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in ihre großen und liefen Taschen ihres Gewandes gleiten, was diese fassen mögen. Mandelmilch und wein, Tis und Limo­naden erquicken die Festgäste. sFortsehung folgt.)

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechäolsheimer.

(Fortsetzung.)

Da der Vater der Ansicht war, daß wir wegen des an­haltenden Regens an diesem Tage doch nicht mit dem hafer- fchneiden beginnen könnten, so begaben wir uns wieder zur Ruhe und schliefen bis ungefähr 6 Uhr. Rls wir erwachten, floß der Regen noch immer hernieder, und die ganze Land­schaft war in ein einziges Grau gehüllt, ver vonnersberg lag, von einem leichten Nebelschleier umgeben, vor unseren Rügen.

Gerade saßen wir beim Raffee, da stürzte Fritz ganz ver­wirrt in das Wohnzimmer und sagte: ,,3n unserer Scheuer liegt ja noch ein Soldat, wie ich eben Stroh holen wollte, bin ich beinahe über ihn gestolpert."

wir sprangen bei dieser Nachricht auf und eilten hinaus auf die Tenne. Ruf der Streu, die wir am Tage zuvor zu­recht gemacht hatten, ganz hinten im Winkel, wo es etwas dunkel war, lag in der Tat ein Soldat, und es schien uns zuerst, als ob er noch schliefe. Der Vater trat näher, faßte den Mann am Rrm und sagte: ,.haben Sie denn den Rlarm nicht gehört, das ganze Militär ist ja schon seit 3 Uhr ab­gerückt."

Der Mann stöhnte leise, versuchte sich aufzurichten, sank aber sofort wieder in das Stroh zurück, dann sagte er mit leiser Stimme:Sch habe alles gehört, konnte mich aber nicht erheben, weil ich zwischen den Schulterblättern so furchtbare Stiche verspürte. Meine Rameraden sind so schnell hinaus- gceilt, daß ich keinem mehr etwas sagen konnte."

Ich lief auf der Vaters Geheiß rasch zum Nachbar Rei- per hinüber und bat ihn, den kranken Mann in unser Haus tragen zu helfen. Ruch Gottfried Reiper kam mit, und nun wurde der Soldat von seinem Lager aufgerichtet. Sch hatte ihn am Tage vorher gar nicht genau in das Rüge gefaßt, nun, als er herausgetragen wurde, sah ich beim Tageslichte im Hofe, daß es ein groß gewachsener Mann war, der ganz hellblonder, beinahe weißes haar und einen Bart von qleicher Farbe hatte. Er klagte über große Schmerzen auch in den Beinen und war nicht fähig, auch nur einen Schritt zu gehen. Mein Vater, mein Bruder Fritz, Nachbar Reiper und dessen Sohn Gottfried hatten große Mühe, den starken Mann die steile Stiege zu unserem Giebelzimmer hinaufzutragen. Dort zogen sie ihm die Uniform aus und legten ihn in das Bett. Die Mutter brachte rasch einen Topf warmen Raffee und gab dem Rranken zu trinken, der dadurch sichtlich gestärkt wurde.

Unten im Wohnzimmer beratschlagten die Männer, was zu tun sei. Dem Truppenteil des kranken Soldaten, dar stand bei ihnen fest, konnten sie von dem Grunde seines Zurück­bleibens, das unterdessen wohl schon bemerkt worden war, keine Nachricht zukommen lassen; denn die Soldaten, die in Ruppertsecken im (huartier gelegen hatten, waren jetzt schon 4 Stunden auf dem Marsche, und niemand wußte, wohin sie sich von Rockenhausen aus gewandt hatten. Darum hielt man es für das geratenste, nach Rockenhausen zu Dr. Walter zu schicken, und Fritz erhielt den Ruftrag, diesen Gang zu machen.

Spät am Nachmittag kam der Rrzt mit seiner Halbchaise den Berg heraufgefahren. Dr. Walter war ein Mann, der seit 40 Jahren zwischen Teschenmoschel, Heiligenmoschel, Hefers­

weiler bi; hinüber nach Ruppertsecken, Gerbach und Würz­weiler hin und her fuhr und wahrlich kein leichtes Leben hatte. Dft hielt sein Fuhrwerk abends um 10 Uhr noch in meinem Geburtsorte, wie oft habe ich den alten Rrzt im Win­ter im langen, blauen Radmantel, den Ropf unter der Schirm­mütze noch mit einem Tuche verhüllt, über die Gassen schrei­ten sehen. Cr kannte alle Leute im Dorfe, und es gab nur wenige, die er nicht mit ,,du" anredete. Sein freundliches Ge­sicht richtete manchen Rranken auf, wenn er nur in das Zim­mer trat. Er verschmähte es auch nicht, wenn er seinen Rund­gang gemacht hatte, eine Stunde im Wirtshause, wo die Be­stellungen für ihn aufgegeben wurden, mit den Leuten zusam­menzusitzen und mit ihnen über der Welt Lauf und Händel und über die neuesten Ereignisse in den Dörfern des Um­kreises zu reden.

Eine ganze weile beschäftigte er sich mit dem Rranken. RI; er mit dem Vater wieder herunterkam und in die Wohn­stube trat, war sein Gesicht sehr ernst.

,,Du hast einen schwerkranken wann im Hause, Han­nes", sagte er zu meinem Vater.Ver Soldat hat eine schwere Lungenentzündung und überdies Rheumatismus, der ihm in den Gelenken heftige Schmerzen macht. Den Rheumatismus hat er wahrscheinlich schon in seiner Heimat gehabt, ohne viel davon zu spüren. Durch die lange Eisenbahnfahrt von Flens­burg bis nach Biebrich und dann durch den zweitägigen Marsch rm kalten Regen ist die Rrankheit erneut und sehr heftig zum Rusbruch gekommen. Dazu hat sich die Lungenentzündung ge­sellt. Rber du kannst den wann nicht hier im Hause lassen, das Stübchen ist viel zu eng für einen Rranken, und dann auch machen deine Rinder zu viel Tumult. Sch will einmal mit dem Bürgermeister reden, der muß dafür sorgen, daß wir den wann in das Zimmer auf dem Gemeindehause bringen.

Vas war nun für Dr. Walter eine schwere Rufgabe; denn unser alter Bürgermeister Rodenbecher war zwar ein herzens­guter wann, aber in allen wichtigen und dringenden Sachen verlor er gleich den Ropf und war hilflos wie ein Rind. Rls die Einquartierung angesagt worden war, hatte er auf der Straße gejammert wie ein Rind:Um Himmelswillen, was fang ich an, es kommen 400 wann in das Grt, und ich habe meine Brille dem Brillenmanne zu Grehweilcr zum Rusbes- sern gegeben." Zum Glück kam der Honeck von Dielkirchen, ein früherer Notariatsschreiber, der sich bei den vielen Verstei­gerungen und Testamentserrichtungen hin und her in den Dör­fern am Donnersberge das Trinken angewöhnt hatte, und nun, weil ihn kein Notar mehr zum Rktenschreiben haben wollte, den Landbllrgermeistern in der Runde die schriftlichen Rrbeiten besorgte oder, wie man dort in Erinnerung an die französische Zeit sagte, dasgreffier" machte. Ghne den Honeck konnte der alte Rodenbecher so viel ausrichten wie da­mals das deutsche Heer ohne Moltke, derGreffier schrieb jeden hciratsakt und jede Bekanntmachung, die dem Ge­meindediener zum Russchellen übergeben wurde. So hatte er denn auch mit den (Quartiermachern die Wannschaft auf die einzelnen Grtsbllrger verteilt und die (huarlierzettel geschrie­ben. Ruch diesmal wollte der Bürgermeister auf den nächsten Tag vertrösten, bis der Honeck käme, aber Walther ließ nicht nach. Er redete so lange auf Rodenbecher ein, bis er seinen Schlüsselbund vom Nagel nahm und das Zimmer, in dem sonst der Gemeinderat seine Sitzungen hielt, Herrichten ließ. Die Rltpctcr-Lene gab ein Bett her, das ihr aus der Gemeinde­kasse bezahlt wurde. Sn der Rbenddämmerung wurde der kranke Soldat, den man in Decken gehüllt hatte, auf einer Bahre aus unserem Hause weggebracht, was mich am meisten