Tcr bulgarische Ministerpräsident in Berlin.
Bukarest, 1. Nov. Einer Meldung des „Vct-, torul" zufolge, ist der bulgarische Ministerpräsident Radoslawow durch Bukarest gereist, und batte auf dem Bahnhof eine kurze Unterredung mit dem dortigen bulgarischen Gesandten. Der Ministerpräsident setzte seine Reiscvon Bukarest nach Berlin sort. (D. Tagesztg.)
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Kristiania, 2. Dez. (CIr. Sin.) Einer Petersburger „Times"-Depesche zufolge berichtet die Zeitung „Rfetsch", dah die zwei deutschen Armeekorps, die vorige Woche durch die neu erschienenen russischen Streit- krüste bei Brzeziny mit Umfassung bedroht wurden, in folgender Weise durchgebrochen sind:
Die Deutschen sandten noch zwei Armeekorps durch eine Oeffnung in den russischen Umfassungsring hindurch. Was für zwei Korps gefährlich war, gelang jetzt den vier Korps. Sie brachen durch, wenn auch unter Verlusten.
Einem Telegramm des russischen Generalissimus ist folgendes zu entnehmen:
Wir stießen auf vorzüglich befestigte Stellungen, die die Deutschen äußerst hartnäckig verteidijgen. Die Deutschen nehmen bisweilen die Offensive wieder auf. Dadurch entstehen überaus wütende, grimmige Bajonettkämpfe. Die Deutschen wurden durch zwei Infanteriedivisionen und eine Kavalleriedivifion frischer Truppen verstärkt. In der Gegend von Klo - bühko und Kaalin entdeckten wir «ine mächtig verstärkte Stellung, die durch drei Reihen künstlicher Hindernisse gedeckt ist. (B. T.)
Bom Krieg im Süden.
WTB. Wien, 1. Dez. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 1. Dezember: Aus dem südlichen Kriegsschauplatz hat ein weiterer Ab - schnitt in den Operationen seinen siegreichen Abschluß gefunden. Dor Gegner, welcher schließlich mit den ge - samten Sireitkräften östlich der Kolubara und des Ljig durch mehrere Tage hartnäckigsten Widerstand leistete und wiederholt versuchte, selbst zur Offensive überzu - gehen, wurde auf der ganzen Linie geworfen, und
zum Rückzüge gezwungen. Er erlitt neuerdings empfindliche Verluste. Auf dem Eefechtsfelde von Ko- n a t i c e allein fanden unsere Truppen zirka 800 unbeeidigte Leichen, desgleichen bedeuten die zahlreichen Gefangenen ü. materiellen Verluste eine nahmhafte Schwächung, denn seit Beginn der letzten Offensive wurden über 19 000 Gefangene gemacht, 47 Maschinengewehre, 46 Geschütze und zahlreiches sonstiges Material erbeutet.
Belgrad gefallen.
Der Kaiser Franz Josef erhielt am 2. Dezember von dem General Frank, dem Kommandanten der 5. Armee, eine Huldigüngs-Depesche, in der es heißt: „Ich bitte Ew. Majestät am Arge der Vollendung des 66. Regierungsjahres die Meldung zu Füßen legen zu dürfen, daß die Stadt Belgrad heute von den Truppen der 5. Armee in Besitz genommen würbe".
Türkische Kriegsmeldungen.
WTB. K o n st a n t i n o p « l, 30. Nov. Der amtliche Bericht aus dem Hauptquartier vom 29. Novbr. besagt: Die Rüssen, die wir am 22. November in der Umgebung von Toütak geschlagen und in nördlicher Richtung zurückgeworfen haben, besetzten, rrachdem Verstärkungen bei ihnen «ingetroffen waren, gegenwärtig «in« Stellung in der Nähe von Kiliischgen- d e g i. Unsere Truppen nahmen eine Stellung vor den feindlichen Linien ein.
Der Kaijer an den Reichskanzler.
WTB. Berlin, 29. Nov. (Amtlich.) SeineMaj. der Kaffer und König hat an den Reichskanzler zu des- sen heutigem Geburtstage folgendes Telegramm gerich- tet:
Ich komme an der Spitze des Deutschen Reiches heute zü Ew. Erzellenz mit Glückwünschen besonderer Art! Um das Staatsschiff durch die Stürme der Welt glücklich in den Kamps zu steuern, dazu gehört Glück, und dazu bedient sich die Vorsehung der Män- ner, welche fest und unerschütterlich das Wohl des Vaterlandes vor Augen zu kämpsen wissen, bis das große Ziel erreicht ist. Unter diesen nehmen Ew. Erzellenz den ersten Platz ein. Das weih das deutsche Volk, das weiß Ich. Gott segne Ihre Arbeit.
Wilbelm I. R.
Der Reichskanzler hat mit nachstehendem Telegramm geantwortet:
Ew. Majestät bitte ich, für die große Geburt? - tagsfreude, die mir durch Ew. Majestät huldvolles Telegramm bereitet wurde, aus tiefstem Herzen ehrfurchtsvoll Dank sagen zu dürfen. Meine Eindrücke in Berlin zeigen mir aufs neu«, daß das deutsche Volk sich mit seinem Kaiser eins weih im Vertrauen auf unsere Kraft, in der Zuversicht auf den endlichen Sieg unserer gerechten Sache und in dem festen Ent- schluh durchzuhalten, bis oieser Sieg erkämpft ist. Gott wolle meine Bitte erhören, dah ich meinem Kai- serlichen Herrn und meiner Nation zu diesem Siege an meinem Teil kräftig milhelfen darf.
Ew. Majestät treu gehorsamer
v. Bethmann Hotllweg.
Kaijer Zranz Iojef an Generalselümarschall von hindenburg und Generalleutnant von Ludendorjf.
WTB. Posen, 30. Nov. Kaiser Franz Joses hat an Generalscldmarschall v. Hindenburg und dessen Eeneralstabschef v. Ludendorff aus Anlaß ihrer Beförderung Glückwunschtelegramme gesandt. Das Telegramm an von Hindenburg lautet:
Lieber Eeneralfeldmarschall v. Hindenburg !
Jnnigfl erfreut, Sie zu Ihrer Beförderung in die höchste militärische Würde, die Sie der huldvollen Anerkennung Ihrer ruhmvollen Führung des unver - gleichlich tapferen Ostheeres seitens Sr. Majestät, Ihres erhabenen Kriegsherrn, verdanken, wärmstens beglückwünschen zu können, ist es mir Bedürfnis, Ihnen zu bekunden, welche viel begründete Hochschätzung ich und mei-n Heer Ihnen zollen. Klar, fest und treu wirkten Sie in schwersten Kämpsen, in steter Ue- bereinstimmung mit meinem Heere, und dieses wird stolz sein, sich je enger mit Ihnen verbunden zu wissen. Ihren glänzenden Feldherrnnamen meiner Wehrmacht zum leuchtenden Sinnbild kriegerischer Höchstleistungen zu erhalten, ernenne ich Sie zum O b e r st- inhaher meines Infanterie-Regiments Nr. 6 9. Möge es der unerschütterlichen Waffenbrüderschaft meiner und der deutschen Wehrmacht beschieden sein, der gemeinsamen gerechten Sache in beharrlichem Kampfe den Sieg zu erringen.
F r a n z I o s e f.
Das Telegramm an v. L u d e n d o r f f lautet: Lieber Generalleutnant v. Ludendorff!
Zu Ihrer Beförderung, durch welche die höchste Anerkennung Ihrer glänzenden Leistungen seitens Seiner Majestät, meinem treuen Freunde und Verbündeten, zu weithin sichtbarem Ausdruck kommt, beglückwünsche ich Sie auf das herzlichste. Es sei Ihnen vom Allermächtigen vergönnt, au<b weiterhin in der gleichen vorbildlichen Weise in bewährtem Einklang mit meinem Eeneralstab an der Seite Ihres ruhmreichen Feldherrn zU wicken.
Franz Josef.
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Eine bedeutsame Keichstaysfitzung.
MTV. Berlin, 1. Dez. (Nichtamtlich.) Im Reichstag trat heute vormittag die sogenannte freie Kommission zur Vorberatung der neu geforderten Kriegskredite zusammen. Bon der Regierung fanden suh ein: Reichskanzler v. Bethmann Hollweg in feldgrauer Generalsuniform, fast alle Staatssekretäre der Reichs - ämter und mehrere preußische Minister: Auch Vertreter , ber Bundesstaaten erschienen; darunter der bäuerische Ministerpräsident Graf v. Hertling. Außer den 36 Mitgliedern der Kommission fanden sich bei Beginn' der auf 10 Uhr vormittags anberaumten Sitzung so viele Abgeordnete als Zuhörer ein, daß der Saal der Bubget- kommiffion die Teilnehmer nicht zu fassen vermochte. Deshalb wurden die Verhandlungen alsbald nach Beginn in den Plenarsitzungssaal verlegt. Ein großer Teil der Abgeordneten war in feldgrauer Uniform erschienen. Der Vorsitzende der Budgetkommission, Dr. Spahn, leitete die Verhandlungen, deren strenge Vertraulichkeit die Kommission beschloß.
Vor Beginn der Beratungen der freien Kommis - fron des Reichstages drückte der Reichskanzler in einer kurzen Ansprache seine Freude darüber aus. mit den Vertretern des Volker wieder in persönliche Fühlung treten zu können. In begeisterten Worten pries er sodann den guten Geist unserer Armee und Flotte und die Einigkeit des deutschen Volkes. Ausführungen über die politische Lage behielt sich der Kanzler für die morgige Vollsitzung des Reichstages vor.
Reichstagspräsident Dr. Kämpf dankte dem Kanzler und versicherte ihn der unentwegten Einmütigkeit des deutschen Volkes.
Berlin, 30. Nov. (Etr. Bin.) Der „Berliner LokalMnzeiqer" schreibt: Ueber die gestrigen BesprechuN- gen desi Reichskanzlers mit den Parteiführern des Reichstags kann gesagt werden, daß die Mitteilungen des leitenden Staatsmannes über die Gesamtlage durchaus zuversichtlich klangen, sowohl über die im Westen, wo es nach unseren gegenwärtigen Stellungen aulsgeschlossen erscheint, daß der Krieg von dorther je in unser Vaterland getragen werden könnte, als auch über die durchaus günsttge Lage im Osten. Unter solchen Umständen besteht ein« Uebereinstimmung zwischen der Regierung und den Volksvertretern darin, daß nur ein Friede geschloffen werden daff, der a b s o l u t e Dauer verspricht und der uNs für alle dargebrachten Opfer an Gut und Blut entschädigt.
WTB. Berlin, 2. Dez. Der Reichstag nahm nach der mit überaus stürmischem Beifall aufgenommenen Rede des Reichskanzlers di« angeforderten fünf Milliarden der neuen Kriegskredite gegen die einzige Stimme des sozialdemokratischen Abgeordneten D. Liebknecht an.
Mt Stadt «Md Caid.
• (Aold an die ReichSbank ! Um das ncch viel zu viel im Umlauf befindliche Gold rascher nach der Reichsbant 'zu verbringen, läßt die MainzerMetz-
g e r - I n n u n g bei ihren Mttgliedern die Goldstücke einsammeln und tauscht sie gegen Kassenscheine aus. Daß auf diese Weise erfolgreich sich betätigt werden kann, beweist die Tatsache, dah in den letzten 8 Tagen rund 10 000 Mark Gold abgeliefert wurde. Andere Korporationen sollten das ebenso machen.
* Fürsorge für d i e Kriegs-Invaliden. Am 27. November fand auf Veranlassung des Schriftführers der Deutschen Vereinigung für Krüppel - fürsorge, Professor Bicsalski-Berlin, in den Räumen der Landesversicherungsanstalt zuDarmftadl eineBe- s p r e ch u n g statt, wie sür die im Kriege verstümmelten, nur noch teilweise Arbeitsfähigen gesorgt werden könne. An dieser Besprechung haben Vertreter des Gr. Ministeriums, des' Landesvereins vom Räten Kreuz, der Landesversicherungsanstalt Er. Heffen, der Lazarett- Direktion Darmstadt, des städtischen Arbeitsamts, des Krüppelheims und des Hessischen Fllrsorgevereins für Krüppel tcilqenommen. Als Ergebnis der Besprechung wurde sestgestellt: Die Fürsorge für di« Kriegsinvali- den muh möglichst zeittg, also schon während der Lazarettbehandlung, eintreten.
sammelt wepaeworfenc Tsuttrrmittel und Speisereste.
Um das Getreide und die Kartoffeln für die Volks- ernähruNg zu sparen, schlägt Oberingenieur R. Proelß, Dresden, vor, an Stelle der Futtermittel die Küchcnab- sälle (auch verwendbare Abfälle aus Fabrikbetrieben) zu verwenden, die jetzt in) der Hauptsache in die Aschengrube wandern und so der Volkswirtschaft verloren gehen. Die Küchenabsälle müssen gesammelt Und gegen einen geringen Betrag pro Kilo oder Hektoliter ' dem Verbraucher; (Landwirt bezw. Viehzüchter) überlassen werden. Der Erlös soll den Zentralen sür firfegsfür- sorge und dem Räten Kreuz zugeführt werden.' ' Hie Preise sind von den Behörden und den beteiligten Kicei- sen deck einzelnen Städte und Ortschaften festzüsetzen. Die Organisation ist so gedacht, daß die Staats-^ Stadt- und Ortsbehörden mit den in Betracht kommenden Pereinen Hand in Hand arbeiten sollen. Ms Empfänger für die gesammelten Abfälle kommen die' Hätzdaffrt - schaftsvereint in Frage, welche die BerteilutzH hmchfüh- ren und das Geld zur Ablieferung an die' dhfeHhenden Behörden bringen. Seitens des Roten Krestz^s , würde die Durchführung dieses Gedankens mit besonderer großer Freude begrüßt werden, da sich auf diese Pleise ein ganz bedeutender Prozentsatz an Futtermitteln , gilb «in erheblicher Betrag für Deutschlands Kriegsfuffo^ge (und Verwundetenpflege erzielen lieh«. . ^ , ‘
• Muß d i e M o natsfr^p wer sichert
werden? Ueber die VersicherungspsKäst fHs, Mo- natsfrauen hat jüngst das Reichsvefficherungsaint «in« Entscheidung von grundsätzlicher. Andeutung getroffen. Es komme nicht darauf an, führte es aus» ob „eist. Monatseinkommen — im gegebenen Fall« IT Mk, — allgemein betrachtet für eine einzelne Person qog wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung sei. sondern, es sei zu prüfen, ob dieses Einkommen im Vergleich" ,zü den übrigen Einkünften und dem Lebensbedorf der betellig- ten Person von erheblicher Bedeutung sei, üjyd das könne hier unbedenklich schon um deswillen v-rneint werden, weil das Monatsentgeld von tS Mchck, hktzter dem Drittel des maßgebenden Ortslahnes zurüffbleibe.
n Gießen, 1. Dez. Auf di« vor «ff^gcu Tagen erfolgte Absendung eines größeren Teiles der,. luno für die durch den Krieg in Not geratenst. Teile von Elsaß-Lothringen ist von dem Bürgermeister der Stadt Straßburg, Dr. Schwander, an den Hberbürger- meister von Gießen «in herzlich gehaltenes- schreiben tingegangen. Pu,lk «Mi
! Mainz. Von den Bereinsmitglledern des Mainzer Veteranen- und Kriegen»ereins find bis, , jetzt 303 unter die Kriegsfabnen getreten, darunter sieben 1870-71cr Kriegsteilnehmer. 9 Kameraden des Vereins starben den Heldentod fürs Vaterland, 20 wurden im Felde verwundet, 46 erhielten das Effemr Kreuz 2. Klasse und mehrere die Heffisch« Tapferkeitsmedaille. Von der Sanitätskolonne des Vereins sind mehre«» beim Waffendienste zu SanitätsuntegoMzierrn befördert und im Felde tätig. n>r:>!U ;Vi
! W e i l b u r g. c Vor kurzem verstarb stacht Längerem Leiden im Alter von 84 Jahren der,weft über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus befannte Geh. Sanilätsrat und->Eroßh. Luxemburg HyfratfDf- Moritz B ü s g e n. Der Verstorbene, der einer alten naffautschen Familie angehörte, war der letzt« ehemalig herzoglich-nässauische Bataillonsarzt, der noch den Feldzug von 1866 im naffauffchen Heer« milgemacht,haste.
- II
Uermifcbtes. :
Landesverrat durch Hol fctlMrfe.
Auf Veranlassung der Reichsbankneberfftelle fWWttzg ließ der Staatsanwalt in Freiburg auf Gr und einer telegraphischen Anweisung des Obrrr«ichsa«HÄts in Leipzig einen Mann in FreibiW jp«fl«n Landesverrat? verhaften, weil er deutsches Gou> ittn AufgelVfffekanst hat. Daraufhin sind jedoch mehrere Reichsbankstellen angewiesen worden, solche Leute, dir Gold mit Aufgeld kaufen, um es ins Ausland zu schicken, einerlei ob er damit ein Geschäft macht, oder es dem Feinde zur Verwaltung stellt, unter Hinweis auf den Freiburger Vorfall dem Staatsanwalt anzuzeigen.
::: Wie lief di« Valerlandsliebe im Herzen unseres Kinder sitzt, beweist auch ein nettes GeflhickstÄM^ daff, fick is> einem kleinen mecklenburgisch«! EtSdkchen abgch spielt hat- Dem jüngsten Sohn eines l^HAächlev?


