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Gefäße werden durch das Kreuzeszeichen vor äußerer Ansteckung geschützt. __ (Fortsetzung folgt.)
Hrühlingrwehen.
(Eine Erzählung von Hanna Krüger.
Oie DIocken läulen ein hohes Lied.
vom Leben und Tode singen sie:
wie aus dem Tode das Leben steigt
Und lächelnd und lieblich den Menschen sich neigt
Zn heiliger Melodie!
Durch die Leihen der Grabhügel zittert es am Totensonntag wie tiefes tiefes Atemholen. Spüren die Menschen. deren Ueberresten man die Hügel errichtet hat, daß alle Gedanken nur zu ihnen wandern und sich mit ihnen beschäftigen und ihr verlöschtes Leben wieder aufrichten und neu entzünden an dem heiligen Feuer der Erinnerung? - kln dem
einen Tag! von leisen Schritten wogt es zwischen den stillen Stätten, und auf den Gräbern selbst schimmert und grünt es von Waldkränzen und blumengefüllten Kreuzen und Schalen. Die Lebendigen feiern mit den Toten das alljährliche Fest der Liebe und der von Tod und klbschiedsleid nicht zerstörbaren Gemeinschaft! Der Freund feiert mit dem Freunds der Einsame feiert mit dem Einsamen: die Mutter mit dem Kind, das Kind mit der Mutter; der Einzelne wiederum mit allen!
Ist die herrliche Prophezeiung nicht jetzt schon in ihrer Grundbedingung erfüllt, wenn auch für das Luge noch nicht voll und ganz sichtbar, doch mit dem Herzen deutlich zu fühlen und zu ergreifen? Die unsterbliche Seele verbindet schon auf Erden alle, und dar eine große Ziel schlingt das Land der Zusammengehörigkeit um alle. Das Ziel, das der eine sich erkämpft und erringt im Dunkel der Anfechtung und der Ungewißheit, und das der andere als unverwelklichen Lefitz, seine Erdentage verklärend, in der Brust trägt.
Was sag ich! Tote! Dahingegangene sollte man immer die nennen, deren menschliche hülle in der Grabeskammer ruht! Die Seele müßte mit vermodern und verderben, aber sie hat längst die Flügel gebreitet, sonst wäre unsere lebendige Hoffnung ein verwelkend und verwesend Blatt! Lob und Preis dieser Hoffnung und warmer Dank dem gütigen Gärtner, der sic in unser Erdendasein gepflanzt hat!
von einer Dahingegangenen will ich erzählen. Es ist Frühling. Die Frühlingssonne leuchtet über den Gräbern, und noch schimmern die Epheudecken und hängenden Zweige der Tränenweide feucht von Tropfen geschmolzenen Schnees. Uber aus dem Grün lugen lächelnd feidengewandete Schneeglöckchen, lugen hervor auch aus den Gläsern, die treue Hände vor vereinsamten Urnen aufgestellt haben. Ein warmer Wind zieht über die stille Friedensstätte und bewegt die Blumen und die Blätter. Jedoch er ist nicht mehr wind für mich. Sein Säuseln und das Launen der Natur wandeln sich in Stimmen, freundliche Stimmen derer, die für geraume Zeit schlafen und im Traume reden und sagen von Glück und Leid der Erdenstunden, von Glück ohne Weh der Ewigkeit! Und das Flüstern und Launen führt mich vom Friedhof fort, an die Stätte, wo die Dahingegangene gewirkt und gelitten und Segen gespendet hat.
Elisabeth! Ich stehe in der Werkstatt eines schlichten Grabmalkllnstlers. Es ist Übend. Die Dämmerung webt ihre feinen Gespinste; doch die letzten lichten Strahlen der scheidenden Sonne mögen den friedlichen Laum noch nicht verlassen und wollen sich gar nicht loslösen von dem Bildwerk, das nahe dem Fenster auf einem hohen Sockel steht. Es stellt einen feinen, ausdrucksvollen Mädchenkopf dar. Er ist leicht auf die
schmale Brust gesenkt; über der reinen Stirne wölbt sich das blonde haar; von einem Land gehalten, fällt es in weichen Wellen auf die Schultern und den Lücken und verbirgt so - mit voller Absicht des Künstlers und zeigt zugleich an, den häßlichen Höcker, das Erdenleid des jungen Mädchens. „Das ist meine Elisabeth," sagt der ergraute Künstler, „ich habe die Büste in ihrer besten Zeit geschaffen, kurz vor der letzten Todeskrankheit." Um den sprechend geformten Mund liegt ein Lächeln; mir wird dabei weh und froh zugleich zu Mute. — Wir brauchen nicht viel zu fragen. Der Künstler erzählt gerne; er hat uns schon viel gezeigt und erzählt von seinem Schaffen, und zeigt uns nun sein Liebstes und heiligstes: den Friedensengel und Schutzgeist seines Hauses und seiner Werkstatt. Der alte Mann spricht zu meiner Tante weiter, denn ich höre kaum noch hin der Mädchenkopf in seinem engelhaften Liebreiz ergreift mich, zieht mich in seinen Bann — und die Stimme des Ulten klingt wie eine traurig zarte Volksweise an mein Dhr, wie man von einem geschiedenen Menschen spricht, der einem nahe gestanden hat, und er zieht beim Erzählen einen Schleier über sein innerstes Fühlen. Uber der Schleier ist durchsichtig; mir ist, als ob ich spürte, wie das Herz schmerzlich in jedem Wort zuckt! Und in einem schlichten, ach so geduldigen Ton spricht er, wohl wissend, daß des Schicksals Härte sich leichter gefaßt und ohne Murren ertragen läßt!
Einmal muß ich mich doch umwenden und ein Kunstwerk betrachten, das zwischen vielen anderen, begonnenen und fertigen, und gesammelten Steinwundern auf dem Tisch längs der Wand steht. „Elisabeths letzte Urbeit!" hat der Ulte eben erklärt. Es ist ein feines, reizendes Upmphenfigürchen; es trägt das Untlih und den Uusdruck seiner Schöpferin. (D, welch wundervolle Begabung spricht sich in dem kleinen Werk aus! Ein herrlicher Ersatz gewiß für vieles, was du entbehren mußtest, arme, o, und doch so reiche Elisabeth! Schön ebenmäßig setzt sich die Lückenlinie der Figur bis zu den weichen, anmutig gerundeten Hüften fort, und die Uugen sind sinnend und träumerisch in die Ferne gerichtet wie bei der jungen Elisabeth selbst. So mag sie wohl gesonnen und geträumt haben in ihrem Leben; siehe, das Licht der Erfüllung ist ihr frühe entzündet worden! Ein hauch ihres Wesens geht von der kleinen Lpmphe aus, und ich betrachte sie länger, als ich eigentlich wollte, dann gleitet mein Blick wieder auf das Untlitz der jungen Elisabeth hinüber. Die Sonne küßt zum letztenmal an diesem Tage Uugen und Mund und haar des jungen lieblichen Geschöpfes. Da steigt aus dem Dunkel und Schweigen die Geschichte eines entbehrungsvollen und doch reich gesegneten Mädchenlebens vor mir auf.
Elsie, wie man sie als Kind gerufen hat, wurde mit einem wohlgestalteten und gesunden Körper geboren; sie war das Glück ihrer Eltern und der Gegenstand zärtlicher Liebkosung ihres unbändigen Bruders. Niemand ahnte, daß eine dunkle Wolke über dem kleinen, lachenden Leben hing und unsägliches Leid, harten Kummer und Kampf herabsenden würde! Die Umme ließ das Kind im zarten Ulter von einem halben Fahr fallen. Geschah es, weil sie die Bewegungen ihres Schützlings in unglücklicher Stunde nicht bewachte, war es Leichtsinn beim tändelnden Spiel? Wer will das sagen und gedankenlos richten? Das Lied Hub traurig an und wurde erschütternd durch Schuld! hätte die Frau rechtzeitig ein Wörtchen von dem Geschehnis gesagt, so hätten die Eltern, im Verein mit den Aerzten, ihrem Liebling noch helfen, ja ihn vor dem entsetzlichen Geschick bewahren können! chualvolle Lei- denrjahre folgten; qualvoll durch die ohnmächtigen versuche, den Lücken des Kindes wieder zu glätten. Ich weiß nicht


