lösten 50 Schüsse, die belrächllichen Schaden anrichleten. In Scarborongh gab es 13 Tote. Nirgends entstand eine Panik. Die Haltung der Bevölkerung war so gut, als man es wünschen konnte.
(Notiz des WTB.: So sagt das Reutersche Bureau. Augenzeugen berichten aber über die Haltung der Bevölkerung anders.)
WTB. London, 18. Dez. Reuters Bureau teilt amtlich mit, daß bei der Beschießung Hartlepools 82 Personen getötet und 260 verwundet worden sind. Bon den auf der Höhe von Hartlepool befindlichen englischen Schissen, dem kleinen Kreuzer „Pa- Irol“ und dem Torpedoboolszerslörer „Doon" wurden 5 Matrosen getötet und 15 verwundet.
Das Reutersche Büro bestätigt, daß in Hartlepool tHkrch das Bombardement sehr bedeutender Schaden angerichtet wur,de. Nicht nur die Gasanstalt ist vollkommen z e r st ö r 1, sondern auch die Marine-Signal st. ation. Die historische Abtei hat teilweise gelitten. Eine ganze Anzahl Häuser ist schwer beschädigt.
WTB. Amsterdam, 17. Dez. Die Blätter melden aus London: Ein Augenzeuge der Beschießung von Scarborongh erklärte, daß die deutschen Kriegsschiffe «ine außerordentliche Kaltblütigkeit ü. M ul bekundet hätten. Nichts habe darauf hingewiesen, daß es deutsche und nicht britische Kriegsschiffe waren. Die Kriegsschiffe führen in die Bucht ein und näherten sich dem Pier mehr, als es, soweit man sich erinnern kann, ein Kriegsschiff je getan. Einer der ältesten Fischer von Scarborongh sagte, daß es kein Lotse wagen dürfte, sein Schiff so nahe an die Küste heranzubringen.
Rotterdam, 17. Dez. (Ctr. Bln.) Wie die Blätter melden, muh die Beschießung von Scarborongh, Hartlepool und Whitby sehr wirkungsvoll gewesen sein, denn die deutsche Kreuzerslotte feuerte brillant. Jeder Schuß erzielte einen Treffer. In der „ Porkshirer Post" berichtet ein Augenzeuge sehr lebendig über die dramatisch bewegten Vorgänge, die die Beschießung von Scarbourough dort hervorries: Die deutsche Flotte eröffnete das Feuer zwischen 8 und 9 Uhr morgens, um es erst nach 1 Stunde wieder einzustellen. 20 Personen wurden getötet und 80 verwundet, darunter, viele schwer. Der Einwohner bemächtigte sich eine Panik. Alles drängte aus der Stadt und flüchtete nach dem Bahnhof, wo sich die ge- ängstigten Menschenmassen um die Plätze in den ab - gehenden Zügen förmlich schlugen. Besonders schwer beschädigt durch die deutschen Geschosse wurde das R a r h a ü s, aber auch viele Häuser sind von den einschlagenden Granaten getroffen worden. Die deutsche Flotte feuerte ayA einer Entfernung von drei M e i - l e n, indem sie. an der Küste aus- und abfuhr uüd Breitseiten abgab. Zuletzt sah man noch, wie vier englische Torpedojäger herandampsten, um den Kampf mit der deutschen Flott« aufzunehmen, allein dann verdeckte dichter Nebel den Ausblick auf das Meer. Man hörte nur noch eine Weile das dumpfe Krachen der schweren Geschütze aus der Ferne.
Türkische Kriegsmeldungen.
WTB. K o n st a n t i n o p e l, 18. Dez. Amtlich wird gemeldet: Die russischen Truppen versuchten unter dem Schutz von Geschützen und Maschinengewehren aus dem linken User des Tfchoruk vorzugehen, wurden aber nach fünfstündigem Kampfe zurückgelrieben. Nach der Schlacht bei Sarail, die für die türkischen Truppen glücklich endete, haben diese die Verfolgung des Feindes ohne Unterlaß fortgesetzt. Türkische Kavallerie traf 15 Kilometer westlich von K o t o u r auf den Feind, griff ihn, ohne das Eintreffen ihrer Infanterie abzuwarten, an und verjagte ihn in der Richturrg auf Nazi und Kotour.
WTB. K o n st a n t i n o p e l, 18. Dez. (Nichtamtlich.) Der Scheich ül Islam hat von Alni Effendi, dem Mufti der Schafiiten in Medina, ein Telegramm aus Damaskus erhalten, in dem gemeldet wird, daß der erste Zug der ans Medina abgegangenen Krieger mit der heiligen Fahne in Damaskus eingetroffen ist.
Zur nordischen Nönigskonferenz.
WTB. Malmö, 18. Dez. Der König von Schweden ist mit Gefolge heute früh hier eingetrof- sen. Die Stadt ist reich geschmückt. Um 9 % Uhr begab sich der König nach dem Hasen, wo bald der König von Dänemark an Bord des Kreuzers „Heimdall" eintraf. Der Schwedenkönig ging unter den Klängen der schwedischen Nationalhymne an Bord. Die Könige küßten einander die Wange. Unter den Hochrufen der spalierbildenden Menge fuhren die Könige nach der Residenz. Um \ 0 l / 2 Uhr traf der König v o n N o r- wegen mit Eitrazug ein und wurde vom König von Schweden empfangen. Die Könige Umarmten und küßten sich und fuhren sodann unter lebhaften Huldigungen der Volksmenge in die Wohnung des Königs.
Nachdem er die Gäste nach ihren Wohnungen begleitet hatte, hielt sich der Schwedenkönig bei jedem der beiden anderen Monarchen etwa eine halbe Stunde auf. Um 11'/j Uhr trafen die beiden fremden Herrscher bei dem Schwedenkönig ein. Unmittelbar darauf begann die Konferenz. Um 1 Uhr war Frühstückstasel, worauf die Verhandlungen sofort wieder ausgenommen wurden.
Allerlei ttriegsnachrichten.
* Der König von Bayern hat dem Komman - dielenden General des 18.Armeekorps, von Schenck, den bayerischen Militärverdienstorden 1. Klasse mit Schwertern verliehen. General von Schenck ist bereits mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden.
B u d a p e st, 18. Dez.' (Etr. Bln.) Der „Pester Naplo" meldet, daß ein von Lemberg mit Munition und Lebensmitteln nach den Karpathen abgegangener Panzerzug auf der Strecke in die Luft geflogen fei. Die Ursache ist unbekannt.
* Grc»ßh. Hess. Landsturm-Batail- l o n V i m O st e n. Unsere braven Landstürmler haben, wie das „D. Tagbl." berichtet, Freitag, den 4. Dezember, eine Heldentat vollbracht, die eine Belobigung durch Korpsbesehl erfahren hat unter der Devise? „Frisch gewagt, ist halb gewonnen". Sie nahmen auf einem Patromllengang, nur 20 Mann stark, 4 2 0 Russen mit Gewehren undMunition gefangen. War das eine Freude und ein Jubel inmitten des Krieges und so weit von deU Lieben zu Haufe ! Diese Kompagnie führt Oberleutnant W o l s s, ein geborener Darm- städter, Rechtsanwalt und Notar in Bad HombUrg v. d. H., Zugführer ist Lemnant L e ch n e r, Vorstand der Bank für Handel und Industrie, Depofitenkasse, Darmstadt, Wilhelminenstraße 14. — Ein Bravo den Tapferen !
* Der Chirurg Wirkl. Eeheimrat Professor Dr. Czerny in Heidelberg teilt mit, daß die Kriegs- chiruvgie solche Fortschritte gemacht habe, daß 37,5 vom Hundert der Verwundeten bisher geheilt werden konnten und nur 6,5 Prozent vom Hundert untauglich sind.
* Für d i e Kinder in Feindesland. Eine Feldpostkarte aus Belgien übermittelt lt. „Mainz. Journ." eine Anregung, die das Blatt weilergibt: „Wollen Sie, wenn Sie an uns hier in Belgien Liebesgaben für Weihnachten (Reclambücher, leichte Lektüre) senden, nicht vergessen, kleine Geschenke beizulegen, die wir den armen Kindern hier in Feindesland schenken können. Glauben Sie mir, nichts macht uns froher, als wenn wir in*diesen armen, verängstigten Kindergesichtern ein Lächeln erwecken können." Zur Unterstützung dieser Anregung braucht nichts gesagt zu werden. Sie spricht für sich selbst.
fiesflseder Landtag
Die Berufungen uüd Wahlen der Zweiten Kammer zum 37. hessischen Landtag sind in der am 17. Dezemver staltgesundenen Landtggssitzung auf die zweite' Hälfte des Jahres 1915 vierschoben worden. Am Schluß dieser Sitzung der 2. Kammer verlas Staatsminister Dy. von Ewald folgendes Telegramm des Eroßherzogs:
Staatsminister von Ewald, Darmstadl. Wollen Sie beiden Kammern der Stände meinen aufrichtigen Dank füy die an mich gerichteten Worte zum Aus - druck bringen. Möge der wahrhaft patriotische Entschluß, die gewaltige Entfaltung einmütiger deutscher Kraft mit jedem Opfer bis zum endgültigen Siege fördern und unterstützen zu wollen, von Gottes Segen zu! Deutschlands unantastbarer Größe gekrönt werden, und möge es unserer gemeinsamen Arbeit gelingen, meinem Hessenland für alles Gut und Blut, welches es freudig und opferwillig für das große Werk eingesetzt hat, neue Kraft und frisches Leben entfalten zu helfen: das ist der Wunsch, den ich ans tiefstem Herzen meinem geliebten Volk in schwerer, großer Zeit darbrinoe. Ernst Ludwig. (Lebhaftes Bravo!)
Der Staatsminister schließt:
Sehrs geehrte Herren! Bevor wir auseinander - gehen, möchte ich Ihnen den Dalnk der Regierung für die Einmütigkeit aussprechen, mit der Sie unsere mit Ihnen erwogenen Vorschläge gntgeheihen haben. Sie setzen uns in Stand, in der Zeit, für die jetzt Vorsorge zu treffen Anlaß ist, die Staatsverwaltung ordnungsmäßig fortMühren und die Störungen des Wirtschaftslebens im Lande nach Möglichkeit fern- zuhalten, die der Krieg im Gefolge hat.
Ganz besonders begrüßen wir Ihren einhelligen Entschluß, daß der politische Friede im Land durch Wahlkämpfe in dieser ernsten Zeit nicht getrübt werden darf. Ihr Entschluß entspricht dem festen Wellen aller Deutschen, in Einigkeit zusammenzuhalten uüd durchzuhalten, bis der Friede erkämpft ist, den kein Feind mehr zu brechen wagt. (Lebhaftes Bravo!)
Präsident Köhler richtete hierauf folgende Schlußworte an die Versammlung :
Meine hochverehrten Herren ! Ich glaube in Ihrer aller Namen Seiner Erzellerrz dem Herrn Staatsmini- ter für die freundlichen Worte der Anerkennung, die er unserer Arbeit soeben gezollt hat, Dank aus sprechen zu dürfen. Auf einen besonderen Dank aber können die rechnen, die die Uebeyzeugung hohen, daß sie nur ihre Schuldigkeit getan haben. (Bravo!) Wenn die Anforderung an die Hessen ergeht, Treu« zu halten, so laben sie noch niemals versagt, und .auch in dieser ernten Zeit wollten wir durch die Haltung der Volks - lerkretung zu deutlichem Ausdruck bringen, daß wir Hefen uns durch unsere deutschen Brüder nicht in der ' Treu« übertreffen lassen wollen. (Lebhafter Beifall!) Möge es Gott gefallen, daß unsere Wehr zu den gro- zen Taten, denen wir an dem heutigen Tage mit Freude eine neue zugefügt sahen, die sich würdig anschlieht dem
gewaltigen Anprall unserer Flotte vor wenigen Tagen an die Küste von England, weitere Erfolge erblühen. (Lebhafter Beifall.) An die aber, die daheim geblieben sind, möchte ich von hier aus eine ernste Mahnung richten. Möchten sich alle, die nicht draußen vor dem Feinde stehen, von allen Kleinheiten und Kleinlichkeiten des täglichen Lebens fernhalten, möchten sie in dieser gewaltigen Zeit stets groß bleiben, und möchten si« auch in der schweren Lage des Vaterlandes allezeit opferbereit bleiben, wie sie es seither gewesen sind ! Denn der Opfer, die von dem deutschen Vaterlande gefordert werden, werden noch vielerlei sein. Von dem Verhalten der Daheimgebliebenen hängt aber zum guten Teil der endliche Erfolg auch mit ab. Das möge sich jeder sagen und möge jeder in seinem Kreise wicken, daß das ganze Volk stets würdig derer sei, die draußen vor dem Feinde fechten. (Bravo!) Wir als die Vettrcler des Volkes wollen stets bereit sein, soviel es an uns liegt und soweit es in unserer Macht steht, mitzuhelfen, mitzuraten und mitzutaten, um in dieser schweren Zeit das Richtige vorzubercitcn und durchzuführen dafür, daß unsere Volkswirtschaft in allen Teilen diese schwere Zeit über- stchen kann und nicht Not leibet. Mein« Herren! Wenn wir jetzt auseinandergehen nach unserer Ackeit, so wollen wir das tun mit dem Rufe: Deutschland, unser Vaterland, unsere Heimat, für das wir kämpfen, für das wir siegen wollen, für das wir aber auch, wenn es Not tut, leiden und sterben wollen, es lebe hoch k hoch! hoch! (Die Versammlung stimmt in den dreimaligen Hochruf ein. Allseitiges lebhaftes Bravo!)
Darauf wiyd das Haus auf unbestimmte Zeit vertagt.
Aus Stadt und Land.
Zur Förderung der unter Leitung der Heeresver - wcrltuüg eingerichteten militärischen Vorbereitung der männlichen Jugend im Alter von mehr als 16 Jahren treten mit sofortiger Gültigkeit die nachstehenden Tarifbestimmungen in Kraft:
Fahrpreisermäßigung imJntereffeder militärischen Vorbereitung der Jugend.
1. Zum Zweck der militärischen Vorbereitung der männlichen Jugend werden für die Dauer des gegenwärtigen Krieges die Angehörigen der unter Leitung der Heeresverwaltung eingerichteten Jugendiompagnicn im Alter von mehr als 16 Jahren sowie ihr« Leiter und Führer einschließlich der Bezirksleiter (Vertrauensmänner) behufs) Teilnahme an den gemeinschaftlichen militärischen Uebungen im Gelände auf allen deutschen Staatseisenbahnen, den Reichseisenbahnen und einer Reihe von Privatbahnen in der 3. Klaff« der Personenzüge — in Berlin und HamburgÄltona auch der Stadt-, Ring- und Vorortzüge — zum Militärfahrpreis befördert.
Die Minde st teilnehmerzahl mutz zehn Personen betragen.
2. Die Abfertigung erfolgt mit Besörderungsschein, der auf Grund eines schriftlichen Annaqs für einfache oder für Hin- und Rückfahrt ausgestellt und bei Beendigung der Fahrt abgenvmmen wird.
3. Dem Antrag ist eine Bescheinigung des Leiters der Uebung darüber beizufügen:
a) wieviel Aufsichtspersonen (einschließlich Helfer) und wieviel Jungmannen an der Uebung teilnehmen,
b) daß die JsiNgmanncn zur Teilnahme an der Uebung berechtigt sind und solch« unter sechszehn Jahren sich darunter nicht befinden.
Die Bescheinigungen müssen mll dem Stempel oder Siegel des Eeneralkommiffariats zur militärischen Vorbereitung der Jugend oder der Ortsbehörd« verfehen. sein.
4. Der Antrag ist bei der Abgangsstation unter
Angabe des Reisetags und -Zieles, der zU benutzenden Züge mrd der Teilnehmerzahl möglichst frühzeitig, spätestens aber eine Stunde vorher, bei 1V0 bis 200 Teilnehmern jedoch 2 Tage, und be» mehr als 200 Tell- nehmern 5 Tage vorher zü stellen.
5. Zur Ausstellung der Anträge und Bescheinig - ungen dienen die vom Generalkommiffariat zur militärischen Vorbereitung der Jugend zu beschaffenden Vordrucke, denen aus der Rückseite die vorstehenden Be - stimmungen aufgedruckt siüd. Zu den Beförderüngs - scheinen sind die bei den Fahrkartenausgaben vorrätigen Beförderungsscheine für Schulfahrten und Fahrten im Interesse der Jugendpflege (Deutscher Eisenbahn-Personen- und Eepäcktarif Teil 1 §12 E. 4 und 6) zu verwenden.
* Handwerk und F oüt bil d rtngs »
schule. Die Handwerkskammer schreibt uns: Der
Mangel an aüsgebildeten Arbeitskräften macht sich für den Handwerkerstand empfindlich bemerkbar und nötigt zur genauen Arbeitseinteilung, wodurch naturgemäß auch die in den Betrieben beschäftigten Lehrling« zu intensiverer Tätigkeit angehalten werden müssen. Der Besuch der Fortbildungsschule entzieht den Lehrling wöchentlich an mehreren Nachmittagen den Betrieben, was zurzeit große Störungen nach sich zieht. Dem abztt - Helsen hat die Handwerkskammer bei Großh. Ministe- rialabteilung für Schulwesen vorgeschlagen, den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen Rechnung zu trägen und zunächst für die Wintermonate den Fortbildungs- scbulunterricht auf die wichtigsten Fächer zn beschränken, die an einem Wochennachmillage gelehrt werden könnten. Durch diese Maßnahme wird es den Betriebs-


