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Nr. 100 . Samstag deu 19. Dezember 1914. 26. Iahrq.
Rußlands Armeen auf der ganzen Linie dollständig geschlagen.
Westpreußische und hessische Regimenter brachten in Polen die Entscheidnng.
Nene Kämpfe im Westen.
Amtliche Tagesberichte.
WTB. G rohes Hauptquartier, 17. Dezember, vormittags. Bei N c u p o r t setzten die Franzosen die Angriffe ohne jeden Erfolg fort. Auch bei Z i l l e b e e k e und La B a s s e e wurden Angriffe versucht, aber unter st arten Vertu st e n sür den Feind abgewiesen.
Die Absicht der Franzosen, bei S o i s s o ul s eine Brücke über die Aisne zu schlagen, wurde durch unsere Artillerie vereitelt. Oesttich Reims wurde ein französisches Erdwerk zerstört.
Don der o st- und w e st p r e u si i s ch e n Grenze ist nichts Neues zu melden.
Die von den Russen angekündigte Offensive gegen Schlesien und Posen ist völlig zusammen- gebrochen. Die feindlichen Armeen sind in ganz Polen nach hartnäckigen erbitterten Frontalkämpfen zum Rückzug gezwungen worden. Der Feind wird überall verfolgt.
Bei den gestrigen und vorgestrigen Kämpfen in Nordpolen brachte die Tapserkeit westpreußi- s ch e r und hessischer Regimenter die Entscheidung. Die Früchte dieser Entscheidung lassen sich zurzeit noch nicht übersehen.
Oberste Heeresleitung.
WTB. Großes Hauptquartier, 18. Dezember, vormittags. Der Kampf bei N e u p o r t steht günstig, ist aber noch nicht beendet. Angriffe der Franzosen zwischen La Bassee und Aryas, sowie beiderseits der Somme scheiterten unter schweren Verlusten für den Gegner. Allein an der Somme verloren die Franzosen 1200 Gefangene und mindestens 1 8 0 0 Tote. Unsere eigenen Verluste beziffern sich dort auf noch nicht 200 Mann.
In den A r g o n n e n trugen uns eigene, gut gelungene Angriffe etwa 750 Gefangene und einiges Kriegsgcrät ein. Von dem übrigen Teil der Westfront sind keine besonderen Ereignisse zu melden.
An der Ost- und Westgrenze ist die Lage unverändert.
In Polen folgen wir weiter dem weichenden Feinde.
O b e r.si e Heeresleitung.
WTB. Berlin. 17. Dez. lieber den Vorstoß nach der Ostküste Englands werden nachstehende Einzelheiten bekanntgegeben: Bei Annäherung an die engl. Küste wurden unsere Kreuzer bei unsichtigem Wetter von 4 englischen Torpedobootzerstörern erfolglos angegriffen. Ein Zerstörer wurde vernichtet, ein anderer kam in schwer beschädigtem Zustande außer Sicht. Die Batterien von Hartlepoot wurden zum Schweigen gebracht, die Gasbehälter vernichte?. Mehrere Detonationen und drei große Brände in der Stadt konittcn von Bord aus seftgestellt werden. Die Küslenvvachts-ation und das Wasserwerk von Tcar- bokough, die Küstenwacht- und Signalstalion von Whit- bi) wurden zerstört. Unsere Schiffe erhielten von den Küstenbatterien einige Treffer, die^nur geringen Schaden verursachten. An anderer Stelle wurde noch ein weiterer englischer Torpedoboot - Zerstörer zum Sinken gebracht.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: gez. B e h n ck e.
* * *
WTB. Wien. 17. Dez. Die letzten Nachrichten lassen nicht mehr zweifeln, dasi der W i d e r st a n d der russischen Hauptmacht gebrochen^ist.
Am Südflügel in der mehrtägigen Tchlacht von Limanowa, im Norden von unfern Verbündeten bei Lodz und nUnmehr an der B z u r a v o l l st ä n-
dig geschlagen, durch unsere Vorrückung über die Karpathen von Süden her bedroht, hat der Feind den allgemeinen Rückzug angetrelen, den er im Karpathen-Vorland, hartnäckig kämpfend, zu decken sucht. Hier greifen unsere Truppen aus der Linie Eroduoi— Zakliczyn an.
An der! übrigen Front ist die Verfolgung im Gange.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von H ö f e r, Generalmajor.
WTB. Wien, 18. Dez. Amtlich ivird verlautbart: 18. Dezember mittags. Die geschlagenen russischen Hauptkräfte werden aus der ganzen über 400 Kilometer breiten Schlacktfront von Krosno bis zur Bzuramündung verfolgt. Gestern wurde der Feind auch autz seinen Stellungen im nördlichen Karpathcnvorlande zwischen Krosno und Zakliczyn geworfen. Am unteren Dunajez stehen die verbünde,ten Tnippen im Kampf mit den feindlichen Nachhuten. In Südpolen vollzog sich die Vorrückung bisher ohne größere Kämpfe. P i o - t r k o w wurde gestern von dem k. k. Insantcrie-Regi- ment Wilhelm I. Deutscher Kaiser und König von Preu- , ßen Nr. 34, Przedborz gestern von Abteilungen des Nagy-Szcbener Infanterie-Regiments Rr. 31 e r - I st ü r m t. Die heldenhafte Besatzung von Przemysl setzte ihre Kämpfe im weiteren Voifelde der Festung erfolgreich sott. Die Lage in den Karpathen hat sich noch nicht wesentlich geändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Eencralstabes: von H ö f c r, Generalmajor.
Vom Krieg im Westen.
Nene Kämpfe bei Ipern.
Berlin, 17. Dez. (Etr. Bin.) Ueber neue Kämpfe bei P p e r n meldet laut „Voss. Ztg." „Daily Chro- nicle" aus Dünkirchen: Die Deutschen haben den Angriff auf Ppern mit einem scharfen Bombardement auf St. Helios eröffnet. Die Verbündeten sind unter der Deckung ihrer schweren Artillerie vorgerückt, aber bei Mar siede an der Eisenbahn Ppern-Rousselaere auf kräftigen Widerstand' gestoßen. Die Deutschen eröffneien aus gepanzerten Wagen ein heftiges Feuer, und zwangen die Verbündeten, sich zurückzuziehen. (Ctr. Bin.)
Franzosen gegen die Engländer.
Die „Schlesische Zeitung" teilt aus einem Feldpoft- bricf eines freiwilligen Lazarettpflegers an seine Ettern aus Courtrai vom 4. Dezember folgendes mit:
Ein Bayer erzählte hier im Lazarett folgendes: Eine Abteilung Bayern, darunter auch er, lag in Ppern gegenüber srantzösischen Schützengräben. Die F r a nt zosen warfen ihnen Zettel herüber, daß sie sich ergeben wollten. Die Bayern hatten natürlich nichts dagegen. Aber kaum hatten die Franzofen die Schützengräben verlassen, da erhielten sie von den Engländern heftiges Feuer. Die Bayern gerieten darüber in große Wut und gingen aus den Gräben heraus auf die Engländer los. Mit ihnen di «Franzosen. Es gelang ihnen auch, einen großen Teil gefangen zu nehmen.
Englands Grund zum Krieg.
'Nach einem Lcndoner Telegramm der „Baseler Nachr." hat die Bekanntgabe eines Telegramms, welches Bonar Law ark, 2. August an den Premierminister richtete, großes Aufsehen erregt. Die Unionisten haben darin ccklärt, »s wäre fatal für Großbritannien, wenn es zögern würde, Frankreich u nfd Rußland gegenwärtig zu unterstützen. Von Belgien sei darin nicht die Rede gewesen.
Pom Krieg im Osten.
Tic Russen geschlagen.
Roch sind die Früchte dieses' Sieges nicht zu ermessen, aber, schon heute sind die Verluste des Feindes gewaltig: 84000 Russen gerieten in den letzten 5 Wochen in deutsche Hände, 63 000 in ö st erreichisch -ungarische Gesangenschast. Ungezählt aber ist die Zahl der Toten und Verwundeten. Solche Verluste kann auf die Dauer ein Millionenhcer nicht ertragen. Noch wissen wir nicht, was der Rückzug dem geschlagenen Feinde bringt, aber eins wissen wir schon heute: Franzosen und Briten sind wieder um eine Hoffnung ärmer, die „russische Dampfwalze" hat wieder einmal versagt.
Die „Nordd. Allgenu Ztg." erfährt autz Bukarest vom 15. Dezember: Der Kriegsberichterstatter der „No- woje Wremja" meldet aus Russisch-Polen — wie „Uni- v erfüll" aus Petersburg berichtet wird —, daß der russische Angriff in Polen vollkommen gescheitert i st. Die russischen Truppen befinden sich in einer äußerst kritischen Lage; dies sei der ungeheuren Wucht und Stoßkraft des. Hindenburgischen Borstoßes znzu- schreiben. Die Verpflegung bereite ungeheure und beinähe unüberwindliche Schwierigkeiten, da die Truppen von den Deutschen östlich und westlich bedroht werden. Nur eine verzweifelte und ungeahnt starke Anstrengung oder der v o l l st ä n d i g e allgemeine Rückzug kann die Russen aus dieser Lage retten. Auf jeden Falt aber wird es sehr große Opfer fordern. Diese Meldung des russischen Blattes, die der Zensur vor Erscheinen nicht vorgelegt wurde, hat in Petersburg die verzweifelte' Stimmung noch vergrößert und solche Niedergeschlagenheit verursacht, daß die „Nowoje Wremja" auf Anordnung des Gouverneurs beschlagnahmt wurde, (ctr. bln.)
W i e tt, 18. Dez. (Ctr. Bln.) Die „Reue Freie Presse" meldet nach verbürgten Nachrichten aus Bordeaux, daß Frankreich in den letzten Tagen verzweifelte Anstrengungen gemacht hat, um Spanien zum Dreiverband hinzuziehen. König Alfons sollte nach Bordeaur kcmimeu, um seinen Leibarzt Dr. Maure zu befragen. Diese Gelegenheit gedachte Poincaree z» benutzen, um den König z» gewinnen. Der Plan scheiterte jedoch völlig. Der König fuhr bloß nach San Sebastian und berief den Leibarzt dorthin. Gleichzeitig verständigte der spanische Ministerpräsident den französischen Bot - schaster von dem unerschütterlichen 'Willen Spaniens, neutral zu bleiben.
Pom Seekrieg.
Zur Beschießung der englischen Ostkiistc.
WTB. London, 17. Dez. Das Kriegsministerium teilt mit: Es waren offenbar zwei Schlachtschiffe und ein Panzerkreuzer, die bei Hart- lepool in Sicht kamen. Sie begannen um 8 Uhr früh die Beschießung. Um 8.15 Uhr kam ein Bericht der Küsteubatterie, daß feindliche Schiffe getroffen und beschädigt seien. Diese dampften um 8.50 Uhr weg. Kein britisches Geschütz ist getroffen. Eine Granate siel in die Reihen einer Abteilung von Genietruppen, einige andere in die Reihen des 18. Bataillons der leichten Durhamer Infanterie. Die Verluste der Truppen betragen 7 Tode und 14 Verwundete. Die Stadt erlitt einigen Schaden. Die Gasfabrik ist in Brand geschossen. Von der Bevölkerung, die sich ans den Straßen'drängte, wurden ungefähr 22 Personen getötet und 50 ver - wunde!.
Gleichzeitig erschienen ein S ch l a ch t s ch i s f und ein Panzerkreuzer, vor Scarborough und


