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Griechische Erinnerungen.

Dritte Folge.

von Geh. Bberkonsistorialrat D. w. petersen in varmstadt.

(Fortsetzung.)

was von der Gottesmutter gilt, gilt auch von den hei- ligen. Ich mutz mich da beschränken. Der sogenannte Theseus- tempel in Nthen, einer der besterhaltenen alten Tempel, wurde zur Kirche des heiligen Georg, des Lindwurmtöters. Tr ist der Lieblingsheilige der Krieger, zugleich aber auch der In­nungsheilige der Gärtner und Gemüsehändler, was ich mir nur erklären kann aus der Bedeutung seines Namens Geor- gos, d.h. Landmann. Lr vereinigt also in sich Wehrstand und Nährstand. Nn die Stelle Poseidons oder Neptuns ist der hei- lige Nikolaus getreten, der Beschützer der Seeleute. Sie nen­nen ihn Ai Niköla näwti, he Nikolaus, Schiffer! Nuf paros heitzt er tckalassitis, was auf die tkälassa, das Meer, deu­tet. In einem Liede zum h. Basiliustage, d. h. zum Neujahr, wird offenbar einem Seemann ein Schiff gewünscht mit eiser­nem Nlast und Raenwerk und seidenen Segeln.

Im Luge sitzt der h. Thrist, in der Mitte die panajia Und hinten am Steuer sitzt der h. Nikolaus.

Einst in stürmischer Zeit ein umsichtiger Kirchenleiter, hat er auf Bildern ein Schiff (Symbol der Kirche) auf stürmischer See zur Seite, so wurde er dem Volke Ersatz für Poseidon, in der Sprache unserer INarineverwaltung: Ersatz-Poseidon. Für allerlei Nöte gibt es allerlei vertrauensheilige. In Pestilenz wendet man sich an den h. Eharälampos. Nuf Zanta sucht man Heilung von den Blattern bei der h. Maura. Geschwüre bekommt man, wenn man an ihrem Fasttag Nlltagswerk treibt.Lahme und Blinde zum heiligen pantoleimon" heißt ein Sprichwort. Ino ja ton ti Jänni, der ist für den h. Johan­nes, würde dasselbe bedeuten, wieder muß nach Heppen­heim". Der Prophet Ilias (Elias) hat, weil er auf dem Berge Karmel sein Wesen hatte, überall von der Bergen Besitz ge­nommen und den wolkenversammler Zeus verdrängt. Griechenland, das so reich an Bergen ist, hat eine Unmenge von dem h. Ilias geweihten Kapellen. Da wo eine Kirche auf einem Berge steht, die nach einem anderen heiligen ihren Na­men hat, ist er doch mit zu Gaste. So steht sein Bild in der Kapelle des Agios Georgios auf dem Lchkabettos bei Nthen, von wo aus man herrliches Land und herrliches Meer sieht, von den Bergen auf dem Isthmus bis zur Hälfte des Pelopon­nes, und gegenüber auch einen Ilias grüßt, die höchste Berg- spitze nämlich auf der Insel Negina, die im Nltertum nach dem Zeus ihren Namen hatten

Viesen heiligen wird Dienst erwiesen wie im Nltertum. Ein gut Stück heidnischer Sitte ist da unter sehr durchsichtigem christlichen Gewände uns erhalten. Weihgeschenke zu bringen, ist alter Brauch. Daß man bildliche Darstellungen der kran­ken Glieder oder Tiere, für die man bei den Göttern Heilung suchte, in die Tempel vor das Kultbild brachte, ist althellenisch. Der christliche Grieche tut dasselbe bei seinen heiligen. Nn der alten Straße von Eleusis liegt ein Kloster Dapknis, dessen Name an einen Lorbeerhain des Npoll erinnert, dort hat der h. Strybanos, wenn ich mich recht erinnere, sein Kapellchen, wo ich zum erstenmal kleine Pferdchen und menschliche Glied­maßen in plattiertem Silber sah. Dankbar versilbert wohl der Grieche der Mutter Gottes die milden Mutteraugen oder die segnende Mutterhand. Mit den Bildern Prozessionen zu machen, kannte auch das heidnische Nltertum. Nuch heute noch geschieht das z. B. mit dem heiligenbilde und dem zur Mumie zusammengeschrumpften Körper des h. Spyrodon auf Korfu.

(Fortsetzung folgt.)

Erinnerungen eines alten Mannes.

von Dr. Kappesser. l5. Ein Volksgericht.

(Schluß.)

Eine charakteristische Wahrnehmung konnte ich übrigens noch in jüngster Zeit machen, als ich vor etwa zehn Jahren noch einmal die alte Heimat aufsuchte und auf kleinen Spazier­gängen alte Erinnerungen auffrischte. Ein solcher Gang führte inich auch auf den alten jüdischen Friedhof, der für die Volks­genossen auf mehrere Stunden Wegs der Umgegend dient. Da fand ich anstatt der altgewohnten orientalischen Steinplatten mit hebräischen Inschriften auf einem neueren Teil Denksteine modernster Nrt in Urnen- und Säulenform, wie man sie jetzt auf christlichen Legräbnisplätzen sieht. Nus einem dieser Steine stand in deutscher Sprache, daß der hier Begrabene der p. t. Müller von Jugenheim sei. Nuf Erkundigung hörte ich, daß das ein dortiger Bürger und Hausbesitzer gewesen sei, der Pro­duktenhandel, besonders mit Honig betrieb, den ich aber nie anders hatte nennen hören alsder Jure" (Jude). Sein Vor­fahre hatte wohl in der Zeit, als das neue französische Gesetz auch den Israeliten die Wahl eines Familiennamens zurpflicht machte, sich diesen sehr verbreiteten Namen gewählt, der aber, weil so gar nicht semitisch, von den Dorfbewohnern nicht als berechtigt angenommen wurde, weshalb man seinen Träger einfach nach seiner Nbstammung benannte.

Gegen die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war ein israelitischer Bewohner zu Partenheim, der sich in der Welt umgetan hatte, ich kann ihn nur nach seinem volkstümlichen Namender Jesel" bezeichnen, in seine Heimat zurückgekehrt und hatte dort Neues, wenn auch nicht immer Lobenswertes, aufgebracht. Es war in der Zeit, von der ich in der Geschichte vomSpatzenkrieg" berichtet habe, da durch nicht immer zweckentsprechende Negierungsverträge besonders für die rheinhessischen Bewohner eine Beschränkung der Nbsatzgele- genheit ihrer Produkte, besonders des Weinbaus, entstanden war, wodurch besonders die vorherrschend mit letzterem be­schäftigten Drte ins Gedränge kamen, zumal bei mangelndem Kredit. Venn da mußte oft ein gutes Weinjahr für meh­rere Fehljahre aufkommen und gegenseitige Hilfe für die Schwachen, wie sie jetzt die winzervereine bieten, gab es da­mals nicht. Schlimm war es noch, daß einzelne, auch christ­liche vorfinsassen in richtiger Beurteilung der Zeit, statt mit ihren Ersparnissen ihren Grundbesitz zu mehren, sie lieber an weniger begünstigte Mitbürger zu nicht immer christlichen Zin­sen ausliehen. Für solche scheint der genannte Handelsmann, der ja selbst keine Kapitalien besaß, eine bequeme Deckadresse gewesen zu sein.

Da war nun damals zu Jugenheim ein Schneiderlein, den man, weil er ziemlich unter dem Maß geblieben war, mit dem Kosenamen derGumperich" benannte. Trotz seines niedrigen Wuchses gingen seine Gedanken hoch hinaus. Er hat in frühester Zeit, so gut er es von seinem Vater gelernt hatte, denn in eine fremde Werkstatt hatte er nie geschaut, für mich und meine Brüder aus Stoffen, die man von Mainz mit­brachte, die Kleider gemacht, die auf das wachsen eingerich­tet waren und bei denen manchmal Zweifel entstehen konnte, wa; vorn und was hinten war. Klein Vater hat ihm manch­mal während der Lese den Ertrag seines Wingerts gegen bar abgekauft, wobei es meist nicht ohne Zank abging, weil ver­dacht entstand, daß dem Ertrag mittels Wasserkanne aufgehol­fen worden sei. Das Zuckern kannte man damals noch nicht.

Dieser kleine Streber fing dann Geschäfte mit dem ge­nannten Geldgeber an und ließ sich auch verleiten, sein er-