Einzelbild herunterladen

45

ein Kegen undSich-Bewegen in dem leblosenGestein bcrKunft, als würde es getrieben, geschwellt und auf und nieder gesenkt von einem pochenden Herzen. Und das alles tat und zauberte eine große und tiefe Neigung zweier glücksfroher Menschen­kinder !

Gottseidank bewahrheitet es sich nicht immer, daß ein großes, zu sonniges himmelsglück trostloses Dunkel und ein zerbrochenes Erdendasein schafft, indem es plötzlich scheidet und ins Grab sinkt! (l)ft aber will eine weise Vorsehung das Glück vor Elend und aller Schande behüten. Oft ist das Glück zu zart und himmlisch, um in der kalten Welt fortblühen und bestehen zu können!

Großes war in Elisabeths Leben getreten. Mit einer Krone von perlen und edlem Gold schmückte sie ihr Glück, ehe sie zum letzten Schlummer vor demparadieses-Erwachen die müden Glieder streckte. Sie sollte die peri in Schumanns herr­licher Tondichtung singen. Lange hatte sie gezögert. Nun gab ihr die Liebe eine ungeahnte Kraft und Freudigkeit. Sie lebte ein starkes, heldenhaftes Leben in der Zeit des Uebens, und leise, ungewollt und unbewußt, zerrannen dabei ihre Kräfte und welkten dem Grabe entgegen. Nie war Elisabeth froher und teilte mehr Freuden aus, als in dieser Zeit. Sie sang und jubelte und sog die Schönheit der Berge und der weiten Mie­sen, die der Strom umspielte und bewässerte, in sich ein. Sie trank das himmelslicht und reifte für die Ewigkeit, während sie sich vom Erdendasein loslöste. Ernst hertwig ahnte schmerz­lich, daß sein Glück zart und erdenfremd war und wußte es ganz gewiß von dem Nugenblick an, als fein Lieb auf der Empore stand im strahlenden Kerzenlicht und seine Stimme schon, wie eine erlöste Seele, über die lauschende Menge flog, unaufhaltsam himmelwärts. Er war nicht unglücklich, nur traurig darüber.Liebster, traurig darfst du sein, das tut mir wohl, bloß nicht verzweifeln, wenn ich einst von dir fort- gehen muß. Sieh' Schatz, du würdest ja meine Kühe mit dei­nem Jammer stören. Denke, wie glücklich wir waren und blei­ben werden, denn unser Glück kann ja nicht mit unserem leib­lichen Leben dahinsterben und verstummen! So hatte Elisa­beth zu ihm gesprochen, und daran mußte er denken, wäh­rend die dankbare und begeisterte Menge um ihn jubelte und Beifall klatschte. Er saß mitten unter ihr als ein Einsamer und Stiller. Tr sammelte jeden Ton in seine Herzkammer für lange schweigende Tage und sargte sein Leben ein, das Le­ben, das von der Braut Blut und Kraft empfing, und be­gann schon jetzt im Vorsatz und Geist das Dasein für die Un- deren in pflichttreuer Arbeit, in wunschloser Mitfreude, in dankbarem, köstlichem Erinnerungsleben. Elisabeth, seine Le­benssonne, würde einst an der Pforte vom Tod zum Leben auf ihn warten, und an ihrer Wärme durfte er dann gesun­den und vom freundlichen Sich-Loslösen vom Sch und eigenen Sein zu fröhlich empfangender Wonne schreiten!In Edens Garten, wo liebende Seelen deiner warten dich ew'ge Wonne umfließt, sei uns willkommen, sei uns gegrüßt." Das war die Krone, das Geschenk. Wie sie leuchtete, froh­lockend, verheißend, und der Glanz glomm und blinkte un­vergeßlich, unauslöschlich. Wie der Tag entschwand und die

lange tiefe Nacht anbrach. - Elisabeth!---Siehe,

das Licht der Erfüllung ist dir frühe entzündet worden!

Die Schneeglöckchen nicken und wiegen sich unter dem leicht gesenkten Mädchenkopf, auf ihrem Grab in Hochrelief aus dem Stein heraus geschnitten, und grüßen und läuten lieb­lich im Nuferstehungswehen, in leise säuselndem Frühlings­wehen.

Ein pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Dann sagte er nichts mehr. Junge Burschen sangen drau­ßen vor dem Dorfe, aber so, daß man es in der Stube auf dem Gemeindehause hörte, die Wacht am Nhein. hell und Klar schmetterten die Töne:Fest steht und treu die Wacht am Nhein, die Wacht am Nhein." Leute riefen auf der Dorfstraße einander etwas zu, aus den Ställen Kam das dumpfe Brüllen der Kühe, da atmete der fremde Soldat noch einigemale, dann war der letzte Ntemzug entflohen.

Drei Tage später wurde er bestattet. Die ganze Gemeinde geleitete ihn zur ewigen Buhe; denn der Pfälzer, mag er auch aufbrausend und leicht erregbar sein, hat ein mitfühlendes Herz. Wir Schulkinder sangen unter der Leitung des Lehrers Winterstein: Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben. Pfarrer Weber sprach über das Bibelwort:Denn die solches sagen, die geben zu verstehen, daß sie ein Vaterland suchen. Nun aber begehren sie eines besseren, nämlich eines himmlischen." Tr schilderte, wie der fremde Soldat, gehorsam seiner Pflicht, seine Heimat verlassen habe, um für das Vater­land zu streiten, wie ihn Gott fern von den Seinen habe sterben lassen, um ihn in das bessere, nämlich in das himmlische Vater­land zu bringen.

Gleich nach dem Nbscheiden des lNannes hatte mein Vater alles, was er bei dem Toten gefunden hatte, seine Geldbörse, seine Uhr, sein Notizbuch zu Bürgermeister Nodenbecher ge­bracht, damit der der Familie die Sachen zustellen solle. Leider kannte man nicht deren Wohnort, aber man kannte den Trup­penteil des Toten. In seinen Kleidern waren Schildchen ein­genäht mit der Bezeichnung:Füsilier Hansen 2/86." Der Tote hatte somit bei der zweiten Kompagnie des Füsilierregi­mentes Nr. 86 gestanden. Nn diesen Truppenteil sollte ge­schrieben werden. Nodenbecher versprach, alles zu besorgen, und sagte zu meinem Vater:Der Honeck macht alles, der hat einen gescheiten Kopf. Geh nur heim, mein lieber Hannes, es wird alles gemacht."

Wiederum drängte die Nrbeit. Der Hafer wurde gebun­den und heimgebracht, das Grummet wurde gemäht. Das Futterholen nahm jeden Tag geraume Zeit in Nnspruch. In dieser Zeit holen die Leute in der dortigen Gegend auch das Holz für den Winter aus dem Walde. Das war für mich immer eine Lust, wenn ich mitfahren durfte. INit unseren Kühen konnten wir das nicht machen, darum lieh sich der Vater zum holzfahren das Fuhrwerk des Nachbars Gerhäuser.

Das war doch ein anderes Handwerk, wenn der Wagen von zwei starken, mutigen Pferden gezogen wurde, als wenn die Kühe gemächlich ihren Gang dahintrotteten und sich nicht aus ihrer Nuhe bringen ließen.

Stolz saß ich diesmal zwischen dem Vater und dem Bruder Fritz, der das Fuhrwerk lenken durfte. Gar zu gern hätte ich selbst Leitseil und peitsche in den Händen gehalten, um mich den Leuten als geschickten Fuhrmann zu zeigen, aber der Vater sagte:Bub, mach keine Geschichten, wie kann ich dir das Fuhrwerk anvertrauen. Wenn dir die Gäule durchgehen, so gibt es ein Unglück."

Vater, warum kaufen wir uns keine Gäule? Nlit dem Hornvieh, das ist doch ein schlechtes Fahren. Wenn der Bel- mont von Ulzep oder der Simon von Kreuznach noch einmal in das Grt kommt, so sag ihm doch, daß er uns so ein paar Braune in den Stall stellt!"

Der Vater und Fritz lachten, und der erstere sagte:Ja, Peter, wenn du mir das Geld für die zwei Braunen gibst!"