Ausgabe 
31.12.1914
 
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der Front wcilergckämpft. Unsere Kräfte am N a g y - A g - und Latorcza gebiet wiesen mehrere An­griffe unter schweren Verlusten des Feindes ab. Nächst des U z s o k e r Passes nahmen wir ein« Grenz - hohe. In Galizien wurde der Gegner weiter ge­gen Lisko zurückgedräjngt. Zwischen Wis- I o k und B i a l a hingegen setzte er seine Angriffe den ganzen Tag und mit besonderer. Intensität am Weih­nachtsabend und in der Heiligen Nacht fort. Am D u - n a j e c und an unserer unveränderten Front in R u s- s i s ch - P o l c n fanden teils Artilleriekämpfe statt, teils herrschte Ruhe. Auf dem Balkankriegsschau­platz e hat sich nichts ereignet. Im Norden wie im Süden gedenken unsere braven Truppen dairkbar der Heimat, die so reiche Weihnachtsgaben sandte. Daß sich auch die Fürsorge des Deutschen Reiches an diesem Werke mit großen Spenden beteiligte, wurde als neuer Beweis der innigen Zusammengehörigkeit der verbündeten Heer« warm empfunden.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabes: o. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

WTB. Wien, 28. Dez. Amtlich wird gemeldet: 28, Dez. mittags. Nördlich des Dukla - Passes wichen unsere Truppen dem Angriffe der Russen in Stellungen näher am Karpathenkamme aus. Zwischen Bialla und Dunajec, im Raume nordöstlich Zakliczgen, wurden sehr heftige Angriffe des Feindes abgewiescn. Sonst hat sich auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz an unserer Front nichts Wesentliches ereignet. Im Sü­den herrscht, von einigen Grenzplänkeleien abgesehen, uolkkommene Ruhe. Die Serben sprengten wieder die Scmliner Brücke.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: von H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

WTB. Wien, 30. Dez. Amtlich wird verlaut - bart: 30. Dez., mittags:

In den Karpathen griffen unsere Truppen nördlich des Uzsokev-Paffes an und nahmen mehrere Höhen. Nördlich des Lupkower-Passes brachte ein Ge­genangriff die Vorrückung der Russen zum Stehen. Weiter westlich ging der Feind mit schwächeren Kräften an einzelne Ucbergänge heran.

Nördlich E o r l i c e, nordöstlich Z a k l i c z y n u. an der unteren Nida brachen die russischen Angriffe un­ter schweren Verlusten zusammen. Im Raume östlich und südöstlich Tomaszow machten die Verbünde­ten Fortschritte.

Auf dem Balkankriegs sich auplatz herrscht an der serbischen Grenze Ruhe. Nächtliche Angriffe der Montenegriner auf Gat bei Autovac und aus Lastva bei Trebinje wurden abgewiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabes: von H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

WTB. Wien, 29. Dezember. Amtlich wird ver- lautbart." 29. Dez., mittags: Die russische 8. Armee, die vor etwa einer Woche die Offensive gegen unsere über die Karpathen vorgerückten Kräfte ergriff, hat sich durch Ergänzungen von frischen Divisionen derart ver­stärkt, daß es geboten schien, unser« Truppen auf die Paßhöhen und in den Raum von Gorlice zurückzuneh­men. Die sonstige Lage im Norden ist hierdurch nicht berührt.

Auf dem Balkankriegsschauplatz ent­falten die Montenegriner eine lebhaftere, aber erfolglose Tätigkeit. Bei Trebinje wurde ein schwacher Angriff auf unsere Vorfeldstellungen mühelos abgewiesen und die feindliche Artillerie zum Schweigen gebracht. Gegen ein starkes Erenzfort der Krioosije hatten die montenegrini­schen Geschütze naturgemäß nicht den geringsten Erfolg.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfel, Feldmarschalleutnant.

Bom Krieg im Westen.

DerProgres" meldet aus Paris: Die marok­kanischen Spahis wurden von der Heeresver- waltung von der Front zurückgezogen, da sie sich für den Dienst in den Schützengräben und für den Erdkrieg unverwendbar erwiesen. Wahrschein - lich traut man den Marokkanern nicht mehr nach der Verkündung des Heiligen Krieges.

WTB. Mailand. Wie der Pariser Vertreter desCorriere della Sera" meldet, schickt Frankreich nun­mehr den größten Teil seiner Landsturmreser­ven von den Uebungsplätzen des Südens an die Front.

Bom Krieg im Osten.

Unter der UeberschriftAuf dem Wege nach Warschau" heißt es in einem Bericht derVoffischen Zeitung": Die Schlacht dauert am linken Weichselufer von den Flüssen Bzura und Rawka bis Nida fock und wütet besonders zwischen S o ch a c z e w und Skier- n i e w i c«, wo die Deutschen besonders stark sind, um sich den Weg nach Warschau zu öffnen. Die Zerstörung in den von den Russen und darauf folgend von den Deutschen okkupierten Teilen Polens ist Un­beschreiblich. In derKreuzzeituNg" wird her­vorgehoben, daß unsere Truppen in den heftigen Käm­pfen an dem Bzura- und Rawka-Abschnitt an vielen Stellen die Ueberwindung des Gegners erzwangen. Das

Blatt setzt hinzu: In glücklischer und harmonischer Meise wirken die Eencralstäbc der deutschen und österreichisch- ungarischen Armee zusammen.

Allerlei ttriegsnachrichten.

DieNcw-Dork Times" meldet: Die Regienmg von Venezuela hat der Leitung derPanamerika­nischen Vereinigung" den Vorschlag unterbreitet, eine Konferenz aller neutralen Staaten ein- zuberufen, um über eine Revision der Bestimmungen betreffend die Rechte der Neutralen in Kriegs­zeiten, zu beraten.

WTB. Berlin. DasMilitärwochenblatt" mel­det: von Mackensen, General der Kavallerie, Ober­befehlshaber der 9. Armee, ist zum Generalobersten be­fördert worden.

WTB. Dresden. Der König von Sachsen ver­lieh dem Oberbefehlshaber im Osten, Eeneralseldmar - schall von Hindenburg, das Ritterkreuz U/Kom- mandeurkreuz erster Klasse des Militär-St. Heinrich-Or­dens, dem Generalstabschef, Generalleutnant von L u- d e n d o r f f, das Ritterkreuz desselben Ordens.

Weihnachten *9*4 im Hauptquartier.

WTB. DieKölnische Ztg." meldet aus dem Gro­ßen Hauptquartier vom 25. Dezember: Die Weih­nachtsfeier war ebenso einfach und schlicht wie eindrucksvoll. Der Kaiser wollte das Fest inmitten der Soldaten begehen, die zum Hauptquartier gehören. Dazu bedurfte es eines sehr großen Raumes, da Gaben­tische für etwa 960 Personen ausgestellt werden muhten. Die weite Halle war über und über mit Tannengrün geschmückt, so daß nirgends von Decke und Wand et­was zu sehen war. Jedermann, vom Kaiser bis zum schlichten Landwehrmann, fand «inen Platz an den in Längsrichtung aufgestellten Tischen, die in gleichen Ab- ständen mit Lichtern geschmückte Bäum« trugen. Jeder Offizier und jeder Monn erhielt die gleichen Pfefferku­chen, Aepsel und Nüsse sowie das Bild des Kaisers. Die Mannschaften erhielten außerdem einen Tabakbeutel und Zigarren. An der Stirnseite des Raumes warein Altar errichtet, davor eine große Krippe. An den Sei­ten standen hohe Christlannen. Der alte Weihnachts - sang:O du sröhliche, o du selige Weihnachtszeit" lei­tete die Feier ein. Sobald der Kaiser die Anwesenden mit dem GrußGuten Abend, Kameraden!" begrüßt hatte, solgte eine kurze Ansprache des Pfarrers und dann das LiedStille Nacht, heilige Nacht". Nachdem Generaloberst v. Plessen dem Kaiser für die Bereitung des schönen Festes gedankt hatte, hielt der Kaiser fol­gende Ansprache:Kameraden! In Wehr und Waf­fen stehen wir hier versammelt, dieses heilige Fest zu feiern, das wir sonst im Frieden zu Hause feiern. Un­sere Gedanken schweifen zurück zu den Unsrigen daheim, denen wir diese Gaben danken, die wir heute so reich­lich auf unseren Tischen sehen. Gott hat es zugelassen, daß der Feind uns zwang, dieses Fest hier zu seiern; wir sind überfallen, wir wehren uns und das gebe Gott, daß aus diesem F r i e d e n s f e st mit unserem Gott für uns und für unser Land aus schwerem Kamps ein reicher Sieg erstehe. Wir stehen auf feindlichem Boden, dem Feinde die Spitze unseres Schwertes, das Herz unserem Gott zugewandt. Wir sprechen es aus, wie es einst der Große Kurfürst getan hat:In den StaUb mit allen Feinden Deutschlands!" Amen". Der Kaiser ging dann an den Tischen entlang und zeichnete viele Offiziere und Mannschaften durch Anspra­chen autz.

neujabr ms.

Nicht einem der Sterblichen, die heute leben, selbst wenn ihm das höchste, Erdgeborenen erreichbare Alter vergönnt wird, ist je beschicken gewesen, an einer Jah­reswende zu stehen, die in eine so große Zeit weltb« - wegenden Geschehens hineinsällt, wie die des Wechsels von 1934 zu 1915. Wer sich rückschauend und vlor - wärtsblickend der noch unermeßlichen Tragweite des so­eben im Jahre 1914 Erlebten und des im Jahre 1915 unmittelbar Bevorstehenden bewußt wird, muß in dem Augenblicke, wo das scheidende in das kommende Jahr hinübetsbießt, inne werden, daß der ringsumher dahin- braufende Strom gewaltiger Ereignisse und Entwickel­ungen über die Geschicke von Völkern und Nattonen, Staaten und Reichen Entscheidungen trifft, verhängnis- chwerfte und segensreichste. Was sich 1914 vollzogen hat, was 1915 werden wirdr das sind Schicksalswand­lungen, die über Hunderte vergangener Jahre richtend das Urteil sprechen, die den folgenden Jahrhunderten neue Bahnen erschließen.

Das «Hern« Walten der göttlichen Vorsehung kün­det der Jahreswechsel von 1914 zu 1915. In diesem zeitlichen Wechsel empfinden wir den ewigen Wechsel des Stirb und Werde. Wer fühlte nicht, daß die Welt­geschichte Weltgericht hält! Da verwickt der einzelne Mensch mit seinem verschwindend winzigen Ich das Recht, um seinetwillen zu sorgen und zu klagen, apch wenn das dahingegangene Jahr herbstes Leid über ihn verhängt, Unersetzliches ihm entrissen hat. Jeglicher von uns kämpft heute in Reih und Glied, sei es in Fein­desland, sei es zu Haufe innerhalb der Wirksamkeit der Kriegsfiirsorge. Da gilt nichts anderes, als ohne Rück- icht auf das eigne Dasein die heilige Pflicht zu tun, die den Kampf um Sein oder Nichtsein von Volk und

Vaterland gebeut. Wer getreulich diese Pflicht erfüllt, der hat den Anspruch errungen, erhobenen Hauptes und mit stolzem Selbstvertrauen an der Jahreswende Um­schau und Ausschau zu halten und voll Trost und voll Zuversicht des neuen Jahres Schwelle zu beschrriten.

Das darf unser gesamtes deutsches Volk. Ohne jeg- ttche Ueberhebung. Denn ohnegleichen groß ist das Jaür, das letzt in den Schvß der Ewigkett hinabgleitet, durch die Größe der sittlichen Kräfte, die unser Volk in diesem Weltkriege betätigt, und die allein die Ge­währ geben, daß sie Gottes Segen erwirken. Nach heim­licher Verschwörung, nach langverhehltcm Rüsten well­ten unsere Feinde häßersüllt uns überfallen, uns durch die vermeintliche Uebcrmacht ihrer tückischen Gewalt und teuflischen Lüge erdrücken und zerschmettern. An der unvergleichlichen, unbezwinglichen Größe der deutschen Einigkeit und Pflichttreue, der deutschen Tüchtigkeit und Tapferkeit muß solche Uebcrmacht zusammenbrcchen. Diese Erwartung können die Deutschen als bisheriges Ergebnis des uns aufgcdrungencn Daseinskampfes, als Wirkung des sittlichen Geistes, den wir beweisen, tu das neue Jahr hinübernehmen. Die volle festliche Ge­wißheit, daß der Sieg auch im Jahre 1915 unseren Fahnen folgen wird, haben uns die Taten der Advents­wochen gebracht: die Sturmeswogen der moskowitischen Millionenheere, so hoch sie auch eine Weile verwüstend emporfluteten, sind am selsenharten Heldentum der deutschen und uns verbundenen österreichisch-ungarischen Armeen zufammengesunken. Damit sind wtr auf die Höhen gewaltigsten beispiellosen Siegen? gcsttegen.

Von ihnen autz wenden wir die Blicke noch ein­mal zurück in das vergangen« Jahr und eckennen mit Grauen und doch zugleich mit erhebender Genugtuung als vergangen die unheimlichen Gefahren, denen wir aUsgesetzt waren. Wir haben sie ohne Zagen, ohne Furcht überwunden. Wir haben damit die verheihüngs- volle Bürgschaft erkämpft, daß wir nunmehr auf den Höhen des Siegens bleiben urrd weiter schreiten wer- den, bis das Ziel, der ruhmreiche heilsame Friede, er­reicht ist, der uns vor der Wiederkehr besten, womit uns das Jahr 1914 bedräut hat, sicherstellt.

Vorwärts! lautet unser Neujahrsgruß. Unverdros­sen und unaufhaltsam vorwärts, mit der zielbewußten Zuversicht, die uns das alte in das neu« Jahr mit- gibt, als Mitgift, die sich unser Voll in ehrlichster, herr­lichster, todesmutiger Kampsesarbeit draußen wie drin­nen verdient hat. Klaren, hellen, blitzenden Auges schauen wir hinaus in die Zukunft, mtt bestem Gewis­sen, mit sieggewohntem Frohmut. Gott war mit uns. Drum hallen wir es nach wie vor mtt jenen alten be­währten Losungen, die Gott als Führer unfern Krie - gern zu Lande und zu Wasser voranleuchten lasten, die Fürst, Volk uNd Vaterland unter Gottes Schutz und Schirm stellen. Wo Gott ist, da wohnt und waltet der Geist der Pflicht Und Treue, der DffWtkng und Gesitt­ung, der Wahrheit und Gcwistenhafttgkett. Kämpfen wir nur getrost in diesem Geiste weiter, so wird Gott uns auch 1915 nicht verlassen. Und so mögen uns denn aus dem alten in das neue Jahr di« hettigen Gelübde ge­leiten: Vorwärts mit Gott für Fürst, Volk uNd Va­terland ! Mit Gott für Kaiser und Reich ? Heil so dem neuen Jahr!

Das Jahr *9*5.

Grüß Gott Dich, junges, neues Jahr !

Grüß Gott, bring' reichsten Segen l Du blickst so froh, so hell und llar - Wir jauchzen Dir entgegen!

Das alte ging zur Ewigkett,

Das Jahr der großen Taten. O wunderbare Heldenzeit, *

Wie reich sind Deine Saaten?

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nsc 1

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Grüß Gott! Beschirme unser Heer Im Westen wie im Osten Und unsre Flotte aus dem Meer,

Die alleauf dem Posten!

Schlagt, Helden, auf die Feindesbrnt, .. Vl ,. Jagt sie zur Hölle nieder! - '

Gott gab den Deutschen Kraft und Mut im;. Stimmt an die hellsten Lieder!

Im neuen Jahr Mit netter Kraft Holt aus zu wucht'gen Schlägen!

Was Großes Ihr bisher geschafft,

Bringt Kind und Enkel Segen.

Kein Friede, bis der letzt« Feind Von Euch im Staub zertreten!

Und darum wollen wir vereint Zu Gott mit Inbrunst beten? . . .

Dr. Otto W e d d i g « n, Charlottenbu^ 1c

Hut Stadt URd Caid.

Rentenq uiltungsformnlare. Dke

Landesoersicherungsanstalt Eroßh. Heffen in Darmftadt ersucht uns, ihre Rentenempfänger darauf hinzuwei- en, daß die Rentenquittungsformulare künftig nicht mehr auf Ansordern direkt übersandt werden, sondern ln den Landgemeinden bei den Grotzh. Bürgermeistereien und in den Städten bei den zuständigen Polizeirevieren erhältlich sind. Ein direkter Versand sirttnt nur noch an die außerhalb des Eroßherzogtums wohnendeh Ren­tenempfänger statt. , :

n Gießen. Geh. Medizinalrat Professor» Dr. Sommer, zurzeit Rektor der Universität Gießen, wurde wegen seiner Verdienste um die Erforschung des