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terndc Gebete wurden gesprochen, Weihen vollzogen, die Be­wohner küßten das wundertätige Bild und führten es dann wieder in die Stadt. Mit Geschenken und Gelübden sucht man die Gunst der Götter, ich wollte sagen, der heiligen. TinGrieche möge das schildern, doch Kürze ich seine Schilderung:Ich be­suchte die alte Bergfeste Ithome, die Feste der tapfern Mes- senier, wo im Bltertum der Zeus Ithomatas verehrt wurde, und war erstaunt, dort nicht ein Heiligtum des Elias zu fin­den, sondern ein Bild der panajiä. Dieses wundertätige Bild wird jährlich von den Gläubigen mit Gaben beschenkt, die nicht zu dem zarten Geschlecht der Gottesmutter passen, vor ihrem Bilde sah ich in Haufen Pyramiden von Waffen, Jagd­gewehren, Pistolen und außerdem goldgestickten Gewändern. Lin Freund sagte mir auf meine Frage, das seien Weihge­schenke, die ihrer Gnade gelobt worden seien. Außerdem zeigte er mir eine ganze Herde von Pferden und Bindern, die eben­falls gelobt worden waren. Ich fragte mich, wieviel Zorge Und Mühe an diesen Gaben hingen, die hier in übertriebenem religiösen Eifer in die Hände der Mönche gegeben wurden, die allein davon Gewinn hatten! Bber Geduld, es Kam noch schlimmer! Ich zweifle, ob die, welche Glasstückchen ver­schlucken und mit nackten Füßen auf glühenden Lisenstangen gehen, ihrem Gott zuliebe jemals ein solches Dpfer ersannen: Ich sah auf dem Gipfel von Ithoma, sah und schauderte, sah inmitten der erschreckten Wallfahrer ein Weib auf allen Vie­ren herankriechen, buchstäblich wie ein Tier. Sie ging auf Händen und Knien. Um ihre Knie sahst du keine Gewandung mehr, sondern nur blutige Fetzen, von den Steinen zerrissenes Fleisch, schwarze, blutige, zerfetzte Hände, und einen Körper, formlos und erschöpft, in der letzten Bnstrengung, die Kirche zu erreichen. Bußer mir fragte ich nach und erfuhr, als etwas Einfaches, Zelbstverständliches, tooks tamma, sie hatte das gelobt! Lin abschreckend häßliches, auf eine Marmorplatte geätztes Bild des Propheten Elias war während des Gottes­dienstes außerhalb der Kirche aufgestellt. Und ich sah, wie vor den Bugen der Priester viele der frommen Pilger herzutraten und mit Messern die Marmorplatte an der Seite abschabten und mit religiöser Ehrfurcht das vom Steine Bbgeschabte sam­meln und mitnehmen." Dies entsetzliche Uachtbild sei das letzte, was ich aus dem religiösen Volksleben der Griechen vor­führe. Ich werde nun freundlichere Bilder entrollen, die das Schöne, Erhebende und Erfreuende im kirchlich geordneten Le­ben der Griechen zeigen.

Ich wiederhole noch einmal: Das Leben des griechischen Volkes, das private und öffentliche, hat von der Kirche sein Gepräge erhalten. Nationalität und Beligion stehen in in­nigster Verbindung wie bei den Juden. Jede kirchliche Fest­feier ist daher auch eine volksfeier und zwar in viel höherem Maße als das in der evangelischen Thristenheit der Fall ist. Dieser Zusammenklang hat immer einen großen Eindruck auf mich gemacht, und es liegt offenbar auch ein großer Segen darin. So ein Dahinleben ganzer Schichten des Volks ohne Teilnahme an der kirchlichen Gemeinschaft, wie wir es bei uns finden und beklagen, kennt man in Griechenland nicht. 6n den kirchlichen Feiertagen feiert eben alles. Unter der Ge­stalt symbolischer Festfeier kommt da etwas höheres in jedes Haus. Und aus jedem Hause zieht man in die Kirche. Man darf sich darüber von Herzen freuen und braucht darum sich nicht die Mängel und Schattenseiten zu verhehlen. Diese ganze kirchliche Drdnung des Lebens ist etwas Beußerliches, und an Innerlichkeit gebricht es entschieden dem religiösen Leben des griechischen Volkes. Bber die Drdnung ist wie ein gutes Dach, unter dem kostbare Güter geborgen werden können,' sie ist

wie ein feste; Gefäß, das einmal mit besserem Inhalt gefüllt werden kann, von der täglichen Drdnung des persönlichen und häuslichen religiösen Lebens habe ich bereits gesprochen. Ich möchte nun noch einiges hinzufügen betreffs der Feste und deren Feier in der Kirche, im Hause und auf den Straßen, oder sonst in der Deffentlichkeit.

Das Weihnachtsfest, ein Fest, welches bekanntlich spä­terer Einführung ist als das alte Epiphanienfest, ist nicht son­derlich ausgezeichnet. Der Ehristbaum, wo er angezündet wird, ist eingeführtes Fremdgut, und erweckt bei den Griechen nicht die Empfindungen, wie bei uns. Ich hörte einmal von einer reichen Familie, die sich einen ganz aufgeputzten Ehrist­baum im Werte von über 1000 Franken von Paris kommen ließ, um ihn dann in einer Gesellschaft von Freunden plündern zu lassen! Wie bei anderen Völkern wird auch der Beujahrs- tag mehr gefeiert. Derselbe ist zugleich der Tag des hl. Basi- lios. Bm Vorabend wird eine Torte bereitet, die wasilöpita, in deren Teig ein Geldstück gegeben wird. Bm Neujahrsnach- mittao vollführen die Griechen in den Straßen Bthens einen heillosen Lärm mit allerlei knarrenden oder gellenden Instru­menten. Man meint in einem Tollhaus zu sein. Bbends ist es aber ruhig. Neujahrstag wünscht sich alles wie bei uns Glück: seti pollä ka tu chrönu, auf viele Jahre und auf nächstes Jahr! Im Familienkreise wird Me Basiliostorte auf den Tisch in die Mitte der versammelten Familie gestellt. Man rollt sie dreimal aufrecht Und je wie sie fällt, ist es ein gutes oder schlechtes Zeichen. Dann macht man dreimal das Zeichen des Kreuzes über den Kuchen und schneidet ihn mit Vorsicht an, wer in seinem Stück die Münze findet, ist ein Glückskind, tiokirös. Nachher ißt man noch einige Süßigkeiten, um in süßem Frieden das neue Jahr zu durchleben. Jedes ungehörige Wort, Zorn und Schlag find verboten, denn wo sie stattfinden, würde sich das das ganze Jahr hindurch fortsetzen.

Gleich nach dem Jahresanfang, am 6. Ianuar, wird Epiphanias gefeiert, wie ich sagte, ein sehr altes Fest, das schon im dritten Jahrhundert gefeiert wurde und zwar ur­sprünglich zugleich als Geburtsfest Thristi und Fest seiner Taufe, bei welcher offenbart wurde, daß der Menschensohn der Gottessohn sei, daher der Name opipkania oder tkeo- pbania. Neben Ostern und Pfingsten hat die alte Kirche diesen Tag als passend für die Taufe der Katechumenen gehalten, die ja auch die pkotiromeni, die Erleuchteten, hießen. Daher bekam das Fest seinen dritten Namen ta phöta, welcher das einzig in Griechenland volkstümliche ist. Der Taufe ging in der Kirche eine Weihe des Wassers vorher, die um so bedeut­samer gerade an diesem Tage war, da sie mit der kirchlichen Feier der Taufe Jesu im Jordan zusammentraf. Schon im 4. Jahrhundert finden sich Spuren der Feier, wie sie noch heute, nach 1500 Jahren, in Griechenland üblich ist, wenn nämlich Thrysostomus ermahnt, daß alle bei dieser Feier zum Gedächtnis der Taufe Thristi, durch welche die Natur der Ge­wässer geheiligt worden ist, von dem Wasser, in dem sie sich gebadet oder gewaschen haben, um Mitternacht Krüge voll nach Bause nehmen. Dies Wasser hält sich 23 Jahre.

Nach der Feier in der Kirche begibt sich das Volk unter vorantritt der Priester und Diakonen mit dem Evangelium, dem Kreuz, den Bauchfässern, Heiligenbildern, Fahnen, La­ternen und Lichtern nach dem Wasser eines Flusses oder einer Duelle. In Bthen vollzieht man die Wasserweihe an den« städtischen Wasserwerk, dessen Wasser ja köstliches Duellwas­ser ist, das durch die alte hadrianische Wasserleitung von den umgebenden Bergen hergeleitet wird. Bei Sonnenschein ist das ein hübsches, farbenprächtiges Bild. Unter den Klängen der