liegt, wird der Neigen getanzt. Buch die Nkropolis ist an dem Tage be­lebt von fröhlichen Menschen, vor dem Theseustempel ziehen einzeln Gruppen von Ningern, andere vergnügen sich am Dis­kuswerfen. Wohin man sieht, lagern sich Familien und ver­zehren die Erstlinge der Fasten, Brot und Zwiebeln und Dran­gen. Es ist wirklich, wie man es wohl genannt hat, ein pana- thenaienfest, ein Fest für alle Nthener. Man gönnt den Leu­ten ihre Freude, die übrigens, nebenbei bemerkt, durch keine Noheil gestört wird, vor der langen schweren Fastenzeit. Ueber das Fasten habe ich mich schon geäußert. Es ist eine Zeit, die tief einschneidet in das ganze Leben und gewiß von nicht zu verachtender, gesundheitlicher und volkserziehlicher Bedeu­tung ist. Ich eile über sie mit ihrem Knoblauchhauch und den immer schmaler und bleicher werdenden oder fieberhaft ge­röteten Gesichtern hinweg zu der stillen Woche und dem fröh­lichen Dsterfest.

- (Fortsetzung folgt.)

Der Engel der Gefangenen.

Im Jahre 1813 hat die Engländerin Elisabeth Frei) zum erstenmal ihren Fuß in ein Gefängnis gesetzt, um die Zustände der Gefangenen selbst kennen zu lernen; es war das große Gefängnis zu Newgate in London. Mit diesem dankeswllrdigen Besuch beginnt eine neue Epoche der Inneren Mission. Nachdem Elisabeth Frey den Zustand schaudererregender Verwilderung unter den 300 gefangenen