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erbtes Häuschen, das sonnig und frei am Vachufer lag, gegen eine größere hofreite zu vertauschen, welche abgelegen, am Ende einer nach Norden gerichteten Lackgasse liegend, unmit­telbar an den damals noch dicht mit Tffen (Riijtern) bestande­nen Dorfgraben grenzte. 3n kurzem war der Gumperich aber so verstrickt, daß ihm die Rehle zuging und er seine habe dem Geldgeber zu eigen überlassen mußte. Ts geschah das etwa um das Jahr 1850. Lolch grausame Rbschlachtung eines ein­gesessenen Grtsbürgers, wenn man auch im übrigen sein un­kluges Gebaren nicht billigte, machte aber doch einen üblen Eindruck bei der gesamten Vevölkerung, zumal bei dem Ge­danken, daß so eine gefährliche Persönlichkeit sich im Grt jetzt festsehen werde. Da geschah etwas Rußergewöhnliches:

In einer Nacht entstand in der abgelegenen, jetzt leer stehenden hofreite ein unheimliches Numoren. Neugierige, welche sich nähern wollten, wurden mit Schelten und Dro­hungen verjagt, und am andern Morgen bildete das ganze Ge­höft nur noch einen Trümmerhaufen. Logar der gewölbte Torbogen lag auf der Lrde. Ls sollen starke Männer mit einem Durchzugsbalken auf den Lchultern wie mit einem an­tiken Mauerwidder im Taktschritt gegen die gemauerten Pfeiler angerannt sein, bis sie umstürzten. Rndern Tags kam der Friedensrichter mit Gendarmenbegleitung zur Unter­suchung. Da war aber niemand, der etwas gesehen hatte, zumal ja, wie gesagt, die Neugier mit Gewalt fern gehalten wor­den war. Ruch eine Haussuchung bei einigen verdächtigen nach verschleppten Vaumaterialien verlief erfolglos. Ts sollen damals ganze Valken zwischen den Mngertzeilen ein­gegraben gewesen sein.

Nach und nach scheint sich, zumal in der damals politisch bewegten Zeit, die Zache im Land verlaufen zu haben, we­nigstens habe ich nie von Vestrafung eines Lchuldigen gehört. Jahr und Tag nachher aber, ich weilte gerade in den Herbst­ferien zu Hause, ereignete sich wieder etwas Merkwürdiges. Ls war an einem Lamstag abend. Meine Litern hatten sich schon zur Ruhe begeben, und ich war im Vegriff, es ihnen nachzutun, da hörte man plötzlich auf der Straße Lärm, und auf mein Fragen erhielt ich Vescheid, daß das Häuschen des Itzig an der Unterpforte brenne. U)ie ich dann dorthin kam, fand ich nur eine schreiende Menge, auch die Feuerspritze war da, aber von Feuer sah man nichts. Ich ging dann wieder nach Hause zum Schlafen, und am andern Morgen hörten wir, daß die Feuerlöscher, die sich gleichsam gefoppt sahen, das ganze Häuschen dem Erdboden gleich gemacht hatten.

Rus den erregten Reden, welche ich an jenem Übend ge­hört hatte und weiteren Nachfragen habe ich dann das fol­gende zusammengestellt:

wie anfangs der dreißiger Jahre auf Rosten der Ge­meinden die Landstraße von der Napoleonschen Heerstraße bei Nieder-Glm ausgehend nach Jugenheim und eine kurze Ltrecke darüber hinaus hergestellt und damit, wenn auch mit einem Umweg, eine notwendige Verbindung mit der Provin­zialhauptstadt Mainz geschaffen werden sollte, da fielen den Launen des staatlichen Vauleiters, der auch sonst recht schrul­lenhaft sich gebärdet haben soll, die beiden überbauten Dorf­eingänge, die Gber- und die Unterpforte, zum Gpfer, die nach den Verichten älterer Leute einen malerischen Zugang durch die damals größtenteils noch erhaltenen und dicht mit Rüstern bepflanzten Dorfumwallungcn gebildet hatten. Sie mußten als angebliches Verkehrshindernis abgerissen werden, ob­gleich sie dem damaligen Verkehr noch lange genügt haben würden, zumal die neue Ehaussee für die nächsten 50 Jahre eine kurze Strecke oberhalb des Dorfes im freien Feld endete.

Die überbaute Gberpforte hatte einem Schuhmacher und seiner zahlreichen Familie als lvohnung gedient, der sich dann daneben ein kleines Häuschen erbaute, aber den Namen: der Gberpörter Schuster behielt. Ich halte ihn im Gedächtnis als eines der frühesten Gpfer der Pest, genannt Frankfurter Lot­terie, welche sich damals in Rheinhessen, besonders in den weinbautreibenden Grten ausbreitete und so viel trauriges Unglück angerichtet hat, ein Rapitel, das auch noch als Er­gänzung bei meinenDorftragödien" Platz finden könnte.

Neben der ehemaligen Unterpforte war dann ein ein­stöckiges Häuschen mit einigen Rammern unter dem Ziegeldach gebaut worden, das, so lange ich zurück denken Kann, im Be­sitz eines jüdischen Geschäftsmannes war, der sich und die Sei­nen mit Rälberhandel ernährte, und von dem ich nur noch den Namender Itzig" behalten habe. N)ie einmal in einem Sommer ein vaganter Tanzmeister in das Dorf kam, der un­sere Jugend in die Runst Terpsichores einzuführen versprach, da waren seine Tochter, etwa zwei Jahre älter als ich und ein stattliches Frauenzimmer, das sich städtisch kleidete, und einige ihrer Glaubensgenossinnen die Hauptteilnehmerinnen. Später gingen seine Heranwachsenden Söhne nach Rmerika, wo sie gutes Ruskommen fanden, und die Schwester folgte ihnen nach. Dem Vater scheint es dann kratzig gegangen zu sein, so daß er in Schulden geriet und zuletzt sein Häuschen dem Hauptgläubiger, dem genannten Jesel, überließ und seinen Rindern übers lvasser nachfolgte. Jetzt war also wieder Ge­fahr, daß der Gefürchtete im Grt Fuß fassen werde. Er hatte diesmal zur besseren Bewahrung seines Besitzes einem herab­gekommenen Schreiner Unterstand darin gewährt, der sich mit seiner Familie und seiner Hobelbank in den Rammern unter dem Dach einrichtete.

Me gesagt, ich war gerade wieder in Ferien zu Haus, und wieder an einem Samstag abend entstand auf der Straße Lärm und eiliges Rennen und auf meine Frage hörte ich: dem Itzig sein Häuschen an der Unterpforte brenne. Ich begab mich dahin und traf dort eine Ulenge, die, wie ge­wöhnlich bei solchen Gelegenheiten, unverständig durcheinan­der schrie. Ruch die Dorffeuerspritze war schon da, aber von Feuer sah ich nichts. Ich hörte dann, ein noch spät vorbei­gehender habe durch die Ritzen der Türe Feuer gesehen und sofort Lärm gemacht und mit Hilfe von herbeigeeilten Nach­barn dasselbe im Entstehen erstickt. Ulan habe dann auf der Treppe und in den unteren Stuben Hobelspäne, die zum Teil angebrannt waren, gefunden, und sofort erhob sich ein Ge­schrei über Brandstifter, welche wegen Profit das ganze Dorf hätten in Gefahr bringen wollen. Rm meisten lärmte der zeit­weilige Insasse, daß man ihn und seine ganze Familie habe ins Unglück bringen wollen. Da das Dach übrigens nicht viel über Nlanneshöhe lag, wäre die Gefahr nicht allzugroß ge­wesen. Jedenfalls war der Feuerrufer schneller als der Brand. Ich begab mich dann zur Ruhe, hörte aber am andern Mor­gen, daß die Löschmannschaft, vielleicht erbost, weil sie sich ge­foppt hielt, wieder nach bekanntem Muster das ganze Häus­chen dem Erdboden gleich gemacht hatte. Ruch diesmal scheint die Untersuchung keinen Schuldigen gefunden zu haben, lve- nigstens habe ich auch diesmal nicht gehört, daß jemand des­halb gestraft worden sei. vielleicht lag es in mehrfachem In­teresse, nicht allzusehr nach einem Schuldigen zu forschen.

Neben der Brandstelle, die ja eigentlich keine war, hat dann mein Freund Heinrich Maul den Gasthof zur Traube er­baut, dessen Dach mir noch manchmal, wenn ich die alte Hei­mat besuchte, freundliche Herberge bot.