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viel von Elisabeths Kindheit. Zu welchem Zweck auch die See- lenschmerzen eines noch weichen, unbewußt lebenden Men­schen schildern? Wie mag man sich ein Kind mit Seelenleid vorstellen! Kinderschmerzen sind nur flüchtig und vorüber­gehend. Rber ein Kind mit einem Höcker, mit einem nieder­drückenden Buckel .... es ist so traurig, daß ich es nicht wei­ter ausmalen mag. - Dornig wird wohl auch die Schwelle gewesen sein, über die Elisabeth mit all den gesunden Ge­nossinnen in die Jugend eintrat mit ihren schimmernden Ga­ben und Freuden! Der Kindheit Schmerzen hatten überreiche Elternliebe und verdoppelte Zärtlichkeit des Bruders und der Freundinnen gelindert. Nun war dies verflossene, doch nicht vergessene Schwere selbst ein starker Rückhalt für das erwach­sene, für das im Leiden gereifte Mädchen: all das sich Ruf­bäumen gegen ein Los, das das Kind nicht begreifen konnte noch wollte, sondern das es in ermüdenden Kämpfen als eine Ungerechtigkeit empfand, all die heiß verweinten Stunden, bis endlich wohltätiger Schlaf sich herabsenkte. Me blickten Elisabeths Rügen voller Frieden und Glück! Niemand sollte unter ihrem Schicksal mitleiden, und nur selten vernahm ihre Umgebung einen Seufzer oder eine Klage.

So schien es ein reiches Glück zu sein, was doch lange erzwungen und erbeten war, bis es endlich wurzelte und das ganze Mädchensein erfüllte und seine Strahlen weithin ver­breitete, daß 'die Umwelt das Bemitleiden vergessen lernte. U)ie dankbar war Elisabeth für den Lohn ihres Kämpfen;! Nun erst hatte sie wahre Freude am Leben und spürte wahren Drang zur Tätigkeit. Sie wußte sich einen edlen, sonnigen Kreis zu schaffen und liebe Freundinnen darinnen festzuhalten und anzuspornen, indem sie ihnen leuchtendes Vorbild wurde, hatte die Natur ihr eine Last in die Welt mitgegeben, so hatte sie doch, gütig und weise, ihr herrliche Gaben des Geistes und des Gemütes nicht versagt! Elisabeth hatte eine Stimme, echtes Gold war in der Stimme; und sie wurde ihr erst ein Trost und dann, nicht nur ihr, sondern vielen anderen mit ihr, eine un­beschreibliche Lust. Bald, nachdem sie die Kinderschuhe ab­gelegt hatte, sang sie im Ehore mit. Ihre Stimme schwang sich auf und breitete ihre Schwingen über all die anderen, hell jauchzend und tief traurig wie eine Glocke in Lust und Leid. Noch eine andere Kunst nannte Elisabeth, als schönsten Besitz, ihr eigen. Sie schuf mit ihren Händen Wunder: die Bildhauer­werkstatt des Vaters legte Zeugnis ab von der Tochter hohem, geniusdurchdrungenem Wirken. Die beiden Götterkünste ver­einten sich alsbald. Die stille Rrbeitsstätte wurde lebendig: zwischen dem Klopfen und hämmern und dem Bohren des Meißels trillerten, weinten und lachten die Töne des Liedes, das eine Menschenseele hatte und darum Freude und Weh der Menschtums durch das Fenster mit seinen Rebenrankenhinaus- trug in Gottes Welt, wo es Wiederhall fand in den anderen klopfenden und fühlenden Herzen! - - - Und noch andere Klänge konnte man zu Zeiten in dem Rrbeitsraume, dem Heiligtum der jungen Elisabeth, vernehmen: Scherzen und Lachen und plaudern. Junge Mädchenherzen, herzfrohe Mädchengefllhle!

So war es fröhliche Zeit, ein nie versagendes Kommen und Gehen im rebenumsponnenen Häuschen, im liederseligen und kunstbeglückten Dasein des Künstlerkindes.

Und dann trat das Große in Elisabeths Leben ein, das dies Leben krönte und zu blauen, lichtflutenden höhen hob! Das war an einem Frühlingsabend. Elisabeth saß noch fleißig feilend und formend bei geöffnetem Fenster in der Werkstatt. Sie schuf gerne die Modelle zu des Vaters Rufträgen. Line Brunnenschale für einen privatgarten sollte diesmal geliefert werden Die Schale war schon vollendet. Eine anmutige Mäd­

chengestalt saß auf dem Rand, und in den hocherhobenen Hän­den eine Krone haltend, beugte sie sich über den Grund. Ruf einer steinernen Kugel inmitten der Schale saß ein Frosch mit menschlich leuchtenden Rügen. Englein und Putten kletterten am Rande und streckten die offenen Händchen in das köstliche Naß, das aus den Zacken der Krone fließen und an dem lieb­lichen Hindernis, den verlangenden Kinderhänden, zerstäuben sollte. Die junge Künstlerin hatte Freude an ihrem Werk und war ganz vertieft in das lebendig aus Form und Stein wieder­erstehende Märchen vom Froschkönig.Nun, Bruderherz, Hab ich's bald bewerkstelligt und darf Feierabend machen, wenn; Euer Gnaden erlauben!" Eli abeth war ganz er­schrocken aus ihren Träumen ausgefahren. Da waren auf einer Leiter, mitten vors offene Fenster gestellt, zwei Beine zu sehen. Zu wem sie gehörten, war nicht ersichtlich, denn die Gestalt ragte noch über das Fenster hinaus. Sie zeigte sich auch noch nicht sogleich. Rb und zu fiel ein ganz verschrumpf- tes, vergessenes Herbstblatt herab, das schon im Fallen wie Zunder zerstäubte. Dann schwirrte ein Zweig hernieder, noch lebensfrische Keime tragend, das war traurig; der letzte Früh­lingssturm hatte arg gewirtschaftet. Und nun mußte unter dem Rankenwerk Ordnung geschafft werden und Fürsorge walten, daß größerer Widerstand sich entgegensetze in kom­menden Tagen und Rächten. -Ja, Ernst, glaubst du denn, ich sei ein Tyrann? Sch danke dir schön für deine Hilfe: sieh dir nur einstweilen meine Rrbeiten hinter dem Glas in der Nähe an. Ich komme bald nach. Ein herrlicher Rbend liegt vor uns für den Rustausch der Gedanken und die gegenseitige Eröffnung der Herzen! Juchhe!" Fröhliches pfeifen begleitete die letzten Worte. Elisabeth hatte das Zwiegespräch, das unbefangen, nicht extra laut oder leise, geführt wurde, mit angehört. Nun mußte der Fremde gleich erscheinen: sie saß wie angewurzelt an ihrem Platz in ängstlicher Scheu. Rber nein, er war ja gar kein ganz Fremder für sie. Daß sie nicht gleich daran gedacht hatte! Lange abwesend in der großen Kunst­stadt, war er nun in die Heimat zurückgekehrt, gerade heute, Bruder Rlfreds geliebter, liebster Freund! Die Leiter geriet in schwankende Bewegung, und das Ende des Bastfadens tanzte und baumelte zwischen den Sprossen.

sSchluß folgt.)

woher hat Luther in seiner Bibelübersetzung das wortZcherslein" ?

Eine Rntwort auf diese Frage gibt der Erfurter Stadt­archivar Professor Dr. Gvermann in derZeitschrift des Ver­eins für Kirchengeschichte in der Provinz Sachsen". Er weist darauf hin, daß zu Ende des 15. und zu Rnfang des 16. Jahr­hunderts in der Stadt Erfurt, welche eigene Münzgerechtig- kcit hatte, eine Münze namensScherf" geprägt wurde. Sie hieß wahrscheinlich so wegen ihres scharfen Randes und war die geringste unter allen bestehe den Münzen, im Werte von Pfennig. Rls Student und aus einer Klosterzeit, wo Luther um Rlmosen bettelnd durch die Stadt zog, hat er gewiß zur Genüge Gelegenheit gehabt, diese kleinste aller Erfurter Mün­zen kennen zu lernen. Es lag deshalb auch bei seiner Bibel­übersetzung für ihn nahe, als Rusdruck für die geringste Münze das WortScherflein" einzusetzen.

Kleine Mitteilungen.

Der Frauenverein der Lukasgemeinde gedenkt, kommen­den Dienstag, den 3. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Kon­firmandensaale sLiebigstr. 56) eine Mitgliederversammlung zu