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Straßenrande. Manchmal schlief ich dabei ein und mußte ge­weckt werden, wenn endlich bei Mondschein der Heimweg an­getreten wurde.

Da andauernd schönes Wetter war, so Konnten die Bauersleute, Kurz nachdem sie mit dem Schneiden begonnen hatten, sich schon an das Binden des Getreides machen. Mein Vater hatte einen Rcker, der zwischen Marienthal und dem Vastenhaus, einem hofgute am Fuße des Donnersberges, lag. Rls dort das Rorn gebunden werden sollte, gingen wir Ge­schwister allesamt mit. Der Vater und Georg trugen auf der Schulter die schwere Last der Strohseile, die sie dort brauchten, wir Kleineren halfen auf dem Rcker, indem wir die Strohseile einzeln auf den Rcker legten und dann so weit wir dazu im­stande waren, das Getreide zum Binden darüberschichteten. Der Vater und der große Bruder packten die Garben zusam­men, Knüpften die beiden Ende des Strohseiles, indem sie auf der Garbe Knieten, aneinander und drehten das Seil mit dem Rnebel fest zu. Ueber dieser Arbeit schwand uns die Zeit rasch dahin. Wir hatten Kaum darauf acht, daß im Südwesten eine weiße Wolkenwand aufstieg und daß sich über sie kleine weiße Wolken lagerten. Der Vater hatte einmal nach dieser Richtung hingesehen und nur kurz gesagt:Es kommt ein Wetter her­auf." Der Landmann läßt sich durch ein aufsteigendes Ge­witter nicht nach Haufe scheuchen, sondern sieht zu, daß er mit seiner Arbeit fertig wird. Wir waren eben daran, die letzten Garben zu einem Haufen zusammenzutragen, da ge­wahrten wir, daß auch von der entgegengesetzten Richtung, vom Rheine her, eine Wolkenmasse langsam in diehöhe wuchs. Ehe wir es uns versahen, hatten die Wolkenmassen über unserem Scheitel sich erreicht, und wie wir uns gerade zum Weggehen anschickten und Röcke und Westen, die wir bei der Rrbeit abgelegt hatten, anzogen, da rollte der Donner weit­hin hallend über uns weg. Gleichzeitig fielen dicke Tropfen, der Regen prasselte mit aller Macht nieder. Wir liefen, so schnell wir konnten, nach Marienthal. Gleich am Eingang des Dorfes stand eine Scheuer, die wir uns als Zufluchtsstätte ausersehen hatten. Vas Tor stand offen, Leute, die gleichfalls auf dem Felde von dem Wetter überrascht worden waren, hatten sich dorthin geflüchtet. Bei ihnen stand ein Mann aus Dannenfels, der als Maurer in Rockenhausen arbeitete, und aus seinem Munde vernahmen wir die Runde:Frankreich hat den Rrieg erklärt."

von den nächsten Tagen, die uns in großer Unruhe ver­gingen, weiß ich nur noch, daß die Einberufungsorder für Georg kam und daß er zu seinem alten Regimente nach Mün­chen einrllcken mußte. Um der Mutter Herzeleid zu ersparen, war er ohne Rbschied von ihr weggegangen, wir Geschwister und der Vater hatten ihn nach Marienthal begleitet, wo er mit anderen Einberufenen auf einem Leiterwagen von dan­nen fuhr.

Die Leute, die Pferde besaßen, zogen einige Tage darauf mit diesen nach Rockenhausen, wo Musterung war und die tauglichsten Pferde fürMilitärzwecke angekauft wurden. Rast­lose Tätigkeit herrschte auf den Feldern, man wollte die Ernte möglichst schnell in die Scheuer bringen.

Man war in Ruppertsecken noch nicht damit fertig, da kamen vom Rheine her die großen Massen des preußischen Heeres und zogen durch das Bergland der Nordpfalz nach Lothringen. Eines Morgens standen wir auf dem Schloßberge und sahen hinunter in das Tal. Dort blitzte es, so weit wir sehen konnten, von Waffen und Helmen, es war, so weit das Rüge reichte, eine glänzende Linie. Wir eilten hinunter und sahen Soldaten von jeder Waffengattung an uns vorüber­

ziehen, Infanterie, Rrtillerie, Ulanen und Husaren. Lustige Worte flogen aus der Rolonne heraus der zuschauenden Menge entgegen. Manches Mädchen, das noch nie aus dem Bereiche der umliegenden Dörfer herausgekommen war, war sehr er­staunt, wenn ein Füsilier oder Grenadier ihm zurief:Ti, Manschen, kennst du mich denn nicht mehr, wir sind doch früher so gute Freunde gewesen." Die pfälzischen Landleute bewunderten die musterhafte Ordnung, die in diesem Heere herrschte, den vorzüglichen Geist der Mannschaft, die Freund­lichkeit und das feine Betragen der Offiziere. Nur einer, ein etwas verwachsener Lteinhauer aus Würzweiler, machte da­mals eine schlechte Erfahrung. In seiner gewohnten, dummen Dreistigkeit hatte er, als eine Rbteilung gerade im Dorfe rastete, einen Feldwebel an der Schulter gefaßt und zu ihm gesagt: ,,he, Vetter, kommen heut' noch mehr?" Da war der Rngeredete aufgebraust und hatte mit Donnerstimme er­widert:Bin ich Ihr Vetter, Sie unmanierlicher Mensch? Wenn Sie mich noch einmal anrühren, so Kriegen Sie eins hinter die Ohren."

Der Vorbeimarsch der Truppen hinderte die Einwohner nicht, ihre Lrntearbeit zu Ende zu bringen. Den ganzen Tag gingen die Erntewagen auf den Landstraßen und den Feld­wegen hin und her, leer rasselten sie hinaus, schwer beladen kamen sie zurück. Obwohl ich erst ein Junge von 10 Jahren war, so half ich doch fleißig mit / denn die Stelle, die Georg seither inne gehabt hatte, mußte ausgefüllt werden. Ich schleppte auf dem Rcker Garben zum Wagen, half in der Scheuer beim Rbladen und las außerdem noch Rehren zu­sammen, diesmal viel flinker als in den früheren Jahren.

Gerade waren wir mit der Ernte fertig geworden der Hafer allerdings war noch nicht geschnitten - da Kam der Regen, und es regnete anhaltend einige Tage lang. In diesen Tagen bekam auch Ruppertsecken, das, abseits von der Heer­straße liegend, seither noch nicht belegt worden war, Ein­quartierung. Es waren mehrere Rompagnien Infanterie, die im strömenden Regen von Rirchheimbolanden gekommen waren. Schöne Leute, Leute von feinem Betragen waren diese Soldaten, aber es ging merkwürdig zu, als sie nach Rupperts­ecken .gekommen waren. Sie sprachen deutsch und die Rup- pertsecker sprachen deutsch, aber es wollte nur schwer ge­lingen, daß die Einheimischen und die fremden Soldaten einan­der verstanden/ denn die Leute aus meinem Dorfe sprachen die derbe pfälzische Mundart, die da hinten am vonnersberg und bis hinein nach Rheinhessen gesprochen wird, einen ganz besonderen Tonfall hat und so viele Endsilben wegläßt, und die Soldaten waren Schleswig-Holsteiner, dies-pitz" und s-tehen" sagten und mitunter friesische und plattdeutscheLaute in ihr hochdeutsch mengten. Manche Verständigung fand mehr durch Zeichen als durch Worte statt. Rber die Leute aus der deutschen Nordmark hatten bald herausgefunden, daß sie in dem pfälzischen Dorfe herzliche Gastfreundschaft erfuhren. Ich weiß nicht, durch welche Umstände es gekommen war, daß dieses Ouartier ein Notquartier war, vermutlich geschah das infolge des starken Regens. Wir hatten allein 8 Mann. Das war zu viel für uns, nur zwei Mann es waren zwei ältere Unteroffiziere konnten wir oben in dem Giebelzimmer auf Betten, die die Mutter auf dem Stubenboden zurechtge­macht hatte, unterbringen, die übrige Mannschaft mußte in der Scheuer kampieren. Rber die Leute waren zufrieden. Rls sie vom Vater hörten, daß er auch einen Sohn habe, der in das Feld gerückt sei, da nannten sie ihn alleVater", und beim Mittagessen erzählten sie von ihrer meerumschlungenen Heimat. Ich befand mich den ganzen Nachmittag in ihrer