w 50
neuen Aufschwung erlebt hatte, und in deren Mysterien fromme, nach Erlösung dürstende Seelen die Bürgschaft der Unsterblichkeit und Seligkeit zu finden hofften. Rings um die Hauptaltäre fanden sich hier zahlreiche kleinere Altäre, die den verschiedensten Göttern, darunter auch Personifikationen, wie z. B. der Eintracht, gewidmet finb; sogar der Zufall war hier vergöttlicht und hatte seinen Altar. Ein Altar ist „Allen Göttern und allen Göttinnen", ein anderer „Dem pantheion", d. h. der Gesamtheit der Götter, geweiht. Der Altar, auf den es uns hier ankommt, ist von einem gewissen Kapiton, der das Amt eines Fackelträgers bei den nächtlichen Demeterfeiern bekleidete, errichtet' er ist leider stark beschädigt, auch die griechische Aufschrift ist nicht vollständig erhalten, doch kann man sie mit ziemlicher Sicherheit folgendermaßen ergänzen :
Unbfekanntenf Göttern Kapitjonj,
Fackelträgejrj.
Aus dem Heiligtum des Apollon von Didyma ist uns direkt inschriftlich bezeugt, daß auch dort der Hauptaltar von einem ganzen Kranz von Altären für alle Götter umgeben war. Und ähnlich ist es offenbar in dieser Zeit an allen größeren griechischen Kuliplätzen gewesen. Nicht dem Herrn des Tempels allein galt der Gottesdienst, sondern jede Gottheit sollte das Ihre erhalten. Bei der kolossalen Menge von Göttern war es unmöglich, jeden mit Namen zu kennen, geschweige jedem einen besonderen Altar zu weihen. In jedem Ereignis, in allem Erleben sah der Gläubige Aeußerungen der Gottheit, ohne im einzelnen Falle immer imstande zu sein, den Gott zu nennen, der sich ihm offenbarte. Um nun ja nichts zu versäumen, errichtete man so auch Altäre für unbekannte Götter.
In Korinth wohnte Paulus (nach Apostelgesch. 18) eine Zeitlang mit Aquila und priszilla, einer jüdischen Zeltmacherfamilie. zusammen, die infolge des Judenedikts des Kaisers Elaudius kurz zuvor hatte Nom verlassen müssen und nun hier in der Hauptstadt der Provinz Achaia ihrem Verdienst nachging. wir haben eine Nachricht, die die Vertreibung der Juden aus Nom in das 9. Negierungsjahr des Elaudius, also ins Jahr 49, setzt, aber die Nichtigkeit dieses, für die Missionstätigkeit des Paulus sehr wichtigen Zeugnisses ist gelegentlich angezweifelt worden. Nun wird weiter berichtet, daß Paulus 11/2 Jahre mit großem Erfolg in Korinth wirkte. „Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, erhoben sich die Juden einmütig gegen Paulus und schleppten ihn vor den Nichterstuhl." Gallio lehnte jedoch einen Nichterspruch in dieser religiösen Angelegenheit ab. Leider konnte man bisher das Prokonsulatsjahr des Gallio nicht genau bestimmen, jetzt gestattet eine in Delphi gefundene griechische Inschrift, zu größerer Sicherheit zu gelangen. Es sind die Fragmente der Aufzeichnung eines Briefes des Kaisers Elaudius an die velphier, in dem er sich auf ein Schreiben des L. Junius Gallio, seines Freundes und Statthalters von Achaia, beruft. Dieser Kaiserbrief ist mit Sicherheit in die erste Hälfte, wahrscheinlich ins Frühjahr des J. 52, zu datieren. Daraus ergibt sich, daß als prokonsulatsjahr des Gallio 51/52 anzusetzen ist. wenn man aus dem Wortlaut der Apostelgeschichte herauslesen darf, daß die Juden bald nach dem Amtsantritt des neuen Prokonsuls ihre Klage gegen Paulus vorgebracht haben, so gestattet uns die Inschrift jetzt den Aufenthalt des Paulus in Korinth in die Jahre 50 und 51 zu datieren.
Die Missionstätigkeit des Paulus knüpft in der Negel an die Synagogen der großen jüdischen Diaspora an. Auch in Korinth hatte er zuerst in der Synagoge gepredigt. Zufällig ist dortgerade einStück von einer Türinschrift einerjüdischenSyna- goge gefunden: „jSynjagoge der hebrjäerj." Auch nach Rom wird das Evangelium von Jesus durch die jüdische Viaspora gelangt sein, wir hatten schon zahlreiche Inschristen, die uns manchen wertvollen Beitrag zur Kenntnis der römischen Judenschaft lieferten. Sie wurden wesentlich bereichert durch die Ausgrabung einer jüdischen Katakombe am Monteverde, „des ältesten, bisher bekannt gewordenen jüdischen Friedhofs des Abendlands". Die Aufdeckung und die Veröffentlichung wird Nikolaus Müller verdankt. Es ist eine Familiengrabstätte, die ein L. Mäcius, Vorsteher einer jüdischen Gemeinde, in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Ehr. für seine vier Kinder und seine Gattin errichtet hat. Diese Grabschrift ist in lateinischer Sprache abgefaßt, während der größere Teil der älteren jüdischen Inschriften griechisch ist. Auch Paulus konnte sich unbedenklich in seinem Brief an die Römer der griechischen Sprache bedienen.
Die Inschriften bezeugen uns mit Sicherheit mindestens neun jüdische Gemeinden, Synagogen, für Rom. Eine heißt einfache Synagoge der Hebräer wie die in Korinth, eine andere Synagoge zum Delbaum,' andere sind nach Gertlichkeiten benannt: nach der Subura und dem Marsfeld, eine wohl auch nach einem Kalkofen, in dessen Nachbarschaft sie sich befand, wieder andere Synagogen nennen sich nach Persönlichkeiten: Augustus, Agrippa, volumnius, d. h. nach den Herren, zu deren unfreiem Gesinde die Gemeinden gehörten, und die ihnen erlaubt hatten, besondere Kultgenossenschaften zu bilden. Durch Müllers Veröffentlichung lernen wir nun noch eine Synagoge der vernacli oder vernaclesii kennen. Die Deutung des Namens macht Schwierigkeiten. Vas Nichtige hat wohl Bormann gefunden, der darin eine aus kaiserlichen haus- sklaven (vornas) bestehende Gemeinde sieht, so wie auch die Augustesii nichts anderes als die Synagoge im Gesinde des Rugustus sind. Auch die Frau des Begründers jener jüdischen Katakombe Julia Alexandria ist, nach ihrem Namen zu schließen, offenbar eine Freigelassene des Kaiserhauses gewesen.
Das stimmt vorzüglich dazu, daß der Apostel Paulus während seiner römischen Gefangenschaft gerade unter den Freigelassenen und Sklaven des Kaisers besonders treue Anhänger gefunden hatte. Das Bestehen einer jüdischen Synagoge unter dem kaiserlichen Gesinde wird ihm den Zutritt zu diesen Kreisen erleichtert haben. So fällt von diesen unscheinbaren Inschriften ein Licht auf Philipp. 4, 22: „Alle heiligen lassen euch grüßen, besonders die vom kaiserlichen Hofe." h. h.
Griechische Erinnerungen.
Dritte Folge.
von Geh. Dberkonsistorialrat D. w. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
Bei Katastrophen, bei Dürre und ähnlichem macht man Litaneien, d.h. Bittgänge, mit den Heiligenbildern, vor einigen Jahren war Thessalien heimgesucht von einer fürchterlichen Mäuscplage. Ehe Professor Löffler aus Greifswald den Mäusen eine ansteckende Krankheit einzuimpfen lehrte, versuchte das Volk in seiner Art des Nebels Herr zu werden. Die Bewohner von Larissa, einer der hauptsjädte der Provinz, nahmen das Bild der Panajia Xynid und führten es auf den Feldern unter Abhaltung ihrer Litaneien umher, herzerschüt-


