Ausgabe 
24.12.1914
 
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gemeldet, daß der Kampf bciNicuport und ander Yscr- linie fortldauere. Die Deutsche» setzten einen ungewöhn­lich hartnäckigen Widerstand allen Angriffen entgegen. Hauptsächlich auf der Strecke PpernMenen würde der Kamps mit großer Zähigkeit von Seiten der Deutschen geführt. Das Ende der Kämpfe läßt sich nicht voraus- schcn. Vorläufig bestehen selbst nach Ansicht der Ver­bündeten keinerlei bestimmte Aussichten, durchzubrechen und die Küste frei zu machen.

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Der PariserMatin" veröffentlichte dieser Tage «ine Karte vom westlichen Kriegsschauplatz. Aus den Be­rechnungen, die das Blatt an der Hand dieser Karte angestellt hat, ergibt sich, daß die Front der vereinigten franzöffsch-englisch-bclgischen Heere von Flandern bis zu den Vcgesen eine Länge von 404 Kilometer hat. Die Gebiete in Nordsrankreich, die von deutschen Truppen besetzt sind, bedecken einen Flächenraum von 20100 Quadratkilometer. (Ctr. Bin.)

Bom Krieg im Süden.

WTB. Wien, 23. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Das französische Unterseeboot C u r i e" wurde, ohne zu einem Angriff gekommen zu sein, an unserer Küste von Strandbatlerien und Wach­fahrzeugen beschossen und zum Sinken gebracht. Die Besatzung wurde gesangcn genommen.

Unser Unterseeboot12" griff am 21. Dez. in der Otranto»-Straße die französische Flotte, bestehend aUs 16 großen Schiffen, an und torpedierte das Flaggschiff vom TypCourbet" zweimal und traf bekde Male. Die daraus in der feindlichen Flctte entstandene Verwirrung, die gefährliche Nähe ein­zelner Schiffe und der hohe Seegang bei unsichtigem Wetter verhinderten das Unterseeboot, über das weitere Schicksal des betreffenden Schiffes Gewißheit zu erlangen.

Allerlei Uriegsnachrichten.

* Hindenburg-Spende für das O st- h e e r. Viele deutsche Städte beabsichtigen, dem Ge - ncralseldmarschall v. Hindenburg eine große Spende für seine Truppen zu überreichen. Der Magistrat und die Kriegskhmmission von Frankfurt a. M. haben be­reits beschlossen, dem, siegreichen Feldherrn zu diesem Zwecke 50000 Mark zur Verfügung zu stellen. Die Verwendung geschieht natürlich lediglich zum Besten unserer braven Soldaten, die unter sehr ungünstigen Witterungs- und Lcbensverhältniffen für uns ihre Pflicht in vollem Maße tun.

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ejcrtriimmcrilnn Deutschlands ausgeschlossen.

Rom. Der sozialistische Führer Tckra 1 r sprach sich entschieden für die Aufrechterhaltung der Neu­tralität aus. Weder die Regierung noch das Par­lament, »och die Hochfinanz, noch die Arbeiterschaft wol­len vom Kriege etwas wissen. Im Gegenteil, die gro­ßen italienischen Interessen köy/Ittcn nur im Frieden ge­deihen. Eine Zertrümmerung Deutschlands die übrigens undenkbar sei, wäre gleichbedeutend mit dem End« der Zivilisation.

Die Tätigkeit der Feldpost.

WTB. Stuttgart, 18. Dez. Nach den Fest­stellungen der Postverwaltung sind von Mitte Novem­ber bis Ende Dezember im ganzen rund 5 9 0 00 große Briefsäcke mit Feldpostsendungen, also täglich durchschnittlich gegen 2 0 00 Briessäcke aus Württemberg nach dem Felde geschickt worden. Die Zahl der Pfundbriese ist, wie derStaatsanzeiger" meldet, auf 2 4 0 0 0 0 0 Stück, die der Worenbriese bis 250 Gramm auf 1 700 000 Stück zu schätzen. Der G e s a m t- w e r t der Briese mit Wareninhalt, die in diesen 30 Tagen für die Feldtruppen abgcsandt wurden, wird sich wohl auf mindestens 5 bis 6 Millionen Mark berechnen. Durch das Militär-Paketdepot Stuttgart find anläßlich der Weihnachtspaketwoche rund 130 000 Pa­kete im Gewicht von je 5 Kilogramm vermittelt wor - den, die vor einigen Tagen in 76 Güterwagen gleich - zeitig mit den Weihnachtsliebesgaben des Roten Kreu­zes nach dem Felde versendet worden sind.

Allgemeine Wehrpflicht in Holland.

Haag, 20. Dez. (Ctr. Bln.) Der Kriegsminister verkündete gestern in der Zweiten Kammer, daß er in der nächsten Zeit einen Gesetzesvcrschlag dem Hause un­terbreiten werde, durch den die bisherige Loskaufung ausgehoben und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden soll.

Protektorat über Aegypten.

In Aegypten ist das englische Protek- t c r a t verkündigt worden.

WTB. Paris, 20. Dez. Der Reichstagsabgeord­nete für Metz, Dr. Georges W e i l l, ist am 5. August als Freiwilliger in die französische Armee eingetretcn. Er erklärt, er sei überzeugt, dadurch das Mandat eines sozialdemokratischen) elsaßckolhringischent Abgeordneten pflichtgemäß erfüllt zu haben.

Ans Buenos-Aire>f eingetroffenen Meldun­gen zufolge sollen eine größere Anzahl Offizier« und Mannschaften der Besatzung derG n e i s e n a u^ ge­rettet sein.

Annexion von Tunis durch Frankreich.

Die italienischeCorrespondenta" erfährt von guter Seite, daß die Anncrirn von Tunis durch Frankreich bevorstehe. Es wäre dies wohl die Folge der Annerion Aegyptens durch England. (Ctr. Bln.)

WTB. Paris, 20. Dez. Ein französisches Flugzeug ist bei dem Schlachthaus von Vaugirard abgestürzt, wobei der Bezinbehälter erplodierte. Die beiden Insassen, Offiziere, sind verbrannt.

ÄeibnaedtsgkULZ lür Deutfcblaads Krießer.*)

Von Otto Everling in Berlin-Nikolassee.

In einem Feldpostbrief vom November aus einem Schützengraben steht geschrieben:Da saß mein Neben­mann, ein Friese, und sang still für sich hin, ungestört durch die Sprache der Kanonen, Kirchenlied auf Lied, endend schließlich mit einer Wcidnachlsweise. Man muh in unserer Lage sein, um ganz den tiefen, ersehMen Frieden eines Weihnachtsliedes auf sich wirken zu lassen."

Liest man solch herrliches Weihnochtsgeständnis aus einem Schützengraben, dann will am Schreibtisch der Weihnachtsgruß für Deutschlands - Krieger" nicht recht aus der Feder.

Was wollen wir euch sagen, die wir nicht in eurer Lage sind, die wiü unser Weihnachtslied nicht vom Kanonendonner begleitet singen, die wir die Schrecken der Schlachten nur in heißem Mitgefühl, nicht in her­ber Wirklichkeit miterleben? Und doch haben wir euch etwas zu sagen, ihr Männer der tapferen, starken deut­schen Wehr!

Gerade weil wiy im trauten Lampenschein fast wie im Frieden am Schreibtisch sitzen können, gerade weil unser Jüngster, der Blondt mit den lebhaften blauen Augen, abends so friedlich für den großen Bruder im Kriege beten und dann ohne Sorgen vor feindlichem Ueberfall in seinem Bette cinschlasen kann, gerade weil der kleine deutsche Jung« mit heiß geröteten Backen von den eroberten Festen, von den mutigen Kämpfen in Frankreich und zur See, und den großen Siegen über die Rüssen erzählen darf, gerade weil seine Mutter und seine Schwester, wärmende Wollsachen strickend, in ruhi­ger Sicherheit leben dürfen, desbalb haben wir euch zu Weihnachten etwas zu sagen.

Wir danken euch.

Ja, glaubt es, wir danken euch. Das ist ein schlichter Weihnachtsgruß, aber unsere Seele liegt darin! Daß ihr mit euren Leibern in sreudiaem Opfermut einen lebendigen Wall um uns bildet wider das Wüten un­serer Feinde, daß ihr unsere Städte und Dörfer, un­sere Fyauen und Kinder vor der grausen Kriegsnot schirmet, daß ihr im furchtbaren Weltbrand die Heimat vor den Schrecken des Schlachtfeldes bewahrt, dafür danken wir euch zu Weihnacht aus tiefstem Herzens - grund.

Und wenn Deutschlands Krieger noch nicht wissen sollten, worum sie in heiliger Selbstverständlichkeit in Kampf und Tod ziehen, heute wird's jedem offenbar: Ihr kämpft um die deutsche Weihnacht. Kein Volk seiert solche Weihnacht. Und nichts enthüllt uns des deutschen Gemütes und Geistes Tiefe und Wert wie Zeine Weih­nachtsfeier. Streicht die Weihnachtsfeier aus unserm Winter, er wird kalt und dunkel, nehmt die Weihnachts­wahrheil aus unserm Leben, es wird herb Und ziel­los. Rottet das deutsche Volk mit seiner Feier und Wahrheit der Weihnacht aUs, und die Menschheit ver­armt. Niemals wird es uns so klar, als unter dem deutschen Weihnachtsbaum: unser Vaterland muß be­stehen, das deutsche Wesen darf nicht unieygehen. Da ist kein Opfer zu groß, es muß gebracht werden, da ist kein Kampf zu schwer, er muß gekämpft weiden.

Ihr wackeren Streiter, laßt euch nicht nur von uns, laßt euch mit uns von der deutschen Weihnacht grüßen. Eudr Herz wird, wenn es auch eine Weile weich wer­den will, mit neuer Festigkeit gestärkt, mit neuer Tap­ferkeit durchglüht, mit neu^m Opfermut erfüllt, mit neuem Gottvertrauen geweiht.

Wie Weihnacht deutsche Männey in der Fremde grüßen und segnen kann, das hat Ernst von Wilden - bruch in seinemSangWeihnachten aufftemdem Meere" uns gesagt.

Der Dichter; schildert, wie zu den fernen Deutschen über das weite Meer ohne Brücke und Stegwandelt schweigend die Weihnacht, kommt aus dem deutschen Lande her".

Taufend Gedanken aus Hütte und Haus

Alle in Liebe und Sorge gehegt,

Sind ihr zu tragen auferlegt,

Soll sie bestellen fern da draüß'.

Soll dem Sohne am fernen Strand

Sagen:Die Mutter denket dein".

Soll dem Vater im fremden Land

Bote von Weib und Kindern sein."

Euch gilt diegay schwere Fracht", die Weihnacht bringt, ihr trecken Hüter des Vaterlandes in Ost und West, auf dem Wasser und in den Schützengräben, aus stiller Wacht und im Sturmgebrause, «uch allen, Kyegs- vclk, jung und alt!

*) Aus der gleichnamigenVolksschrist z-ckm gro- ßen Krieg", Verlag des Evangelischen Bundes, Berlin W. 35.

Blonder Knabe, dir einen Kuß Bring' ich vom fernen Muttermund,

Bärtiger Mann, einen süßen Gruß Tu' ich von Kindern und Weib dir kund."

So grüßt euch die deutsche Wcchnacht selbst und ihr dcickt heim und träumt, vom Kampsgetöse umbrüllt, einen seligen Weihnachtstraum.

Und dann erleben wir ein zweites Weihnachts - wunder. Weihnacht wird ein Wandersmann, der nicht nur aus der Heimat in die Ferne, auch aus der Feyne in die Heimat zieht. Ihr gebt ihr auf den weiten Weg ins deutsche Land gar schöne, edle Botschaft:

Grüße an all', die in Hütte und Haus Heut unterm Baum zusammen sind,

Vater und Mutter und Weib und Kind;

Grüße viel lausend, am Heizen gehegt,

Haben die Männer, die fernen, da drauß'

Ihr zu bestellen auferlegt."

Weihnachten wandelt; soygt nicht sorgt nicht, ihr deutschen Streiter, sie wird's bestellen!

Nie während des ganzen großen Krieges werden die dankbare Volksgemcinde und das schützende Vvlä- hcer so innig im Geiste sich nahe und verbunden sein, als wenn am Weihnachtsbaum die Lichter breimen und vom Glockenturm die Weihnachtsglocken schallen.

Und diese innige, dankerfüllte, sehnsuchtsvolle Gei- stesgemeinschaft soll uns eine Gewähr sein für edle Weihnachtsgaben.

Was wünschest du dir denn diesmal zu Weihnach­ten ? so haben wir am Abend, nachdem er sich müde Soldat gespielt", den Jüngsten geftagt. Und er richtet im Bettchen sich auf und sagt mit leuchtendem Blick: einen Sieg!

Du lieber; deutscher Knabe, dein Weihnachtswunsch ist das Weihnachtsgebet, das unser ganzes Volk daheim und draußen eint. Die edle Weihnachtsgabe wünschen wir uns alle: «inen großen Sieg. Und kehrt ihr, dann heim, so wollen wir euer Haupt mit dem Siegcckranz schmücken, und es soll im großen deutschen Vaterland« die echte Weihnacht werden. Die Weihe jener heiligen Nacht soll über unser deutsches Leben sich segnend sen­ken, all die Opfer, die heilig großen, werdeM zu un­endlichen Lebenswerten, und wir lasten die Glbcken von Turin zu Tnrm durchs Land frohlocken im Ickbestturm:

Ehre sei Goll in der Höhe, und Friede auf Etrden, und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Jiu$ Stadt und Land.

* Telegramm d e s G r o ß h « r z chgIhre Königliche Hoheit die G r o ß h e r z o g i n hat gestern von dem Eroßherzog folgendes Telegramm aus dem Felde erhalten:

Freudigen Herzens habe ich eben mein« tapferen Hessen im Osten beglückwünscht urü» gedenke nun auch der Heimat, in der die frohe Kunde hestischer Was - sentat in den Herzen so vieler a »gehöriger Lands - leute und Kameraden Begeisterung und Dankbarkeit hcrvorgerusen haben wird. Gctt schütze unsere Hessen!

E r n st Ludwig.^

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* Das Haupt st eckeraintGieße n,hgt seine

Amtsräume am ersten Weihrrachtsseiertage, dem.25. De­zember, von 11 bis 12 Uhr vormittags zur Abfertig­ung von aus dem Ausland eintreffenden Postpaketen geöffnet. . , 0

* Feldpostsendungen mit ck nzckl ä s- siger Adresse. Neuerdings werden öfters Feld­postbriefe, besonders Zeitungen unter Briefumschlag, mit der AdresseAn ein beliebiges Regiment im Osten" oher An ein Etappenlazarett im Westen" rr. a. m. aufge - liefert. Derartig unbestimmt adressierte Sendungen kön­nen von der Post nicht weitergesandt, mästen vielrnehr als unbestellbar behandelt werdem

" Die diesjährige Verleihung von Ehren - Ur- k u »deck durch die Handwerkskammer zu Darmstaot hat auf eingereichte Anträge und nach Er­füllung der satzungsgemäßen Veckeihungsbestimmungen an 21 gelernte Handwecker geschehen können. In der Provinz Oberhessen sind es folgende Personen: Weißbinder Wilhelm Schäfer zu Dorheim bei Heinckch Becker vorm. Gg. Hseronimus, Maler-, Weißbindev-u. Stuckgeschäft zu Friedberg; Zimmerpolier Georg Fchr zu Schlitz bei Heinrich Metzendorf, Zimmermeisterzu Schlitz; Maler und Weißbinder Leonhard Sch n« i d« r zu Gie­ßen bei Louis Petri 3., Bau- und Dckorationsmalerzy,. Gießen; Maurer und Weißbinder Heinrich Bläser 2.M Vadenrod bei Johannes Hill vorm. Gg. Hill, MaMy,, meifter zu Storndorf; Zimmerer Johann Wagirer zu Schlitz bei Heinrich Metzendorf, Zimmermcisler zu Schlitz; Dachdecker Georg Heinrich Gutberlel zu Romrod bei der Firma L. Rößner, Dachdeckergeschäft zu Alsfeld. /

* Wer kann Auskunft geben? Der Re­servist Helwig Dörr II. von der II. Kompagnie des 116. Infanterie-Regiments wird fritder Erstürm­ung des Dorfes Le Quesnoy am 31. Oktober o«r» mißt. Kameraden, welche an der Erstürmung dieses Dorfes teilgenommen haben und etwaig« Auskunft über den Verbleib oder das Schicksal des Genannten geben können, werden gebeteti, an I. Dörr. Treysa (Bezirk Cassel), Mitteilung machen zu wollen.

n Gießen. Am 28. Dezember ist bei Großh. Bezirkskaffe Gießen I kein Zahltag und es »wer­den daher an diesem Tage dortselbs! weder Zahlungen geleistet noch entaeaenaenommen.