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kocht und davon gegessen, auch dem andern Kinb davon gereicht habe. Line alte Gießener Nachricht erzählt folgendes: Da starb Johann Velten Beplern, dem INüller, ein Schwein, die armen Leute, so umb die Mühl her lagen, schunden es und aßen das Fleisch. Zu des Müllers Frau kam ein Weibs- mcnsch, der hat sie die Naß geschenkt, sie zu kochen, da kam des Müllers Frau dazu und sah, daß der Kopf noch in der haut stack, sie schlug deswegen die arme Frau mit der haut auf den Kopf.
Manche Dörfer standen ganz leer, und da, wo sonst Menschen wohnten, wuchs Gras und lief lvild umher. Der Dauer, den das Landsterben verschont hatte, nahm Kriegsdienste, indem er es für leichter hielt, sich unterhalten zu lassen als andere zu unterhalten. Die, welche noch hin und wieder auf dem Lande wohnten, waren Einbrüchen und Straßenraub ausgesetzt. Deswegen flüchteten viele bei Annäherung eines Heerhaufens mit ihrem Vieh und wenigen Habseligkeiten in die Wälder und Gebirge. Über auch hier waren sie nicht völlig gesichert, weil die Soldaten, besonders die Schweden, Hunde mit sich führten, welche auf das Kufspüren von Menschen abgerichtet waren.
Line sichere Zuflucht für die Bewohner der umliegenden Gegend gewährte die hiesige Stadt und Festung, die im Laufe des ganzen 30jährigen Krieges unerobert blieb. Die Volksmenge wuchs dadurch jo sehr, daß die Stadtkirche für den Gottesdienst nicht Raum genug hatte, weshalb dem geflüchteten Landvolk im juristischen Auditorium gepredigt wurde. In der Folge wurde das Ballhaus zur Kirche (Burgkirche) eingerichtet. Man zählte in diesem Jahre 304 verstorbene, worunter 268 aus dem Hospital waren. Der Geborenen waren es nur 212, und unter diesen waren etwa ein vierteil Uneheliche. Vas junge Volk lief nach Gefallen zusammen, trennte sich auch bald wieder.
Line große Wohltat für manche Familie war die ausnehmend frühe Lrnte. Denn schon um Bartholomae (24 flu= gush fand man um die Stadt keine Frucht mehr im Felde, und auf die Gießer Kirmes (Ende Kugust) trank man schon neuen Wein. Da an Zugvieh gänzlicher Mangel war, so begnügten sich die Leute, das Feld zu hacken. Kndere spannten zusammen und pflügten.
1638.
In diesem Jahre entstand ein Sterben unter dem Kind- vieh und unter den Schafen. Das erstere stieg dadurch so sehr im Preise, daß man eine Kuh mit 24 Talern bezahlen mußte. Den 24. Februar fing man schon überall im Kmt Gießen an zu zackern, gegen den 28. Februar wurde Hafer gesäet.
>639.
Das gegenwärtige Frühjahr war ausnehmend kalt. Den 19. Mai erfror das Korn an allen (Orten, so daß man nicht einmal die Saatfrucht bekam.
1641.
Landgraf Georg II. ließ von hier am 24. März eine Verordnung ausgehen: „daß die Untertanen sich gegen die Plünderer, Straßenräuber, Mordbrenner und herrenloses Gesindel ernstlich zur wehr setzen und mit dem Geläute der Glocken ihre Nachbarn jedesmal zur hülfe rufen sollten, auch daß die veamten, (Offiziere und Soldaten die Untertanen mit genügsamer hülfe sekundieren (helfen) und die räuberischen Parteien äußerst verfolgen helfen, niederwerfen und, damit sic mit dem Schwert, Strang und Nad ihrem verbrechen nach abgestraft werden mögen, zu peinlichem Halsgericht einliefern sollen." Ts geschahen hier viele Hinrichtungen, und noch wird
heutzutage in dem hiesigen Zeughaus ein Schwert gezeigt, das dunkelrot gefärbt ist und mit welchem der Sage nach ein Scharfrichter sich frei, d. h. ehrlich, gerichtet hat.
Lin Bube von 16 Jahren in Wieseck hatte seiner Mutter, weil sie ihm kein Geld geben wollte, 9 Wunden mit dem Beil geschlagen, so daß sie auf der Stelle tot blieb. Lr wurde zweimal mit glühenden Zangen gezwickt, geköpft, gevierteilt, die Stücke an vier Straßen aufgehängt und der Kopf bei Wieseck auf einen Spieß gesteckt. Bei geringeren vergehen wurden andere auf eine mildere Weise zur Besserung gebracht, indem sie Kirchenbuße tun, d. h. unter der predigt mit entblößtem Haupt und mit einer brennenden Kerze in den Händen vor dem klltare stehen mußten.
Die Schweden und Niederhessen sprengten die alte, massive, von dem Grafen von Ziegenhain herrührende Burg Staufenberg durch Pulver, so daß man den Knall und die Erschütterung weit und breit empfand.
1643.
Den 3., 4. und 5. Januar fiel unaufhörlich starker Kegen, Schnee und Lis brach auf, und es entstand dadurch ein solckes Wasser, daß die Lahn den 4. nachts zwischen 12 und I Uhr in den Wallgraben brach. Das Wasser nahm in der Stadt so zu, daß es an einigen (Orten zwei mannstief stand und vieles Vieh ertrank. Vas Wasser ging an allen Toren über die Wallgräben, und man konnte von dem Siechhaus an, am Fuß des Selzersberges, mit Nachen über die Schoor bis an den Wallberg fahren. Die Leute fuhren allenthalben auf den Straßen mit Nachen und mit Backtrögen, nur auf dem Markt allein blieb es trocken. In Wetzlar und Weilburg hat die Lahn viele Häuser niedergerissen. Die zwei jungen Fürsten konnten damals nicht in die Stadt kommen, sondern mußten einige Nächte auf dem Schiffenberg bleiben. Der Landgraf, um den Folgen des vielen stehenden Wassers und Schlammes zu entgehen, zog mit seinem Hofstaate nach Küsselsheim.
Den 2. Februar, nachdem ein starker Frost eingefallen war, stand das Wasser so hoch mit Grundeir, daß sich das Wasser daselbst verstopfte und auf der einen Seite an der Mühle vorbeifloß. Nuf der anderen Seite schoß es über den Schießplatz (jetzt Bleiche), und niemand konnte auf die Brücke kommen. Nach gepflogenem Kat ließ der platzobristleutnanl von Buseck eine halbe Karthaune hinausfahren und zwei Schüsse auf das Lis tun, aber ohne Erfolg. Die Eifer rammelten an der Schleuse mit Lishebern, aber sogleich fror wieder Lis mitten auf der wehre. Die wehre sowie die Brücken nahmen glücklicherweise keinen Schaden.
Zu den traurigen Begebenheiten dieses Jahres gehört der Tod des allgemein geliebten Landgrafen Philipp zu Butzbach, der bei allen Bedrängnissen als ein Vater unter seinen Untertanen standhaft ausgehalten hatte. Ls waren ihm Dampf- oder Schwitzbäder verordnet worden, und man setzte ihn in einen Behälter von gebackenen Steinen, der um den hals geschlossen war und aus welche bloß der Kopf Hervorstand. Unten setzte man Becken von heißem Branntwein hinein. Da der Schweiß nicht sogleich kommen wollte, befahl der Fürst, den Branntwein stärker zu erhitzen. Vieser fing Feuer, die Dämpfe entzündeten sich, und der Fürst war, ehe bis man ihn Herausreißen konnte, jämmerlich verbrannt. Lr starb nach drei Tagen, den 29. Kpril, unter großen Schmerzen.
In Wetzlar entstand durch Unvorsichtigkeit beim Flachsdörren ein starker Brand den 14. September, so daß bei einem starken Winde in einer Stunde 60 Gebäude in Feuer aufgingen.


