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ältesten Zeit fand ebenfalls ein Lraulkauf statt. Das hat sich geändert. Wie wir gesehen haben, ist die Ausstattung der kraut, die prika, der Gegenstand ernstlicher, der Hochzeit vorhergehender Bemühungen und Abmachungen,^ und die kontraktliche Feststellung derselben geht der Feier voraus. Jetzt ist cs nicht mehr Litte, einen arrawön, d. h. ein Pfand, ein die Familienverbindung besiegelndes Geschenk zu geben. Rn die Stelle dieser massiven Gabe ist der poetischere Ringwechsel getreten. Wenn die Feier in der Kirche stattfindet, liegen die Ringe, jetzt zwei goldene, früher ein goldener für den Mann, ein silberner für die Frau, aus dem Rltar. Wenn das zu vermählende paar, gefolgt von den Brautführern, den Freunden des Bräutigams, vor den Priester tritt sich bemerke dabei, datz in der griechischen Kirche der Laie keinen Zutritt in das durch den ikonostäs, dieBilderwand, vondemSchiffederkirche getrennte RIlerheiligste hat, zu dem in der Mitte die sogenannte königliche Tür, aus der das Evangelium und die Sakramente und auch diese nicht von dem Diakon, sondern nur von dem Priester herausgetragen werden, und außerdem rechts und links zwei kleine Türen führen), so übergibt er ihnen die Kerzen, deren Dicke, Länge und Kostbarkeit sich nach den Vermögensverhältnissen richten. Nachdem er mit denselben dreimal das Zeichen des Kreuzes an die Stirn des Paares gemacht hat, beräuchert er sie kreuzweise mit dem silbernen Weihrauchfaß. Nach einem Gebet nimmt der Priester die Ninge und spricht sman achte aus die ungewöhnliche Form): Ts wird der Knecht Gottes, sagen wir Themistokles, verlobt mit der Dienerin Gottes, sagen wir Rphrodite, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Dreimal wiederholt er das bei jedem der beiden, macht mit den Ringen das kreuz an ihren köpfen und tut die Ringe an ihre rechte Hand, worauf der Brautführer, der paränimpkos, sie wechselt. Daran schließt sich ein Gebet, in welchem an die Werbung Tliesers um die Rebekka und an den Gebrauch des Ringes im Riten Testament erinnert wird. Wieder beräuchert der Priester das paar, und man darf dabei gewiß daran denken, daß bei den Römern Weihrauch und Blumenkränze dem Hausgotte dargebracht wurden, damit er die The zu einer glücklichen mache. Dann rezitiert der Priester den Psalm 128: ,,Du wirst dich nähren von deiner Hände Rrbeit, wohl dir, du hast es gut. Dein Weib wird sein wie ein Weinstock, deine Kinder wie die Delzweige um deinen Tisch." Dann erbittet der Priester den Segen Gottes über die Verlobten, in einem Gebet, das überreich an Rainen aus dem Riten Testament ist: „Segne sie, wie du segnetest Rbraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und alle Patriarchen, IRoses und Zippora, Joachim und Rnna, Zacharias und Elisabeth. Erhalte sie wie du erhieltest Roah in der Rrche, Jonas im Bauche des Wallfisches, die drei Männer im feurigenGfcn. Gedenke an sie, wie du gedachtest an henoch, Sem, Elias, an deine vierzig heiligen Märtyrer und sende ihnen Kronen vom Himmel. Gedenke an ihre Eltern, an die Brautführer, an deinen Knecht Themistokles und deine Magd Rphrodite, erhöhe sie wie die Zedern des Libanon und wie den fruchtbaren Weinstock."
Run folgt die Krönung; denn stephänoma, stephänosis, stepsis, Krönung, nennt der Grieche, was wir Trauung nennen. Rach kurzem Gebet, daß Gott das paar vereinigen wolle, nimmt der Priester die Kronen. Ich bemerke, daß die Braut geschmückt ist mit einem Kranz von Grangeblüten. Ich war erstaunt, diesen Kranz in Darmstadt wiederzufinden, während in meiner Heimat die Myrte herrscht. In Griechenland ist die Myrte tnassenhaft zu finden. Mit Vergnügen denke ich an ein Myrtengebüsch in der Rähe unsere; Sommeraufenthalts auf
dem Gebirge Parnaß, welches im Juni und Juli von Blüten weiß war wie ein riesiger Schneeball von 2 Meter Durchmesser. Die griechische Braut trägt die lebende, stark duftende Grangeblllte im haar unter dem Brautschleier, der die ganze Gestalt bis auf das Gesicht einhüllt. Die Kirche hat ihre Kronen und diese Kronen, die oft kostbar und mit Edelsteinen besetzt sind, sind durch entsprechend breite Schleifen untereinander verbunden und werden von Braut und Bräutigam getragen, was gewöhnlich unter den Rnwesenden Heiterkeit hervorruft, wie auch die seltsame Zeremonie, wenn der Priester diese untereinander verbundenen beiden Kronen auf den köpfen je dreimal wechselt mit den Worten: Es wird gekrönt der Knecht Gottes Themistokles mit der Magd Gottes Rphrodite und umgekehrt, wobei die verbindende Schleife dem paar gewöhnlich zu schaffen macht, ebenso wie die großen meterlangen brennenden Wachskerzen, welche das paar während der ganzen eine Stunde dauernden Feier zu tragen hat, wahrlich keine kleine Rufgabe! Ruch die Brautführer haben ihre Rrbeit mit den Kronen, die nicht auf den köpfen sitzen bleiben, sondern von ihnen über denselben gehalten werden müssen, wobei sie manchmal einen Stellvertreter brauchen. Rach der Krönung segnet der Priester dreimal das paar: ,,Du Herr, unser Gott, kröne sie mit Glanz und Ehre!"
Run werden zwei Rbschnitte aus dem Reuen Testament verlesen, darunter der Rbschnitt von der Hochzeit zu Kana und nach einem Gebet und Vaterunser folgt der „gemeinsame Kelch" mit Wein und Wasser, den der Priester segnet und aus dem die vermählten dreimal wechselweise trinken. Dann faßt er ihre über das kreuz verbundenen Hände mit seiner Hand und führt das Paar, hinter dem die Brautführer mit den hochgehaltenen Kronen gehen, im kreise herum, rund um eine Rrt Tisch von Westen nach Osten. Unwillkürlich denkt man sich an dem Platz einen heidnischen Hausaltar, und die herum- führung vertritt die Stelle eines Reigens, wobei die Priester ein seltsames Lied singen, das so anfängt: Jesaias tanz' den Reigen!
Darauf nimmt der Priester dem Bräutigam die Krone und sagt: „Du, Bräutigam werde groß wie Rbraham und gesegnet wie Isaak; werde gemehret wie Jakob, im Frieden wandelnd und in Rechtschaffenheit die Gebote Gottes übend. Und du, Braut, werde groß wie Sarah, und freudeerfüllt wie Rebekka, und gemehrt wie Rahel, fröhlich in deinem Wanne, bewahrend die Grenzen des Gesetzes, denn also gefällt es Gott wohl."
Rach einem Gebet, daß Gott ihren Rusgang und Eingang segnen möge, geht der Priester an den Rltar. Die vermählten küssen sich, werden von den Rnwesenden geküßt und werden dann von dem Priester mit einem Segen entlassen.
Das Hochzeitskleid der höheren Klassen unterscheidet sich nicht von dem bei uns gebräulichen. Das Volk liebt die bunten Farben. Die Fest- und Brauttracht der Rthenerin aus dem Volke ist der weite seidene Rock in möglichst lebhaften Farben. Ulan erkennt daran leicht die Jungvermählten, wenn sie ihre Besuche nach der Hochzeit machen.
Wie bei der Tauffeier ist die an die Trauung sich anschließende Feier eine einfache. Rnstatt der kostspieligen Gast- mähler, von denen die Neuvermählten sich wegstehlen müssen, um sich auf die Hochzeitsreise zu begeben, gehen im griecki- schcn Hause die großen Platten mit Konfekt und Bonbons herum,' ein jeder nimmt sich, soviel die Hand fassen kann, und außerdem hat jeder das Recht, ein aus Gaze oder Seide gemachtes Säckchen gefüllt mit Süßigkeiten mitzunehmen. Die griechischen Priester handeln da mit Unbefangenheit,' sie lassen


