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ral Grafen von Inhalt mit spanischen and bayerischen Trup­pen, zu denen sich noch einige Bataillone hessen-varmstädter und Mainzer gesellten, nach der Pfalz zu schicken. Dieses Heer zog den 20. Dezember durch Gießen, unid eben an diesem Tage fiel ein Treffen vor. Die Braunschweiger, ungefähr 16 000 Mann stark, hatten sich auf dem Felde zwischen Alten- Buseck und Großen-Buseck sn einer Wagenburg verschanzt, und ein Teil stand vor derselben in 5chlachtordnung. Die Ar- mee der Verbündeten, ungefähr von gleicher Stärke, griff diese von mehreren Seiten mutig an, und es gelang ihr, sie zu überwältigen. Der Erfolg war, daß die Braunschweiger, mit Zurücklassung von etlichen hundert Toten ihren Bückzug nach Westfalen nahmen und diesen mit Mord und Brand bezeich- neten.

In Gießen herrschte damals große Furcht vor einer Be­lagerung, selbst die Studenten schickten sich an, die Universi­tät zu verlassen, der damalige Uektor E>. Winkelmann stellte ihnen vor, daß die Gefahr weder nahe noch furchtbar sei. Sie beschlossen sämtlich, nicht nur in der Stadt zu bleiben, sondern auch bei einer Belagerung den Wall zu verteidigen. Sie ließen sich daher eine Fahne von grünem und gelbem Taft verfer­tigen, auf welcher mit goldenen Buchstaben stand: Ditsris et arinis ad utrumque parati (bereit zur wissenschaftlichen Ar- beit wie zum Kriegsdienste). Die Fahne wurde nach Entfer­nung der Gefahr feierlich in der Bibliothek aufgestellt.

1622.

Herzog Thristian von Braunschweig brandschatzte nach seinem UUckzug die geistlichen Stifter und Bistümer. 5lls ihm auch hier der Graf von Anhalt folgte, zog er sich nach dem Fuldischen und von da nach dem Main. Während dieses Zu­ges, welcher die Wetterau traf, hatte varmstadt und die um­liegende Gegend einen furchtbaren Feind. Mansfeld überfiel, nachdem er in der Gegend von varmstadt Früchte, Vieh, Wein u. a. weggenommen hatte, plötzlich diese Stadt feindlich, nahm sie ein und führte den 23. Mai den Landgrafen Ludwig V. und dessen zweiten Sohn, den Prinzen Johann, gefangen weg. Der Verlust der Schlacht bei höchst machte den Kurfürsten Fried­rich von der Pfalz, der damals Mansfeld für seinen Feind er­klärt hatte, nachgiebiger, und er gab nach einer Gefangen­schaft von 4 Wochen dem Landgrafen und dem Prinzen die Freiheit wieder.

1626.

Den 16. Mai ist das Korn und das Gbst in den Lahn- und Maingegenden erfroren, so daß bei der Ernte eine Menge gar nicht ausgedroschen wurde. Vas Korn, wovon das Ach­tel um Ostern noch 2 Bthlr. (Beichstaler) galt, schlug so ge­schwind auf, daß Ende Mai ein Achtel mit 4 Bthlr. bezahlt werden mußte. Das Bind- und Schafvieh war dagegen nicht teuer. Erst nach Michael nahm diese Teuerung ab.

Die Pest zeigte sich im Hüttenberg, hauptsächlich in Bllen- dorf, auch in Leihgestern und Watzenborn. Es wurde niemand, der aus diesen Ortschaften kam, an den hiesigen Toren ein­gelassen.

1628.

In diesem Jahre wuchs Kein Apfel, keine Birne und nichts von Büben, Wicken, Bohnen, weil alle Früchte in der hiesigen Gegend erfroren waren. In keiner vorfschenke war Wein zu haben, obgleich in jenen Zeiten an den meisten Or­ten unserer Gegend Wein gebaut wurde.

Gleich nach Ostern zeigte sich die Pest in hiesiger Stadt. Sie herrschte von Jakobi bis Batharinentag und starben daran 61 Personen, allemale mehrere aus einem Haus. Man machte die Anordnung, daß diese ohne Klang und Gesang begraben

wurden, und diejenigen, welchen man das öffentliche Begräb­nis nicht versagen mochte, wurden auf einem Karren hinaus­gefahren. verstorbenes Gesinde wurde durch den Bettelvogt auf einem Karren hinausgefahren.

1629.

Auch in varmstadt brach die Pest aus, Landgraf Ge­org II. zog deswegen mit seinem ganzen Hofstaat und seiner Kanzlei nach Lichtenberg. Wegen der Pest sowohl als wegen der überhand nehmenden Kriegsgefahr wurden 6 allgemeine Buß-, Fast- und Bettage angeordnet. Auch wurde von dieser Zeit an um 10, um 11 und um 5 Uhr zum Gebet geläutet.

Den 22. Oktober brach in der hiesigen Fürstlichen hof­scheuer Feuer aus, und alle Früchte, Heu und Stroh verbrann­ten. Man berechnete den Schaden auf mehrere tausend Taler.

1631.

Landgraf Georg zog wegen des Krieges, der sich nach der Schlacht bei Leipzig in die Maingegenden gezogen hatte, mit seinem Hofstaate nach Gießen und nahm seine Wohnung im Kolleggebäude. Er reiste einigemale von hier nach Frank­furt, um dem König Gustav Adolf einen Besuch zu machen. Der Landgraf erklärte sich für neutral, welches jedoch dem Könige nicht gefallen wollte. Die Schweden nahmen im Lande hin und wieder nur auf etliche Tage Ouartier, ihr Betragen war nicht feindlich. Auch für dieses Jahr wurden 4 Buß-, Fast- und Bettage angeordnet.

1632.

Da die Schulen sehr in verfall gekommen waren und da­her die Menschen roh und unwissend aufwuchsen, da in man­chen Dörfern gar keine Schulen mehr gehalten wurden, so ordnete Landgraf Georg II. eine allgemeine Schulvisitation an, zum Kommissar wurde der Superintendent Feuerborn ernannt.

1633.

In Marburg brach die Pest aus, und es starben viele Menschen daran. Deswegen wurde die Universität um Mar­tini wieder hierher verlegt,' sie blieb ungefähr ein Jahr hier.

Kaiserliche Truppen nahmen Gleiberg ein, plünderten und verwüsteten das Schloß und die Wohnhäuser, weil Graf Ernst Tasimir von Uassau-Weilburg ein Freund Frankreichs war und sich in Frankreich aufhielt.

1633.

Der Prager Friede zwischen dem Kaiser und Kursachsen, in den auch hessen-varmstadt eingeschlossen war, war das einzige freudige Ereignis in diesem Jahr. Sonst war es ver­hängnisvoll, und dieser Friede selbst war das Signal zu ver­stärkten Verheerungen und Grausamkeiten.

Die Pest, welche an den meisten Orten im Umkreise herrschte, brach im Juni auch in der hiesigen Stadt aus. Im Juni starben daran 85 Personen, im Juli 147, im August 304, im September 311. Ueberhaupt starben in diesem Jahr in Gießen 1503 Personen, fremde, unbekannte Personen un­gerechnet, welche aus dem Hospital hinausgefahren wurden. Die verstorbenen sind sämtlich ohne Klang und Gesang be­graben worden, sie konnten nicht alle in das Kirchenbuch ein­getragen werden, weshalb besondere Pestregister geführt wur­den. In Lich starben gegen 500 Menschen, in Steinberg 110, in Watzenborn 52, bloß Einheimische, die Fremden ungerech­net. Kurz, es war ein erschreckliches Landsterben weit und breit, so daß sogar an einigen Orten Menschen unbegraben liegen blieben und von den Baubtieren gefressen wurden. Manche Menschen fielen plötzlich tot nieder, andere brachten 2 und 3 Tage oder noch länger zu. Da jedermann sich des Lebens verzieh, so scheute man sich auch nicht mehr vor der