Ausgabe 
3.1.1914
 
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hatte, 1904 aber, als er an die Volksschule übertrat, das Mandat niederlegte infolge der gesetzlichen Bestim­mung, die den Lehrern an Volksschulen das passive Wahlrecht vorenthielt, und der freisinnige Lehrer Jung. Er wurde gewählt, ft. aber unterlag. Auch hier wirkte die Apathie der Lehrerschaft gegen einen der ihren. In Worms hatten die vereinigten Sozialdemokraten, Frei­sinnigen und wirtschaftlichen Verbände einen penfibnier- ten Lehrer auf ihren Zettel übernommen, der allerdings den vereinigten Zentrum und Nationalliberalen unterlag. In Bietzen kandidierten drei Lehrer: Fischer, Väl. Müller, Vorsitzender des Gietzener Lehrervereins, und Haggenmüller. Fischer siel durch, Müller und Haggen­müller vereinigten, nach einem ergötzlichen Spiel des Zu­falls, das zweimal dem einen und zweimal dem an­deren die Mehrheit zuschrieb, schlietzlich die gleiche Stim- menzahl aus sich, und das Los entschied für Reallehrer Haggenmüller.

o Harbach. Am 1. Januar trat der 91jährige Eemeindeschafhirt ftaspar Schäfer in den Ruhestand. Nahezu 80 Jahre, seit seinem letzten Schuljahr, hat der greise Hirt seines Amtes gewaltet.

o Gelnhausen, 30. Dez. Hier ist im 91. Le- bensjahre der Lehrer Johannes Jahn gestorben. Herr Jahn, einer hessischen Lehrerfamilie entstammend, wurde 1822 zu Breitenbach im ftreise Schlüchtern geboren. Ge. radezu rührend war es, als bei einem der letzten Schul­feste der infolge eines Schenkelbruchs kaum des Gehens mächtige Greis auf ftrücken gestützt sich hinaus vor das Tor der Stadt arbeitete, um sich an dem Anblicke, der nach dem Walde ziehenden fröhlichen ftinderschar zu er­freuen.

s D a r m st a d t. Am 27. Dezember verschied nach kurzem ftrankenlager der geschäftsführende Beamte der Handwerkskammer zu Darmstadt Herr Friedrich E n g e l b a ch. Der Verstorbene, ein in den Handwer­kerkreisen des Hessenlandes allseits bekannter und ae- ehrter Mann, hat die Geschäfte der Handwerkskammer seit deren Errichtung geleitet. Allezeit stand er den Handwerkern mit Rat und Tat zur Seite und war un­ermüdlich tätig, wo es galt zum Wohle des Handwerks zu wirken. Sein Andenken wird bei all denen, die mit ihm in näheren Verkehr getreten sind, unvergeßlich blei- den.

s Darmstadt, 1. Jan. Ein gewisser Franz

Höhn, der beschuldigt wird, als Bankbuchhalter in Hep­penheim (Hessen) Fälschungen in Höhe von 190 000 Mark begangen zu haben, ist in N e w » S) o r f ver - haftet worden.

! Mainz, 1. Jan. Heute früh brach in Nier - stein in der Putzanlage der Malzfabrik Gebrüder Beitel Erotzfeuer aus. Die Flammen ergriffen sofort das ganze Gebäude. Die Feuerwehr konnte das Feuer auf seinen Herd beschränken, was ihr nach starken Anstrengungen gelang. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Der Betrieb erleidet keine Unterbrechung.

):( ft lein er n b. Wilduugen. Straube, ein Mann von 46 Jahren, wollte von seiner Arbeitsstelle an- derl Edertalsperre in später Stunde nach seinem Wohnorte ftleinern gehen. Er hat sich jedenfalls in dem starken Schneesturme über Gebühr angestrengt, ist kurz vor dem Dorfe in der Nähe des Totenhofes in dem tie­fen Schnee niedergesunken und hier liegen geblieben, ob­wohl nur hundert Schritte davon s e i n e W o h- n u n g war, wo die Frau und drei ftinder auf seine Rückkehr warteten. Straube ist erfroren.

J\u aller Ml!.

::: Der Ausbau der Universität M ü n » st e r zur Volluniversität, der schon lange geplant ist. soll in diesem Jahre energisch in Angriff genommen werden. Um die Errichtung der noch fehlenden medizi­nischen Fakultät zu ermöglichen, sind in den nächstjähri- gen Etat bereits mehrere Forderungen als Anfangsraten zuin Bau der medizinischen und chirurgischen ftlinik, sowie der Spezialabteilungen eingestellt. Die gesamten Baukosten werden, da ganz neue und moderne, allen Anforderungen der Wissenschaft entsprechende klinische Anstalten geschaffen werden sollen, auf etwa 34 Mil­lionen Mark veranschlagt.

::: Bebels Nachlatz. Nach Blättermeldungen ans Zürich haben die Erben Bebels nunmehr die schwel- zerische Erbschaftssteuer bezahlt und dabei hat es sich dann bestätigt, datz das von dem deutschen Sozialisten­führer hinterlassene Vermögen nicht 300 000 Martz wie derVorwärts" behauptet hatte, sondern 995 000 Mark beträgt, also nur etwas weniger als eine Million. Hiervon hat Bebel nur ganze 30 000 Mk.

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den Genossen zugewendet, also ungefähr 3 Prozent sei­nes Vermögens. Das ist der schreiende Widerspruch zwischen Theorie und Praiis: Bebel predigt den ftampf gegen den ftapitalismus und zählt dabei selbst zu den größten ftapitalisten.

(:: Leipzig. Der Direktor des Zirkus Barnum, Arthur ftreiser, der durch die Leipziger Lbwenfagd

in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober bekannt gewor­den ist, war von der Polizei mit einem Strafmandat von über 100 Mark bedacht worden, weil er es unter­lassen hatte, die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Das Schöffengericht bestätigte die Strafe, nach­dem Zeugen die Schuld des Angeklagten bekundet hat­ten.

::: Berlin. Der Stadt sind 5 Millionen Mark von einem Einwohner geschenkt worden, die zur Anlegung und Unterhaltung einer Wald­schule für ftnaben, die gesund und namentlich nicht erblich mit Fehlern belastet sind, dienen sollen. Die Schule soll in waldreicher Gegend in der Nähe von Lanke errichtet werden.

Berlin. Gestern nachmittag überfuhr ein von Berlin, kommender D-Zug in der Nähe der Station Schönlanke (Posen) am Wege, der nach dem Dorfe Behle führt, ein Gespann, welches vom Markte nach Hause zurück'.- rte. Sämtliche 4 Personen, die sich aus dem Wagen befanden, wurden getötet. Das Pfers blieb unverletzt. Angeblich hatte der Bahnwärter ver­gessen, die Schranke zu schliehen.

Billiger Tabak.

Es schlängelt sich aus der Havanna Eine liebliche Märe durchs Meer,

Die träufelt wie Honig und Manna Auf der Raucher reisiges Heer:

Das Jährchen, das jetzt sich entfernte,

Das bissige Dreizehnerjahr,

Das gab ein« Tabaksemte,

Die fast wie ein Wunder war.

Die Biedern vernehmen es willig,

Erhoben, beglückt und erbaut:

In Zukunft wird besser und billig Dar braune, freundliche ftraut!

In unseren Tagen, den tristen,

Welch Labsal dem Bürgersmann!

Hat jemand noch volle ftisten,

Jetzt müssen sie tüchtig ran!

Es geht an ein seliges Schmauchen Mit fröhlicher Konsequenz,

Man wird die teuren verrauchen Mit mächtiger Vehemenz,

Unbendig wird man sich freuen,

Geschieht das in kürzester Zeit,

Glückselig kauft man die neuen (Aus Gründen der Sparsamkeit).

M a r ch i c u s.

Qefcfeätslicbes.

:: Welches Stickstoffdüngemittel i st b^i l l i g e r, Ehilisalpeter oder schwefelsaures Ammoniak'? So wird jetzt die Frage lauten müssen, di« sich jeder Landwirt vorzulegen hat, ehe er den Einkauf irgend eines Stickstoffdüngemittels bewerkstelligt. Bei Lösung dieser Frage ist vor allem der höhere Stickstoffgehalt des schwefelsauren Ammoniaks gegenüber Chilisalpeter zu beachten, so daß es jedermann verständlich ist, datz der Zentnerpreis des schwefelsauren Ammoniaks nicht dem Zentnerpreis des Chilisalpeters gleich fein kann. 100 ftilogramm schwefelsaures Ammoniak enthalten 20,6ftg. Stickstoff,^100 ftg. Chilisalpeter dagegen gewöhnlich nur 15 ftg. Stickstoff. Der Gehalt des schwefelsauren Am­moniaks an Stickstoff ist also um 37 Prozent höher als der des Chilisalpeters, sodatz 73 ftg. schwefelsaurem Ammoniak 100 ftg. Chilisalpeter entsprechen oder 100 ftg. schwefelsaures Ammoniak 137 ftg. Ehilisalpeter. Die j Preislage des schwefelsauren Ammoniaks ist gerade für ! das kommende Frühjahr derartig, daß allein uüter Be- ! rücksichtigung des höheren Stickstoffgehaltes das ftilogr. Stickstoff im schwefelsaurem Ammoniak bei rechtzeitigem Einkauf bedeutend billiger zu stehen kommt als im Ehilisalpeter. Außer dieser für den Einkauf des schwe­felsauren Ammoniaks allein schon sprechenden Tatsache kommt noch die bedeutende Frachtersparnis hinzu', die sich au's dem erwähnten höheren Stickstoffgehalt des schwefelsauren Ammoniaks ergibt. Wenn der Landwirt früher beim Bezug von Ehilisalpeter, sagen wir, mit einer Fracht für 1000 ftilogramm rechnen muhte, hat er heute beim Bezug von schwefelsaurem Atnmoniak bei gleicher Stickstoffmenge nur die Fracht für 730 ftilogr. zu bezahlen. Durch diese Frachtersparnis wird der Preis für 1 ftg. Stickstoff im schwefelsaurem Ammoniak noch

billiger, so datz jeder Landwirt zu dem Schlüsse kommen muß, daß das schwefelsaurc Ammoniak als billigstes und außerdem bestes Stickstoffdüngemittel für den Einkauf allein in Frage kommen kann.

:: Das Bankhaus E. Calmann in Hamburg bringt seinen altbekannten ftalender für Besitzer von Wertpapieren von 1914 zur Ausgabe, worauf wir un­sere Leser Hinweisen. Dieses praktifTe wesentlich erwei­terte Handbuch enthält die Verlosungspläne und Zieh­ungsdaten aller Prämienanleihen, welche in Deutschland gehandelt werden, ferner genau« Angaben der Auslos­ungen von Renten, Pfandbriefen, Eisenbahnprioritäten usw. Eine besondere Annehmlichkeit des Kalenders ist die init großer Sorgfalt ausgearbeitete Uebersicht über die Papiere, welche gegen ftursverluft versichert werben müssen Auch sonst enthält das Buch viele wissenswerte Notizen, ftursangaben nsw. für Besitzer von Wert­papieren. Der ftalender wird jedem von obigem Bank­haus« auf Wunsch gratis und kostenfrei übersandt.

Airchüchc Uachrichlrn.

EvangilZche Grmeinde iu Girhcn.

Sonntag, den 4. Januar, Sonntag nach Neujahr. In der Stadtkirck e.

Vormittags 9% Uhr: Pjarraffistenl Hoffmann.

Vorm. 11 Uhr: ftinderkirche für die Matlhäusgemeinde.

Psarrer D. Schlosser. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Matthäusgemeinde.

Dienstag, den 6. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Matthäussaal: Frauenmissionsverein.

Mittwoch, den 7. Januar, abends 8 Uhr: Ver­einigung der konfirmierten Mädchen der Markusgemeinde.

Donnerstag, den 8. Januar, abends 8 Uhr, im Matthäussaal: Bibel- und Miffionsstunde. Pfarrer D. Schlosser.

In der Johannes kirche.

Vorm. 9% Uhr: Professor D. Eck.

Vormittags 11 Uhr: ftinderkirche für die Lukasgemeinde.

Pfarrer Bechtolsheimer.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Abends y 2 8 Uhr: Vereinigung der konftrmierten männ­lichen Jugend der Lukas- und Iohannesgemeinde.

Mittwoch, den 7. Januar, abenus 8 Uhr: Bibel- stunde im Lukassaal. Pfarrer Bechtolsheimer.

Freitag, den 9. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Lukassaal: Frauenmissionsverein der Lukasgemeinde.

Nächstkünstigen Sonntag, den 11. Januar, als am Landesmifftonsfest, wird in beiden ftirchen die all­jährliche Kollekte für die Heidenmission erhoben werden.

Katholische Hrmeinde h Wirken.

Samstag, den 3. Januar Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele­genheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 4. Januar.

Sonntag nach Neuijahr.

Vorni. 6/ Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Meffe.

Bonn. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt.

Nachmittags 4/£ Uhr: Jungsrauen-ftongregation. Nachmittags 5% Unr: Andacht.

Gottesdienst in der Diaspora

In L a u b a ch um 10 Uhr.

In Lich 9'A Uhr.

Verantwortlich: Albin Klein Gießen.

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