Ausgabe 
31.12.1914
 
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In ein deutsches Haus gehört in dieser schweren Zeit kein Kuchen!

angeborenen Schwachsinnes zum Ehrenmitglied der un­garischen <5efcIIfd>aft für Kindersorschung in Budapest ernannt.* Dem Dr. phil.' Hubert Erhard, Assistent am hiesigen zoologischen Institut, wurde die venia le­gendi für das Fach der Zoologie erteilt.

! W o r m s. In den Kämpfen im Osten siel der begabte Komponist Erich Walter aus Worms, der zuletzt am Aachener Stadttheater als Kapellmeister tätig war. Bekannt ist besonders seinH e s s e n l i e d", das ihm ein 'Ehrendes Anerkennungsschreiben des Grotzher - zogs eintruh.

):( H e r s f e l d. Eine Feldpo st karte aus Birkenrinde erhielt dieser Tage Herr Gastwirt Nuhn in Kirchheim.

):( H a t t e r!s h e i m. Bei einem Besuche, den ein Unteroffizier des Artillerie-Regimentes Nr. 63 seinen hier wohnenden Angehörigen machte, kam es zu Mein­ungsverschiedenheiten mit dem Stiefvater. Als sich spä­ter der Unteroffizier, der sich übrigens schon das Eiserne Kreuz erwarb, zur Wreise nach dem Bahnhof begab, folgte ihm der Stiefvater und b i tz ihm von hinter - rücks eine Ohrmuschel ab. Der Verletzte mutzte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Der bitzwütige Stiefvater floh.

::: Mühlhausen i. Th. Auf die Mitteilung, daß eine nach den Kasernen führende neue Stratze H i n d e n b u r g st r a h e" benannt worden ist, ging folgendes ,Schreiben ein:

Houptquarticr-Ost, den 13. 12. 1914.

Hochverehrter Herr Oberbürgermeister! Ihnen und den städtischen Behörden danke ich herzlichst für den Beschlutz, einer Stratze meinen Namen geben zu wollen. IGi erblicke hierin nicht nur eine Ehrung meiner Perfän, sondern auch der mir anvertrauten Armeen, iUbberen Reihen sich das 11. Armee­korps Mit Auszeichnung geschlagen hat. Mit deü besten Wünschen für das weitere Ge­deihen Ihrer Stadt bin ich mit vorzüglicher Hoch - achtuny Euer' Hochwohlgeboren ergebener von HindenbUrg, Generalfeldm^rschall und Oberbefehlshaber der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten.

Litrrariscder.

? »An d « r Hpitze meinerKompagni e". Drei Monate KriegsesfehMe von Paul Oskar Höcker. Verlag Ullstein u. Co., Berlin und Wien. Preis 1 Mk. Die Kriegschronik des Dichters Paul Oskar Höcker, der als Hauptmann, der Landwehr nach Belgien und Nord­frankreich gezogen ist, läßt uns alle die überwältigen­den Ereignisse der letzten Monate noch einmal durch - leben. Er gibt die wehmütige Stimmung des Abschieds, die Eindrücke von der Kahrt ins Aufmarschgelände, mit­ten durch den «herrlichen deutschen Sommer, Bilder aus dem eroberten Belgien, aus Löwen, der brennenden Franktireursladt, aus Quartieren in Schlössern uUd Dör­fern und autz den Etappen. In den schweren Kätnpfen bei Lille erlangen die deutschen Landwehrmänner die

in Miller meitlcb.

Roman von Paul Blitz.

Nachdruck verboten.

Nim. der alte Herr glaubte auch daran. Aber den­noch batte er im geheimen eine Sorge Er wußte näm­lich aus keiner eigenen Jugend, daß man, um dies Le­ben in der kleinen Stadt ertragen zu können, auch einen eigenen Herd, einen eigenen Hausstand haben mußte. Eine Frau und eine Tamilie brauchte der Junge noch! Dann erst war man sicher, daß er auch in den neu ein- geschlagencn Bahnen der Ordnung bleiben würde.

Dies Ziel mußie nun als nächste- ins Auge gefaßt Werden. Doch vorerst bedielt er seinen Plan iür sich.

Aber Tante Marie war mindestens ebenso schlau wie ihr Bruder. Mit dem seinen weiblichen Instinkt fand sie sehr bald heraus, was dem Jungen nottat. Doch obschon sie im geheimen Umschau hielt unter den Töchtern der Stadt und des Landes, hütete auch sic sich wohl, von ihrem Vorhaben etwas zu verraten, be­vor sie eine geeignete Partie gesunden batte.

Kurt ^fbcr, den doch die Sache eigentlich am mei­sten angistg, kümmerte sich bis jetzt noch nicht im ge- ringsten dkmich, weil zunächst all sein Interesse nur dein Gcschäftsleben galt.

Und gerade um diese Zeit herum bekam Onkel Klaus der^Zöesuch seiner schönen Nichte. Und niemand, außer Bruno, wußte im Städtchen davon. Onkelchcn liebte die U'eberraschungen.

An einem sonnigen wasmen Junitag zog Frau Dok­tor Grete Bergmann bck''bem alten Onkel ein.

Mit schalkhaftem Lachen, krisch und froh, wie der helle Tag draußen, so zog sie ein und nahm sogleich das Herz des heiteren alten Herrn im Sturm gefangen.

Onkel Klaus umfaßte und küßte das hübsche, mol- läge Frauchen, dem er ja seit undenkbaren Zeilen schon Vormund, Za fdhär wie ein Vater gewesen war.

.Prächtig siehst Du aus,Kleine!' ries er in ehrlicher Begeisterung. .Das blühende, glücksjunge Leben! Nee. mein Kürd, Du ; bist wirklich noch zu schade, um als Witwe einkam zu vertrauern!'

Feuertaufe, und in den Schützengräben bei Messines werden sie gegen Tod gefeit. Eine prachtvolle, schlichte Wahrhaftigkeit ist Paul Oskar Höckers Schilderung zu eigen, ein in Strapazen und Entbehrungen nie ver­sagender Hunior, der Geist der echten Kameradschaftlich­keit und der hohe Opfermut, ber unser Heer, unser Volk einer Welt von Feinden standhalten lätzt. In kei­nem deutschen Hause sollte dieses Kriegsbuch eines Dich­ters zu Weihnachten fehlen.

? Hindcnburgs grotzer Sieg über die Rüssen in Polen und der nach erbittertem seindlichen Frontalangriffe von unseren tapferen Truppen erkämpfte Rückzug des Gegners bedingt eine grotze Veränderung der russischen Stellungen und des Kampffeldes. Die nun folgenden Vorgänge auf dem östlichen Kriegsschau­plätze sind von allergrößter Bedeutung. Sie werden einen entscheidenden Einflntz auch aus alle übrigen Kricgs- plätz.: äusüben. Um den Ereignissen folgen und sie in ihper ganzen Bedeutung würdigen zu können, ist der Besitz einer guten Kriegskarte unbedingt erforderlich. Deshalb glaubten wir im Interesse unserer Leser auf unsere Kacken vom östlichen, vom westlichen und vom türkischen Kriegsschauplatz erneut Hinweisen zu sollen. Die Karte vom östlichen Kriegsschauplatz umfaßt das Gebiet von Petersburg nördlich bis Skutari südlich, von Kiew östlich bis Berlin westlich. Die Karte vom west­lichen Kriegsschauplatz reicht von Glasgow in England nördlich bis Spanien südlich, von Berlin östlich bis Bordeaux westlich und enthält die Nebenkarten London und Umgebung und Paris mit dem Befestigungsgür­tel. Der Matzstab dieser beidenKapten ist 1:2 2000 000, das Formal jeder Karte 60:90Zentimeter. Die Karte ' vom türkischen Kriegsschauplatz im Matzstabc von 1 zu 4 000 000 und im Formale von 55:80 Zentimeter reicht von Odessa nördlich bis «inschlietzlich Oberägnplen südlich, von Griechenland westlich bis zum Kaspischen Meer östlich und enthält als Nebenkarten Tückisch-Ara- bien, das Rete Meer, den Persischen Golf und den Suäz- kanal. Jeder dieser Karten sind über 150 Kriegs - fähnchen der verschiedenen Armeen zum Ausschneiden u. Aufslecken aus Nadeln beigegeben. Der Druck ist klar und deutlich. Die Länder der kriegführenden uüd der neutralen Staaten sind durch verschiedene Farbengebung gekennzeichnet, so datz die Karlen einen guten Ueber- blick gewähren. Eingezeichnet sind auch die Flüsse und Eisenbahnen. Die feindlichen Festungen sind in Rot - druck hervorgehoben. Alle drei Karlen sind wiederholt in neuen Auflagen mit Verbesserungen und zahlreichen Ergänzungen erschienen; sie berücksichtigen ganz beson - ders die für den Krieg in Betracht kommenden Orten. Gegenden, so datz selbst kleinere Plätze ausgenommen wurden, wenn sie von strategischer Bedeutung sind. Trotz dieser großen Vorzüge sind wir in der Lage, un­seren Abonnenten jede Karte zu dem außerordentlich billigen Preise von nur 40 Pfg. zu liefern. Bestellun - gen nehmen^ unsere Voten uüd unsere Geschäftsstelle entgegen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Gießen.

S i l v e st e r, den 31. Dezember. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

In der Iohanneskirche. Abends 8 Uhr: Pfarrer Ausseld.

Die junge Iran errötete. Aber dennoch blitzte es aus ihren braunen Augen, als sie schämig erwiderte: »Aber Onkel Klaus, Du bereitest mir ja einen netten Empfang!'

»Gewiß tu ich das, mein Töchtingl Du solltest mich doch gut genug kennen. Immer frei heraus mit meiner Meinung. Natürlich, wo es am Platz ist. Und iu diesem Fall habe ich doch recht, toi«!'

Frau Grete jagte mu>>» butuu|. regend legte sie den seidenen Staubmantel und den breiten Florentiner ab und sah sich neugierig im Zimmer um.

»Alles genau so, als hätte ich es gestern erst ver- laflen.'

Lächelnd nickte er. »Und doch sind es nun bald süns Jahre. Wie doch die Zeit so dahinstiegt.' Noch im­mer sah er sie in heimlicher Bewunderung an. Wie stattlich und prächtig sie sich entwickelt batte. Seine Helle Freude konnte man daran haben. Das wäre so eine Frau, um da draußen den stillen Menschen seiner Ein­samkeit zu entreißen, mußte er sofort denken.

Schnell fühlte sie sich behaglich und wie zu Hause. Und als nun gar die alte Suse mit der prächtigen, ur­alten, silbernen Kaffeekanne erschien, da war es ihr, als sei sie noch immer der tolle Wildfang, der damals dem guten, alten Onkel so sehr, sehr viel Sorge und Kümmerniffe bereitet batte.

Traulich plaudernd laß man beim würzigen Kaffee und besprach alles mögliche.

Immer wieder aber schlug Onkelchen sein Leitmo­tiv an: »Ganz recht von Dir. daß Du jetzt hinter Deine Vergangenheit einen Sttich ziehst '

Lächelnd sraate sie: .Aber wer sagt Dir denn, datz ich das tun werde?'

»Deine Augen verraten'? mir. Du Dummersabn, Du! Aber ganz recht hast Du, das kann ich nur wie­derholen. Uebrigens kleiden Dich helle Farben tausend­mal besser als das ernste Schwarz.'

Ach. bitte. Onkelchen, reden wir nicht davon, nein?'

»Wovon? Ach, von Deinem Seligen? Bewahre, mein Kind, kein Wor,. Aber das Lob muß ich ihm doch noch nachsagen- Er konnte gar nichts Gescheiteres tun, als Dich zur Witwe zu machen. Ja, das ist wirk- lick wa':r "

Neujahr, Freitag, den 1. Januar.

In der Stadtkirche.

Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche.

In der Iohanneskirche.

Vormittags 9% Uhr: Pfarraffistent Hoffmann.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Aüsfeld.

Sonntag nach Neujahr, den 3. Januar. In der Stadtkirche.

Vorm. 9Y t Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vorm. 11 Uhr: Kindeckirche. für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Abends 5 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Dienstag, den 5. Januar, nachmittags 3 Uhr, im Matthäussaal: Frauenmissionsverein.

Mittwoch, den 6. Januar, abends 8 Uhr,: Ver­einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Mar­kusgemeinde.

In der Iohanneskirche.

Vormittags 9% Uhr: Pfarraffistent Hoffmann.

Vorm. 11 Uhr: Kindeckirche für die Johannes-Ge.

meinde. Pfarrer Ausfeld.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Abends 7j^ Uhr: Vereinigung der konfirmierten männ­lichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Abenos 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal.

Mittwcch, den 6. Jaguar, abends 8 Uhr: Kriegs­betstunde. Pfarrer Ausfeld.

Katholische Gemeinde in Gießen.

D o n'n e r s t a g, 31. Dezember. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele­genheit zur hl. Beicht.

Nachm. 5\4 Uhr: Predigt, daraus Silvester-Andacht. Freitag, den 1. Januär.

Fest der Beschneidunq des Herrn.

Vorm. 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vorm, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vcrm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Militärgottes- dienst.

Nachm. 5]4 Uhr: Festandacht mit Segen.

Diaspora:

In H u n g e n um 9% Uhr.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Stadttheater Gletzen.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Freitag, den 1. Januar, nachmittags 3]4 Uhr: Kin­dervorstellung! ,,Aschenbröde l". WAhnachts - komödie mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von E. A. Görner. Abends 1/ Uhr:Wieein st i m M a i". Posse mit Gesang und Tanz in^ vier Bildern von'Rudolf Ptzrnauer und RUdolph Schan­zen Musik von Walter Kollo und Willy Bred -- schneider.

Sonntag, den 3. Januär, nachmittags 3\4 Uhr: ,,D i e S ch m e t te r l i n g s s ch l a ch 1". Komödie in 4 Wien von Hermann Sudermann. Abends iy t Uhr: ,,D « r S ch l a g b a ü m. Volkslustspiel in 4 Akten von Heinrich Lee.

Oer Reichtum an knochenbildenden Kalksalzen macht m. Milch gekocht zu einem der besten

Nährmittel fiir Kinder und Schwächliche.

Aber Onkel Klaus!'

»Nee, in der Tai, mein Süßing, da? ist mein ganz bitterer Ernst. Denn seien wir zwei nun doch mal ganz rückbattlos ehrlich. Jetzt, nun das alles vorbei ist, können wir ja in aller Ruhe darüber reden. Glücklich war Eure Ehe doch nicht, das wirst Du mir doch nicht weismach-n wollen, wie?'

»Natürlich, er war ia auch ein gebildeter Mann und dort guter Erziehung. Aber das. was eigentlich erst den feinen Reiz und das stille Glück in der Ehe ausniacht, das hat es bei'Euch doch nicht gegeben, wie? Na. Kinning, ich bin Dir ja ein zweiter Vater gewesen: mir kannst Du Tein Herz, wenn Du willst, immer ruhig ausschütten."

Da antwortete die junge Frau nichts darauf, aber sie umfaßte den allen Onkel und weinte ein paar stille ' Tränen.

Voll rührender .Zärtlichkeit streichelte er über ihr seidenweiches, braunes Haar und sprach ihr zu Herzen: Recht so. mein Liebling, wein' Dich man rubig ein bißchen aus. Tränen erleichtern das Herz. Und das will ich Dir man gleich zum Trost lagen: Vorwürfe

brauchst Du Dir nickt zu machen. Wir sind alle nur Menschen. Irren kann jeder. Du hast Dich damals ge­irrt. Nun gut! Dafür hast Du ja auch süns Jahre lang Dein Los still und klaglos und treu gettaacn. Nun hat der liebe Gott Dick frei gemacht. Gut! Nun sei zufrieden und füg' Dich drein. Sieb mal. Du bist ja noch so jung und das Leben kann für Dick noch so oie! Schönes parat halten. Das kannst Du alles noch nicht wissen. Tie Hauptsache im Leben ist immer nur sie, daß man aus einem Irrtum lernt und cin-n dum­men Streich nicht zum zweiten Male macht. Du vcr- stehst mich wohl, wie?'

Focksetzung folgt.