Seuche, wer sich die Pestbeulen sogleich aufschnitt und mit gebrannten Zwiebeln zur Zeitigung brachte, kram meistenteils glücklich davon, war jedoch nicht vor einem zweiten Unfall sicher. Schluß folgt.)
Lieb Vaterland, kannst rüstig sein!
Oie Bürger der Gemeinde heim stehen, was vaterländische Gesinnung betrifft, hinter Keiner ihrer Schwestergemeinden der Provinz zurück, und so hat denn auch sofort der Grtsvorstand sich bereit erklärt, als das Kreisamt durch Bundschreiben sich erbot, für gemeinsame Beschaffung von Lrinne- rungsbäumen für die Jahrhundertfeier des 18. Oktober Sorge zu tragen, sich hierbei zu beteiligen.
wie aber der Baum ankam es war eine stattliche, hochgewachsene Linde — da gab es allgemeine Enttäuschung; denn der Sinn der Mehrzahl war für eine deutsche Eiche. Da zogen einige hinaus und gruben in dem nahen Wäldchen eine solche aus. wie sie aber damit heimkamen, waren wieder etliche unzufrieden, weil sie an Stattlichkeit zu sehr hinter der kreisamtlichen Linde zurückstand. Diese zogen dann abermals hinaus und holten eine noch größere Eiche heim. Damit hatte man denn glücklich drei Festbäume, zwei Eichen und eine Linde, zum festlichen Zweck. Sie wurden aber auch alle drei richtig angepflanzt, der eine auf dem Marktplatz mitten im Dorf, der zweite neben dem Kriegerdenkmal und der dritte soll den neuen Oemeindebrunnen vor der Dberpforte beschatten.
Nun ist nur zu wünschen, daß alle drei wachsen und gedeihen, was wohl zu hoffen ist, da jeder seine besonderen freunde und Beschützer hat. Mögen sie alle drei nach abermals hundert Jahren den Kindeskindern von dem patriotischen Eifer ihrer Väter bei der Jahrhundertfeier am 18. Oktober 1913 erzählen! Dr. D. K.
(Ein pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Ich lief, nachdem ich meine Neuigkeit der Mutter mitgeteilt hatte, wieder weg und erinnere mich genau, daß ich am Nachmittag mit anderen Jungen im Wald war, wo wir leider Vogelnester ausnahmen, uns Stecken schnitten und nach Erdbeeren suchten.
Nls am nächsten Tage der Vormittagsunterricht zu Ende war, ging ich hinaus auf das Feld, wo meine Eltern mit Futtermachen beschäftigt waren. Es dauerte lange, bis wir mit unseren Kühen auf dem Heimwege wieder den Berg hinaufgekommen waren und unsere Fjofreite erreicht hatten. Da der Vater nachmittags wieder bei guter Zeit auf dem Felde sein wollte, so halsen wir Kinder ihm in der Scheuer beim Nbladen des Futters, und die Mutter machte sich im Stalle zu tun.
wie wir alle so beschäftigt waren, knarrte das fjoftor, und kurz daraus kam unser Bruder Georg zu uns in die Scheuer. Ich sehe ihn heute noch, wie er da vor uns stand. Er hatte seine Mütze tief in den Nacken zurückgeschoben, trug in der rechten Hand seinen Stock und in der linken einige Habseligkeiten, die er in ein großes, buntes Taschentuch eingepackt hatte. Seine Miene war ernst, aber er sagte nichts.
Der Vater war es, der ihn zuerst anredete: ,,Na, Georg, hast du heute am Montag Feierabend gekriegt, weil du so unerwartet kommst?"
„Feierabend habe ich nicht gekriegt," war die Nntwort, „aber da der Krieg jeden Tag erklärt werden kann, so will ich hier bei euch warten, bis ich einrücken muß."
„Nch, du allmächtiger Gott," rief meine Mutter und schlug die Hände vor das Gesicht, „ich habe es mir ja die ganze Zeit gedacht, daß du, wenn es Krieg gibt, wieder einrücken mußt. Jetzt bist du gesund von München zurückgekommen, und wer weiß, was dir bevorsteht!"
weinend setzte sich die Mutter auf den großen Futterhaufen, der in der Scheuer lag, wir Kinder weinten mit ihr und sahen unseren großen Bruder schon in Not und Gefahr. Keinem von uns wollte an diesem Tage das Mittagessen schmecken, stumm saßen wir vor unseren Tellern.
Zwei Tage darauf fing mein Vater an, die Gerste zu schneiden. Georg ging mit und half ihm dabei,' auch der nun Ibjährige Bruder Fritz griff bei der Nrbeit fest zu. Ningsum auf den Feldern lag die Sonnenglut. Die Männer hatten Nock und Weste ausgezogen und hieben mit den Sensen in das wogende Getreide, die Frauen hatten sich mit großen, weißen Tüchern gegen den Sonnenbrand geschützt und handhabten eifrig die Sichel. Emsige Tätigkeit herrschte ringsum auf den Feldern. Ich trug unseren beiden Schnittern das Essen hinaus auf das Feld und brachte ihnen in der Negel auch einen Krug Birnenwein, von dem der Vater vom Jahre zuvor ein Füßchen im Keller liegen hatte. Da unterdessen die Ernteferien begonnen hatten, so fing ich mit der Arbeit an, die mir jeden Sommer zukam: ich las Nehren.
Eines Morgens lag ich mit anderen Kindern eifrig dieser Tätigkeit ob, da hörten wir aus der Ferne ein dumpfes Dröhnen, das sich in regelmäßigen Zwischenräumen immer wieder erneuerte. Ein größerer Junge meinte, das käme irgendwoher aus einem Steinbruche, in dem die Steinbrecher mit Sprengen beschäftigt seien, vielleicht aus dem Steinbruche, der zwischen Kirchheimbolanden und Dannenfels liegt. Nber ein Mann, der vorüberging, sagte uns, daß jetzt im Sommer in den Steinbrüchen nicht gesprengt würde, das sei eine Nr- beit, die man sich für den Winter Vorbehalte. Mit einem Male stand es für uns Kinder fest, daß das der Krieg sei. wir meinten, es sei eine Schlacht im Gange und das dumpfe Dröhnen rühre von den Kanonen her. Eine große Nngst überfiel uns, und in meiner Nngst lief ich zum Vater, der nicht weit davon mit Georg und Fritz Gerste abmachte. Nlle drei saßen beim Morgenessen, das ihnen diesmal der Bruder Jakob gebracht hatte. Zwischen ihnen stand der Krug mit Birnenwein, nicht weit von ihnen lagen Sensen und Wetzstein.
„Vater, hörst du auch, wie es schießt?" rief ich ihm schon von weitem zu, „es knallt in einem fort, das sind große Kanonen, und die Franzosen sind nicht weit."
Georg lachte bei meiner ängstlichen Nede und gab für den Vater die Nntwort: „Du hast recht, Peter, große Kanonen sind das, aber der Schall kommt von Mainz her. Dort liegt preußische Artillerie, und die hat heute große Schießübung, wir haben Slldwestwind, darum hört man den Knall so weit."
Da war ich wieder beruhigt und fürchtete mich nicht mehr vor dem Krieg, zumal ich auch im Dorfe die Leute nicht mehr davon reden hörte. Sie hatten auch gar keine Zeit zum Beden: denn die Arbeit drängte. Oft ging der Vater noch abends um 7 Uhr mit den beiden großen Brüdern hinaus an einen Kornacker, den sie schneiden wollten, er hatte nämlich Arbeit auch für andere Leute übernommen. Gern begleitete ich die fleißigen Schnitter hierbei und saß dann, während sie arbeiteten und ringsumher auf den Feldern die Grillen zirpte», am


