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lokale Beinamen gab, die Apfyrobite an dem einen ®rt ge­wissermaßen eine andere war, als die an dem andern, so ist es auch heute mit den besonders geehrten Bildern. Me es einen delischen Apoll, eine samische Hera, eine Artemis (Diana) von Ephesus gab, so gibt es auch heute für die einzelnen Grte oder Landschaften oder Inseln Lokalheilige; und wiederum derselbe heilige bekommt einen Beinamen nach dem Grte, wo sein Bild steht, besonders wenn diesem Bilde besondere Kräfte zugeschrie­ben werden. Die Herrscherin unter den heiligen ist entschieden die Mutter Gottes. Sie hat Einfluß bei ihrem Bohne. Kein Gottesdienst ohne Anrufung ihres Kamens. ohne Bitte um ihre Fürbitte. Me oft, wo wir etwa dem Gebet den Schluß geben würden:Durch Jesum Christum, deinen lieben Lohn, unsern Herrn" heißt es:Durch die Fürbitten der allheiligsten Gottes­mutter." Man darf ganz getrost sagen, daß sie dem Herzen des Volkes näher steht, als Thristus. Er ist der Weltrichter, bei dem die Mutter ihren Einfluß geltend machen soll zu Gun­sten ihrer Schützlinge. Ihr Name, Kanajia,Allheilige", ist in aller Munde. Der Grieche führt Gott und die heiligen mehr im Munde als wir. lvie wir, wenn auch seltener, D Gott! Gott bewahre! und ähnliches sagen, führt der Grieche aber ungleich öfter die panajia im Munde. Die Allheilige bewahre! Meine Kanazia! ist Ausruf des Schreckens oder Erstaunens. Die Pa- najia behüte und segne dich! Entsetzlich sind die Schimpfworte, die man im Sinne der Griechen Blasphemien nennen müßte, die im Zorne wohl ein Grieche auf die Kanazia des anderen häuft.Ich pfeife auf deine Kanazia." Alles das zeigt, wie sehr die Kanazia trotz der kirchlichen Theorie, daß ihr nur Verehrung nicht Anbetung gehöre und gewährt werde, im Vordergrund des religiösen Denkens und Empfindens des Vol­kes steht. Und war die Kirche an Gebeten zuläßt, das wider­spricht im Grunde auch ihrer Theorie und muß unserem evan­gelischen Empfinden Anstoß erregen. Ich will Prädikate an­führen, die ihr in Gebeten beigelegt werden: Entzückender Engel - Maria, reinstes goldenes Nauchfaß, der nngeschiede- nen Dreieinigkeit Gefäß - die Hoffnung, die Zuflucht der Christen die uneinnehmbare Mauer der sturmlose Hafen der Bedrängten bist du meine Gottesmutter, die du durch deine unablässige Fürbitte die Welt rettest! - Mil wir keine Freu­digkeit haben wegen unserer vielen Sünden, bitte du den aus dir Geborenen, jungfräuliche Gottesmutter: denn viel vermag die Bitte der Mutter bei dem Wohlwollen des Herrn Un­erschütterliche Mittlerin bei dem Schöpfer Mutter des un­aussprechlichen Lichts Allheilige Herrin, Gottesmutter, Licht meiner verfinsterten Seele, meine Hoffnung, meine Zu­flucht, mein Trost und meine Uuhe, ich danke dir, daß du mich Unwürdigen gewürdigt hast, teilzunehmen an dem reinen Leib und teuren Blute deines Sohnes. Bringe unser Gebet vor deinen Sohn und unseren Gott und bitte ihn, daß er durch dich unsere Seelen rette Das genügt, um zu zeigen, daß ich nicht zu viel behauptet habe von dem Platz, den die Maria in der Volksreligion und in der Kirche einnimmt. Da nun aber die Maria dem Volke am nächsten tritt in ihren Bildern und Bil­der ihre Grte, ihre Geschichte haben, so begreift man, daß gerade so wie bei den altgriechischen Göttinnen dem Namen der Gottesmutter örtliche Beinamen beigelegt wurden, wenn man so sagen'darf die Mutter Gottes in verschiedenen Verbild­lichungen dem Volke sich darstellte, und daß dasjenige, was man der lokal verehrten Maria oder ihrem Bilde zuschrieb, eine besondere Seite ihres Wesens hervorhob. Sie ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bloß die Erbin einer einzigen alt­griechischen Göttin gewesen. In'Athen nahm im Mittelalter die ewige Jungfrau den Tempel der Athene auf der Burg, den

Parthenon (das Jungfrauenhaus), in Besitz. Anderswo mag eine andere Göttin ihr gewichen sein. Das festzustellen würde eine eingehende geschichtliche Erforschung der lokalen Kulte an jedem Grte erfordern. Auf der Insel Milo gibt es eine panazia tbalassitria (Meerkönigin). Das erinnert lebhaft an die auf den Inseln gerade im Altertum herrschende Verehrung der schaumgeborenen Aphrodite: die suploia, pontia, etwa gute Schiffahrt gebende, meerbeherrschende genannt wurde. Das berühmteste fjeiligtum der Mutter Gottes in Griechen­land ist die Kirche der panangelistria auf der Insel Tinos, wohin alljährlich am 25. März viele Tausende wallfahrten, wo Kranke, wie im Altertum in den Göttertempeln, unter dem Bilde der heiligen ihren Tempelschlaf halten, um von einer Krankheit, z. B. Erblindung, geheilt zu werden. Um diese Zeit werden immer in den Straßen Athens die Wunder der Tvan- gelistria, der Mutter Gottes von Tinos, ausgerufen, und Leute, die dort Heilung suchen, betteln einen an, wie es mir mehr als einmal widerfahren ist, um Beihilfe zur Keife. Der 25. März war der Tag, wo die Griechen ihren Aufstand 1822 anfingen, so ist er religiös und national von großer Bedeu­tung. Nach den Grten oder Grtseigentümlichkeiten gibt es eine große Menge panagier, z. B. in Athen die Ehpsospiliotissa, die Goldgrottige usw. (Fortsetzung folgt.)

Erinnerungen eines alten Mannes.

von Dr. Kappefser.

15. Ein Volksgericht.

Um falschen Deutungen vorzubeugen, will ich gleich hier bekennen, daß ich den modernen Antisemitismus*) als ein be­dauerliches Nebenprodukt unseres neuesten Volksaufschwungs ansehe, das gerade so, wie einst die Wanderratte und der Ham­ster und so manches zweibeinige Ungeziefer der Neuzeit fremd über die deutsche Gstgrenze eingewandert ist. Andererseits soll aber nicht geleugnet werden, daß wenn ein erheblicher Teil des Bürgerstandes, der energisch an den ihm zustehenden Kech- ten und Pflichten festhält, hartnäckig darauf besteht, sich als fremd eingesprengte Ader im Gefüge des deutschen Volkes zu dokumentieren, indem er an fremdartigen Sitten und Ge­bräuchen festhält, welche die Väter vor Jahrtausenden beim Ausziehen aus dem gelobten Lande mit sich nahmen, wo sie vielleicht durch Klima und Herkommen geboten waren, was hier und heute kaum mehr gerechtfertigt erscheint, daß, sage ich, für eine fachliche Beurteilung dieser Tatsachen nie­manden das Kecht abgesprochen werden darf.

vor vielen Jahren war ich einmal in der weit bekann­ten Germannschen Weinwirtschaft zu Messel eingekehrt und er­fuhr dort im Gespräch, daß in diesem, rings von Wald und Wildpark gleichsam von der Außenwelt abgeschnittenen Grt seit unvordenklicher Zeit alljährlich ein besonders strenger Buß- und Bettag gefeiert werde, der seine Entstehung von einer Heimsuchung durch die Pest herleite, von damals her soll es kommen, daß fast alle Bewohner, mit wenigen Ausnah­men auf drei Namen hören: Germann, heberer und einen dritten, den ich vergessen habe. Es sollen damals nur die Trä­ger dieser drei Namen übrig geblieben sein. Dreimal war an

*) Wir bitten unsere Leser, die interessanten Schilderungen des Lebens der alten Zeit, die unser ehrwürdiger, im 84. Lebensjahre stehender Mitarbeiter hier gibt, vorurteilslos aufzunehmen. Oer Herr Verfasser will hier nicht für und nicht gegen eine politische Partei reden, sondern Erinnerungen aus seiner Jugendzeit geben. Wir halten uns nicht für berechtigt, von seinen originellen Llufzeichnungen etwas zu streichen oder abzuändern v. Red.