Ausgabe 
24.11.1914
 
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die Waffen verbraucht und dazu wird der Munitions­mangel immer empfindlicher. Man hoffte, italienische Stahlwerke zur Lieferung von Granaten bestimmen zu können, aber die nach Brescia, Ferni und Neapel ent­sandten Offiziere kehlten unverrichteter Dinge zurück, da die Fabrikanten für das Kontrc'oande-Eeschäft nicht zu gewinnen waren. Aehnlich erging es einigen Kommis­saren, die große Mehleivkäufe besorgen sollten. Sie fanden angeblich überall verschlossene Türen. (Ctr. Bln.)

Türkische Kriegsmeldmrgerr.

DT. K o n st a n t i n o p e l, 17. Nov. Aus Bei­rut, Jaffa, Haifa, Jerusalem und besonders aus Da­maskus liegen Drahtmeldungen über begeisterte Kund­gebungen der Bevölkerung aus Anlaß der Verkündig - ung des Heiligen Krieges vor.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 19. Nov. Amtlicher Bericht des Hauptquartiers:

Seit zwei Tagen greift unsey Heer mit Macht das russische Heer an, das seine Stellung in der Linie Azab- Zazak-Khahab in der Umgebung der Grenze eingenom­men hat. Mit der Hilfe Gottes eroberte unser Heer durch einen Bajonettangriff die Höhen in der Umgeb­ung von Azab, die der Feind außerordentlich stark be- festigt hatte. Der Kampfs der heftig ist, nimmt für uns einen f;f)r günstigen Verlauf.

Unsere in Richtung Datum vorrllckenden Grup­pen brachten dem Feinde ein« weitere große Nieder - läge bei und besetzten die Stellungen von Zavotlar und Koura. Sie erbeuteten bei Zavotlar eine ruffische Fahne, machten 6 Offiziere, darunter einen Oberstleutnant und einen ^Hauptmann von den Kosaken, sowie mehr als 100 Soldaten zu Gefangenen. Sie eroberten 4 Kano­nen, ein Automobil, eine Menge Pferde und viel Le­bensmittel. Die russischen Verluste sind groß. Der Rest rettete sich in ordnungsloser Flucht in der Richtung Da­tum.

Unsere Truppen, die in A s e r b e i d s ch a n vor- rückten, hatten am 16. November ein Gefecht mit einer starken russischen Abteilung in der Nähe von Salmas. Die Russen wurden geschlagen und verloren an Toten 2 Offiziere und 100 Mann.

Die Häupter der persischen Stämme, die bis jetzt zu den Nüssen gehalten haben, haben sich samt ihren Stämmen mit unseren Truppen vereinigt.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 19. Nov. Mitteil­ung des Hauptquärtiers: In den Kämpfen bei- p r i k ö i nahmen die türkischen Truppen den geschla - genen Russen außer den bereits gemeldeten noch sünf Maschinengewehre ab.

Kampf am Schatt-el-Arab ist sestgeslelll, daß die Eng - länder 750 Tote und ungefähr 1000 Verwundete hat­ten.

vom außereuropäischen Kriegsschauplatz.

A in st e r d a m, 23. Nov. (Ctr. Bln.) Nach Meld­ungen autz Durban (Natal) besorgt die englische Regier­ung einen Angriff der Buren aus Bloemsontein, in dessen Umgebung 3000 Buren versammelt sind, wäh­rend zur Verteidigung nur 500 Mann Regierungs - truppen vorhanden sind. Nach Privatbriefen holländi­scher Handelshäuser stehen fast 100 000 Buren unter dem Oberbefehl Dewets.

allerlei Kriegsnachrichten.

MTV. Berlin, 21. Nov. Prinz August Wilhelm erlitt bei einem Automobilunfall auf einer dienstlichen Fahrt einen komplizierten Unterschenkelbruch und eine Kieferkontusion.

Wilhelmshaven, 20. Nov. Gleichzeitig mit dem Grafen S p e e ist auch dem verdienstvollen Kom­mandanten des kleinen KreuzersKarlsruhe", Fregatten­kapitän Köhler, das Eiserne Kreuz 1. Klasse ver­liehen worden.

' Berlin. 23. Nov. (Ctr. Bln.) Der Bun­de s ra t hat heute eine Verordnung angenommen, die den Aufkauf von Reichs-Goldmünzen verhindern soll.

* Telegramme und telegraphische P o st a n w e i s u n g e n dürfen weder von Kriegs­gefangenen noch an solche abgesandt werden.

$udä Disd.

Leib Dragoner Regiment Nr. 24.

Es sind der Ersatz-Eskadron von so vielen Seiten Liebesgaben für das mobile Regiment zugegangen, daß sie auf diesem Wege allen gütigen Spendern im Namen der Kameraden in der Front herzlichsten Dank sagen möchte. Für das Weihnachtsfest übernimmt die Ersatz-Eskadron die Beförderung weiterer Gaben, auch privater Art, und kann deren sichere und rechtzeitige An­kunft gewährleistet werden, da die Gaben dem Regi­ment direkt zutzeführt werden. Alle Sachen und Pakete müssen, rechtzeitiger Beförderung wegen, bis spätestens 6. Dezember in dem Besitze der Eskadron sein. Bitte Sendungen per Post oder Bahn an die Ersatz-Es­kadron Leib-Dragoner-Regiment Nr. 24 in> Dar m- st a d t oder persönliche Ablieferung in der Kaserne Holz­hofallee Nr. 25 Geschäftszimmer.

WTB. Konstantinopel, 19. Nov. Der heu­tige Bericht des Hauptquartiers besagt:

Auf den Kriegsschauplätzen werden die Kämpfe sort- gesetzt. Unsere Truppen an der ägyptischen Grenze be­setzten Kalatulnahl (?), das 120 Kilometer jenseits der Grenze liegt, und hißten dort die türkische Fahne. Un­sere Truppen, die durch Lasislan nach Rutzlanh ein­drangen, schlugen mit Gottes Hilfe die Russen nach hef­tigem Kampfe und fügten dem Feinde gqoße Verluste zu. Unsere Truppen machten 100 Gefangene und er­beuteten 2 Gebirgsgeschütze.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 19. Nov. Das tür­kische Hauptqutzrtier meldet: Unsere Flotte, die auSge- lausen war, um nach der russischen Schwarzen Meer- Flotte, welche Trapezuut beschossen hatte, zu suchen, traf diese auf deü Höhe von Sewastopol. Die feindliche Flotte bestand aus 2 Schlachtschiffen und Hilfskreuzern. In dem Kampfe, der sich entwickelte, wurde ein rus­sisches Schlachtschiff ernstlich beschädigt; die übrigen russischen Schiffe ergriffen, von unseren Kriegs­schiffen verfolgt, die Flucht in der Richtung auf Se­bastopol.

WTB. K o n st a n t i n o p e I, 22. Novbr. Das Hauptquartier teilt amtlich mit: Die türkischen Tmppen sind' am Suez-Kanal eingetroffen. In einem Treffen bei K a n t a y a wurden die Engländer geschlagen und ergriffen unter starken Verlusten die Flucht.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 22. Nov. Ausführ- lichere Meldung aus dem Hauptquartier: Mit Gottes Hilfe sind unsere Truppen am Suczkanal angclangt. In dem Kampfe, der zwischen Katasa und K e r t e b e, beide 30 Kilometer östlich vom Kanal und bei K a n - Iota am Kanal selbst stattsand, sind der englische Haüptmann Wilson, ein Leutnant und viele Soldaten gefallen und sebr viele Soldaten verwundet worden. Wir haben ziemlich viele Gefangene gemacht. Die eng­lischen Truppen haben sich in regelloser Flucht zurück­gezogen.' Englische Kameelreiter, die sich auf Vorposten befanden und Gendarmen, die bisher in englischen Diensten gestanden, ergaben sich unserer Armee.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 22. Nov. Mitteil- ungung aus dem Großen Hauptquartier. Unsere Streit- kräfte, die aus Batum marschieren, haben die feindlichen Truppen völlig auf das andere Ufer des Flufles Tschuruk zurückgeworseiH Diese Gegend st e h t vollständig unter türkischer Verwalt­ung. Unsere Truppen, die auf A r t w i n vor.rücken, haben diesen Ort besetzt. Nach Nachrichten über den

n Gießen, 22. Nov. Im Hinblick auf die wach­sende Bedeutung des veterinär-medizinischen Kollegiums an der hiesigen Universität wupde dieses in eine Fakul­tät umgewandelt.

* Die Geschäftsräume des Eroßherzoglichen Haupt­steueramts Gießen bleiben am 25. November wegen der Feier des Geburtstages Seiner Kgl. Hoheit des Groß - Herzogs geschlossen.

* Postdienst a n Groß Herzogs Ge­burtstag. Am 25. November findet eine zweimalige ByiesbestelluNg sowie eine einmalige Geld- und Paket- beslellung statt. Die Posischalter sind von 89 Uhr vormittags und von 11 vormittags bis \ l / z Uhr nach­mittags geöffnet.

* Hessische Handwerkskammer. Es ist erfreulich, Mitteilen zu können, daß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe Verhandlungen mit der Eisendahndirektion dahin geführt haben, daß bereits in den nächsten Tagen eine große Zahl von Bauten aller Art, über den hessischen Kammerbezirk zerstreut, zur Ausschreibung gelangen. Bei den hierüber gepflpgenen Beratungen ist versichert worden, daß von jeglicher Ver­gebung an Eeneralunternehmer abgesehen und die Ar­beiten soweit als irgend möglich direkt an die einzelnen Handwerkszweige gegeben werden sollen, auch werden die Lieferungstermine günstig sestgesetzt und soll breite Verteilung der Arbeiten stattfinden. Der Eisenbahndirek­tion erwächst hierdurch wesentlich mthr Arbeit, aber sie ist dem Wünsche der Handwerkskammer, den Handwer­kern weitest entgegen zu kommen, in anerkennenswerter Weise bereitwilligst gefolgt. Für die Wintermonate wird hierdurch dem Baugewerbe, Meistern und Gesellen, will­kommene Arbeitsgelegenheit verschafft. Zu wünschen wäre, daß diesem Beispiel auch die anderen maßgeben­den Behörden folgten, um die wirtschaftliche Lage des Handwerks in dieser schweren Zeit vor Erschütterungen zu bewahren.

' Kriegssürsorge. Um den Kommunal - behörden die Fortführung öffentlicher Arbeiten zu er­möglichen und zur Auszahlung der Unterstützungen an die Familien der im Felde Stehenden hat die L a n - desversicherungsanstalt Großh. Hes- s e n den hessischen Kreisverwaltungen und einzelnen Ge­meinden bisher etwa 5 Millionen Darlehn zur Verfügung gestellt. Zur Milderung der durch- den Krieg in Ostpreußen oentrsachtcn Notlage hat sie für Liebes­gaben 2000 Mark bewilligt und der Landesversicher - ungsanftalt Elsaß-Lothringen zur Verstärkung ihrer Barmittel ein Darlehn von 500 000 Mk. überwiesen.

' Kriegsauskunftsstelle für Ar­beiter- Und A n g e st e l l t e n v e r s i ch e r U n g bei der Landesversicherungsanstalt Groß-> herzogtu>-m Hessen. Die deutsche soziale Wer- I

| sicherungsgesetzgebung hat in der gegenwärtigen Zeit für die Kriegsteilnehmer, ihre Angehörigen und Hinterblie­benen eine besondere Bedeutung gewonnen, und es liegt geradezu im nationalen Interesse, dafür zu sorgen, daß im einzelnen Fall die Berechtigten möglichst bald in den Genuß der ihnen gesetzlich zustehenden Bezüge gelangen oder diese ihnen doch sicheiUestellt werden. Da aber in den einzelnen Fällen nicht immer Klarheit über die Rechtslage besteht, da sich zudem unter den in Be­tracht kommenden Personen häufig Frauen befinden, die in Rechtssachen und im Verkehr mit den Behörden un­erfahren sind, erscheint es zweckmäßig, auf dem Gebiet der Sozialversicherung für die Dauer des Krieges «ine besondere öffentliche Rechtsberatung zu schaffen. Der Vorstand der Landesversicherungsanstolt Großh. Hessen hat deshalb in seinem Verwaltungsgebäude in Daym- stadt, Wilhelminenftraße 34, eine Krkegsausstmftsstelle für Arbeiter- und Angestelltenversicherung eingerichtet und ist bereit, allen im Großherzogtum Heffen wohnenden Kriegsteilnehmern, sowie deren Angehörigen und Hin­terbliebenen kostenlos mündlich und schrift - l i ch Auskunft in Angelegenheiten der Arbeitev-(Kran - ken-, Unfall-, Invaliden- und Hinterdliebenen-Verfichcr- ung) und Angestelltenversicherung zu erteilen. Wir geben hiermit der Oeffentlichkeit von dieser Einrichtung Kenntnis und empfehlen den Interessenten ihre Benutz­ung. Schriftliche Anfragen wolle man an den Vorstand der Landesversicherungsanstalt Großh. Heffen in Darm- stadt, Wilhelminenftraße 34, lichten.

* Hilfe und R a t für evangelische

Ausländsdeutsche in Kriegszeiten. Der Evangelische Hauptvercin für deutsche Ansiedler u. Aus­wanderer in Witzenhaufen ist sofort nach der Mobil - machung in Kriegszustand versetzt worden. An Stelle der sonst vorwiegenden Auswandererberatung ist jetzt seine Vermittlung für verschollene Ausländsdeutsche und die Briefvermittelung ins Ausland in den Vordergrund getreten. Mit Hilse zahlreicher Vertrauensmänner in den neutralen Ländern hilft er allen denen, die über den Verbleib ihrer Angehörigen im Auslände im Ungewissen sind. Wer seine Angehörigen zu erreichen wünscht, möge sich vertrauensvoll an die Geschäftsstelle des Vereins in Witzenhaufen wenden. Di« unsicheren Postverhältniffe wegen empfiehlt es sich, gleichzeitig ver­schiedene Briese auf verschiedenen Wegen durch den Ver­ein senden zu lassen. Die Briefe müssen offen und in deutscher Sprache abgesaßt sein. Sie dürfen nichts ent­halten, was irgendwie mißdeutet werden kann, oder auf militärische Angelegenheiten Bezug nimmt. N.-B.

* DerVorstand des Landesverbandes der Haus­

besitzervereine im Großherzogtum Heffen hielt am 19. November in Offenbach eine Sitzung ab, wobei Mainz als Vorort vertreten war. Die Tagesord­nung erstreckte sich auf das Thema:Mietverhältnisse u. Hypothekennotlage während des Kriegszustandes". Es fand eine mehrstündige eingehende Besprechung statt und wurden die einzelnen Verbandsvorstände informiert, wie sie sich bei Schwierigkeiten in Mietverhüllnissen ver­halten sollen, um eine einheitliche und für beide Teile zufriedenstellende praktische Behandlung solcher Vor­kommnisse zu betätigen, um sie «intretenden Falles ver­mittelnd zum kostenfreien Austrage zu bringen. In die­sem Sinne wird nun in den einzelnen Städten von den Geschäftsstellen der Verein« verfahren werde lmb ist bei deren sorglicher Leitung bestimmt zu erwarten, daß die weitaus größte Anzahl solcher Differenzen auf diese Weise beseitigt wird, wie das der äußerst starke Verkehr auf der Geschäftsstelle des Mainzer Verbandes beweist, auf der tagtäglich eine erhebliche Anzahl solcher Diffe­renzen zum gütlichen, außergerichtlichen Austrage kom­men.

* Die Schuhpreise steigen? Infolge des Krieges und des damit einqetretenen äußerst grvßen Be­darfs an Leder für Militärzwecke aller Art und der durch den Krieg gänzlich unterbundenen Zufuhr aller Sorten Leder und Rohhäute aus anderen Ländern, auf. die der große deutsche Verbrauch angewiesen fit, ist eine außergewöhnliche Knappheit an Leder eingetreten, die zur Preissteigerung geführt hat, wie der Lederhan­del sie niemals 'gekannt hat. Verschiedene Ledersorten sind jetzt um 25, 50, ja sogar schon um 150 Prozent gegen die früheren Preise gestiegen. In Fachkreisen rech­net man damit, daß Schuhwaren in kurzer Zeit je nach ihrer Art 3 bis 5 Mark das Paar mehr kosten als bisher.

o B a d - N a u h e i m. Bis zum 31. Oktober be­suchten unseren Badeort 26 982 Kurgäste; die Bäder - abgabe erreichte 344 491.

! M a i n z. Da die Zufuhr von Kartoffeln auf dem Wochenmarkte in der, letzten Zeit so gering war, daß viele Kaüfliebhaber keine Kartoffeln bekommen konn­ten, wird die Stadtverwaltung Mainz auf dem Wo- chenmarkt Kartoffeln im Kleinverkauf abgeben.

Weihnachten im Feld.

Von der Obersten Heeresleitung wird

folgendes bekanntgegeben: Es darf angenommen wer­den, daß das W e i h n a ch t s f e st in Millionen von deutschen Herzen den Wunsch rege machen wird, den Verteidigern von Haus und Herd Zeichen der Liebe und Dankoarkeit zukommen lassen, daß sie auffrem- der Erde kämpfen, daß sie fern sind von ihren Lieben in der Heimat. Der Wunsch, die einem treuen Gedenken entsprungenen Liebesgaben bestimmten Personen zuzü- ühren, bestimmte Truppenteile oder Hceresverbände be­sonders zu bedenken, ist uM die Weihnachtszeit so be­greiflich. daß zu seiner Verwirklichung alles geschehen