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Ähnlichkeit der Lage hier wie dort ist so groß, daß sie jedem, der das machtvolle Gotteslied kennt, sofort in die Augen springt.

Aber wenn Gießen auch nie den Feind in seinen Mauern gesehen hat, so hat die Stadt doch das Glend, das der große Krieg mit sich gebracht hat, in ausgedehntem Maße zu füh­len gehabt. Die Pest ist eingedrungen, wiewohl man pestver- dächtigc an den Toren zurückgewiesen hat, diese Leuche hat die Zahl der Bewohner sehr herabgemindert. Grauenhaft sind die Schilderungen der Hungersnot in den Jahren 1636 und 1637. wie der lang andauernde Krieg die Menschen verwil­dert hat, sehen wir an der entsetzlichen Art, in der der Knabe aus Wieseck, der seine Mutter ermordet hatte, hingerichtet worden ist. wir verstehen es, daß der hessische Bauer schließ­lich keine Lust mehr hatte, sein Feld zu bestellen, weil die Früchte allemale doch von feindlichen Soldaten geerntet wor­den sind, und daß er es vorzog, selber Soldat zu werden und sich von anderen Leuten ernähren zu lassen. Gustav Freptag weist auf diese Tatsache öfters hin, namentlich teilt er dabei mit, daß die schlimmsten Bänder die Troßbuben gewesen sind. Das waren die Zungen, die dem Heere zuliefen, die die Beiter bedienten und durch ihr unverschämtes Stehlen der Schrecken der unglücklichen Dorfbewohner gewesen sind. Daß die Heere damals einen großen Troß nachführten, nämlich Weiber, Kin­der und Troßbuben, geht auch aus der Angabe hervor, daß man 1645 auf den Gleiberg 50 Soldaten mit Weibern und Kindern gelegt hat. Die Soldaten des 30jährigen Krieges waren zum größten Teile verheiratet. Daß ihre Familienglie­der sich nicht durch gute Sitten auszeichneten, läßt sich denken.

Nachdem in den ersten Zähren der Krieg in Böhmen ge­führt worden war, hatten von 1623 an auch die Bewohner Mitteldeutschlands sein Glend zu fühlen. Unwetter, Ueber- schwemmung, Mißernte machten das Wort wahr, daß ein Un­glück selten allein kommt.

Unsere Kriegschronik tritt der herkömmlichen Geschichts­betrachtung in manchen Punkten entgegen. Diese, wie sie bis vor kurzem auch in den Schulen vertreten worden ist, teilt mit, daß der 30jährige Krieg im Zahre 1648 zu Gnde gegangen sei. Vas trifft nicht zu. Bis zum Zahre 1650 war Hessen schwer gedrückt durch die schwedischen und französischen Friedensexe- kutionstruppen, darum hat man die eigentliche Friedensfeier, was seither wenig bekannt war, erst am 26. Zuli 1650 ab­gehalten.

Interessant sind auch einzelne Gpisoden aus unserer Kriegschronik. Bei den Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück war im Aufträge des Landgrafen der Kanz­ler Antonius wolff von Totenwart tätig, der mit gleichem Aufträge, leider vergebens, 1635 schon in Prag geweilt hatte, während dieser Zeit starb in Gießen seine Gattin, zu ihrem Gedächtnis errichtete er eine Stiftung (Totenwartstiftung), deren Zinsen heute noch in jedem Zahre am 10. Zuni, morgens zwischen 5 und 6 Uhr, in der Sterbestunde der Frau, in der Stadtkirche ausgeteilt werden. Zur Zeit des 30jährigen Krie­ges hat Gießen noch seine Kirmes gehalten und zwar Gnde August, wenn die Grnte eingebracht war. Ist doch die Kirmes allenthalben in deutschen Landen aus dem Grntefeste entstan­den. wann dieses Volksfest eingegangen ist, ist nicht bekannt, heute liegt keine Veranlassung mehr vor, es zu feiern,' denn die Vergnügungen sind so zahlreich geworden, daß man die Kirmes entbehren kann. In der alten Zeit hat man ferner, wie die Notiz aus dem Zahre 1637 bezeugt, bei Gießen Wein­bau getrieben, wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir anneh­men, daß derGießener" ein säuerliches Getränk gewesen ist.

Alles in allem zeigt uns die mitgeteilte Kriegschronik, daß die Zeit des großen Krieges eine furchtbare Zeit gewesen ist. Um das Zahr 1650 betrug die Bevölkerungszahl in Deutschland nur noch ein Fünftel der Zahl des Zahres 1618, Städte und Dörfer lagen in Schutt und Asche, grauenhaft war die Verwilderung der Litten, und erst um das Zahr 1840 hat unser Volk wieder den Grad des Wohlstandes erreicht, den es am Anfang des 17. Zahrhunderts bereits erreicht hatte.

h. B.

Griechische Erinnerungen.

Dritte Folge.

von Geh. Gberkonsistorialrat D. w. petersen in Darmstadt.

(Fortsetzung.)

Sichtbare Zeichen spielen überhaupt in der Volksreligion eine große Bolle. Ich möchte auch die heiligen Bilder, die iko- nss, zu diesen sichtbaren Zeichen zählen. Die offizielle Kirche hat natürlich eine eigene Theorie, wodurch sie den verdacht des Götzendienstes abzuwehren sucht. Gin Bild ist kein Idol, kein Götzenbild. Der Bilderdienst ist nur eine ehrende huldi- gung des Abgebildeten,' durch denselben wird die Verbindung mit den Originalen lebendig erhalten, so wie etwa ein Kind in der Ferne durch Betrachten und Küssen des Bildes seiner Mutter sich in lebhafterem Gemütsverkehr mit derselben er­hält. Bilderdienst ist Huldigung, nicht Anbetung, weil die Originale ehrwürdig sind, wird auch den Bildern Ghre er­wiesen. Das ist die Theorie, aber die Praxis redet eine ganz andere Sprache. Gs hat ja eine Zeit gegeben, wo die bpzan- tinischen Kaiser gegen den Bilderdienst gekämpft haben, teils aus aufklärerischen Motiven, teils um Zuden und Mohamme­danern, die unter den Griechen wohnten oder ihre nächsten schon gefürchteten Nachbarn waren, den Anlaß zu nehmen, um der Bilderverehrung willen das Ghristentum zu verab­scheuen. hundert Zahre (726 842) dauerte der Kampf, in

welchem, man kann nicht anders sagen, die rohe Gewalt auf der Seite der Bilderstürmer war und die Frömmigkeit eine mißleitete, aber doch immerhin Frömmigkeit auf Seiten der Verteidiger der Bilder war. Den Sieg der Bilderfreunde feiert die Kirche offiziell jedes Zahr amSonntag der Orthodoxie" ; den Sieg sieht man in jeder Kirche in der Bilderwand, dem ikonostusion, der das Allerheiligste von dem Schiff der Kirche trennt und vor deren Bildern die ewigen Lampen brennen. Man sieht ihn in jedem Hause an dem heiligenschrank der Schlafstube, in der das schlummerlose Licht brennt, vor dem der Grieche von Kindesbeinen an seine Andacht hält und sein Gebete morgens und abends verrichtet. Die kirchliche Theorie hat aber die Praxis des Volkes nicht ändern können. Die Ver­ehrung der Bilder macht doch den Gindruck derAnbetung". Gr ist wie ein Tribut, den das siegende Thristentum dem lang­lebigen heidnischen Altertum hat zahlen müssen. Der große heilige Gott, ja selbst der so hoch und oft gepriesene Grlöser, den keine christliche Kirche so beständig mit Lobpreisungen überhäuft, treten für die religiöse Praxis des Volkes doch sehr zurück gegen die Mutter Gottes und die heiligen, deren Bilder daheim im Hause und in der Kirche von den Andächtigen ver­ehrt und geküßt werden. Gs ist da unendlich vieles, was einen unmittelbar in das Altertum zurückversetzt. Grinnern nicht an die alten xoarm die häßlichen Holzbilder der ältesten Zeit, die den alten Hellenen so heilig und die unmittelbare Gabe der Götter waren, jene alten häßlichen Bilder, die je häßlicher und älter sie sind, um so höher in der Verehrung des Volkes stehen? wie es im Altertum für die einzelnen Götterbilder