Ausgabe 
3.1.1914
 
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(Keacfte «»chrichte»)

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m. m. b. H

Nr. 1.

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Expedition: Zelters weg 8Z.

Gleßeirer Tagedlattl

Anzeigenpreis 15 pfa.

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PolitUcbc RundfcMu

Deutschland.

* Die Neujahrsfcier am kaiserlichen Hofe

wur^pip der üblichen Weife beganaen. Hr 10%lll)r beaWWn der Schloßkapelle der '''"ttesbienft. Danach war im Weißen Saale u .lon-couc, bei der der

Kaiser dem R * - ianzIer kräftig die Hand

schüttelt«.

* Anläßlich des Jahreswechsels bal König L u d- w i g mit dem deittfchen Kaiser und dem Kaiser von Oesterreich, sowi' sämtlichen Bundessürsten und zahl- reichen Fürstlich üten und Staatsoberhäuptern telegra­phische Gtückwü?che ausgetauscht.

' Anläßll , des Jahreswechsels hat zwischen dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg. dem Grasen Berch- told and dem Marchese die San Giuliano ein herzlicher Depeschenwcchsel staltgesnnden.

' Der Kaiser hat in Anerkennung der ausge­zeichneten und hingebungsvollen ärztlichen Pflege sowie der lebhaften Sympathien, die dem Militärattackee Oberst­leutnant v. Winterseld in Frankreich zuteil geworden sind, eine Reihe von Auszeichnungen »nd Ehrenga- gaben verliehen. Erwähnt sei von diesen, daß der deutsche Botschafter Frhr. v. Schoen dem srüheren Kriegs­minister Ettenne, als dieser noch im Amte war, ein Bildnis des Kaisers überreichte.

* r Kaiser und die Kriegervereine. In derParole", dem Blatte des Deutschen Kriegerbun- des, lesen wir eine Erklärung des Präsidenten des Deutschen Kriegerbundes, in der es heißtDer Kaiser ha> im Laufe des Herbstes wiederholt seine Zufrieden­heit und Freude zu erkennen gegeben über den vor­trefflichen E i n d r u d, den die Kriegervereinc an allen Orten hervorriesen, die er in verschiedenen Teilen des Balerlandes besuchte. In großer Anzahl erschienen, hätten die Mitgl der durch straffe Haltung, durch Er­scheinung und Ansdruck erkennen lassen, daß der alte Soldatengeist in ihnen weiter lebe. Das habe dem Kaiser wahlgctan.

* Bon euer Kanzlerkrise war in eini­gen Blättern gesprochen worden. Dazu führt der Mann­heimerEen.-Anz.", der dem Abg. Basseimann nahe steift, folgendes aus: Kundige Beurteiler der Menschen und Dinge nehmen an, daß eine schwere politi­sche Krise h e r a u f z i e h c. Die konservative Par­tei sei im Ausruhr gegen die Regierung, weil diese es zugekassen habe, daß der Leutnant v. Forstner seine gesetzliche Strafe erhalten habe. Polizeipräsident v o n I a g o w, der übrigens bei Hose beliebt sei ein sehr wichtiges Moment habe mit seinem Briese an die Krcuzzeitung" die Führung des Ansturmes der Kon­servativen gegen den Reichskanzler übernommen. Dieser beiindet sich in einer überaus peinlichen Situation. Die Art der jüngsten Betrachtung derNorddeutschen Allg. Zeitung", mit der vielleicht Eindruck bei den Konservati­ven gemacht werden sollte, werde vom gesamten Libe­ralismus abgelebnt." Uns scheint, daß Herr v. Beth- niann Hollwegs politische Gesundbeil noch recht sest ist »Md daß ganz andereZufälle" nötig wären, um ihr «inen Stoß zu versetzen.

* Aus Dar-es-Salaam wird telegraphier!, daß die Bürgerversammlung in Dar-es-Salaam die Städteordnng angenommen hat. Die Einführ­ung derselben w ade für Dar-es-Ta!aam und Tanga mit Wirtnng von 1. April 1914 ab durch Berfügimg des Gouverneurs ungeordnet.

Samstag, den 3. Januar 1914.

Rußland.

* Die russische kaiserliche Familie ist nach Zarskojc Soelo a b g e r e i ft.

Hm 5lM und Land.

* Gedenket der Vögel! Das Anlegen von Futterplätzen für unsere Vögel ist jetzt bei dem eim geiretenen Schneefall Plflicht aller Tierfreunde. Den Vö­geln ist nunmehr fast jede Nahrungsquelle genommen, deshalb muffen mitleidige Menschen Helsen. Beim An­legen der Futlcrplätze ist daraus zu achten, daß sie vor Katzen gesichert sind. Am besten stellt man Futterhäns­chen auf, die so eingerichlet werden müssen, daß sie nicht verschneien können.

* Die Beschädigungen an den Tele­graphen- und Fernsprechlinien durch das Schneewelter am Abend des 28. Dezember haben einen ganz echeblichcn Umfang angenommen. Es ist jedoch möglich gewesen, die Tclegraphenleitungen und die Sprechleitungen für den Fernverkehr soweit instand zu setzen, daß jetzt der Verkehr in der Hauptsache wieder ausgenommen werden konnte. Bedenklich sieht es noch im Giehener Orts-Fernsprechnetz aus. Die Jnstaudfetz- ungsarbeiten sind gestern aber auch hier mit Nachdruck ausgenommen worden. Zur möglichsten Beschleunigung dieser Arbeiten sind Arbeitskräfte von auswärts heran­gezogen worden. Morgen werden weitere Vauabteilun- ccn aus Rheinhessen hier eintreffen. Auswärlige Hilfs-

! krafte hierher zu überweisen war nicht eher möglich, weil ! fast im ganzen Reichsgebiel außergewöhnliche Be- j schädigungen der Telegraphenlinien eingetreten waren > und überall zunächst wenigstens für vorläufige Her- j stellung der wichtigsten Leitungen gesorgt werden mutzte.

Die diesjährige Genosienjchaftsversammlung der land- und forstwirtschaftlichen Berussgenossenschaft für das Großyerzoulum Hessen fand unter den, Vorsitz des Gr. Geh. Regierungsrats Bichmann am 29. Dezember tm HotelPrinz Carl" in Darmstadt statt. Die Ver­sammlung nahni den zum 25. Jahrestag des Bestehens der Berufsgenossenschaft herausgegebenen Verwaltungs- bericht, dcr^ sich eingehend über die bisherige Organlsa- lion und Tätigkeit äußert und eine ganze Reihe statisti­schen Materials und grafischer Darstellungen enthält, entgegen. Zugleich stattete der Vorsitzende den Dank des Eenosienschaftsvorftandes an die noch lebenden Mit­glieder der Genoffenschaftsversammlung von 1889 ab, ebenso an Gr. Ministerium des Innern und der Fi­nanzen für das der Berussgenossenschaft gegenüber je­derzeit betätigte Wohlwollen, den Vorsitzenden des früh­eren LandesvcrsicherungsanNes und der Schiedsgerichte für die unparteiische, die Interessen der Berussgenosscn- schaft und der Versicherten wahrende Geschäftsführung und Rechtsprechung. Nach dem Rechenschaftsbericht für 1912 betrug die Zahl der angemeldeten Betriebsunfälle 3279. Uebernommen wurden aus dem Vorjahre 1622 linfälle, sodaß insgesamt 4901 Unfälle neu zu bearbei­ten waren. An Entschädigungen siir Renten an Ver­letzte, Kosten des Heilverfahrens ufw., wurden 159 605 Mark bezahlt und 5460 Rentenbcscheide erlassen. Die Summe der erstmalig im Rechnungsjahre gezahlten Ent­schädigungen betrüg 191 113 Ml. Die Mittel der Rück­lage beziffern sich aus 2 097 563 Mk. Der Voranschlag der Berufsgenossenschaft für 1914, der in Einnahme utid Ausgabe mit 2 812 738,90 Mk. balanziert, wurde gut- gel,eisten, ebenso derjenige der der Berussgenossenschaft angeglicdcrten Hastpslichiversicherungsanstalt. Die Ge- noisenschastsversammlung genehmigte den Erlaß von Un- sallrerhütungsvoischrislen über landwirtschaftliche Ge-

Telephon Rr. 862.

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rate und Sprengmittel, landwirtschaftliche Bteb- und Fuhrwerkshaltung, landw. Bauhallung und Verwend­ung des elektrischen Stromes und war banxit einverstan­den, daß von der in Ausfichi genommenen Errichtung eines Unsallkrankenhaufes in Gießen mit Rücksicht auf inzwischen eingetretene Schwieriglciten sinanziellcr und , sonstiger Art Abstand genommen wird. Eine Reihe wei­terer Beschlüsse entbehren des allgemeinen Interesses.

* Die Aufwandsentschädigungen an ! Familien sür im Reichsheer oder in der Marine ! eingestellte Söhne gemäß dem Gesetze, betreffend die : Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushallsetats ! für das Rechnungsjahr 1913 vom 3. Juli 1913 wer­den erstmalig im April 1914 für die Zeit vom 1.

i Oktober 1913 bis Ende März 1914 gezahlt. Die j erforderlichen Aussührungsvorschristcn werden von dem Bundesrat demnächst bekannt gegeben werden.

* Sinkende F l e i s ch p r e i s e auf der gan­zen Linie ergaben sich lautDeutscher Tageszeitung" aus dem Ergebnis der Fleischlieferungen für die Garnison - küchen. Es setzt aber nicht nur eine Abwärtsbewegung sämtlicher Fleischpreise ein, sondern die abgegebenen An­gebote lassen, wie das Organ des Bundes der Land - wirte hervorhebt, dem Produzenten auch keinen Nutzen mehr.

n Gießen, 1. Jan. Die Stadtverordneten be­willigten einen nachträglichen Kredit von 600 000 Mk. für die U e b c r I a n d z c n t r n l e. Die Ueberschreitung der sür die Anlage bewilligten Summe von 1 Million Mark rechtfertigt sich durch die wider Erwarten größere Zahl von Hausanschlüssen an die Ortsnetze im Versorg- ungsaebiet. Das Ergebnis hat gezeigt, daß unsere Land­bevölkerung der modernen Errungenschaft durchaus ver­ständnisvoll gegenübersteht, denn es eütsällt bereits auf 'je 8 Einwohner ein Hausanschluß. Die Abgabe von Strom dürfte doppelt so groß sein, als angenommen wurde.

* Aus Hesse n. Nun, da der Kamps um die hessischen Rathäuser mit Ausnahme von Mainz, beendet ist, mag es von Interesse sein, zu hören, welche Rolle dabei die Lehrer gespielt haben, die seit 8. Juli 1911 das passive Wahlrecht, freilich nur in Städten, erlangt haben. Daß sie von dieser Neuregel­ung reichlich Gebrauch machen würden, lag auf der Haud; daß der Wahlkampf selbst auf die politischen Strömungen in der Lehrerschaft ein scharfes Licht wer­fen würde, war sür den, der die Verhältnisse näher kennt, nicht verwunderlich. In Osfenbach, wo die Wahlen am 20. Oktober stattfauden, hatten die ver­einigten bürgerlichen Parteien zwei Lehrer aus ihre Liste gesetzt, einen, der sich politisch zum Zentrum und einen, der sich zum Freisinn bekennt. Daß einer der unent - wcgt liberalen Lehrer, Joh. G. Jost mit Namen, sehr eifrig für seine eigene Kandidatur agitierte, von Haus zu HaUs sogar, war allgemein bekannt, aber auch das, daß er ein durchaus aussichtsloser Bewerber war, der außerhalb der radikalen Gruppe im Offenbachcr Lehrer­verein sich keinerlei Sympathie erfreute. Und wenig Tage vor der Wahl schrieb das sozialdemokratische Offenba­rster Abendblatt (Aus Lestrcrkreiscn), der Offenbachcr Lehrerverein habe mit den beiden Lehrerkandidaten nichts zn tun, der eine sei ja ein strammer Zentrumsmann, der andere ein Fortschrittler aber einFortschrittler mit Krebsbeinen". Und nach der Wahl berichtete dieAllg. Deutsche Lehrerzeitung" mit sichtlichem Behagen, der ul­tramontane Lehrer habe es glücklich zur zweitkleinften Stimmenzahl gebracht. Auch der Freisinnige wurde nicht gewählt. In D a r m st a d t standen am 19. No­vember zwei Lehrer auf dem Wahlzettel, Hanpllehrer (Rektor) Kaklik (ntl.), der früher als Reallehrer bereits 12 Jahre dem Stadtvcrordneten-Kollegium angebört